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Autor: Andreas

Ph. Melanchthon und Joh. Brentz an den Landgrafen Philipp von Hessen.

Ph. Melanchthon und Joh. Brentz an den Landgrafen Philipp von Hessen.

Durchlauchtiger rc. Der Brüderschaft halben, mag sein, daß man Christen, so irren, und doch den Irrthum nicht vertheidigen, als Brüder dulden solle, wie Christus selbst seine Jünger geduldet hat. Aber diejenigen, so ungegründete Lehre vorgeben und vertheidigen, kann man nicht für Brüder halten; denn man soll ja nicht willigen in unrechte Lehre. So hat auch Paulus die Galater angenommen, daneben aber von denjenigen, so unrechte Lehre vorgaben, gesprochen: ich wollte, daß die, so euch beschneiden, weggeschnitten würden.

Denn wie können wir doch Brüderschaft mit unserm Widerpart machen, und also willigen, daß sie ihre Lehre vertheidigen für recht und gewiß, so doch unser Gewissen anders fühlet und hält? Es ist doch noth, daß man gewiß sei, was man hält und lehrt. Wahrlich, wenn das Herz ungewiß ist, und soll also ungewiß etwas vorgeben, so ist’s übel verwahrt wider Gottes Gericht; wie Paulus spricht: was nicht aus dem Glauben geschiehet, ist Sünde; und bedarf guter Erfahrung, wie der Glaube gewiß sein muß, so er vor Gottes Gericht bestehen soll.

Wie kann man vermeinen, es liege nicht groß daran, was man lehre, es sei genug vor Gott fromlich und ehrbarlich leben! Also wären viel Philosophen auch christlich gewesen. So ist auch die Lehre nicht zu richten nach dem Schein eines bürgerlichen Lebens, sondern nach Gottes Wort…. Immerhin sind wir schuldig, zu bekennen, was wir glauben, sowie wir auch schuldig sind, andern nicht zu wehren, die Lehre, so wir nicht gewißlich für recht halten, zu verbieten. Zudem ist auch noth, daß wir bedenken, daß wir nicht andre gute und gewisse Lehre mit dieser ungewissen Subtilität stopfen, wie bereit zum Theil geschiehet. Verfolgen doch die Zwinglischen ohne ein Concilium die Papisten und Wiedertäufer; warum soll den Andern unrecht sein, ihre ungegründete Lehre zu verbieten außerhalb des Concilii? sonderlich so dadurch rechte, gewisse Lehre gefördert und Friede erhalten wird.

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’s Verlag.) 1862

Spalatin, Georg – An Conrad Gerhard

Spalatin, Georg – An Conrad Gerhard

Möge Dir Gott die Gnade schenken, Dein Herz zu erkennen, das, wie Jeremias sagt, unerforschlich ist, damit Du einsehest, was wir aus uns sind, und so wahrhaft begehren könnest, daß man, wie Du schreibst, für Dich bete. Dann wirst Du nicht die Räthsel der Schrift sammeln und nicht die Ceremonien durch Stellen, wie jene: Die Kirche ist eine Säule und Grundfeste der Wahrheit, bestätigen wollen. Denn Gewissen, die wahrhaft bekümmert sind, suchen das gewisse Gottes Wort zu ihrer Befestigung, werfen nicht die deutlichen Stellen weg, um dunkle hervorzusuchen. Was willst Du in der Versuchung, was im Tode dem Satan antworten, wenn Du schon ohne Versuchung an dem zweifelst, worauf wir uns vor Gott stützen müssen? Du verstehst unter der allgemeinen Kirche blos die römische, die doch durch so viele schädliche Secten zerrissen ist, die darin nur mit den Ihrigen übereinstimmt, daß sie den Lehren der Teufel folgt, an der Ehe hindert, Enthaltung von Speisen fordert und andere Kirchen für ketzerisch hält wegen der Communion unter beiden Gestalten. Wahrlich, eine vortreffliche katholische Kirche, der wir billig mehr folgen als Christo selbst. Du glaubst, die Kirche sei die Säule der Wahrheit, als ob sie die Wahrheit stütze, und vergissest, was Du kurz zuvor sagtest: Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wenn also Christus die Wahrheit ist und die Kirche die Wahrheit stützt, folgt da nicht nothwendig, daß Christus von der Kirche, und nicht die Kirche von Christus bewahrt werde?

Darum bitte ich Dich, laß Dein Vertrauen auf die Ceremonien aus Furcht zu sündigen, und gedenke, daß Du nicht ein Kirchler, sondern ein Christ heißest; Christus ist ja von Gott gemacht zur Weisheit.

Giger, Gabriel – Brief an die Wiedertäuffer in Zollikon

Giger, Gabriel – Brief an die Wiedertäuffer in Zollikon

Fried und Gnad sey mit euch von Gott dem Vater und unserem HErren JEsu Christo, der sich vor unsere Sünden gegeben hat, damit er uns errettete von dieser gegenwärtigen argen Welt nach dem Willen Gottes unseres Vaters, welchem seye Preiß von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Meine liebe Brüder! lasset es euch nicht unbillich vorkommen, daß wir so lange nicht schreiben, dann es geht keine Wochen vor, wir müssen vor die Wölfe. Aber wir lassen euch wissen, lieben Brüder! daß Gott in dem einfältigen Volke wunderlich würke. Ich glauben, es seyen zu St. Gallen gar viele in der christlichen Tauffe getauft, deßgleichen in dem Appenzellerlande und in des Abts Gerichten. Nichts mehr, dann bittet Gott vor uns, daß er euch und uns unsere Sünden nicht wolle zurechnen und seine Gnade nicht entzeuhe, Amen. Grüsset mir Uli Merger, Heinrich Gigli, Georg Schad, Rutsch Hottinger, Jacob Hottinger und alle Schwestern und Brüder zu Zollikon. Es sind wohl fünfhundert Menschen in der christlichen Tauffe getauft in der Stadt und auf dem Lande.

Beyträge Zur Erläuterung der Kirchen- Reformations-Geschichten des Schweitzerlandes; Herausgegeben von Johann Conrad Füßlin. Dritter Theil. Zürich, bey Conrad Orell und Comp. 1747.

Lambert, Franziskus – An den Bischof von Lausanne

Lambert, Franziskus – An den Bischof von Lausanne

Auch kann ich Ew. Herrlichkeit nicht mit Wahrheit einen Bischof nennen, wenn ich Sie nicht beschimpfen und gegen mein Gewissen handeln will. Für einen Fürsten kann ich Ew. Herrlichkeit halten, aber nicht für einen Bischof, dieweil Sie das Evangelium nicht verküngit. Es ist ein Schimpf für einen Fürsten, wenn man ihn einen Bischof nennt, denn was heißt das Anderes als: hier ist ein christlicher Prediger, der beständig das Wort treibt, der vollkommne Kenntniß der heiligen Schrift besitze, der demüthig, gastfreundlich ist, und der für seine Person in Beobachtung der Gebote des Evangeliums das Beispiel gibt, nicht Anderes kennt als das Lesen und Erklären der heiligen Schrift. Wenn nun aber von dem Allen keine Spur vorhanden ist? Es mag Ew. Herrlichkeit einen Bischof nennen, wer da will, ich nicht. Dafür möge Sie sogren, daß Sie wahrhaftige Bischöfe unter sich habe. Denn eine jede einzelne Pfarrei soll einen Bischof haben, welcher, wenn er vom Volke gewählt und von der Gemeinde irgend eines Ortes bestätigt worden, weder Briefe noch Siegel bedarf, und so lange für einen Bischof zu halten ist, als er das reine Evangelium vom Reiche Gottes verkündigt. Weicht er davon ab, so kann ihn die Gemeinde, welche ihn gewählt, entsetzen und einen andern suchen.

Befindet sich wohl ein Einziger unter denen, die wissen, was Christi Lehre ist, und der dennoch spräche: ich gehöre Luthern an? Luther ist ein Mensch, aber wenn das was Luther oder ein Anderer sagt, göttliche Wahrheit ist, wie sollten wir nicht dem beifallen, was der heilige Geist, durch Luthernuns geoffenbaret hat? Weder Luther noch seine Schriften haben mich gelehrt, was ich in der heiligen Schrift erkannt, wiewohl ich Luthern erkenne und bekenne, daß ich in seinem Umgang nicht wenig gelernt habe. Ich bin gewiß, daß er ein Apostel, ein Engel Gottes ist, das heißt: von Gott gesandt. Denn es wäre unmöglich, daß er solche Schriften, voll göttlicher Wahrheit, hätte verfassen können, wenn er nicht von Gott dazu gesandt wäre. Und so wie das was Paulus schrieb nicht verdammlich ist, deßwegen weil Paulus ein Mensch war, eben so wenig ist das, was Luther geschrieben verdammlich, weil Luther ein Mensch ist.

Verweigerst Du aber deinem Volke das Wort Gottes, so soll es Dir nicht gehorsamen; denn wenn sie Christi Schaafe sind, so wollen sie auch auf Christi Weide gehen. Es können daher alle gläubige Völker sagen, ja sie sollen sich dazu verbinden und sprechen: Wir wollen das Wort unseres Gottes hören, wir wollen nichts wissen weder von den Decreten und Satzungen des Papstes, noch von den Zänkereien der Sophisten! Verweigern dieß Fürsten und Obrigkeit, die doch selber für christgläubig gehalten sein wollen, so können sich die Völker geradezu ihrer Oberherrlichkeit entziehen. Denn die Völker sind gehalten in allen Stücken dem Fürsten oder sonstiger Obrigkeit sich zu fügen, ausgenommen in dem, was gegen Gottes Wort ist, und darin, daß sie Gottes Wort nicht hören sollen.

Siehe wohl zu, daß Du nicht von irgend Jemand Dich allzu leicht verleiten lassest, denn mit deiner Seele mußt Du bezahlen die Seele jenes Mannes1), welcher einen nothwendigen, und wie ich in der Schrift von der Ehe an Franz I. hinlänglich bewiesen habe, einen frommen Schritt gethan hat. Denn auch ich bin ehelich geworden, die Synagoge Satans mag nun toben wie sie will. Gott befiehlt die ehe allen denen, die im Geiste nicht keusch bleiben können, der Papst verbietet sie und macht eitel Heuchler. Wem soll man gehorchen? Gott hat keinen Unterschied gemacht zwischen Geistlichen und Laien, der Befehl ist allgemein, und geht jeglichen Stand an, und wenn Ew. fürstliche Hoheit der Frömmigkeit Gehör geben will, so wird Ew. fürstliche Hoheit selbst ehelich werden und durch Ihr Beispiel die Gräuel zerstören helfen, welche durch die Ehelosigkeit entstanden sind.

Quelle:
Franciscus Lambert von Avignon Von F.W. Hassencamp, theol. Dr. Elberfeld. Verlag von R. L. Friderichs. 1860

Knox, John – An die Brüder in Schottland

Knox, John – An die Brüder in Schottland

Joh. Knox, der gebundene Knecht Jesu Christi, seinen geliebtesten Brüdern von der Gemeinde im Schlosse zu St. Andrews und allen Bekennern des wahren Evangeliums Christi Gnade, Erbarmen und Friede von Gott dem Vater mit dem beständigen Troste des h. Geistes.

Die Absichten Satans gingen bei unserer Verfolgung sichtbar dahin, einmal zu verhindern, daß der heilsame Wind des Evangeliums nicht mehr in den Gegenden, wo wir wohnten und lebten, wehen sollte, und dann uns selbst durch körperliche Leiden und weltliche Anfechtungen so tief niederzudrücken, daß es uns unmöglich werden sollte, weitere Fortschritte in der Erkenntniß der Wahrheit durch geistliche Studien zu machen. Aber durch die große Gnade und unendliche Güte Gottes unsres Vaters sollen alle diese seine Anschläge vereitelt und zunichte werden; denn ihm und seinen verworfenen Gliedern zum Trotz soll doch das Evangelium (o Herr, ich sage dieß im Vertrauen auf deine heilige Verheißung) in jenen Gegenden noch öffentlich verkündigt werden, und wie unser gnädiger Vater mitten unter diesen wilden Stürmen und gegen aller Menschen Erwartung dennoch einige ruhige Augenblicke uns verlieh, mag dieß Werk bezeugen, das wir, da ich zu Rouen in der Galeere, Notre Dome genannt, in Eisen lag, durch einen Bruder, Heinrich Balnaves von Hallhill zugesandt wurde. Dieß Werk habe ich zu meiner großen Stärkung und Beruhigung gelesen, und nun mit Anmerkungen begleitet, nicht sowohl, um es zu erläutern, als um auch mein Bekenntniß über die Lehre von der Rechtfertigung mit dem Bekenntniß meines theuren, treuen Bruders zu vereinigen. Und nun bitte ich Euch, geliebte Brüder, genau nachzusehen, ob wir jetzt irgend etwas abläugnen, oder auch nur verbergen, was wir sonst zu irgend einer Zeit über diesen hohen Artikel bekannt haben. Wir sind jetzt nicht mehr durch die Mauern von St. Andrews gesichert, und können nun unsere Feinde beschämen, die uns zuweilen vorwarfen: wenn wir nicht hinter unsern Wällen wären, so würden wir nicht so kühnlich sprechen. Gelobt sei der Herr, dessen unendliche Güte und Weisheit die Veranlassung zu dieser Verläumdung von uns genommen, und zugleich in Ansehung unserer gezeigt hat, daß die alte Schlange nur noch die Macht besitzt, in die Fersen zu stechen, das heißt, das Fleisch zu kränken und anzutasten, aber nicht den Geist von seiner standhaften Anhänglichkeit an Jesum Christum und von dem öffentlichen Bekenntniß seines Worts abzubringen. Ja, gepriesen seist Du, ewiger Vater, der du uns allein durch deine Gnade bis auf diesen Tag erhalten, und es eingeleitet hast, daß das Bekenntniß unseres Glaubens, das wir immer vor allen Menschen ablegen zu können wünschten, jetzt durch diese Schrift auch weiter in der Welt herumkommen kann. Fahre fort, o Herr, und verleihe, daß, so wie es jetzt durch Feder und Tinte von uns abgelegt worden, es bald auch mit Mund und Zunge in Deiner Gemeinde von uns abgelegt werden kann.

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’S Verlag.) 1862

Hardenberg, Albert Rizäus – Brief an Johannes Schlongrabe

Hardenberg, Albert Rizäus – Brief an Johannes Schlongrabe

Was Erasti Schreiben belangt, davon betheure ich zum höchsten, daß mir Philippus solches auch gesagt habe gleicher Weise, als D. Erastus (in seinem Briefe an den Bürgermeister Daniel) schreibet, und sind meines Behaltens auch die Worte selber in Erasti Schreiben erzählet. So werdet Ihr Euch wissen zu erinnern, was Herr Philippus Euch geantwortet, da Ihr ihn davon gefragt habt. Ich habe noch Euern Brief bei mir, welchen Ihr damals aus Wittenberg an mich geschrieben; darinnen finde ich noch diese Worte: „Was Doctor Albertus Euch gesagt hat, das ist wahr. Ich werde es, ob Gott will, nimmermehr verneinen, und wo nicht eher, gedenke ich doch in meinem Testament einstmals Zeugniß davon zu geben.“ Darauf Ihr zu Philippo: Es hätte Lutherus bei seinem Leben der nachkommenden Kirche viel hiermit dienen können. Philippus aber (habe) Euch geantwortet: „Ja, er hätte es wohl thun können, aber er hat seine Ursachen gehabt, warum ers nicht thun wollen.“ Dies stehet in gedachtem Euern Brief, und bitte ich Euch, Ihr wollet an D. Erastum selbst schreiben und der Wahrheit nach Euerm Vermögen Zeugniß geben. Weil mein Name verhaßt ist, will ich jetzt nicht schreiben. Ihr wisset aber, wie ich Euch dieses allezeit zum höchsten betheuert habe, daß es also und nicht anders sei.“

(Erasti: Thomas Erastus, Leibarzt des Churfürsten Friedrich III. von der Pfalz, der in dessen Auftrag an den Bremer Bürgermeister geschrieben hatte, um genaueres über das Zeugnis Hardenbergs zu erfahren)

Quelle:
Die letzte Unterredung Luther’s mit Melanchthon
über den Abendmahlsstreit
Th. Diestelmann
Göttingen,
Vandenhoeck und Ruprecht’s Verlag.
1874

Zwingli, Huldrych – An Balthasar Stapfer, Landschreiber zu Schweitz

Zwingli, Huldrych – An Balthasar Stapfer, Landschreiber zu Schweitz

Lieber, Geehrter, Getreuer! Ich freute mich sehr über Eure in Eurem Schreiben ausgesprochene Gesinnung. Bleibet bei derselben! denn dieß ist der einige Weg zur Seligkeit. Daß Ihr mir aber solchen Dank wegen der Euch einst erwiesenen unbedeutenden Wohlthaten sagtet, war nicht nöthig; doch verräth es ein gutes Gemüth. Denn nichts ist schändlicher als ein undankbares Herz. Das aber, wessen ich von boshaften Menschen beschuldigt werde, würde ich nicht zum Mindesten beachten, wenn es nicht zum Nachtheil des göttlichen Worts vorgebracht und verbreitet würde. Denn das habe ich nun durch Gottes Gnade gelernt, daß die Lügen, welche mich allein berühren, mich nicht kümmern, und ich sie jederzeit zu übersehen pflegte. Wenn man sie aber so häuft, nur die Wahrheit zu unterdrücken, so schütze ich mit Einer Arbeit meinen Ruf und den Glauben oder die Achtung des göttlichen Worts. Weil Ihr aber so ängstlich Abwehrung der Anklagen begehrt, die nur deßhalb wider mich vorgebracht werden, damit das untrügliche Wort Gottes nicht Statt noch Glauben finde, so vernehmet erstlich, daß ich nie irgend aus einem Hasse gestritten, geschweige das heilsame Gotteswort gepredigt habe. Mein ganzes Leben bezeugt mir dieß. Denn bei meinen Herren in Glarus erging ich mich so friedlich und freundlich, daß nie ein Zwist obwaltete, und zog von ihnen mit einer solchen Gunst fort, daß sie mir die Pfründe noch 2 Jahre ließen in der Hoffnung, ich werde wieder zu ihnen kommen, was auch geschehen wäre, wenn ich nicht nach Zürch gekommen wäre; und bei meinem Abzug schenkten sie mir 20 fl. wegen der Kosten, die ich der Pfründe halber erlitt, welche mich weit über 100 fl. gekostet hatte. Zu Einsiedel aber stehe ich noch jetzt in Gunst und Liebe bei dem Herrn und dem Volk. Was Alles beweist, daß ich kein schädlicher Mensch bin: denn schädliche Menschen hadern, rechten, streiten, dergleichen ich nichts that. Wo Haß ist, da besteht keine Sorge für Andere. Wenn ich nun dem wankenden Regiment und gemeinen Besten der Eidgenossenschaft zu Hülfe zu kommen suche, so zeigt sich hierin wahrlich nicht Haß, sondern die Liebe, welche ich, ich rufe Gott zum Zeugen an, von Kindheit an jederzeit so groß und stark gegen die ehrsame Eidgenossenschaft hegte, daß ich mich als Jüngling desto fleißiger in jeder Kunst und Wissenschaft übte zu dem Zweck rc. (Hier ist der Brief abgebrochen.)

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’s Verlag.) 1862

Jakobus, Leo (Oeconomus Capellae) – An Zwingli.

Jakobus, Leo (Oeconomus Capellae) – An Zwingli.

Gnade und Friede von Gott. Ehrwürdiger, geliebter Herr und Bruder. Gott will alle die erhören, welche ihn von Herzen anrufen. Er hats auch an uns bezeugt. Wisset, geliebter Meister, daß es wohl und glücklich gegangen, und wir mit dem Abt sämmtlich einig wurden, das heilige Gotteswort anzunehmen und bei ihm zu sterben, sowie, daß in dieser Nacht noch die Bilder und aller Bilderdienst abgeschafft werden solle. Darum, lieber Herr und Bruder thut uns auch fernerhin so mit Rath und That wohl, und sendet uns alsbald einen geschickten Mann, der da lese und verkünde das Wort Gottes. Wir aber werden nach der Gnade, die Gott gibt, fleißig unsere Schuldigkeit thun, und den gebührenden Dank erstatten. Der Rathsbote kann euch den ganzen Hergang berichten. Gott sei Lob in Ewigkeit: Gott sei mit Euch. Am Montag nach Assumtionis.

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’s Verlag.) 1862

Blaurer, Ambrosius – Brief an seine Base Barbara Blaurer

Blaurer, Ambrosius – Brief an seine Base Barbara Blaurer

Mein sonder lieb Bäslein.

Dein Geschrift hab ich mit christlichem brüderlichen Mitleiden gelesen, bitt Gott von ganzen Begierden meines Herzens, wölle dich nach der Fülle seiner Gnad und Barmherzigkeit seines Trosts wiederum empfinden lassen und dichs sehen lassen, wie ers so inniglich herzlich und väterlich gegen dir meint, der festen getrosten Hoffnung, er werde das ängstig Mordgeschrei deines Gemüths, auch mein und ander frommer Leut Bitt bald erhören. Harr, wart, leid dich, halt still, gewiß sollst du erfahren die Wunder Gottes, wie seine Hand nicht allein mächtig ist in die Höll zu stoßen, sondern auch wieder herauszuziehen wider und über dein und aller Menschen Vermuthen. Nicht möglich ists, daß der treu mild gnädig Gott und Vater in die Harr sich verbergen werde dem Herzen, das nach ihm und seinem trostreichen Angesicht als schmerzlich sehnet und Durst hat. Den Durst, so er selbst in dir nach seinem Wohlgefallen angezündet, wird er selbst mit ihm selbst wiederum löschen.

O mein geliebtes Bäslein! Es sind eitel gulden Anfechtungen, die uns mit der Zeit süß lieblich Frucht, d.i. Erkenntniß unser selbst und Gottes Gnaden bringen werden. Selig sind alle die, so Gott der Herr also heimsucht. Er nennet selig hie in Zeit, selig, so euch die Menschen hassen und fluchen und alles Uebel wider euch reden werden, spricht unser Herr; noch viel seliger, so uns nicht allein andere Menschen, sondern auch unser eigen Blut und Fleisch sammt all unserem Vermögen uns verfolget, will uns nichts Guts an unserem Gott empfinden lassen. Denn gleichwie in anderem äußerlichen Verfolgen nach Blut und Fleisch warlich keine Süßigkeit, sondern Angst und Noth ist dermaßen, daß der ganze Mensch oft darob erbebt und nicht weiß, wo er daran ist: also noch viel mehr, so wir unserem eigenen Hausfeind zu Theil werden, daß er sich nicht sehen lassen kann, muß groß Jammer und Noth sein, noch dennoch ist der Herr der treu gütig Gott an der Hand, sieht dem Kampf zu, läßt uns hart umgetrieben und auch zerzauset werden und aber nicht gar darniederliegen, wie heftig wir auch angefochten sind. Darum ist die Seligkeit auch außerhalb des Empfindens; es vomet auch das Wort Gottes bewahrt und behalten außerhalb des Trosts und Süßigkeit hie in Zeit, daß gleichwohl wahr bleibt: Selig sind die, so das Wort Gottes hören und behalten; ja viel sicherer und baß wird es behalten in der Schwachheit Bluts und Fleischs, und so wir des großen Sturms daneben inne werden, denn so es uns ohne die Säure wohl ausging und süß wäre. Es gilt hie nicht des süßen, sondern des sauren Senfs; das Fleisch muß mit Feuer, d.i. mit der Trübseligkeit gesalzen werden, sonst erstinkt es in der Fülle und wird zunichte. Dort sollen wir erst verklärt und in ein neu Herz und Haut gestoßen werden; mittlerzeit müssen wir uns drucken und schmiegen und berrügen lassen, daß uns Gott also reit mit den Sporen seiner Züchtigung, daß wir nicht fallen in die Stricke dieser Welt und nicht mithafften sind der Gottlosen, so dem Herrn entgegen sind und wandeln nach ihren Gelüsten.

Mein Bäslein hab Geduld.

Das Empfinden der Armuth des Gemüths und Herzens, ja der Armuth Gottes, als du schreibst, ist warlich groß Reichthum vor ihm, der auch seinen geliebten Sohn ein wenig hat mangeln lassen an Gott, aber nachmals wiederum mit Ehren und Schmuck gekrönet. Wer Trost hat nach dem Fleisch in allen Creaturen und Gottes mangelt, ist zu viel arm, ob er seine Armuth gleich nicht empfindet und sich reich bedünkt. Der nicht Freud, Trost und Ergötzlichkeit hat in den Creaturen und Gott allein hat, der ist über all König und Kaiser reich und herrlich, ob er gleich seines Reichthums d.i. Gottes auch nicht empfindet. Hab ich einen verborgenen Schatz im Haus, der mir aber mit der Zeit werden soll, so bin ich reich in der Wahrheit, wiewohl ichs jetzumb nicht weiß noch empfind; also ist allen angefochtenen Kindern Gottes. Die haben den verborgenen Schatz der Gnaden und Reichthum Gottes bei ihnen; er will ihnen wohl, derhalben sie reich sind, wiewohl sie es dieser Zeit nicht merken noch verstehen in der Notz. Darum sei unerschrocken in der Hartseligkeit; Geduld ist uns Noth, sagt Paulus, wirf die Hoffnung nicht ab dir; den Tag Christi wirst du gewißlich sehen und mit Freueden erleben. Deß halt dich steif.

Quelle:
Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformirten Kirche. Herausgegeben von Dr. J.W. Baum, Professor in Straßburg, R. Christoffel, Pfarrer in Wintersingen, Dr. K.R. Hagenbach, Professor in Basel, Dr. H. Heppe, Professor in Marburg, K. Pestalozzi, Pfarrer in Zürich, Dr. C. Schmidt, Professor in Straßburg, Lic. E. Stähelin, Pfarrer in Basel, Lic. K. Sudhoff, Pfarrer in Frankfurt a.M., u. A. Eingeleitet vpm Dr. K. R. Hagenbach. IX. (Supplement=)Theil: J. a Lasco, L. Judä, F. Lambert, W. Farel und P. Viret, J. Vadian, B. Haller, A. Blaurer Elberfeld Verlag von R. L. Friderichs 1861

Beza, Theodor von – An Johannes Jakobus Grynaeus, 24. Juni 1595

Beza, Theodor von – An Johannes Jakobus Grynaeus, 24. Juni 1595

Heute, am Tag Johannes des Täufers, an meinem 77. Geburtstag, kündigte mir meine alte Magd gleich bei meinem Erwachen an, daß sich in unserm Hühnerhof Seltsames zugetragen habe. Eine Henne, die ich für verloren gehalten, weil sie uns vor einem Monat, am Tag, da ich sie kaufte, sofort verlassen hatte, sei diesen Morgen plötzlich wieder im Hühnerhof erschienen – begleitet von fünfzehn stattlichen Küchlein! Aus dieser schlichten Geschichte meines Alltagslebens siehst du, lieber Grynaeus, daß ich ohne Umstände mit dir als meinem Freund rede. Ich habe sofort dem Geber alles Guten meinen Dank ausgerichtet, daß er auf solch liebevolle Art meinen irdischen Besitz gemehrt hat. Halte mich nicht für abergläubisch, mein Freund, aber ich habe mich dabei des Gedankens nicht erwehren können, daß dieses Hühnervolk ein Angeld sei auf weiteren Segen meines himmlischen Herrn. Darauf habe ich flugs ein Verslein gedichtet; ich sende es dir, um dir Kunde von meinen geistigen Erholungen zu geben. Das Verslein lautet: Die Henne, die ich auf dem Markt für zehn Schillinge gekauft hatte, beschert mir nach einem Monat fünfzehn kleine Hühner! Aber ich, du freundlicher Herr Jesu, welche Früchte habe ich während 77 langen Jahren für dich hervorgebracht? Welchen Ertrag hätte das Feld nicht bieten sollen, das du so teuer bezahlt hast, das du so lange und so treu bearbeitet hast? Ach, wie wenig Ehre erweist doch meine Seele ihrem himmlischen Herrn, und wie oft verleugnet sie ihren göttlichen Ursprung! Vergib mir, o Herr, und erhöre mich, wenn ich tiefgebeugt dich bitte: Du hast einst dein Volk versammeln wollen, wie eine Henne die Küchlein unter ihre Flügel versammelt; handle so auch an mir; gib es, daß ich immer dein Küchlein bleibe! – Dein Freund

Th. von Beza

Quelle:
Der Gärtner Wochenschrift Freier evangelischer Gemeinden Deutschlands Witten, 1922 Verlag: Bundes-Verlag, Witten