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Schlagwort: Coligny Gaspard de

Calvin, Jean – An Coligny in Chatillon.

Calvin, Jean – An Coligny in Chatillon.

Nr. 741 (C. R. – 4001)

Vgl. 736. Poltrot, der Mörder des Herzogs de Guise, hatte seine Behauptung der Mitschuld Colignys und der andern Führer zurückgenommen; der erwähnte Graf ist Odet de Chatillon, Graf de Beauvais, der jüngste Bruder Colignys (vgl. 664, 716). Er hatte schon 1561 bei seinem Übertritt zur reformierten Kirche auf seine Kardinalswürde verzichtet; als er aber 1563 nochmals feierlich abgesetzt und vor die Inquisition geladen wurde, legte er dem Papst zum Trotz die rote Kardinalstracht wieder an, nahm in ihr an Staatszeremonien teil und zog sie sogar später bei seiner Hochzeit an; auf das Ärgernis, das er damit gab, spielt Calvin in dem Satz von der roten Mütze an.

Über die Verteidigungsschrift; Kardinal de Chatillon.

Monseigneur, als wir Ihren Brief durch Herrn de Verace erhielten, merkten wir unsern Irrtum in Bezug auf den Druck Ihrer Verantwortung. Aber wir können uns leicht entschuldigen. Denn obwohl wir gehört hatten, die Abschrift, die Sie uns gesandt, könne bereits veröffentlicht werden, ließen wir es, da eine Verschiedenheit der Drucke sich doch schlecht ausgenommen hätte, trotz der recht späten Mitteilung anstehen bis zu Ihrem nächsten Brief, in dem Sie uns deswegen keine Schwierigkeit machten. So dachten wir nun, Ihre Meinung sei, wir könnten nun weitergehen, wie wir es auch taten. Nun, seit Herr de Verace gekommen ist, konnten wir nichts Besseres tun, als die Übersetzung besagter Verantwortung ins Lateinische und Deutsche anzuordnen und zu beschleunigen. Den französischen Abdruck der Kopie, die er uns brachte, wollten wir lieber noch hinausschieben bis zur Rückkehr unseres Boten. Nun werden wir nicht säumen, ihn zu beschleunigen, damit Sie sobald wie möglich zufrieden gestellt werden. Schlimm ists nur, dass bereits ein Teil des ersten Druckes verkauft ist; den Rest werden wir zurückbehalten.

Es tut uns recht leid, dass die Reise des Herrn Grafen sich verzögert hat, denn es wäre wünschenswert gewesen, dass er so schnell wie möglich an den Hof gekommen wäre. Doch wir sehen wohl, dass er guten Grund hatte, so zu handeln, sowohl um sich nicht in Gefahr zu begeben, als auch um die verborgene Stimmung am Hof zu prüfen. Fällt die Antwort aus, wie wir wünschen, so dient es sehr zu seiner und Ihrer Sicherheit und gibt Ihnen Anlass, einen bestimmten Entschluss zu fassen.

Was die rote Mütze betrifft, so wissen wir, dass die Sache nicht so wichtig ist, wie viele meinen; aber Sie wissen, Monsieur, es ist nicht unsere Sache, [Ihren Bruder] ganz freizusprechen oder gar seine Sache zu verteidigen; denn unsererseits könnten wir ihn nicht mit gutem Gewissen davon freisprechen, dass doch eine gewisse Schwachheit darin liegt. Es wird, scheints uns, genug sein, den Eifer derer, die sich zu sehr darüber ärgern, zu mäßigen, und die, die aufbegehren wollen, zur Ruhe zu weisen. So billigen wir zwar sein Tun nicht, aber wir finden, man könne es hingehen lassen und ihn deswegen doch achten, wie er es verdient. Was Sie betrifft, Monsieur, so danken wir Gott für Ihren Entschluss, sich auf den Weg zu machen, sobald der Herr Graf nach seiner Ankunft bei Hofe meldet, dass es dort nicht gar zu schlimm steht. Denn man hat während Ihrer Abwesenheit gemerkt, wie nützlich es gewesen wäre, wenn Sie stets dort geblieben wären, und es scheint sogar alles sich verschlimmern zu wollen, wenn Gott nicht bald dazu sieht, was er hoffentlich durch Sie tun wird. Da wir überzeugt sind, dass er Sie dazu aufbehalten hat, so bitten wir Sie, Monsieur, so sehr wir können, nicht die kleinste Gelegenheit dazu zu unterlassen; denn Ihr Anblick wird Ihre Feinde überraschen, wie die Sache auch stehe. In Bezug auf das Bündnis wollen wir Ihnen später einmal schreiben; denn zur Stunde könnten Sie ja auch nichts dafür unternehmen.

Indem wir uns Ihrer Gewogenheit ergebenst empfehlen, bitten wir den Vater im Himmel, er wolle Sie behüten, Sie stärken durch seine Kraft und Sie wachsen lassen in allem Glücklichen.

Genf, 5. August 1563.
Ihre ergebenen Diener
Johannes Calvin.
Theodor Beza.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Paris.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Paris.

Nr. 668 (C. R. – 3436)

 

Mit dem, der der erste sein sollte, meint Calvin den König von Navarra; der „verrückte Narr“ ist vielleicht dessen Vetter, Herzog Louis de Bourbon-Montpensier, oder Herzog Jacques de Nemours. Unerkennbar ist, wen Calvin mit dem jungen Soldaten meint.

Im Reformationswerk brauchts Geduld.

Monseigneur, so wünschenswert es wäre, dass das Reich Gottes in Frankreich größere Fortschritte machte und das Evangelium friedlicher seinen Weg fände, so dürfen wir es doch nicht sonderbar finden, wenn der, der alles nach seinem wunderbaren Rate führt, die Geduld der Seinen prüfen will und deshalb ihre Kampfzeit verlängert, wenn nur dann alle die, die auf der guten Seite stehen, sich recht ins Geschirr legen und standhaft und freimütig, wie es sich gehört, arbeiten am Bau des Tempels Gottes. Sie werden bald erfahren, dass er über unser Verstehen hinaus dafür sorgt, dass sein Werk gedeiht. Nur dürfen wir nicht müde werden; denn wenn auch die Frucht unseres Wirkens jetzt noch nicht zu sehen ist, – zur rechten Zeit wird sie erscheinen. Selbst die Anstrengungen, die die Gegner der Wahrheit machen, sollen Ihnen ein Anlass zur Ermutigung sein, damit solche Frechheit und Anmaßung mattgesetzt und überwunden wird durch die Festigkeit, die Gott Ihnen verleiht. Es ist schon viel, sicher sein zu können, dass der Ausgang trotz aller Belästigungen durch die Feinde für Sie glücklich sein und den Gegner zur Beschämung gereichen wird. Gott hält Ihnen auch darin ein schönes Vorbild zur Ermutigung hin, dass die armen Gläubigen in ganz Frankreich mitten unter allen fürchterlichen Drohungen nicht müde werden, ihren Weg zu wandeln. Die Zustände sind ja allerdings in arger Verwirrung; aber wir hoffen, Gott wird die ganz Schlauen enttäuschen und in ihren eigenen Netzen fangen. Der der erste sein sollte, ist so kalt, wie er nur sein kann. Die Feinde sind wütender als je, alles zu zerstören, wenn Gott sie nicht im Zaum hielte. Der verrückte Narr, der mehrmals mit Ihnen in Fehde lag und noch kürzlich bei Chinon dreihundert Gefangene gemacht hat, hat ja strengen Befehl erhalten, alle loszulassen und unverzüglich an den Hof zu kommen, und man hat ihm scharf gedroht, falls er den störrischen Esel spielen wollte. Das ist wenigstens ein Trost, den Gott seinen Kindern gibt. Und für Sie, Monsieur, ist das nun das Mindeste, dass Sie nicht an denen Gefallen haben, die ihre Pflicht schlecht erfüllen, sondern sich vielmehr bemühen, sie zu beschämen und ihre Feigheit dadurch zu bestrafen. Welche Hindernisse Ihnen der Satan auch in den Weg legt, – überwinden Sie alles durch die Kraft dessen, der uns verheißen hat, dass unser Glaube die Welt überwinden soll. Denken Sie auch daran, dass Sie nicht nur offenen Feinden zu widerstehen haben, sondern auch solchen im eigenen Hause, die sich unter falschem Namen einschleichen. Ja, gerade jetzt im Anfang wird man umso schärfere Zucht halten müssen, je mehr leichtsinnige und maßlose Geister sich Freiheiten herausnehmen wollen. Ich habe einen jungen Soldaten aus Frankreich kennen gelernt, der, glaube ich, seinesgleichen nicht hat in Selbstüberschätzung; er wird sich ohne Zweifel in alles mischen und alles durcheinander bringen wollen, so weit er kann. Wenn solche Leute nicht niedergehalten werden, so wird bald eine Zersplitterung eintreten, die nicht wieder gutzumachen ist. Aber ich hoffe, überall und in allen Dingen wird Gott Sie ausrüsten mit Klugheit und Stärke, damit glücklich vollendet wird, was er Sie in Gnaden hat beginnen lassen.

Monseigneur, indem ich mich Ihrer Gewogenheit ergebenst empfohlen halte, bitte ich den lieben Gott, er wolle die Gaben seines Geistes mehr und mehr in Ihnen zunehmen lassen, damit sein Name dadurch verherrlicht werde; auch wolle er alle Ihre Taten glücken lassen und Sie in seiner Hut halten.

Genf, 11. Juli 1561.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Paris.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Paris.

Nr. 662 (C. R. – 3392)

Auf Wunsch des Admirals hatte man von Genf Jean Raymond Merlin, früher Professor in Lausanne, seit 1560 Pfarrer in Genf, zu ihm gesandt. Der König, Karl IX., war im Begriff, zur Krönung durch den Kardinal von Lothringen nach Reims zu ziehen. Das nicht erhaltene Gutachten behandelt wohl das Verhältnis zwischen Genf und Savoyen. Der Schluss des Briefes fehlt.

Die Stimmung vor Karls IX. Krönung. Bitte für Genf.

Monseigneur, wir haben Grund Gott zu loben, dass er die Reise des von Ihnen gewünschten Mannes so glücklich hat ausfallen lassen. Ohne Zweifel haben Sie ihn nach Ihrem Wunsch gefunden und wissen bereits aus Erfahrung, dass er getreulich seine Pflicht zu erfüllen sucht. Da ich nicht weiß, wozu und für wie lange Sie ihn brauchen wollen, so wäre mir eine Erklärung darüber erwünscht, wenn es Ihnen gefällig ist. Indessen bitte ich Sie, Monsieur, nicht müde zu werden an dem guten, frommen Werk, das es wert wäre, dreißig Leben dafür zu brauchen, wenn man sie hätte. Ich verstehe zum Teil die Schwierigkeiten und Hindernisse wohl, die Sie aufhalten oder abschwenken lassen könnten, und Sie kennen sie ja aus Erfahrung noch viel besser. Aber Sie wissen, Monsieur, wenn Sie sich auf den stützen, der Sie ans Werk gestellt hat, so werden Sie in Ihrer Erwartung nie enttäuscht. Freilich, um sich zu standhaftem Dienst zu stärken, müssen Sie höher hinaufschauen als auf die Welt. Wie uns ja auch der Apostel mahnt, im Himmel Anker zu werfen [Hebr. 6, 19]. Aber wie dem auch sei, Gott wird stets die Dienste, die wir ihm mit frohem Mute leisten, Erfolg haben lassen. Es scheint mir, der Teufel wühle wieder unter der Erde, um wieder neue Verwirrung anzurichten; aber andrerseits hoffe ich auch, dass Gott in wunderbarer Weise wirken wird. Nicht als ob ich die Hitzigkeit gewisser Leute billigte, die übereilig vorgehen wollen. Da ich sie aber nicht mäßigen kann, so schließe ich die Augen, da ich nichts von Gottes Plänen weiß, als dass er weit über menschliches Verstehen hinaus handeln will, nämlich durch ihr eigene Torheit die schlauen Unternehmungen zunichte machen, die die Bösen vorhaben. Kurz ich hoffe, dass, während der König den Herrn Kardinal besuchen wird, Gott ihm und den Seinen so nahe trete, dass sie nicht mehr von ihm weg können. Indessen müssen wir den Weg gehen, den er uns weist. Ich möchte an Sie, Monsieur, ein besonderes Wort richten wegen der Angelegenheit, über die ich Ihnen ein schriftliches Gutachten sandte. Sehen Sie, Monsieur, dass die Sache ihren Fortgang nimmt, so vergessen Sie unser, bitte, nicht. Ich glaube zwar, dass Ihnen unsere Stadt schon aus höheren Rücksichten wohl empfohlen ist; aber doch ist es auch der Vorteil des Königs, wenn Sie für ihr Wohl arbeiten. Denn wiewohl sie nicht von Wichtigkeit zu sein scheint, so darf man das Kleine doch nicht immer verachten – – – –

[Mai 1561.]

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Paris.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Paris.

Nr. 658 (C. R. – 3374)

Vgl. 620, 622, 623, 635, 636.

Rechtfertigung seiner Stellung zur Verschwörung von Amboise.

Monseigneur, ich bin durch meinen Bruder, der bei Ihnen ist, darauf aufmerksam gemacht worden, dass Sie es wünschten und für gut hielten, wenn ich eine Entschuldigungsschrift drucken ließe, um mich von dem Vorwurf zu reinigen, den man mir gemacht hat, als hätte ich der Verschwörung von Amboise meine Zustimmung gegeben. Ich bin auch schon lange und von verschiedenen Seiten hierzu aufgefordert worden und könnte es auch leicht tun, wenn ich nur auf meine Person Rücksicht nehmen wollte. Ich habe es aber unterlassen, teils weil viele mich doch für grausam gehalten hätten, wenn ich über das Unglück der armen Leute, deren einziges Verbrechen ihr unbedachter Eifer war, hätte triumphieren wollen, dann aber auch, weil man hätte meinen können, ich habe nur den Ausgang abgewartet, um dann den Mantel nach dem Winde zu hängen. Deshalb litt ich lieber in Geduld unter einer falschen Anklage, statt dass ich mich allzu sehr um meinen guten Ruf sorgte. Indessen habe ich denen, die mich danach fragten, nie etwas von den Tatsachen verhehlt, und auch jetzt, Monsieur, will ich ihnen gern die Hauptsache der Wahrheit gemäß darlegen, wenn es Sie nicht verdrießt, mich anzuhören. Sieben oder acht Monate vorher kam jemand im Auftrag einer Anzahl Leute zu mir und fragte mich um Rat, ob es nicht erlaubt sei, sich der Tyrannei zu erwehren, mit der die Kinder Gottes damals verfolgt wurden, und wie man es machen könnte. Da ich sah, dass schon manche von diesem Gedanken erfasst waren, so gab ich die Antwort, man dürfe sich absolut nicht damit befassen, und suchte ihm zu sagen, dass dies in Gottes Willen nicht begründet sei und auch vom bloß weltlichen Standpunkt aus nur Leichtsinn und Anmaßung wäre und ein schlimmes Ende nehmen müsste. Er ließ es nicht an Widerspruch fehlen und sogar mit einem ganz guten Schein des Rechts. Es handle sich ja nicht um einen Angriff auf den König und seine Macht, sondern nur darum, eine Regierung nach den Landesgesetzen zu erhalten in Anbetracht der Jugend des Königs. Das Wehklagen über die Unmenschlichkeit, die man anwende, um die Religion zu vernichten, sei doch eben recht groß, ja man erwarte stündlich eine entsetzliche Abschlachtung und Ausrottung all´ der armen Gläubigen. Ich beantwortete solche Einwürfe einfach damit: wenn von uns nur ein Tropfen Blut vergossen würde, so entstünde ein Strom daraus, der ganz Europa überflutete. So sei es hundertmal besser, wenn wir umkämen, als dass wir die Ursache gäben, das Christentum und die evangelische Sache solcher Schmach auszusetzen. Wohl aber gab ich ihm zu, wenn die Prinzen von Geblüt zum Besten des Landes Schutz ihres Rechtes [auf die Regentschaft] verlangten und die Parlamente sich ihrer Sache anschlössen, so sei es allen guten Untertanen erlaubt, ihnen bewaffnete Hand zu leihen. Der Mann fragte mich dann, ob es auch erlaubt wäre, wenn man einen Prinzen von Geblüt dazu brächte, auch wenn es nicht der erste dem Rang nach wäre. Darauf erhielt er wieder eine verneinende Antwort. Kurz ich schlug alles, was er vorbrachte, so fest ab, dass ich alles unter die Füße getreten zu haben glaubte. Daher tat ich auch dergleichen, als wüsste ich von nichts, da ich sonst nur ohne Grund Unruhe gestiftet hätte.

Einige Zeit nachher kam zu meinem großen Erstaunen de La Renaudie von Paris, erzählte mir, welche Aufgabe man ihm übertragen habe, und suchte seine Sache ins rechte Licht zu setzen mit allen Mitteln, die er finden konnte; ja ich versichere Sie, Monsieur, auch Sie brachte er in die Geschichte hinein. Da ich ihn aber stets als einen Menschen von großer Eitelkeit und Selbstüberschätzung gekannt habe, so wies ich ihn weit von mir, so dass er mir nie auch nur das geringste Zeichen von Zustimmung abringen konnte; vielmehr gab ich mir alle Mühe, ihn von seiner Torheit abzubringen mit mancherlei Gründen, die hier aufzuführen zu weitläufig wäre. Er, in seiner Erwartung getäuscht, intrigiert im Geheimen weiter, sowohl um die, die er als leicht zu gewinnend kannte, zu verführen, als auch, um die Börsen derer zu leeren, die nicht selbst ausrücken wollten. Dies geschah in kleinen Kreisen und unter dem Eid völliger Verschwiegenheit. Nun war einer nicht gleich bereit, sein Geld herzugeben, kam zu Mag. Pierre Viret und entdeckte ihm, dass de La Renaudie, als er ihn zu einem Beitrag aufforderte, ihn beschworen habe, nichts davon zu sagen, besonders mir nicht, da ich nicht wolle, dass man um meine Zustimmung wisse. Mag. Pierre Viret kam unverzüglich zu mir, wie es seine Pflicht war, und sofort bat ich Herrn Beza, er möge de La Renaudie kommen lassen; dann rief ich einige Zeugen herbei und beschuldigte ihn in harten Worten, meinen Namen zur Vorspiegelung falscher Tatsachen missbraucht zu haben. Er protestierte und behauptete, das sei nicht wahr; ja er bekannte von sich aus, wenn er so gesprochen hätte, so wäre er ein ganz unverschämter Lügner, da er von mir ja gerade das Gegenteil von Zustimmung vernommen habe. Der die Anzeige erstattet hatte, wurde beschämt. Indessen dauerten die Intrigen fort. Auch als de La Renaudie sich ins Berner Gebiet an seinen Wohnort begeben hatte, hörten trotzdem die, welche er gewonnen hatte, nicht auf, andere herbeizuziehen. Hierauf tat ich mein möglichstes, dem Schaden abzuhelfen. Wenn ich die zu mir berief, die sich in diese Phantasterei hatten verwickeln lassen, leugnete es jeder. Trotzdem rückten sie aus, jeder immer mit dem Vorgeben, er wolle allen Aufruhr verhindern. Als ich sah, dass die Sache so ganz wider meinen Willen ging, beklagte ich mich bitter, und man hat aus meinem Munde oft Worte gehört wie die: Ach, ich glaubte, den Tag nicht erleben zu müssen, an dem wir so alle Geltung bei denen verloren hätten, die sich doch als Gläubige rühmen! Muss denn die Kirche von Genf sich so von ihren Kindern verachten lassen? Kurz, ich konnte nichts als seufzen die ganze Zeit. Der Rat, darauf aufmerksam gemacht, dass etwas vorgehe, ließ, ehe er noch wusste, was es sei, unter Trompetenschall ausrufen, es solle sich keiner rühren, und sandte außerdem noch insgeheim ähnliche Verbote in alle Häuser. So ist niemand aus Genf ausgerückt, als in Verkleidung und in kleiner Zahl, so dass wir gar nicht wussten, was sich da unterirdisch vorbereitete. Ich hielt es tatsächlich für ein Kinderspiel und, wollte ich meine Traurigkeit etwas erleichtern, so nannte ichs einen Kreuzzug irrender Ritter oder derer von der Tafelrunde; denn sie waren wirklich wie bezaubert. Einer unter ihnen ist heute mein Zeuge vor Gottes Thron, den Sie wohl gekannt haben, so dass ich ihn nicht zu nennen brauche. Als man zuerst davon mit ihm sprach, spottete er nur darüber und in seinem Respekt vor mir wies er jede Beteiligung kurz und entschieden von sich. Dann bat er mich wider seine Natur, denn er war sonst frei und offen, um Rat, ob er eine Reise antreten solle, um von seinem Bruder, der ihn in große Not gebracht hatte, Rechenschaft zu fordern. Ich glaube wohl, dass ihn dieser Grund auch trieb; aber es war doch auch der Gedanke dabei, nicht als furchtsam zu gelten. Besonders weil de La Renaudie vor ihm geprahlt hatte; Sie, Monsieur, begünstigten die Unternehmung. Ich sagte ihm, wenn er mir glauben wolle, so solle er nicht gehen. Da er mir versicherte und versprach, er wolle dieser Sache entfliehen und sich ganz fern halten, sagte ich wörtlich zu ihm: „Ich kenne Sie. Wenn Sie an Ort und Stelle sind, können Sie sich nicht halten; deshalb bleiben Sie hier.“ Darauf antwortete er nun freilich, wenn Sie, Monsieur, es ihm beföhlen, so könnte er allerdings nicht nein sagen. Nun erwiderte ich: „Wie, haben Sie noch so wenig gelernt in Gottes Schule, dass Sie einem Menschen zu Gefallen etwas Böses täten? Der größte Dienst, den Sie dem Herrn, dem Sie so ergeben sind, leisten könnten, wäre vielmehr, ihn abzuhalten und ihm offen zu melden, ich ließe ihm in Gottes Namen sagen, es sei unrecht, sich in dieses Wirrsal zu mischen.“ Indessen fürchtete ich in dieser Beziehung nicht viel; denn ich war überzeugt, dass es nichts sei und dass der Betrüger, der sich hinter Ihrem Namen versteckt hatte, eine solche Hülle gebraucht habe. Wie dem auch sei, – der arme Edelmann, nachdem er fünf- bis sechsmal als Überwundener von mir weggegangen war, sagte mir schließlich, er habe keine Ruhe, bis er zu Ihnen gereist sei, und ich glaube wirklich, er hatte diese Absicht. Ich hatte solche Angst vor dem, was dann eingetreten ist, dass ich ihn nur mit großem Bedauern ziehen ließ. Ja, als er kam, Abschied von mir zu nehmen, bot ich ihm nur die Hand und wandte mich ab, und zeigte dadurch den Kummer, den ich im Herzen empfand.

Fragt man mich, warum ich mich nicht förmlich dagegen aussprach, so kann ich antworten: erstens hielt ich es nicht für besonders nötig, da ich die ganze Sache als ein knabenhaftes Unternehmen verachtete. Tatsächlich habe ich stets gesagt, wenn mir schon die Sache an sich nicht gefalle, so mache die Person de La Renaudies sie mir noch widerlicher. Da ich ihn indessen für einen leichtsinnigen Menschen hielt, dachte ich, er werde von selbst den Mut verlieren. Weil ich so die Sache für nicht gefährlich ansah, wollte ich mich nicht aufregen und dadurch Anlass zu großen Unruhen geben, noch ein Feuer anzünden, das sich weithin ausbreiten könnte; denn es war leicht vorauszusehen, dass viele Unschuldige dann den Teig hätten ins Feuer schieben müssen, an dem sie doch gar nichts getan hatten. Dieser Grund hielt mich zurück: dass ich die Unschuldigen schonen wollte, die ich von den Schuldigen nicht unterscheiden konnte; dazu kam, dass ich kein Gehör gefunden hätte, wenn ich Ordnung hätte stiften wollen. Indessen weiß Herr Coignet, der Gesandte des Königs bei der Eidgenossenschaft, was ich ihm damals davon sagte. Jedenfalls war es meine Absicht nicht, zwischen zwei Wassern zu schwimmen und aus Schlauheit nichts zu sagen, noch weniger, der Leidenschaft derer, die kopfüber ins Verderben rannten, einen Gefallen zu erweisen. Denn ich habe stets offen gesagt, wenn ihre Torheit gut ausfiele, so wäre ich der verächtlichste Mensch der Welt; denn dann hätte ich die Kirche verraten, das Werk Gottes gehindert, mich der Freiheit in den Weg gestellt und dergleichen Dinge. Da ich die ganze Sache verachtete und lieber für feig und ängstlich gelten wollte, als dem, was ich missbilligte, den Lauf lassen, so können Sie, Monsieur, beurteilen, warum ich gezwungen war, zu schweigen, oder wenigstens keinen großen Lärm zu machen. Doch hat man in dieser Zeit mehrere Predigten von mir hören können, in denen ich diese Sache so scharf wie möglich bekämpfte. Man kann das zur Genüge sehen; denn sie sind wörtlich aufgezeichnet worden mit Angabe von Monats- und Tagesdatum, woraus hervorgeht, dass ich keine doppelte Rolle spielte und nicht vor der Öffentlichkeit schwieg, um unterirdisch zu wühlen.

Als dann die Sache so ausging, wie es jedermann weiß, war ich in Angst, wie ich sein musste, aber nicht überrascht als von etwas Neuem, da ich es beständig so vorausgesagt und die Befürchtung ausgesprochen hatte, man werde mich schließlich als nur zu wahren Propheten erkennen müssen. Hätte es mir freigestanden, mehr zu tun, ich hätte keine Mühe gespart, wie ich viele andere Intrigen, die sich weiter anzettelten, zerstört habe, ohne dass es jemand in ganz Frankreich gemerkt hätte. Ich kanns indessen nicht hindern, dass man mich da anklagt, wo ich mir kein Gehör verschaffen kann; doch genügt es mir, Gott zum Bürgen zu haben und alle, die mit mir darüber geredet haben, zu Zeugen, so dass ich überall, wo man mir Gehör geben will, ganz offen zeigen kann, wie sehr man mir Unrecht tut, wenn man mich mit solchen Verleumdungen belastet. Wenn seither der König von Navarra mich freiwillig und ganz aus eignem Antrieb aufgefordert hat, ihm Herrn Beza zu senden, so weiß er, dass meine Bereitwilligkeit kein anderes Ziel hatte als das Wohl und die Ruhe Frankreichs und die Sicherung der königlichen Autorität. Außerdem habe ich, wie er weiß, gute Zeugen, dass ich durch indirekte Mittel versucht habe, allzu hitzige Köpfe abzukühlen. Wenn es gewissen Leuten gefällt, aus Bosheit oder sonst welchem Grund mir alles Böse anzurechnen, das noch so weit von mir geschieht, was kann ich da anders tun, als fordern, dass man sich erkundige und zu erfahren suche, wie die Sache liegt? Denn wird die Wahrheit bekannt, so kann ich alle Böswilligen, die mich tadeln wollen, verachten. Es ist in der Provence zu Exzessen gekommen; einige griffen zu den Waffen; es sind etliche Leute getötet worden; aber man muss doch erst erfahren, ob ich irgendeine Beziehung zu den Urhebern dieser Taten hatte, ob ich sie je gesehen oder gekannt habe, ob wir durch Briefe oder Boten miteinander verkehrt haben! Man wird finden, dass ich ihre Taten nicht weniger missbilligte, als was vorher geschehen war. Wir haben auch reden hören von einem Aufstand in Lyon. Aber was das auch war, so floss das aus anderer Quelle, und hätte es an mir gelegen, so wäre diese leichtsinnige Geschichte ganz sanft eingeschlafen. Indessen habe ich den, dem man den Fehler zuschreibt, nie gesehen, und wenn Leichtsinn vorliegt, so ists jedenfalls nicht an mir, er ich ihm Widerstand geleistet habe, die Verantwortung dafür zu tragen. Ja, als damals die gnädigen Herren von Genf nur von einer plötzlichen Erhebung munkeln hörten, erließen sie an alle Einwohner ein strenges Verbot, sich nicht zu rühren, und doch hat man nicht unterlassen zu sagen, es seien fünfzehnhundert Berittene von Genf aufgebrochen. Aber es braucht wirklich scharfe Augen, um sogar zu zählen, was nie existiert hat. Ich will gar nicht sagen, wie hier in Genf die gezüchtigt worden sind, die sich zu weit in diese Sache eingelassen hatten, wenn auch mehr aus Einfalt als aus Bosheit.

Das ist im ganzen, Monsieur, die Geschichte, soweit sie mich angeht, und zwar die reine Wahrheit. Sie können nun in Ihrer Klugheit danach beurteilen, ob es gut wäre, wenn ich, um mich zu verteidigen, wie ich es leicht könnte, die Lage der Leute verschlimmerte, denen ich helfen möchte. Ja, zu meinem Erstaunen haben sich auch gute, sehr fromme Leute hinreißen und täuschen lassen von ihrer Unbedachtsamkeit; ja sie sind umgarnt worden, weil man ihnen boshafter Weise meine Warnung, die ich ihnen zukommen lassen wollte, verhehlt hat. Ich muss mich übrigens auch hüten, mich nicht vom Ehrgeiz zu einer Rechtfertigung verleiten zu lassen, die diesen Leuten schaden und ein für sie ungünstiges Vorurteil schaffen könnte. Ja es ist mein Wunsch, das ganze Ärgernis könnte begraben werden, auch wenn alles Übel auf mein Haupt fallen sollte. Indem ich mich Ihrer Gewogenheit, Monseigneur, untertänig empfehle, bitte ich den lieben Gott, er wolle Sie in seiner Hut halten, Sie zunehmen lassen in aller Tugend und Sie leiten durch seinen Geist bis ans Ende.

[16. April 1561].

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Orleans.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Orleans.

Nr. 652 (C. R. – 3317)

Vgl. 638. Der Admiral hatte sich trotz der ihm von den Guisen drohenden Gefahr nach Orleans zur Ständeversammlung begeben. Genf war noch immer vom Savoyer bedroht.

Dank und Anerkennung für sein Eintreten für die Hugenotten.

Monseigneur, wir haben guten Grund, Gott zu loben für die außerordentliche Tapferkeit, die er Ihnen gegeben hat im Dienste seiner Ehre und zur Förderung des Reiches seines Sohnes. Es wäre zu wünschen, Sie hätten viele Genossen, die Ihnen dabei hälfen. Wenn aber auch die andern säumig sind, ihre Pflicht zu tun, so müssen Sie doch das Wort unseres Herrn Jesu anwenden, in dem er sagt, dass jeder von uns bereitwillig ihm nachfolgen soll, ohne umzusehn, was die andern tun. St. Petrus fürchtete sich, allein zu gehen, und sagte von St. Johannes: Was soll aber dieser? [Joh. 21, 21]. Die Antwort, die er erhielt, gilt uns allen. Jeder muss dahin gehen, wohin er berufen wird, auch wenn ihm keiner folgt. Immerhin hoffe ich, dass die Hochherzigkeit, die Gott bisher an Ihnen leuchten ließ, ein gutes Beispiel sein wird, die Nachlässigen aufzurütteln. Aber selbst wenn die ganze Welt blind und undankbar wäre und all Ihre Mühe verloren schiene, so geben Sie sich damit zufrieden, Monseigneur, dass Gott und seine Engel Ihr Tun billigen. Das kann Ihnen ja in der Tat genügen, dass die himmlische Krone Ihnen nicht fehlen kann, nachdem Sie so tapfer gestritten haben für die Sache des Gottessohnes, in der unsere ewige Seligkeit liegt.

Im Übrigen, Monseigneur, war ich so kühn, den Überbringer dieses Briefes an Sie zu senden, um Ihnen eine Angelegenheit vorzulegen, die er Ihnen mündlich auseinandersetzen wird, wenn Sie geruhen, ihm Gehör zu schenken. Ich glaube, wenn Sie ihn gehört haben, werden Sie den Rat nicht schlecht und das Vorgehen nicht ungehörig finden; zum mindesten werden Sie in Ihrer Klugheit erkennen, dass ich nichts will als die Ruhe und das Glück Frankreichs. Freilich will ich nicht verhehlen, dass es auch mein Wunsch wäre, es möchte auch für unsere arme Stadt gesorgt werden, dass sie nicht der Plünderung anheim fällt. Da ich aber annehme, unsere Sicherheit liege Ihnen auch am Herzen, so werden Sie das Interesse, das ich daran nehme und zu dem Gott mich verpflichtet hat, nicht verurteilen. Besonders da es sich nur auf das Wohl Frankreichs richtet und davon abhängt.

Damit will ich schließen, Monseigneur, und indem ich mich untertänig Ihrer Gewogenheit empfehle, bitte ich den lieben Gott, er wolle Sie in seiner Hut halten und Sie zunehmen lassen an allen Gaben seines Geistes, damit sein Name mehr und mehr verherrlicht werde durch Sie.

16. Januar 1561.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Fort de l´ Ecluse.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Fort de l´ Ecluse.

Nr. 578 (C. R. – 2950)

Admiral Coligny war beim Fall von St. Quentin in Gefangenschaft geraten, in der er bis 1559 blieb; in diese Zeit, in der er auch durch Krankheit heimgesucht wurde, fällt seine Wendung zum evangelischen Glauben.

Gefangenschaft und Krankheit als Mahnung Gottes.

Monseigneur, ich hoffe, wenn Sie diesen Brief gelesen haben, der Ihnen bezeugen soll, wie sehr mir Ihr Seelenheil am Herzen liegt, so werden Sie es nicht unrecht finden, dass ich ihn geschrieben habe. Ich hätte damit nicht so lange gewartet, wenn mir schon früher die Möglichkeit, an Sie zu gelangen, wie jetzt gegeben worden wäre. Ich will mich nicht lange entschuldigen, da ich überzeugt bin, die Ehrfurcht, die Sie vor meinem Meister hegen, wird Sie gut heißen lassen, was, wie Sie sehen, von ihm ausgeht und ins seinem Namen Ihnen vorgelegt wird. Ich will auch keine langen Ermahnungen schreiben, um Sie in der Geduld zu stärken, da ich glaube und gehört habe, der liebe Gott habe Sie bereits durch die Kraft seines Geistes so stark gemacht, dass ich vielmehr Anlass habe, ihn zu loben, als sie noch weiter anzutreiben. Tatsächlich muss sich gerade darin der wahre Heldenmut zeigen, dass man alle seine Leidenschaften überwindet, nicht nur um dieses Sieges selbst willen, sondern um Gott wirklich das Opfer des Gehorsams zu bringen. Denn es genügt nicht, tapfer zu sein und nicht zu wanken und mutlos zu werden im Unglück, wenn wir nicht das im Auge behalten, uns in allem dem guten Willen Gottes unterzuordnen und uns ruhig damit zu begnügen. Da er Ihnen nun schon solche Standhaftigkeit gegeben hat, so tuts, wie man sagt, nicht not, Sie noch mehr zu ermahnen. Nur bitte ich Sie, auch noch weiter daran zu denken, dass Gott Sie, als er Ihnen diese Heimsuchung sandte, sozusagen beiseite nehmen wollte, damit Sie umso mehr auf ihn hören sollten. Denn Sie wissen wohl, Monsieur, wie schwer es ist, ihm mitten in der Ehre, dem Reichtum und der Gunst der Welt Gehör zu schenken; denn diese Dinge machen uns zerstreut und wie unaufmerksam, bis er irgendein solches Mittel braucht, uns zu sich zu ziehen. Nicht als ob Würden, hoher Rang und zeitliches Gut unvereinbar wären mit der Gottesfurcht, vielmehr je höher ein Mensch gestellt ist, umso mehr Gelegenheit ist ihm damit gegeben, seinem Gotte näher zu kommen, und umso mehr sollte er ihn ehren und ihm dienen; aber ich denke, Sie haben wohl auch schon die Erfahrung gemacht, dass die, die zu vorderst stehen in der Welt, davon so eingenommen und gleichsam gefangen sind, dass es ihnen Mühe macht, sich in Muße und mit bestimmter Absicht ihrer Hauptaufgabe zu widmen, die darin besteht, Gott seine Huldigung darzubringen, sich ihm ganz hinzugeben und nach dem ewigen Leben zu streben. Deshalb, Monsieur, bitte ich Sie, da Gott Ihnen nun diese Gelegenheit geboten hat, in seiner Schule zu lernen und Ihnen ganz persönlich etwas ins Ohr sagen will, so achten Sie darauf, damit Sie mehr als je merken, was seine Lehre wert ist und wie köstlich und lieb sie uns sein muss. Halten Sie auch eifrig daran fest, sein Wort zu lesen, damit Sie daraus Belehrung empfangen und lebendige Wurzel fassen im Glauben, so dass Sie für Ihr ganzes Leben gefestigt werden zum Kampf mit den Versuchungen.

Sie wissen, wie verderbt die Welt allenthalben ist, und umso mehr müssen sich die Kinder Gottes sorgfältig davor in acht nehmen, sich mit ihr zu vermengen, damit sie nicht befleckt werden. Tatsächlich ist ja heutzutage alles eher erlaubt, als in Reinheit Gott zu verehren, so dass Sie Ihre Pflicht ihm gegenüber nicht anders erfüllen können, als wenn Sie sich auf viel Tränen gefasst machen oder doch mindestens bereit sind, Murren und Drohungen zu ertragen. Aber doch muss es Ihnen als ein solches Vorrecht gelten, Gott zu verehren, dass alles andere daneben nicht viel gilt; seine Gnade ists wert, aller Gunst seiner Kreatur vorgezogen zu werden. Unser Vorteil ist es ja, dass, wenn wir schwach sind, er uns verheißt, mit seiner Kraft das zu ersetzen, was uns fehlt, wie es auch unsere beste Waffe ist, zu ihm unsere Zuflucht zu nehmen und ihn zu bitten, dass er unsere Kraft sei. Übrigens, Monseigneur, da die Ehre Gottes und was sein Reich angeht, allem andern vorangehen muss, so verlassen Sie sich auf die Verheißungen unseres Herrn Jesu Christi, dass alles übrige uns zufallen wird [Matth. 6, 33]. Zweifeln Sie nicht daran: wenn Sie sich in den Dienst Gottes stellen, werden Sie in jeder Hinsicht seinen Segen spüren und wird er Ihnen in der Tat zeigen, wie er für seine Kinder sorgt und ihnen gibt, was sie nötig haben, auch in diesem vergänglichen Leben. Umgekehrt gibt es auch kein wahres Glück ohne seine Gnade, und wenn die, die fern von ihm sind, meinen, alles gewonnen zu haben, so wendet sich ihnen schließlich alles zum Unglück. Da das unser menschlicher Verstand aber nicht leicht versteht, so müssen Sie sich üben im Lesen der Schrift, wie Sie es wohl bereits tun und gewiss gewillt sind, darin fortzufahren.

Damit, Monseigneur, empfehle ich mich ergebenst Ihrer Gewogenheit und bitte den lieben Gott, er wolle Sie behüten, Sie leiten durch seinen Geist, Sie stärken in aller Kraft und Ihnen bald die Freiheit wiedergeben, damit Sie ihm dafür danken können.

4. September 1558.