Luther, Martin – An Johann Heß (Fragment)

Ich lobe den Eifer deines Fürsten für das Evangelium, aber sehe, daß du seinen Sinn mehr für den Glauben und die Liebe begeisterst, als für den äusserlichen Gebrauch des Sacraments. auch die Unsrigen laufen zum Empfang der beiden Gestalten, und vergessen unterdessen den Glauben und die Liebe. Gewiß machen die beiden Gestalten nicht den Christen aus, sondern der Glaube und die Liebe: jene aber halten sich dann für Christen, wenn sie diesem Gebrauche folgen.

Melanchthon, Philipp/Luther, Martin – Von der Rechtfertigung des Menschen vor Gott, An Johann Brentius.

Eure lange Schrift habe ich empfangen, bin lustig und fröhlich darüber worden: Ich bitte euch, ihr wollet oft und viel an mich schreiben.

Ich vernehme und merke wohl, was euch bewegt und anficht des Glaubens halben, weil euch noch im Sinne liegt St. Augustini Meinung, der so fern kommen ist, daß er vermeinet, daß die Gerechtigkeit der Vernunft vor Gott nicht gerechnet werde zur Gerechtigkeit. Diese Meinung ist recht.

Weiter ist seine Meinung, daß wir für gerecht gerechnet werden, des Gesetzes Erfüllung halben, die der heil. Geist in uns wirket. Also gedenkt ihr auch, daß der Mensch durch den Glauben in so fern gerecht werde, weil wir durch den Glauben den heil. Geist empfahen; daß wir also gerecht seyen durch Erfüllung des Gesetzes, aus Hülfe des heil. Geistes.

Dieser Verstand setzt und gründet die Erfüllung auf unsere Reinigkeit oder Vollkommenheit. Die Erneuerung, so der heil. Geist in uns wirket, soll zwar dem Glauben folgen, wir werden aber dadurch vor Gott nicht gerecht. Darum sehet gar nicht auf die Erneuerung noch auf’s Gesetz, sondern habt nur Achtung auf die Verheißung, und halt’s für gewiß, daß wir um Christi willen gerecht, das ist, angenehm vor Gott sind, und Frieden des Gewissens finden, und nicht um dieser Erneuerung willen. Denn diese Erneuerung ist nirgend gnugsam, darum sind wir allein durch den Glauben gerecht, nicht darum, daß er also glaubet, wie ihr schreibet, sondern daß er Christum ergreift, um welches willen wir angenehm sind, es stehe um unsere Erneuerung wie es kann. Wiewohl sie nothwendig folgen muß, sie vermag aber das Gewissen nicht zufrieden zu stellen.

Darum macht nicht die Liebe, welche des Gesetzes Erfüllung ist, sondern allein der Glaube gerecht, nicht daß er eine Vollkommenheit in uns ist, sondern allein daß er Christum fasset. Daß wir also nicht gerecht sind, von wegen der Liebe, noch Erfüllung halben des Gesetzes, auch nicht um unserer Erneuerung willen, ob sie wohl Gaben des heiligen Geistes sind; sondern um Christi willen, welchen wir allein durch den Glauben fassen und ergreifen.

Augustinus erlangt St. Pauli Meinung und Verstand nicht gnugsam, wiewohl er näher dazu kömmt, denn die Schul-Theologen. Und ich ziehe Augustin darum an, daß er bei allen ein groß Ansehen hat, wiewohl er nicht genugsam erkläret des Glaubens Gerechtigkeit.

Glaubet mir, lieber Brentz, es ist ein großer, darzu ein finsterer Zank und Hader über der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen ihr alsdenn recht verstehen werden, wenn ihr allerdings die Augen wendet vom Gesetz und von Augustins Meinung, von Erfüllung des Gesetzes, und richtet euer Gemüth allein auf die bloße Verheißung, und gewiß haltet, daß wir um Christi willen gerecht, das ist, Gott angenehm sind und Frieden finden.

Dieses ist der rechte Verstand, welcher die Ehre Christi verkläret und hoch preiset, und die Gewissen über die Maaßen aufrichtet und tröstet. Ich versuchte zwar dasselbe in der Apologia klar darzuthun; aber es wollte sich nicht schicken um der Widersacher willen, die alles übel deuten und verkehren, also deutlich zu reden, wie ich jetzt mit euch rede, wiewohl ich eben diese Meinung angezeiget habe.

Lieber, wenn würde doch das Gewissen Fried und Hoffnung haben, wenn es halten sollte, daß wir alsdann erst vor Gott für gerecht gehalten würden, wenn die Erneuerung in uns vollkommen wäre? Was wäre das anders, denn durch das Gesetz, nicht durch die Verheißung, und aus Gnaden gerecht werden?

Droben habe ich gesagt: So die Rechtfertigung (wie man vor Gott soll gerecht werden), der Liebe zugeeignet wird, so werde sie unserm Werk zugeeignet. Hie verstehe ich das Werk, so der heilige Geist in uns thut oder wirket. Item, daß der Glaube allein gerecht macht, nicht derohalben, daß er ein neu Werk des heiligen Geistes in uns ist; sondern daß er Gottes Barmherzigkeit, in Christo uns angeboten und geleistet, ergreift und mit Freuden und Dank annimmt rc. Um welches willen wir angenehme sind, nicht um der Gaben willen des heiligen Geistes in uns.

Diese Sache werdet ihr leichtlich verstehen, wenn ihr des Augustini Verstand und Meinung fahren lasset; auch wird euch, als ich hoffe, unsere Apologia darzu dienen, und dazu helfen, wiewohl ich von so wichtiger Sache noch schlecht und furchtsam rede, welches auch nicht kann verstanden werden ohne Kampf des Gewissens.

Das Volk soll allerdings hören die Predigt des Gesetzes und der Buße, indeß soll gleichwohl dieser Verstand des Evangelii nicht verschwiegen bleiben. Ich bitte euch, ihr wollet mir wieder schreiben, was ihr beide von dieser meiner Schrift und Apologia haltet, und anzeigen, ob euch auf dießmal genugsam geantwortet sey auf eure Frage. Gehabt euch wohl!

Zusatz Doctor Martin Luthers, auf die vorhergehende Schrift Philipp Melanchthons.

Und ich mein lieber Brentz, daß ich die Sache besser verstehe und fasse, pflege also zu gedenken, als wäre in meinem Herzen keine Qualität oder Tugend, die Glaube und Liebe heiße (wie die Sophisten darvon reden und träumen); sondern ich setze es gar auf Christum, und sage: meine formalis Justitia, das ist, gewisse, beständige, vollkommene Gerechtigkeit, daran kein Mangel noch Fehl ist, sondern ist wie sie vor Gott seyn soll, die ist Christus mein Herr. Auf daß ich mich also frei mache, und herauswirke von dem Anblick des Gesetzes, und der Werke, ja auch von dieses Christi, der mir vorkömmt, und verstanden wird, als sey er entweder ein Lehrer oder Geber. Nicht also, sondern ich will, daß er selbst meine Gabe und Lehre sey, daß ich alles in ihm habe, wie er spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben: Sagt nicht, ich weise oder gebe dir den Weg, die Wahrheit und das Leben, als würket er solches in mir, und wäre doch anderswo außer mir; nein, in mir soll er seyn, bleiben, leben, reden, 2. Kor. 5, auf daß wir würden in ihm, in Christo 1) die Gerechtigkeit die nur Gott giebt2).

Martinus Luther, Dr.

Quelle:
Der Menschenfreund Eine christliche Zeitschrift, redigirt von Pastor Sander in Wichlinghausen. Achter Jahrgang Gedruckt in der Rettungs-Anstalt zu Düsselthal 1832

Luther, Martin – Brief an seine Frau. 1546

1)

Gnad und Fried in Christo. Allerheiligste Frau Doctorin, wir bedanken uns gar freundlich für Eure große Sorge, dafür Ihr nicht schlafen könnet; denn seit der Zeit Ihr für uns gesorget habt, wollt uns das Feuer verzehrt haben in unserer Herberg, hart vor meiner Stubenthür, und gestern, ohn Zweifel aus Kraft Eurer Sorge, hat uns schier ein Stein auf den Kopf gefallen und zerquetscht wie in einer Mausfallen. Denn es in unserm Gemach wohl zween Tage über unsern kopf rieselt Kalch und Leimen, bis wir Leute dazu nahmen, die den Stein anrührten mit zwey Fingern; da fiel er herab so groß als ein lang Eisen, und einer großen Hand breit, der hatte im Sinn, Eurer heiligen Sorge zu danken, wo die lieben heiligen Engel nicht gehütet hätten. Ich sorge, wo Du nicht aufhörest zu sorgen, es möchte uns zuletzt die Erde verschlingen und alle Element verfolgen! Lehrest Du also den Katechismum 2) und den Glauben? Bete Du, und laß Gott sorgen. Es heißt: wirf dein Anliegen auf den Herrn, der sorget für dich. Ps. 55, und an viel mehr Orten.

Wir sind Gottlob frisch und gesund, ohne daß uns die Sachen Unlust machen, und Doctor Jonas wollte gern einen bösen Schenkel haben, daß er sich an eine Laden ohngefähr gestossen; so groß ist der Neid in den Leuten, daß er mir nicht wollte gönnen allein einen bösen Schenkel zu haben. Hiermit Gott befohlen. Wir wollten nun fort gerne los seyn, und heimfahren, wenns Gott wollte, Amen, Amen, Amen. Am tag Scholastica 1546 (d. 10. Februar)

1) von Eisleben, wohin er zur Beilegung einiger Streitigkeiten zwischen den Grafen von Mansfeld gereiset war, wo er auch (in seiner Geburtsstadt) den 18. Febr. starb
2) Luther schrieb Kattegisseman, wie seine Frau zu schreiben pflegte
Quelle:
Reliquien alter Zeiten, Sitten und Meinungen Vierter Theil, enthaltend Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der Reformation Herausgegeben von Johann Georg Müller Leipzig, bei Johann Friedrich Hartknoch 1806

Luther, Martin – An seine Frau, aus Eisleben vom 7. Februar 1546.

Weitere Nachrichten und Klagen.

Meiner lieben Hausfrauen Katherin Lutherin, Doctorin, Selbsmartyrin[i] zu Wittenberg, meiner gnädigen Frauen zu Handen und Fußen.

Gnad und Fried im Herrn. Liese, du liebe Kethe, den Johannem und den kleinen Catechismum, davon du zu dem Mal sagetest: Es ist doch alles in dem Buch von mir gesagt. Denn du willt sorgen für deinen Gott, gerade als wäre er nicht allmächtig, der da konnte zehen Doctor Martinus schaffen, wo der alte einige alte ersoffe in der Saal oder im Ofenloch oder auf Wolfes Vogelheerd. Laß mich in Frieden mit deiner Sorge, ich hab einen bessern Sorger, denn du und alle Engel sind. Der liegt in der Krippen und hänget an einer Jungfrauen Zitzen; aber sitzet gleichwohl zur rechten Hand Gottes des allmächtigen Vaters. Darum sey in Frieden, Amen.

Ich denke, daß die Hölle und ganze Welt musse itzt ledig seyn von allen Teufeln, die vielleicht alle umb meinetwillen hie zu Eisleben zusammen kommen sind[ii], so fest und hart stehet die Sache. So sind auch hie Juden bei funfzig in einem Hause, wie ich dir zuvor geschrieben. Itzt sagt man, daß zu Rißdorf hart vor Eisleben gelegen, daselbst ich krank war im Einfahren, sollen aus- und einreiten und gehen bei vierhundert Juden. Graf Albrecht, der alle Grenze umb Eisleben her hat, der hat die Juden, so auf seinem Eigenthum ergriffen, Preiß gegeben. Noch will ihnen niemand nichts thun. Die Gräfin zu Mansfeld, Wittwe von Sollms, wird geachtet als der Juden Schützerin. Ich weiß nicht, obs wahr sey; aber ich hab mich heute lassen hören, wo mans merken wollte, was meine Meinung sey, groblich genug, wenns sonst helfen sollt. Betet, betet, betet und helft uns, daß wirs gut machen. Denn ich heute im Willen hatte, den Wagen zu schmieren in ira mea[iii]; aber der Jamer, so mir für fiel, meines Vaterlandes hat mich gehalten. Ich bin nu auch ein Jurist worden. Aber es wird ihnen nicht gedeihen. Es wäre besser, sie ließen mich einen Theologen bleiben. Kome ich unter sie, so ich leben soll, ich mocht ein Poltergeist werden, der ihren Stolz durch Gottes Gnade hemmen mochte.

Sie stellen sich, als wären sie Gott, davon mochten sie wohl und billig bei Zeit abtreten, ehe denn ihr Gottheit zur Teufelheit würde, wie Lucifer geschah, der auch im Himmel für Hoffart nicht bleiben kunnte. Wohlan, Gottes Wille geschehe! Du sollt M. Philipps diesen Brief lesen lassen: denn ich nicht Zeit hatte, ihm zu schreiben, damit du dich tresten kannst, daß ich dich gern lieb hätte, wenn ich konnte, wie du weißest, und er gegen seine Frauen vielleicht auch weiß, und alles wohl verstehet. Wir leben hie wohl, und der Rath schenkt mir zu iglicher Mahlzeit ein halb Stübigen Rheinfall, der ist sehr gut. Zuweilen trink ichs mit meinen Gesellen. So ist der Landwein hie gut, und naumburgisch Bier sehr gut, ohn daß mich dünkt, es machet mir die Brust voll Messmale mit seinem Pech. Der Teufel hat uns das Bier in aller Welt mit Pech verderbet, und bei euch den Wein mit Schwefel. Aber hie ist der Wein rein, ohn was des Landes Art giebt. Und wisse, daß alle Briefe, die du geschrieben hast, sind anher komen, und heute sind die komen, so du am nächsten Freytag geschrieben hast mit M. Philipps Briefen, damit du nicht zernest. Am Sonntag nach Dorotheens Tag, 1546.

Dein lieber Herr

M. Luther

 

[i] Das Wort ist undeutlich im Manuscript. Andere lesen es Stromackerin

[ii] Die Streithändel der Grafen, welche, wie Luther gegen Melanchthon klagt, durch die Juristen sogar bose geworden waren, daß er an ihrer Ausgleichung schier verzweifelt hätte

[iii] d, i. in meinem Zorn. Die Drohung Luthers, abzureisen, schlug durch und machte die harten Gemüther zur Einigung geneigt.

Luther, Martin – An seine Frau, aus Eisleben vom 6. Februar 1546.

Klage über die verdrießlichen Streitigkeiten unter den Grafen zu Mansfeld, die er schlichten sollte.

Der tiefgelehrten Frauen Katharin Lutherin, meiner gnädigen Hausfrauen zu Wittenberg.

Gnad und Fried. Liebe Käthe! Wir sitzen hie und lassen uns martern, und wären wohl gern davon; aber es kann noch nicht seyn, als mich dünkt, in acht Tagen. M. Philipps magst du sagen, daß er seine Postill corrigire; denn er hat nicht verstanden, warumb der Herr im Evangelio die Reichthumb Dornen nennt. Hie ist die Schule, da man solchs verstehen lernt. Aber mir grauet, daß allewege in der h. Schrift den Dornen das Feuer gedrauet wird, darumb ich desto großer Geduld habe, ob ich mit Gottes Hulfe mochte etwas Guts ausrichten. Deine Sohnechen sind noch zu Mansfeld. Sonst haben zu fressen und saufen gnug, und hätten gute Tage, wenn der verdrießliche Handel thät. Mich dunkt, der Teufel spotte unser, Gott woll ihn wieder spotten, Amen. Bittet fur uns. Der Bote eilete sehr. Am S. Dorotheentage, 1546.

Martinus Luther D.

Luther, Martin – An seine Frau, aus Eisleben vom 1. Februar 1546.

Nachricht über die glückliche Ankunft in Eisleben.

Meiner herzlieben Hausfrauen Katharin Lutherin Doctorin Zulsdorferin, Säumärkterin und was sie mehr seyn kann.

Gnade und Friede in Christo, und meine alte arme Liebe, und, wie ich weiß, unkräftige, zuvorn. Liebe Käthe! Ich bin ja schwach gewest auf dem Wege hart fur Eisleben, das war meine Schuld. Aber wenn du wärest da gewesen, so hättest du gesagt, es wäre der Juden oder ihres Gottes Schuld gewest. Denn wir mußten durch ein Dorf hart fur Eisleben[i], da viel Juden inne wohnten; vielleicht haben sie mich so hart angeblasen. Eo sind hie in der Stadt Eisleben itzt diese Stunde über 50 Juden wohnhaftig. Und wahr ists, da ich bey dem Dorf war, ging mir ein solch kalter Wind hinten in Wagen ein auf meinen Kopf durchs Baret, als wollt mirs das Hirn zu Eis machen.

Solchs mag mm zum Schwindel etwas haben geholfen; aber itzt bin ich Gott Lob wohl geschickt, ausgenommen, daß die schonen Frauen mich so hart anfechten, daß ich wider [weder] Sorge noch Furcht habe fur aller Unkeuschheit.

Wenn die Hauptsachen geschlichtet wären, so muß ich mich dranlegen die Juden zu vertreiben. Graf Albrecht ist ihnen feind, und hat sie schon Preis gegeben, aber niemand thut ihn noch nicht. Wills Gott, ich will auf der Kanzel Graf Albrecht helfen und sie auch Preis geben[ii].

Ich trinke Neunburgisch Bier fast des Schmacks, den du von Mansfeld mir etwa hast gelobet. Es gefällt mir wohl, macht mir auch des Morgens wohl drey Stuelen in dreyen Stunden.

Deine Sohnichen sind von Mansfeld gefahren ehegestern, weil sie Hans von Jena so demüthiglich gebeten hatte; weiß nicht, was sie da machen. Wenns kalt wäre, so mochten sie helfen frieren. Nun es warm ist, konnten sie wohl was anders thun oder leiden, wie es ihnen gefället. Hiemit Gott befohlen samt allem Hause, und grüße alle Tischgesellen, Virgilia Purificationis, 1546.

M. L. Dein alten Liebchen.

 

[i] Rießdorf

[ii] „Denn ich um des gekreuzigten Jüdens willen, den mir niemand nehmen soll, euch Juden allen gerne das Beste thun wollte, ausgenommen, daß ihr meiner Gunst nicht zu eurer Verstockung gebrauchen sollt,“ schrieb Luther einst an einen Juden, der sich mit der Bitte um Fürsprache bei dem Kurfürsten an ihn wendete, sagte dabei auch: „Mein Herz ja gewesen ist und noch, daß man die Juden sollt freundlich halten, der Meinung, ob sie Gott dermaleins wollt gnädiglich ansehen und zu ihrem Messia bringen, und nicht der Meinung, daß sie sollten durch meine Gunst und Forderung in ihrem Irrthum gestärkt und ärger werden,“ Später schrieb er sehr heftig wider ihre Lügen und Lästerungen.

Luther, Martin – An seine Frau, aus Halle vom 25. Januar 1546.

Von der letzten Reise.

Meiner freundlichen lieben Käthen Lutherin zu Wittenberg zu Handen rc.

Gnad und Friede im Heim, Liebe Käthe! Wir sind heute umb acht Uhr zu Halle ankommen, aber nach Eisleben nicht gefahren; denn es begegnete uns eine große Wiedertäuferin mit Wasserwogen und großen Eisschollen, die das Land bedeckete, die drauete uns mit der Wiedertaufe. So konnten wir auch nicht wieder zurück kommen von wegen der Mulda, mußten also zu Halle zwischen den Wassern stille liegen. Nicht daß uns darnach durstete zu trinken, sondern nahmen gut torgisch Bier und guten rheinischen Wein dafür, damit labeten und trösteten wir uns dieweil, ob die Saale wollte wieder auszürnen. Dann weil die Leute und Fuhrmeister, auch wir selbst zaghaftig waren, haben wir uns nicht wollen in das Wasser begeben, und Gott versuchen; denn der Teufel ist uns gram, und wohnet im Wasser, und ist besser verwahret denn beklaget, und ist ohne Noth, daß wir dem Papst sampt seinen Schupen eine Narrenfreude machen sollten. Ich hätte nicht gemeinet, daß die Saale eine solche Sodt machen könnte, daß sie über Steinwege und alles so rumpeln sollte. Itzo nicht mehr, denn betet für uns und seyd fromm. Ich halte, wärest du hie gewesen, so hättest du uns auch also zu thun gerathen, so hätten wir deinem Rathe auch einmal gefolget. Hiermit Gott befohlen, Amen. Zu Halle am St. Paulus Bekehrungstage, Anno 1546.

Martinus Luther, D.

Luther, Martin – An Jacob Probst

17.1.1546

Seinem in dem HErrn geliebten Jacob Probst, Predigern zu Bremen.

Heil und Friede. Ich alter, abgelebter, fauler, müder, kalter und dazu einäigiger schreibe jetzund. Und da ich meynete, man solle mir halberstorbenen billig Ruhe lassen, so gehets, als ob ich niemals etwas geschrieben, geredt und gethan hätte, daß ich mit schreiben, reden ,thun und dulden überhäufet werde. Aber Christus, der alles in allem ist, der ist mächtig und thätig, der sey gebenedeyet in Ewigkeit, Amen.

Daß du schreibest, wie die SChweitzer so ungehalten und frech wider mich schreiben, und mich als einen unglückseligen und unglückseligsten Verstandes Menschen verdammen, deß freue ich mich gar sehr. Denn das habe ich begehret: das habe ich haben wollen, eben mit derselbigen Schrift, damit ich sie so hart erzürnet habe, auf daß sie mit ihrem eigenen öffentlichen Zeugniß bezeugten, daß sie meine Feinde wären. Das hab ich nun erlanget, und wie ich gesaget, so freue ich michs auch. Ich allerunglückseligster unter allen Menschen, habe an dieser Seligkeit des Psalms genug: Selig ist der Mann, der nicht wandelt im Rath der Sacramentirer; noch trit auf den Weg der Zwinglianer; noch sitzt, da die Zürcher sitzen. Da hast dus, was meine Meynung ist. Daß du auch begehrest, daß ich für dich bitten soll, das thue ich. Ich bitte aber, daß du auch für mich bittest, und so wenig als ich zweifle, daß dein Gebet für mich kräftig ist, so wenig zweifle du, daß das meine für dich gelte. So ich auch vor dir hingehe, (welches ich wünsche,) so will ich dich nach mir ziehen. Gehest du ehe denn ich, so wirst du mich nach dir ziehen. Denn wir bekennen uns zu einem GOtt und warten mit allen Heiligen auf unsern Seligmacher.

Ich fahe jetzt an, so viel ich durch GOttes Gnade werde thun können, wider die von Löwen zu schreiben. Denn ich erzürne mich über die unvernünftigen Esel schier heftiger, denn mir, einem solchen Theologen und alten Manne, wol gebühret. Doch muß des Satans ungeheuren Schuppen begegnet werden, sollte ich auch gleich meinen letzten Odem über ihnen lassen. Gehab dich wohl, und bedenke, daß du nicht allein meiner ältesten und besten Freunde einer bist; sondern daß ich dich um des Christi willen, den wir zugleich lehren, liebe. Wir sind Sünder; der aber ist unsere Gerechtigkeit, der da lebet in Ewigkeit, Amen. 17. Januar. 1546. Grüsse in aller Ehrerbietung deine und die Deinen von unser aller wegen.

MArtinus Luther, D.

Luther, Martin – An den Pfarrer zu Belgern. 1545

Dem würdigen Ern. Schulzen, Pfarrer zu Belgern, meinem günstigen, guten Freund. Gnade und Friede im Herrn und Jesus Christus!

Ehrwürdiger Herr Pastor!

Es hat mir der Schösser zu Torgau und der Rath zu Belgern zugeschrieben und vor die Frau Hans Kornerin gebeten, ihr guten Rath und Trost zu geben, damit ihrem Manne möchte geholfen werden. Nun weiss ich wahrlich keinen weltlichen Trost, und wo die Ärzte nicht Hülffe wissen, so ist es gewiss nicht eine schlechte 1) Melancholie, sondern vielmehr ein versuchlicher Angriff des Teufels, dem man durch Gebete des Glaubens in der Kraft Christi begegnen muss. So machen wir es und pflegen es so zu machen. Es war nämlich hier ein Schmuckkästchenmacher so 2) vom Wahn ergriffen. Den haben wir durch das Gebet in Christus geheilt. Darum mach es bitte folgendermaßen: Gehe hin zu ihm mit dem Hilfsprediger und zwei oder drei guten Männern – du in der gewissen Zuversicht als Inhaber des öffentlichen geistlichen Amtes und als Ortspastor -, lege ihm die Hände auf und sprich: „Friede sei mit dir, lieber Bruder, von Gott, unserem Vater, und vom Herrn Jesus Christus!“ Danach bete mit vernehmlicher Stimme über ihm das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Zum Abschluss sage dann: „Gott, allmächtiger Vater, der du zu uns gesagt hast durch deinen Sohn:, Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr den Vater um etwas in meinem Namen bittet, so gibt er es euch‘- und ein ander mal durch ihn uns geheissen und genötigt hast zu beten: ,Betet und empfanget‘, ebenso Psalm 50,15: ,Rufe mich an am Tage der Trübsal, und ich reiße dich heraus, und du verherrlichst mich‘ -, darum beten wir unwürdigen Sünder auf das Wort und den Befehl deines Sohnes zu deiner Barmherzigkeit mit aller Kraft unseres Glaubens: würdige diesen Menschen, dass du ihn von allem Übel befreist und das Werk Satans in ihm zerstörst zur Ehre deines Namens und zum Wachstum des Glaubens und der Heiligen durch denselben unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.“

Dann gehe weg, lege ihm die Hände auf und sage noch einmal: ,,Die Zeichen, die denen, die da glauben, folgen, sind diese: auf die Kranken legen sie die Hände, und es geht ihnen gut.“ Dieses wiederhole bis zu dreimal täglich. Außerdem bete im Gemeindegottesdienst von der Kanzel, bis Gott erhört. Wir vereinigen uns ganz und gar in Fürbitte und Gebet mit aller unserer Glaubenskraft unaufhörlich in Gott. Lebwohl!

Einen anderen Rat habe ich nicht, der ich bin – usw. 1545

1) d.h. gewöhnliche
2) wie Herr Korner
Quelle:
Luther, Martin. „An den Pfarrer Schulze zu Belgern“. Dr. Martin Luthers sämtliche Schriften 21b. Hg. Joh. Georg Walch. St. Louis: Concordia, 1904

Erlaubnißschein an den Rath zu Kirchhain bei Dobriluck

Erlaubnißschein, gemeinschaftlich mit Bugenhagen und den Mitgliedern des Wittenberger Consistoriums

Den Vorstehern des gemeinen Kastens und den Geschickten des Rathes zu Kirchhain bei Dobriluck wird gestattet, einiges der Kirche daselbst gehörige Silberwerk zu verkaufen und mit dem Erlös Kirchen-, Pfarr- und Schul-Gebäude zu bauen und zu bessern.

Wir Martinus Luther unnd Johannes Bugenhagen Pommer, der heiligen Schrift Doctores zu Wittenberg, Vrkunden hiemit offenntlich, Nach dem die Vorsteher des gemeinen Kastens, nebenn denn geschicktenn des Radts zum Kirchhainn zu vns kommen, Vnns angezeigt vnnd vormeldet, wie sie etwas ann silberwerck der Kirche zustendig, Inn vorrath hettenn, des werth sich vngeferlich in funftzigk Gulden erstrecket, welchs sie bedacht zuuerkeuffenn vnnd das kaufgellt zum baw vnnd beßerung der Kirchenn, Pfarre vnnd schulenn heuser anntzwennden, vnnd Vns derwegen gebethenn, Inenn solchs zuerleubenn vnd vergunstigenn, Als habenn wir bewogen, das bemelt Ir fürnemenn Christulich vnnd zu erhaltung Irer Kirchen vnnd derselbenn diener nutze vnnd notig, Ine derhalben erlaubt vnnd nachgelaßenn obberurt sillberwergk des angezeigtenn werts zuverkeuffenn, annzuwendenn vnd zu den gedachten gebeudenn vnd besserung der gedachtenn heuser zugebrauchenn, Hbenn Inen auch zu beglaubigung vnnser bewilligung diesse offene kuntschrift gegebenn, mit vnnsernn gewonlichen pitzschaftenn vnd dem Consistoriall Innsiegel vorsiegeltt. Geschehenn zu Wittennberg, Montags nach Egidii, Anno rc. xlv.

Martinus Luther D.
Johannes Bugenhagen
Pommer D.

 

Lutherbriefe
herausgegeben von
Lic. theol. Johann KArl seidemann,
Pfarrer zu Eschdorf bei Dresden.
Dresden
H. J. Zeh (sonst R. Kori)
1859