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Schlagwort: Rat zu Zürich

Blaurock, Georg – Bittschrift an den Rat von Zürich aus dem Gefängnisse.

Blaurock, Georg – Bittschrift an den Rat von Zürich aus dem Gefängnisse.

Liebe, Gnädige Herren! Christus Jesus ist nach heiterer Anzeigung Gottes, und Verordnung dessen, der alle Dinge schaltet und walten, gekommen, den Fall Adams widerzubringen, in dem wir alle tod waren. Dann deßwegen hat Gott seinen Sohn gesandt, und ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben, daß einjeder, der seinen Nahmen anrieffe, und in ihn vertraute, das ewige Leben hätte. Dem zufolge hat Christus seine Jünger ausgesandt und ihnen befohlen, daß sie hingehen und alle Völcker lehren sollten, daß ihm solche Gewalt von Gott seinem Vater gegeben worden, solchem nach alle, die seinen Nahmen anr4uffen würden, durch seinen Tod Nachlassung der Sünde empfiengen, deßwegen er ihnen ferner befohlen, solchen die Tauffe als eine äusserliche anzeigung mitzutheilen. Da nun auch ich solches gelehret, haben sich einige mit weinenden Augen zu mir gefüget, und mich gebeten, daß ich sie tauffetet; Dises habe ich ihnen nicht abschlagen können, sondern nach ihrem Begehren vollstreckt; anbey habe ich den Nahmen Christi über sie angeruft; sie auch weiter Liebe und Einigkeit, und Gemeinschafft aller Dinge gelehret, wie auch die Apostel Act. c. II. Und damit sie des Todes Christi in allweg eingedenck wären, und sein vergossen Blut nicht vergässen, habe ich ihnen den Brauch Christi angezeiget, den er in seinem Nachtmal gehalten hat, und zugleich mit ihnen das Brot gebrochen, und das Tranck getruncken, damit wir uns erinnerten, daß wir alle durch den einigen Leib Christi erlößt und durch sein einiges Blut abgewaschen seyen, auf daß wir alle eins, und je einer des andern Bruder und Schwester in Christo unserm Herren wären. Von diesem allem bin ich überzeuget, daß es der steiffe Wille Gottes seye. Darum bitte ich Euere Weisheit, daß sie sich an dem Eckstein Christo nicht verstosse. Gott bewahre alle diejenigen, die seinen Nahmen anruffen in der Warheit!

Quelle:
Beyträge Zur Erläuterung der Kirchen- Reformations-Geschichten des Schweitzerlandes; Herausgegeben von Johann Conrad Füßlin. Dritter Theil. Zürich, bey Conrad Orell und Comp. 1747.

Brennwald, Johannes – An den Rath zu Zürich

Brennwald, Johannes – An den Rath zu Zürich

Gnädige liebe Herren! Wie mein Herr Vogt Euch zuschreibt, daß einige Händel vorgegangen seyen, werdet ihr ferner aus meinem Schreiben verstehen. Demselbigen ist auf das kürtzeste also: Wie ich aus der Disputation((wahrscheinlich die zweite Disputation mit den Wiedertäuffern vom 20. März)) heim gekommen bin, ist mancherley von den Widertäuffern geredt worden, nemlich man habe sie nicht genugsam verhören wollen. Auf solches habe ich am Sonntag wollen das Gotts-Wort verkündigen und in meinem Fürnehmen fortfahren, nemlich in dem VII. Capitel Johannis von der Beschneidung, wie dieselbige von Moses gegeben sey und von den Vätern, wie der Text lautet, deßgleichen von dem Ursprung derselbigen, und wie sie uns verkehrt worden in die Tauff. Dann zuvor wollte ich nicht fürfahren und keinerley anziehen, das sich auf die Tauff schickete, dann ich wollte warten bis das Gespräch vorüber war. Da sind die Widertäuffer aufgestanden und mir in die Sach gefallen und haben unter anderen Worten geredt: Man hätte sie nicht verhören wollen; sie hätten auch einen Brief gezeiget in der Disputation, man hätte aber denselbigen auch nicht anhören wollen. Diesen Brief lasen sie öffentlich vor aller Gemeind oder Versamlung der Unterthanen, auch vieler anderer fremder Leuthen aus dem Ergäu. Darauf verlasen sie etliche Schriftstellen aus dem Neuen Testamente. Neben anderem sprach einer zu mir: Ihr der Widertäuffer Blut stünde in meiner und des Zwinglins Hand, dasselbige würde bezeugen, daß das ihrige gerecht sey und nicht meines und des Zwinglins; wir verführten das gemeine Volck. Auf dieses habe ich öffentlich geredt: Ich wollte es einer Oberhand anzeigen, und bin darnach aus der Kirche hinaus gegangen. Einer schrye mir nach: Ich hätte sie schon gnug verklaget, man sollte mich da dannen thun. Solches ist vorgegangen mit vieler Unbescheidenheit, das ich Gott klage, und bitte euch meine gnädige Herren demütig, um Rath und Hilffe, damit mir Bescheid werde, wie ich mich verhalten solle, dann ich kan nicht bey mir selbst finden, daß ich dißmahl Fried und Ruhe haben möge. Ich habe auch den Weibel und meiner gnädigen Herren Knecht mit mir zu meinem Herren Vogt genommen, und ihm solches angezeiget unter Augen, der dann solche und andere Händel angehört hat. Hiermit bewahre der allmächtige Got Euch meinen gnädigen, lieben Herren allen Seel, Leib, Ehr und Gut Amen.

Datum in der Veste Grüningen auf Sonntag nach St. Marxen Tag in dem Jahr 1525.

Euer zu aller Zeit gehorsamer und Williger Johannes Brennwald.

Beyträge zur Erläuterung der Kirchen-Reformations-Geschichten des Schweitzerlandes
3. Theil
Johann Conrad Füßlin
Zürich, bey Conrad Orell und Comp. 1747

Einiger Wiedertäuffer Bittschrift an den Rath zu Zurich, daß man ihre Sache recht untersuche.

Einiger Wiedertäuffer Bittschrift an den Rath zu Zurich, daß man ihre Sache recht untersuche.

EHrsame, weise, günstige Herren! Wir mögen wohl erkennen, daß ihr Mühe und Arbeit mit uns habet, und daß wir hingegen in grossen täglichen Sorgen stehen. Nun möchten wir leiden, und wollen auch Gott treulich darum anruffen, damit er euch und uns zu Frieden helffe. Dieses mag wohl geschehen, wenn euere Gnaden ein öffentliches Gespräch vorschlagen und darzu auch andere Leuthe erforderen, es seyen dieienigen, welche um dieser Sache willen verschickt worden oder andere. Was dann mit dem Worte Gottes erfunden wird, darzu wollen wir unser Leib und Leben, Ehr und Gut setzen und verpfänden. Wenn ihr aber je eine Antwort von uns haben wollet, und nichts anderes, so bekennen wir öffentlich, daß wir die Gnad von Gott nicht haben mit Mr. Ulrich zu reden, daß er uns recht versstehe oder wir recht von Herzen reden können. Darum so bitten wir euch meine gnädige Herren, daß ihr auf unseren Kosten einem oder zweyen Männeren erlaubet, mit genugsamer Versicherung von und wieder biß zu ihrer Gewahrsame, in euere Stadt zu kommen, sintemahl sie von wegen des göttlichen Wortes nicht alle Wege wandlen dörffen, wie Mr. Ulrich selbst bißher nicht gute Lust gehabt hat. Dieselbigen sollen von unsertwegen alle Schriften anzeigen, damit jedermann grundlich erkennen mög, ob wir gerecht oder ungereche daran seyen, Ach Gott! wir begehren nicht mehr als die Wahrheit und Gerechtigkeit, bey derselbigen wollen wir uns mit der Gnade Gottes biß in den Tod finden lassen, wie wir dann euch unseren gnädigen Herren je und in allwegen zugesaget haben, unser Leib und Leben zu euren Gnaden und zu dem Worte Gottes und zu der göttlichen Gerechtigkeit zu setzen. Gnädige Herren! Lasset die Sache um Gottes willen zu einem öffentlichen Gespräch kommen, wie mit den Bildern und den Messen. Wir begehren sonst nichts auf Erden, dann allein, daß man mit dem Worte Gottes diesen Sachen einen Austrag gebe. Doch forderet auch andere Leuthe darzu, die vielleicht mehrere Gnade haben mit Mr. Ulrich zu reden, als wir haben. Glaubet uns fürwahr, wir wollten gern recht thun. Gott wolle uns darzu helffen. Derohalben lasset um Gottes willen die Handlungen zu einem öffentlichen Gespräch kommen. Wir hoffen und wissen, daß kraft des göttlichen Worts die Wahrheit heiter und klahr an den Tag kommen, und euere Gnaden fürohin mit uns wohl zu frieden seyn werden. Gebet uns darauf um Gottes und seiner Barmherzigkeit willen eine gnädige Antwort.

Beyträge Zur Erläuterung der Kirchen- Reformations-Geschichten des Schweitzerlandes; Herausgegeben von Johann Conrad Füßlin. Dritter Theil. Zürich, bey Conrad Orell und Comp. 1747.

Amtleuthe von Grimingen – An den Rath zu Zürich

Amtleuthe von Grimingen – An den Rath zu Zürich

Die Amtleuthe von Grimingen berichten dem Rath zu Zürich/ wie sie seinem Befehl gemäß mit den Widertäuffern gehandlet und anerbieten ihre fernere Treue und Gehorsame.

FRomme, veste, fürsichtige, ehrsame, weise, günstige, gnädige unsere liebe Herren! Als wir euch zum nächsten geschrieben haben auf heut mit allen Täuffern zu handlen, dieses ist geschehen und sind sie in das Schloß zu Grüningen in die Stube zusammen beschickt worden. Derselbigen sind eben viel gewesen. Wir waren also zu Rath worden, ihnen euren gesandten Brief vorzulesen; darnach haben wir sie zum allerhöchsten und treulich gebeten, daß sie doch von ihrem Fürnehmen stühnden. Daran ist keine Mühe noch Arbeit gespahret worden. Darnach haben wir uns weiter unterredt, daß von den zwölfen und den verordneten Amtleuthen die Helffte aus der Stuben geben, und die andere Helffte darinnen bleiben sollte; die in der Stuben sollten sie für und für bitten und beten, daß sie von ihrem Fürnehmen stühnden, und die ausser der Stuben sollten die Täuffer einen nach dem andern hinaus nehmen und jeden insbesonder fragen, was Willens er wär? Also hat ein Theil Weiber und Männer geantwortet: Sie vermeynten des Tauffens halber nicht unrecht gethan zu haben, und wollten auch darauf verharren bis in den Tod. Also haben wir von Mittag bis in die Nacht mit ihnen gehandlet. Wir haben der ungehorsamen ungefehr bey neunzig aufgeschrieben, und deren, die gehorsam worden dreyzehen. Solcher Fleis ist vorgekehrt worden, und ist der Amtleuthe allerhöchste Bitt an Euch unsere liebe Herren, daß ihr an unserer Handlung ein Genügen und vor gut habet, und uns behulffen und bereathen seyet, und eueren Rathschlag schrifftlich überschicket, dann wir die Verordneten sind des Willens euch als unseren lieben Herren gehorsam zu seyn. Auf diese euere schrifftliche Antwort wollen wir an alle Kirchbörinen schreiben und es auf jezt kommenden Sonntag verlesen lassen, daß abermals von jeder Kirchböri zwey Männer ausgezogen und mit voller Gewalt versehen werden, mit den Amtleuthen für und für nach euerem Schreiben zu handlen.

Datum Dienstag vor Andreas-Tag 1525, verwahret von gemeiner Amtleuthe Bitte wegen mit unsers getreuen, lieben Vogts Georg Bergs Innsigel.
Beyträge zur Erläuterung der Kirchen-Reformations-Geschichten des Schweitzerlandes
3. Theil
Johann Conrad Fürlin
Zürich, bey Conrad Orell und Comp. 1747
Gemeine Amtleuthe zu Grüningn.

Conrad Grebel und Marx Bossart – Bittschrift an den grossen Rath zu Zürich

Conrad Grebel und Marx Bossart – Bittschrift an den grossen Rath zu Zürich

daß er ihnen sicheres Geleit gäbe.

HErr Bürgermeister! ehrsame, weise, gnädige, liebe Herren! Wir Conrad Grebel und Marx Bossart haben euerer Weißheit Brief und Gebot an alle diejenigen, welche sagen, daß Mr. Ulrich Zwinglin in seinem Tauff-Buche lüge, auf datum dieses Briefs gelesen und verstanden. Derowegen ist unsere Antwort, Bitt und Anschreyen, daß ihr unsere gnädige Herren uns vor euch Rath und Bürgeren auf künftigen Samstag zu erscheinen ein freyes, sicheres Geleit in euere Stadt und wiederum daraus an unsere Gewahrsame gebet, so werden wir erscheinen. Wenn wir solches nicht von euch unseren gnädigen Herren erwerben mögen, wie wir nicht hoffen, auch nicht verschuldet haben, so bewegen uns viele billiche, christliche Ursachen auszubleiben, biß Gott anderes ordne nach seinem Wohlgefallen. Die Ursachen zu erzehlen, wird füglicher vor euch geschehen, als daß wir sie hierher setzen. Euren Geleits-Brief möget ihr in Rudi Thomanns Hauß zu Zollikon thun und schicken, so werden wir ihn wohl empfangen und verstehen, ob wir zu euch und wiederum von euch ein sicheres Geleit biß an unsere Gewahrsame haben werden, dahin wir dann geführt werden sollen nach dem Willen Gottes. Hiermit nichts mehr dann so wir euch unseren gnädigen Herren in allerley zeitlichen, dienstlichen Händlen mit Gehorsame dienen können, so sind wir willig und bereit darzu, Wir bitten, ihr wollet unser einfältig Schreiben nicht verarben und das nothwenige Anbringen gewähren. Gott bewahre uns alle mit seinem Frieden nach seinem Willen. Euere gehorsame, willige Bürger und Diener, Conrad Grebel und Marx Bossart. Donnerstags nach St. Ulrich 1525.

Quelle:
Beyträge Zur Erläuterung der Kirchen- Reformations-Geschichten des Schweitzerlandes; Herausgegeben von Johann Conrad Füßlin. Dritter Theil. Zürich, bey Conrad Orell und Comp. 1747.

Mantz, Felix – Protestation und Schutzschrift an den Rat von Zürich

Mantz, Felix – Protestation und Schutzschrift an den Rat von Zürich

Weise, fürsorgende, gnädige, liebe Herrn und Brüder!

Eure Weisheit wissen wohl, daß viele ungewöhnliche Gespräche stattgefunden haben. Einerseits meinen einige, man müsse neugeborene Kinder, die gerade aus dem Mutterleib kommen, taufen; denn das könne aus der Heiligen Schrift bewiesen werden. Die andern wissen und glauben auf Grund ihres Studiums göttlicher Schrift – und zwar mit Recht -, daß die Kindertaufe schlecht und falsch ist, vom Antichristen stammt und von ihm erdacht ist. Zu diesen gehöre auch ich und werde von einigen als Aufrührer und Unmensch angesehen und angezeigt. Das geschieht mir aber unbillig und zu Unrecht. Es kann auch in Wahrheit niemals nachgewiesen und belegt werden, daß ich irgendwo Aufruhr gestiftet habe oder daß ich irgendwo irgendwen etwas gelehrt oder zu ihm gesprochen habe, was Aufruhr gebracht hat oder bringen kann. Das werden alle, mit denen ich je zu schaffen gehabt habe, von mir bekennen. Deshalb geschieht mir Unrecht. Da man mich nun (wenn auch ohne Grund) so einschätzt, halte ich es für nötig, Euch, meinen gnädigen, lieben Herrn, Rechenschaft und Begründung meines Glaubens zu geben. Ich meine, die Wahrheit hätte sich durchgesetzt, wenn die Sache Euch zu Ohren gekommen wäre. Denn als wir sie mehrmals Euren Hirten vortrugen, haben sie wohl stets mit uns verhandelt, aber das, was beschlossen war, daß man nämlich die Schrift reden lassen sollte und daß wir nichts hinzufügen oder abstreichen sollten, das ist nie in Erfüllung gegangen. Sie haben wohl ihre Meinung vorgetragen, aber nicht mit Schriftstellen begründet. Wir konnten nicht zum Sprechen kommen und auch die Schrift konnte nicht gehört werden. Hinzukommt, daß sie einem das Wort im Hals verstopfen, wenn sie glauben, daß jemand etwas zur Wahrheit sagen will. Sie überfallen einen und verlangen Schriftstellen, wenn sie sie selbst vortragen und der Wahrheit beistehen sollten. Das tun sie, weiß Gott wohl. Sie wissen auch viel besser, als es jemand darlegen kann, daß Christus die Kindertaufe nicht gelehrt hat, daß auch die Apostel sie nicht geübt haben, sondern daß, entsprechend dem Sinn der Taufe, allein die getauft werden sollen, die sich bessern, ein neues Leben annehmen, den Lastern absterben, mit Christus begraben werden und mit ihm in Erneuerung des Lebens aus der Taufe auferstehen. Zum folgenden will ich Eure Weisheit um Gottes und um des gemeinsamen Namens willen, den wir miteinander tragen, gebeten haben: Bitte hört ohne Ansehen der Person, ernstlich, fleißig und wohlwollend der lauteren, klaren Wahrheit zu, wie sie uns durchs Wort offenbart ist; ermeßt wohl, was da angeführt wird, und laßt Euch die kurze Zeit nicht leid sein! Denn es ist, obwohl das Gegenteil behauptet wird, keine kleine Sache, daß die beiden einzigen Zeremonien, die Christus uns hinterlassen hat, anders gebraucht werden, als wie Christus sie befohlen hat.

Zum ersten hat der ewige Rat Gottes einen vorgesehen, der seinem einzigen Sohn ein Vorläufer sein, ihm den Weg bereiten, seinem Volk ihre Laster anzeigen und sie ermahnen sollte, daß sie von ihren Lastern abließen und sich besserten. Denn die Axt liege am Baum, und es werde ein jeder, der nicht gute Früchte gäbe, abgehauen und ins Feuer geworfen. Und denen, die sich bessern wollten, kündigte er das Lamm Gottes an, das die Sünden der Welt hinnehmen werde, und taufte sie so, daß ihnen ihre Sünden vergeben sein sollten durch das künftige Leiden Christi, wenn sie ihr Leben geändert hätten und von nun an rechtschaffene Früchte tun würden. Das findet Ihr Mat. 3, Mark. 1, Luk. 3, Joh. 1. Genau wie Johannes allein die taufte, die – wie ausdrücklich gesagt wird – sich besserten, die bösen Früchte flohen und Gutes taten, so empfingen auch die Apostel vor der Himmelfahrt Christi von Christus einen Befehl, als er sprach: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden; darum geht hin und lehret alle Völker und tauft sie“! Und bei Markus 16: „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ Denn als Petrus von Cornelius vorgeladen wurde und man ihm sagte, warum er geholt worden sei, begann er, ihnen darzustellen, wie Christus gekommen sei, gelehrt und Kranke gesund gemacht habe, getötet und wiederauferstanden sei. Dann heißt es wörtlich: „Diesen hat Gott auferweckt am dritten Tage und ihn lassen offenbar werden nicht allem Volk, sondern allein den Zeugen, die zuvor auserlesen waren, wie wir, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Toten. Und er hat uns geboten, daß wir dem Volk predigten und bezeugten, daß er von Gott als Richter der Lebendigen und der Toten eingesetzt worden ist. Das bezeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden erlangen wird. Und als Petrus diese Worte noch redete, fiel der Heilige Geist über alle, die diese Rede hörten, und es erstaunten die aus der Beschneidung, und alle, die mit Petrus gekommen waren, glaubten, daß die Gabe des Heiligen Geistes auch den Heiden zugute gekommen sei“ usw. Aus diesen Worten kann man klar erkennen, wie die Apostel den Befehl Christi, wie er oben nach Matthäus zitiert wurde, verstanden, nämlich so: Wenn sie auszögen, sollten sie alle Völker lehren, daß alle Gewalt im Himmel und auf Erden Christus übergeben sei und daß in seinem Namen jedem Vergebung der Sünden widerfahren werde, wenn er an ihn glauben, seinen Sinn ändern und entsprechend rechtschaffene Werke tun werde. Nach Annahme dieser Worte und Empfang des Heiligen Geistes, der sich bei denen, die die Ansprache von Petrus gehört hatten, durch das Hervorbrechen der Zungenreden kundtat, wurden sie auch mit Wasser begossen, damit sie, wie sie innerlich durch den Empfang des Heiligen Geistes gereinigt worden waren, auch äußerlich mit Wasser begossen wurden als Zeichen der innerlichen Reinigung und des Absterbens gegenüber den Sünden. Und daß dies die Bedeutung der Taufe ist, dafür haben wir weiter einen Beleg in der Apostelgeschichte, wenn Paulus erzählt, wie es ihm erging, als er nach Damaskus kam und Ananias folgende Worte zu ihm redete: „Der Herrgott hat dich verordnet, daß du seinen Willen verstehen solltest und sehen, was recht ist, und hören die Stimme aus seinem Munde; denn du wirst bei allen Menschen ein Zeuge der Dinge sein, die du gesehen und gehört hast. Und nun, was verziehest du? Stehe auf und werde getauft und wasch dir die Sünden ab, wenn du des Herren Namen angerufen hast. Und nun, was fehlt dir weiter als nur getauft und von deinen Sünden gereinigt zu werden, nachdem des Herren Name angerufen worden ist?“ Aus diesen Worten sehen wir ganz klar, was die Taufe ist und wann die Taufe gebraucht werden soll, nämlich wenn einer, bekehrt durch das Wort Gottes, seinen Sinn geändert hat und von jetzt an in Erneuerung des Lebens wandeln will (wie Paulus in der Epistel an die Römer im 6. Kapitel klar ausspricht), wenn er abgestorben ist dem alten Leben, beschnitten um sein Herz, mit Christus von den Lastern gestorben, mit ihm begraben in der Taufe und wiederum mit ihm auf -erstanden in Erneuerung des Lebens usw. Wenn man diese erwähnten Dinge den Kindern zuschreibt, so ist das ohne und wider die ganze Schrift.

Solcher und ähnlicher Belege ist die ganze Schrift des Neuen Testaments voll. Aus ihnen habe ich jetzt eindeutig gelernt und weiß es gewißlich, daß die Taufe nichts anderes ist als ein Absterben des alten Menschen und das Anziehen eines neuen, daß Christus die zu taufen befiehlt, die unterrichtet worden sind, daß die Apostel niemanden getauft haben als allein diejenigen, denen Christus verkündigt worden war, und daß sie ohne äußerliche Anzeichen und gewisses Zeugnis oder ohne Begehren niemanden getauft haben. Wer anders redet und lehrt, tut, was er mit keiner Schriftstelle beweisen kann. Ich möchte auch gern einen hören, der mir aus wahrer, klarer Schrift beweisen kann, daß Johannes, Christus oder die Apostel Kinder getauft ‚haben oder gelehrt haben, man solle sie taufen. Da man das nicht nachweisen kann, bedarf es keiner Rede mehr: Die Kindertaufe ist wider Gott, eine Schmähung Christi und ein unter die Füße Treten seines einzigen, wahren, ewigen Wortes. Sie ist auch wider das Beispiel Christi, der dreißigjährig getauft und achttägig beschnitten wurde. Nun hat uns Christus das Beispiel gegeben, damit, was er getan hat, wir auch tun sollen. Deshalb will ich Eure Weisheit freundlich und auf das allerdringlichste gebeten haben: Bitte nehmt mein Schreiben im besten Sinne auf. Denn mir liegt fürwahr nicht an Ehre, Namen oder Ruhm. Auch tue ich solches nicht aus Neid oder Haß, wie man von mir ausgibt, sondern es geht allein darum, daß es die ewige Wahrheit Gottes ist, die niemand überwinden kann. Auch ein Engel im Himmel kann nichts anderes lehren, als was oben dargestellt ist. Das ewige, wahre Wort Gottes wird auch jedem im Herzen singen, daß dies die Wahrheit ist, er sträube sich dagegen oder nicht.

Ich möchte Eure Weisheit auch ermahnt haben, daß Ihr Euch an den Streit über die Götzen erinnert. Zeitweise war er erlaubt, zeitweise galt er als unrecht. Deshalb kam er um sein Leben. Ich bin gewiß, Meister Ulrich versteht die Taufe genauso und noch viel besser. Aber ich weiß nicht, warum er sie nicht verkündigt. Ich weiß aber gewißlich, daß niemand etwas dagegen vermag, wenn man das einzige Wort frei und einfältig darstellt, und daß Gott auch die Pläne der Gottlosen zerstreuen wird. Wenn es in andern Fällen und Greueln seinen Weg gegangen ist, wird es auch hier seinen Weg gehen, man lasse es nur frei und die Wahrheit Wahrheit sein. Daß man aber spricht, es sei nichts daran gelegen, wie man die Taufe feiert, das kann nicht mit Schriftstellen bewiesen werden. Vielmehr will Gott haben, daß wir seine Gebote und Zeremonien einhalten, wie er sie uns geboten hat. Wir haben auch viele Beispiele, daß Gott das Übertreten äußerlicher Gebote schwer bestraft hat, wie die zwei Söhne Aarons, die verbrannt wurden, und andere unzählige Beispiele, die zu erzählen hier zu lang wäre.

Ich möchte Eure Weisheit auch daran erinnert haben, daß bürgerliche und staatliche Rechte durch die Taufe nicht geschwächt oder gebessert werden. Deshalb möchte ich Euch aufs fleißigste gebeten haben: Bitte besudelt Eure Hände nicht mit unschuldigem Blut und meint, Ihr tut Gott einen Dienst, wenn Ihr einige tötet oder verjagt. Es könnte alles unschuldige Blut aus Euren Händen zurückgefordert werden.

Ich möchte Eure Weisheit auch um folgendes gebeten haben. Da Meister Ulrich meint, er könne die Kindertaufe, die von den Päpsten erdacht wurde – obgleich sie den ersten Päpsten und ihren Verordnungen zuwiderläuft, wie aus der Geschichte deutlich wird – und die von Menschen eingeführt und erdacht wurde, mit der Heiligen Schrift beweisen, was ich doch nicht glaube, möchte ich Eure Weisheit aufs allerfleißigste gebeten haben, daß er das schriftlich tue, wie er es immer wieder allen gegenüber angeboten hat, mit denen er zu tun gehabt hat. Ich will ihm gütlich zuhören und antworten. Reden tue ich nicht gern, kann es auch nicht. Denn er hat mich früher so oft mit viel Reden überfallen, daß ich ihm nicht habe antworten können oder durch sein langes Reden zur Antwort nicht gekommen bin. Es wird auch viel Zank und Hader vermieden. Denn wenn man reden würde, könnte er meinen, ich sei ganz in die Knie gezwungen worden.

Als ein Bürger rufe ich also Euch, meine gnädigen, lieben Herren und Brüder, an und erkläre hiermit auch feierlich, daß ich solcher Meinung und Auffassung bin und das nicht ohne besondere Gründe aus heiliger und göttlicher Schrift. Ist nun irgendeiner, sei er, wer er wolle, der auf Grund göttlicher Schrift der Meinung ist, daß man junge, neugeborene Kinder taufen soll, der mag das Euch, meinen Herren, schriftlich und schwarz auf weiß kundtun. Ich will jedem Antwort geben. Ich kann nicht gut disputieren, will es auch nicht, sondern will es mit Heiliger Schrift zu tun haben, und zwar mit solchen Stellen, die klar von der Taufe handeln, daß junge, neugeborene Kinder auf Geheiß Christi von den Aposteln getauft worden sind. Doch glaube ich und weiß es auch, daß das kein Mensch auf Erden nachweisen kann.

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