Lambert, Franziskus – An den Bischof von Lausanne

Lambert, Franziskus – An den Bischof von Lausanne

Auch kann ich Ew. Herrlichkeit nicht mit Wahrheit einen Bischof nennen, wenn ich Sie nicht beschimpfen und gegen mein Gewissen handeln will. Für einen Fürsten kann ich Ew. Herrlichkeit halten, aber nicht für einen Bischof, dieweil Sie das Evangelium nicht verküngit. Es ist ein Schimpf für einen Fürsten, wenn man ihn einen Bischof nennt, denn was heißt das Anderes als: hier ist ein christlicher Prediger, der beständig das Wort treibt, der vollkommne Kenntniß der heiligen Schrift besitze, der demüthig, gastfreundlich ist, und der für seine Person in Beobachtung der Gebote des Evangeliums das Beispiel gibt, nicht Anderes kennt als das Lesen und Erklären der heiligen Schrift. Wenn nun aber von dem Allen keine Spur vorhanden ist? Es mag Ew. Herrlichkeit einen Bischof nennen, wer da will, ich nicht. Dafür möge Sie sogren, daß Sie wahrhaftige Bischöfe unter sich habe. Denn eine jede einzelne Pfarrei soll einen Bischof haben, welcher, wenn er vom Volke gewählt und von der Gemeinde irgend eines Ortes bestätigt worden, weder Briefe noch Siegel bedarf, und so lange für einen Bischof zu halten ist, als er das reine Evangelium vom Reiche Gottes verkündigt. Weicht er davon ab, so kann ihn die Gemeinde, welche ihn gewählt, entsetzen und einen andern suchen.

Befindet sich wohl ein Einziger unter denen, die wissen, was Christi Lehre ist, und der dennoch spräche: ich gehöre Luthern an? Luther ist ein Mensch, aber wenn das was Luther oder ein Anderer sagt, göttliche Wahrheit ist, wie sollten wir nicht dem beifallen, was der heilige Geist, durch Luthernuns geoffenbaret hat? Weder Luther noch seine Schriften haben mich gelehrt, was ich in der heiligen Schrift erkannt, wiewohl ich Luthern erkenne und bekenne, daß ich in seinem Umgang nicht wenig gelernt habe. Ich bin gewiß, daß er ein Apostel, ein Engel Gottes ist, das heißt: von Gott gesandt. Denn es wäre unmöglich, daß er solche Schriften, voll göttlicher Wahrheit, hätte verfassen können, wenn er nicht von Gott dazu gesandt wäre. Und so wie das was Paulus schrieb nicht verdammlich ist, deßwegen weil Paulus ein Mensch war, eben so wenig ist das, was Luther geschrieben verdammlich, weil Luther ein Mensch ist.

Verweigerst Du aber deinem Volke das Wort Gottes, so soll es Dir nicht gehorsamen; denn wenn sie Christi Schaafe sind, so wollen sie auch auf Christi Weide gehen. Es können daher alle gläubige Völker sagen, ja sie sollen sich dazu verbinden und sprechen: Wir wollen das Wort unseres Gottes hören, wir wollen nichts wissen weder von den Decreten und Satzungen des Papstes, noch von den Zänkereien der Sophisten! Verweigern dieß Fürsten und Obrigkeit, die doch selber für christgläubig gehalten sein wollen, so können sich die Völker geradezu ihrer Oberherrlichkeit entziehen. Denn die Völker sind gehalten in allen Stücken dem Fürsten oder sonstiger Obrigkeit sich zu fügen, ausgenommen in dem, was gegen Gottes Wort ist, und darin, daß sie Gottes Wort nicht hören sollen.

Siehe wohl zu, daß Du nicht von irgend Jemand Dich allzu leicht verleiten lassest, denn mit deiner Seele mußt Du bezahlen die Seele jenes Mannes1), welcher einen nothwendigen, und wie ich in der Schrift von der Ehe an Franz I. hinlänglich bewiesen habe, einen frommen Schritt gethan hat. Denn auch ich bin ehelich geworden, die Synagoge Satans mag nun toben wie sie will. Gott befiehlt die ehe allen denen, die im Geiste nicht keusch bleiben können, der Papst verbietet sie und macht eitel Heuchler. Wem soll man gehorchen? Gott hat keinen Unterschied gemacht zwischen Geistlichen und Laien, der Befehl ist allgemein, und geht jeglichen Stand an, und wenn Ew. fürstliche Hoheit der Frömmigkeit Gehör geben will, so wird Ew. fürstliche Hoheit selbst ehelich werden und durch Ihr Beispiel die Gräuel zerstören helfen, welche durch die Ehelosigkeit entstanden sind.

Quelle:
Franciscus Lambert von Avignon Von F.W. Hassencamp, theol. Dr. Elberfeld. Verlag von R. L. Friderichs. 1860

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