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Schlagwort: Fabri Christoph

Calvin, Jean – An Farel und Christophe Fabri in Neuchatel (463).

Calvin, Jean – An Farel und Christophe Fabri in Neuchatel (463).

Der Name des Überbringers ist unbekannt; zu dem Verbot des Abendmahlsgenusses in Genf vgl. 439. Morelet de Museau (vgl. 6869), der französische Diplomat, war mit Calvin befreundet.

Teilnahme am Abendmahl in Genf für Berner verboten.

Wie schlimm man mit diesem unserm Freund, [der Euch diesen Brief bringt], umgegangen ist, kann er Euch selbst besser erzählen. Als ob er ein schlimmes Verbrechen begangen hätte, als er mit uns das Abendmahl feierte, rief ihn der Landvogt von Thonon vor sich und fuhr ihn an, er habe das Edikt des Berner Rats verachtet. Obwohl er sich mit bescheidener, gründlicher Entschuldigung rechtfertigte, wurde ihm doch die Strafe der Ausweisung auferlegt. Ich nehme an, dies Vorgehen werde Euch unglaublich scheinen; aber ich versichere Euch, es ist tatsächlich begangen. Nun reist er deswegen nach Bern; weil er aber dort unbekannt und unerfahren ist, wünscht er sehr, ein Mann, der in solchen Dingen Erfahrung hat und in Bern etwas gilt, möge ihm in seiner ganz guten und heiligen Sache beistehen. Einige Leute meinten, unser lieber Bruder Christophe werde dazu am besten passen. Mir war es nicht eingefallen, aber als er mir erzählte, andere hätten ihm das geraten, billigte ich es durchaus. Deshalb möchte ich dich, lieber Christophe, ersuchen und bitten, falls dich nicht irgendetwas Wichtigeres und Notwendigeres zu Hause festhält, übernimm diese Mühe, nicht bloß weil ich dich darum bitte, sondern um der Sache selbst willen, die mit der Ehre Gottes und dem Heil aller Frommen unzertrennlich verknüpft ist. Ich weiß zwar, dass ich in Bern so bitter gehasst werde, dass man alles eher verteidigen darf als unsere Genfer Kirche, aber ich weiß auch, dass du zu mutig bist, als dass du dich von diesem Qualm der Feindschaft abschrecken lässest. Tatsächlich ist der Sachbestand ja auch günstig, nämlich, dass es nichts Widersinnigeres und Ungeheuerlicheres geben kann, als dass ein Mann von altem, gutem Adel, der stets in allen Ehren gelebt hat, ausgewiesen wird wegen einer frommen Handlung. Ich möchte, Ihr sähet wirklich nur auf diese Tatsache, die Euch hoffentlich selbst einen guten Rat für das gibt, was Ihr für der Mühe wert haltet zu tun.

Lebt wohl, beste, trefflichste Brüder; der Herr sei stets mit Euch, er behüte Euch und lenke Euch mit seinem Geiste. An Mathurin und die andern Freunde viele Grüße. Morelet aß gestern hier zu Mittag. Wir sprachen nur kurz miteinander, weil ehrenhalber der Landvogt von Gex in der Nähe saß und ich Morelet durchaus nicht bewegen konnte, länger zu bleiben. Er ist voll der wunderbarsten Gerüchte hierher gekommen; wenn ich sie ihm nur recht ausgeputzt habe! Wegen unserer gefangenen Brüder [in Chambery] schweben wir noch zwischen Furcht und Hoffnung. Nochmals lebt wohl.

Genf, 29. September 1555.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Neuchatel.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Neuchatel.

Farels Kollege in Neuchatel, Christophe Fabri, hatte Calvin zu seiner Hochzeit eingeladen. Die Partei der Gegner Calvins errang damals eben in der Wahl ihres Führers Perrin zum ersten Syndic die Oberhand. Der Pfarrer von Vandoeuvres, Philippe de l´ Eglise, ein Anhänger Bolsecs und der Vertraute de Falais´, war wegen Wucher und leichtfertigen Lebens von seinen Kollegen beim Rat verklagt worden.

Absage auf die Einladung zur Hochzeit.

Dass dir eine [zweite] Ehe beschieden worden ist, freut mich sehr, weil es nach Urteil der Brüder sowohl dir persönlich angenehm, als der ganzen Kirche von Nutzen sein wird. Auch wenn mir das Mädchen nicht genügend bekannt ist, so habe ich doch, gestützt auf mancherlei Gründe, die Überzeugung, dass beides nach unserem Wunsch eintreffen wird. So haben wir Anlass, dir Glück zu wünschen und dem Herrn von Herzen Dank zu sagen. Ich hätte gerne deiner Hochzeit beigewohnt. Aber die Bosheit der Leute, die sich unaufhörlich zu ihrem und des Gemeinwesens Schaden als Tolle zeigen, hält mich zu Hause fest. Mit Recht nenne ichs Tollheit, denn so zügelloser Frechheit haben sie sich bis jetzt nicht hingegeben. Ihre frevlen Pläne zur Untergrabung des Glaubens, ihre krasse Verachtung Gottes, ihre pietätlosen Intrigen zur Spaltung der Kirche, den schmutzigen Epikuräismus ihres ganzen Lebenswandels will ich beiseite lassen. Nicht weil das nur geringe Übel wären, sondern weil es Euch ja nicht neu ist. Jetzt aber arbeiten sie darauf hin, die ganze Ordnung und die Verfassung der Republik zu zerstören. Hättest du einen Monat später geheiratet, so wäre ich vielleicht eher frei gewesen, jetzt darf ich keinen Schritt hinaus tun. Seit einem ganzen Monat bin ich nicht mehr zum Stadttor hinausgekommen, nicht einmal zur Erholung. Hätte ich nur keine so triftige Entschuldigung! Das böse Winterwetter sollte sicher meinem Wunsch nicht im Wege stehen. Wir wollen aber für deinen Ehestand recht beten, dass sein Nutzen auch uns zugute komme. Schon ein Gespräch mit dem Herrn Schultheißen und unserm lieben Farel durch drei kalte Tage und eine beschwerliche Reise zu erkaufen, wäre mir nicht zuviel gewesen. Doch hätte mir dazu auch der eine Grund vollauf genügt, den Gefallen, den du von mir wünschtest, ebenso gern zu tun, wie du ihn eifrig erbatest. Ich hoffe, ein andermal die Freunde besser besuchen zu können. Lebwohl, liebster Bruder im Herrn. Farel wird mir verzeihen, wenn ich ihm nicht besonders schreibe. Sage ihm viele Grüße von mir. Neulich ist Louis [Cugniez], der Pfarrer von Russin, den er so schwer an langwieriger Krankheit leidend traf, von uns geschieden. An seine Stelle ist Jean Macard gekommen. Mit Philippe haben wir noch zu schaffen. Auch Mathurin [Cordier] und die übrigen Freunde grüße angelegentlich von mir. Der Herr behüte Euch und leite Euch mit seinem Geiste. Amen.

Genf, 13. Januar 1553.
Dein
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri und Farel in Neuchatel (330)

Calvin, Jean – An Christophe Fabri und Farel in Neuchatel (330)

Nr. 330 (C. R. – 1564) Vgl. 327329 Das Gutachten der Basler Pfarrer entsprach Calvins Wunsch wenig. Herr de Falais, dessen Hausarzt Bolsec war, hatte für ihn beim Rat Fürbitte eingelegt. Weggelassen einige Sätze über ein Empfehlungsschreiben.

Über das Basler Gutachten und de Falais´ Eintreten für Bolsec.

Eure Aufträge will ich besorgen. Wenn wir nur erreichen, was wir wollen! Die Basler Pfarrer haben geantwortet. Wir mussten wieder erfahren, wie wenig Hilfe wir an ihnen haben. Mykonius deutet recht kühl irgendetwas an, bringt die Sache gar nicht vorwärts und scheint durch Zurückhaltung das Lob der Weisheit erhaschen zu wollen. Sulzer aber schreibt ebenso, als ob es damit genug wäre. Kurz vorher hatte der Rat seinen eignen Boten [nach Basel] gesandt. Ich fürchte, sie wiederholen das gleiche Lied. Benehmen sich aber die Zürcher und Berner mutig, so macht uns [die Antwort der Basler] keine Not. Es liegt alles daran, dass der Schwindler nicht ins Bernbiet aufgenommen wird. Über de Falais ärgere ich mich so, dass ich die kaum ansehen mag, die mir seine Milde vorhalten. Eure Antwort wird, wenn sie rechtzeitig kommt, uns nicht wenig helfen.

Lebt wohl, beste, liebste Brüder. – –

Dez. 1551.
Ganz der Eurige
Calvin.

 

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Neuchatel

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Neuchatel

Nr. 328 (C. R. – 1600)

Dieses schwer datierbare und unvollendete Schreiben gehört wohl hierher, das die Kongregation, in der Bolsec seine Ansichten darlegte, als kürzlich abgehalten erwähnt wird.

Verteidigung der Prädestinationslehre.

Du aber, lieber Christophe, täuschest dich sehr, wenn du meinst, der ewige Ratschluss lasse sich so auslegen, dass Gott wohl einige zur Seligkeit erwähle, aber niemand zur Verdammnis bestimme. Denn, wenn er einige erwählt, so folgt doch sicher daraus, dass nicht alle erwählt sind. Was ist nun von denen zu sagen, als dass sie eben sich selbst überlassen werden zum Verderben? Es muss eine gegenseitige Beziehung bestehen zwischen Verworfenen und Erwählten. Jerome Bolsec bekennt zwar, wie er sagt, dass eine bestimmte Zahl Menschen von Gott erwählt sind, aber dringt man näher in ihn, so muss ers auf alle Menschen ausdehnen. Denn er sagt offen, ganz gleichmäßig werde die Gnade allen angeboten, die an ihnen wirksam sei zur Seligkeit. Dass die einen sie annehmen, die andern sie abweisen, dieser Unterschied sei im freien Willen der einzelnen begründet, die dem Ruf Gottes aus eigenem Antrieb folgten. Er sagt sogar, es seien alle so mit freiem Willen ausgestattet, dass allen die Möglichkeit gegeben sei, die Seligkeit zu erlangen. Du siehst, dass so die ganze Prädestinationslehre von Grund aus zerstört wird, und der freie Wille als das aufgestellt wird, was uns zum Teil wenigstens die Seligkeit erwirbt. Mehr als lächerlich aber ist, dass Bolsec den freien Willen bekennt und sich vor dem Wort Verdienst entsetzt. Denn, wenn einer deshalb zu den Kindern Gottes gerechnet wird, weil er sich der ihm angebotenen Gnadenannahme anpasst, wie kann man ihm da ein Verdienst absprechen? Dass Bolsec diese Gesinnung hegt, oder besser, dass er in diesen Wahn verstrickt ist, hat er schon früher gezeigt; doch kam er neulich wieder damit vor uns. Vor unsere Kongregation gerufen, erreichte er durch seine spitzen Reden nichts, als dass ich ihn aus seinem Versteck ans Licht zog. Außer fünfzehn Dienern am Wort waren noch andere gute Zeugen da. Sie alle wissen, dass er, wenn er nur einen Funken Schamhaftigkeit in sich gehabt hätte, gleich zur Vernunft hätte kommen können. Zuerst aber spielte er mit knabenhaften Sticheleien; als er schon nach ein paar Worten arg bedrängt war, warf er alle Scham von sich. Er leugnete plötzlich, was er zwei-, dreimal zugegeben hatte, und was er vorher geleugnet, gab er jetzt wieder zu; er wurde schwankend in seinen grundsätzlichen Behauptungen, kam sogar ganz davon ab; ohne Maß und Ziel drehte er sich stets im selben Kreise. Er konnte auch gar nicht anders. Denn, wenn wir nicht bekennen, dass, wer zu Christo kommt, vom Vater gezogen ist [Joh. 6, 44], und dass das die besondere Wirksamkeit des heiligen Geistes an den Erwählten ist, so müssen entweder alle ohne Unterschied erwählt sein, oder es muss die Ursache der Erwählung in jedes einzelnen Verdienst liegen. Wenn der Anfang der Verwerfung erst in den [auf die Berufung] folgenden Trotz des Menschen gesetzt wird, so folgt daraus, dass bei Gott nichts fest beschlossen ist, sondern dass sein Ratschluss über die einzelnen unbestimmt ist. Bolsec bekennt, dass alle Menschen von Natur verdorben seien, dass aber Gottes Gnade allen angeboten wird, zur Besserung der angeborenen Verderbtheit. Nun behauptet er, einzelne ließen auf Antrieb ihres freien Willens diese Besserung zu, wodurch sie wirksam werde, andere aber wiesen sie in der gleichen Freiheit ab und würden dadurch doppelt verstockt, und daraus leitet er dann seine erfundene Verwerfung ab. Wer sieht nicht, dass Gottes Ratschluss dem menschlichen Willen untergeordnet wird? Ich weiß nicht, welche Feinheit du in solcher Geschmacklosigkeit zu sehen meinst. Wenn ich etwas von göttlichen Dingen verstehe, so ist das törichter und plumper erfunden, als was die Papisten sagen. Wenn die Frucht der Erwählung ein guter, rechter Wille im Menschen ist, so folgt doch daraus, dass die Verworfenen mit aller Herzensleidenschaft zum Bösen getrieben werden. Auch Paulus, wenn er sagt: es liegt nicht an jemandes Wollen [Römer 9, 16], schreibt den Verworfenen keinen Willen zu, der an sich unwirksam wäre, sondern er lehrt, es fließe ganz aus Gottes Barmherzigkeit, dass die anfangen, das Gute zu wollen und recht zu wandeln, die vorher aller Rechtschaffenheit bar waren. Man höre doch also auf, den Quell und die erste Ursache der Scheidung in Erwählte und Verworfene im menschlichen Willen anzunehmen, wenn man Gottes Wahl noch irgendwelchen Raum geben will. – – –

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Thonon.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Thonon.

Familiennachrichten.

Es soll zwischen dir und deinem Kollegen zu einem so schlechten Abschluss gekommen sein, dass weder deine Lage in der guten Sache noch die deines Gegners in seiner schlechten in Zukunft besser sein werde. Wäre doch bald nicht nur Frieden, sondern feste Eintracht zwischen Euch! Von den von dir abgesandten Briefen habe ich nur den zweiten erhalten. Es ist mir ein rechter Schmerz, dass deine Frau und Eure Hanna zugleich krank sind. Denn ich kann von mir schließen, in welcher Not du bist. Meine Frau erholt sich nur recht schwer. Blutflüsse plagen sie noch jetzt. Es kam ein Husten dazu, der die Schmerzen verschärft; auch ist sie noch nicht ganz fieberfrei. Doch wird sie sich hoffentlich nach und nach erholen und wieder zu Kräften kommen. Der Herr gebe auch deiner Frau und deinem Töchterchen wieder volle Gesundheit. Sobald es die häuslichen Umstände erlauben, möchte ich dich besuchen. Nicolas und de St.-Andre sind wieder zurück. Als ich von deiner Angelegenheit sprach, wollte ich deinen Namen nicht nennen. Du hörst die Sache besser von mir und zugleich ihre Entschuldigungen. Also das alles mündlich. Ich glaube, du hast den Brief, den ich von dir bekam, denn ich finde ihn in meinem Schranke nicht. Lebwohl, lieber Bruder und bester Freund, samt Frau und Töchterlein. Der Herr behüte und segne Euch in allem. Meine Frau lässt dich und sie beide herzlich grüßen, ebenso die Brüder Abel, Cop und des Gallars.

Genf [1545].
Dein
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Thonon.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Thonon.

Calvin als Sittenrichter.

Es ist hier ein Bürger aus einer der vornehmsten Familien, dessen Magd entfloh heimlich, da sie schwanger geworden war. Wir hörten dann, sie sei in Rolle. Wir schickten dorthin. Man fand sie, als sie vor der Niederkunft stand, und kurz drauf gebar sie eine Fehlgeburt. Als der Ortsvorsteher auf unser Gesuch eine Untersuchung wegen Ehebruch einleiten wollte, brachte man die Person auf ein Schiff und fuhr mit ihr gegen Euer Gebiet hin. Es war Carinod, der das tat. Du siehst, es wird da mit Gott Spott getrieben. Wenn Ihr uns nun Eure Hilfe angedeihen lassen wollt, so solls ihnen mit aller Kunst nicht gelingen, die Wahrheit nicht an den Tag kommen zu lassen. Carinod muss vorgeladen werden; es muss ihm verkündet werden, er solle das Mädchen herbringen, sonst werde man gegen ihn wegen Entführung verfahren. Denn da feststeht, dass er sie aufs Schiff gebracht hat, so ist die Sache, wenn die Person nicht irgendwo zum Vorschein kommt, sehr verdächtig. Wer weiß, ob man sie nicht in den See geworfen hat? Durch solche Drohungen wird er sich vielleicht bewegen lassen, sie vorzuführen. Wenn nicht, so muss man gegen ihn verfahren wegen Ehebruch. Denn das Mädchen hat behauptet, von ihm schwanger zu sein. Will er also diese Schuld nicht auf sich nehmen, so soll er sagen, wer anders schuld ist. Er hat das Mädchen nach Rolle gebracht, er hat es auch von dort weggeführt. Er soll sagen, wer sie ihm anvertraut hat, oder für wen er das getan hat. Es ist aber Schnelligkeit und größter Eifer nötig. Sorge also dafür, dass wir so bald wie möglich etwas Sicheres erfahren. Denn wenn dieser Ehebruch nicht herauskommt, wird nachher in Genf alles ungestraft bleiben. Lebwohl, lieber Bruder und trefflichster Freund, samt deiner Frau und Hanna. Meine Frau, die noch mit einfachem Fieber zu tun hat, lässt Euch alle grüßen.

Genf, 3. November 1545.
Dein Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Thonon.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Thonon.

Christophe Fabri, genannt Libertetus, Pfarrer von Thonon (vgl. 10), war verreist als ihn Calvin besuchen wollte; Calvin hinterließ ihm folgenden Brief.

Von einem verfehlten Besuch.

Es tat mir und meinen Begleitern aus manchen Gründen leid, dass wir dich nicht zu Hause trafen; besonders weil wir uns mit dir über verschiedene Dinge zu besprechen wünschten. Dazu kam aber noch das eine, dass wir deine Frau nicht dazu bringen konnten, uns einfach als Hausgenossen zu behandeln. Denn sie trieb es so verschwenderisch, dass es mir vorkam, wir seien bei jemand ganz Unbekanntem zu Besuch. Zwar ließ sie sich zureden. Öfters bat sie, ich möchte nur befehlen, was mir beliebe. In allem andern folgte sie mir, nur darin bestand sie auf ihrem Willen, dass sie viel zu viel Aufwand machte für unsere Verpflegung. Es stand immer doppelt so viel Essen da, als nötig gewesen wäre. Das hat uns aber keineswegs gehindert, ganz ungeniert von deiner Gastlichkeit Gebrauch zu machen. Jedenfalls waren wir so gut aufgehoben, wie wenn du da gewesen wärest. Da ich Viret geschrieben hatte, an welchem Tage ich hier sein werde, hatte ich gehofft, er werde mit dir gleich herüberfahren. Nun habt Ihr unterdessen stets widrigen Wind gehabt.

Nun aber vernimm noch kurz einiges, damit ich dich nicht, nachdem wir dein Haus leer gegessen, auch an Neuigkeiten leer lasse. Mein Claude de Senarclens hat mir von Wittenberg geschrieben, jenes ganze Gebiet Deutschlands sei schrecklich erregt; Sachsen werde von fünf Feinden belästigt, die zwar nicht sehr mächtig, aber doch stark genug seien, Schaden anzurichten. Er selbst wurde auf der Reise von Räubern ausgeplündert. Gott sei gelobt, dass er ihn aus dieser drohenden Todesgefahr gerettet hat. Der Kaiser wütet in Belgien grausamer als je. Eins aber muss uns in solchen Nöten trösten, dass wir sehen, wie standhaft und freudig die Brüder in den Tod gehen. Ich denke, es steht auch für dich und Jean etwas in dem Brief. Wenn du, wie ich hoffe, bald nach Genf kommst, sollst du mehr hören. Der Kaiser ist endlich vom Krankenbett aufgestanden, um an den Reichstag zu Worms zu kommen. Unterdessen ist der Herzog von Orleans vor vierzehn Tagen zu ihm gereist, um seine Nichte, die Tochter Ferdinands, zu heiraten. Die Waldenser in der Provence werden unmenschlich behandelt. Kürzlich sind drei Dörfer niedergebrannt worden. Einige Leute verbrannten in den Häusern; einige sind zusammengehauen, andere auf die Galeeren geschleppt worden. Wir haben noch nicht erfahren, welches Ende die Feinde ihrem Raubzug gaben. Ich schreibe nicht mehr, um deinen Besuch bei uns nicht hinauszuschieben. Aus der sorglichen Geschäftigkeit meiner lieben Frau Gevatterin um uns sahen wir, wie gut wir bei dir empfohlen sind. Aber wir kündigen dir hiermit an, dass wir in Zukunft nie mehr hierher kommen werden, ohne vorherige feste Abmachung unter uns. Lebwohl, bester Bruder und liebster Freund. Wir danken dir alle ungeheuer für die uns bewiesene Freundlichkeit.

In deinem Haus, gerade vor der Abreise.

[Ende April 1545.]

In meinem und meiner Begleiter Namen

Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Bole.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Bole.

Christophe Fabri, genannt Libertetus, von Vienne war zuerst Mediziner, dann Pfarrer in Neuchatel, Boudry und Bole, dann in Thonon (Savoyen), später wieder in Neuchatel. Pierre Robert, genannt Olivetanus, ließ Juni 1535 eine französische Bibelübersetzung mit einer Vorrede Calvins erscheinen; zu einer Sonderausgabe des Neuen Testaments hatte Calvin seine Korrektur versprochen.
Das Pseudonym LVCANIVS ist zusammengestellt aus den Buchstaben CALVINVS. Die Nachschrift ist um eine unverständliche Notiz gekürzt.

Arbeit an Olivetanus Bibelübersetzung. Über Calvins Traktat von der Unsterblichkeit der Seele.

Als mir Olivetanus kurz vor seiner Abreise schrieb, er habe den Plan einer Sonderausgabe des Neuen Testaments aufgeschoben, schien es mir, ich könne auch die Korrektur, die ich ihm versprochen, zu anderer Zeit in Gemächlichkeit vornehmen. Sicher in diesem Gedanken habe ich mich unterdessen andern Arbeiten hingegeben, oder eher, habe ich ruhig in meiner bisherigen Untätigkeit gelebt. Jedenfalls habe ich noch nicht Hand an das Werk gelegt. Ja sogar der Band, den ich zur Vergleichung brauche, ist noch nicht einmal gebunden, obwohl ich ihn schon vor einem Vierteljahr erhielt. Das liegt freilich nicht daran, dass es mir unwichtig wäre, sondern teils an der Faulheit des Buchbinders, den ich unaufhörlich Tag für Tag mahne, teils auch daran, dass, als ich das Buch bekam, sechs Blätter fehlten, die nicht sogleich ergänzt werden konnten. Künftig werde ich aber dafür sorgen, mir jeden Tag eine Stunde abzuschneiden, die dieser Arbeit gewidmet sein soll. Meine Bemerkungen, wenn ich solche zu machen habe, werde ich niemand als dir anvertrauen, wenn dir nicht Olivetanus selbst durch seine Rückkehr zuvorkommt.

Neulich wurde mir, ich weiß nicht mehr von wem, in deinem Auftrag gesagt, in meinem Büchlein von der Unsterblichkeit der Seele gefalle dir Einiges nicht ganz. Weit entfernt, durch dein Urteil beleidigt zu sein, freue ich mich vielmehr über diese aufrichtige Ehrlichkeit. Denn ich bin nicht so eigensinnig, dass ich mir ein freies Urteil gestatte und es andern nicht erlauben wollte. Damit du dich aber nicht umsonst plagst, so wisse, dass ich das Buch fast vollständig umgearbeitet habe. Freilich nicht durch viele Zutaten oder Streichungen, sondern durch gerade umgekehrte Anordnung des Stoffes, obschon ich auch etwas Weniges wegließ, Anderes zufügte und Einiges änderte. Denn die Abhandlung, die ich Olivetanus zu lesen gab, enthielt meine Gedanken mehr nur im Konzept angehäuft, als in bestimmter klarer Ordnung verteilt, wenn auch eine gewisse formelle Ordnung da war. Das neue Buch (so darf mans nennen) hätte ich dir schon geschickt, wenn ich es selbst schon überlesen hätte. Aber ich habe es, seit Gaspard es abgeschrieben hat, noch nicht angesehen. Lebwohl. Der Herr behüte dich und mache dich reich durch seine Geistesgaben.

Basel, den 11. September.

Dein Martianus Lucanius.

Ich weiß nicht, wie mir beim Schreiben entfiel, was ich besonders sagen wollte, nämlich dich und deine Kollegen mit wenig Worten, aber von ganzem Herzen zu mahnen, nach Frieden zu streben. Je mehr Satan darauf passt, ihn zu stören, umso eifriger müsst ihr danach ringen, ihn festzuhalten. – – – Fehle du hier an deinem Teil nur nicht. Dass du das von dir aus nicht tust, traue ich dir zu, aber ich wollte dich doch auch noch drum bitten.