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Schlagwort: Christian III. von Dänemark

Melanchthon an Christian III. von Dänemark, 1.5.1556

Melanchthon an Christian III. von Dänemark, 1.5.1556

Gottes Gnad durch seinen eingebohrnen Sohn Jesum Christum, unsern Heiland und wahrhaftigen Helfer, zuvor. Durchleuchtister, hochgebohrner, gnädigster König und Herr. E. Majestet sende ich eine kurze Verzeichniß, so viel ich jetzund gewißt habe.

Es sind viel Reden von Praktiken wider die Chur- und Fürsten und Ständ christlicher Lehr, wie wohl zu glauben ist, daß der Papst nicht ruhet. Doch schreibt man mir von Noriberg, man habe davon widerwärtige Schriften. Gott ist seiner wahrhaftigen Kirchen Schutzherr; der wolle gnädigen Frieden und selig Regiment geben, und diese Kirchen gnädiglich regieren und bewahren! Der wolle auch gnädiglich E. K. M. und E. K. M. Königin und junge Herrschaft an Leib und Seel stärken zu seinem Lobe und zu Gutem der armen Christenheit. Datum prima Maii 1556.
E. K. M.
unterthäniger Diener
Philippus Melanthon.

1556

Am 26. Tag Februarii, das ist den nähisten Tag nach Matthiae, ist Pfalzgraf Friedrich, Churfürst etc. im Jahre seines Alters 74 christlich aus diesem elenden Leben abgeschieden. Hat zuvor am Sonntag Invocavit die christlich Communio gehalten mit seiner Gemahel und andern vierzig Personen, Grafen, Cammerjunkern, Frauenzimmer.

Man hat ihm nach dem Tod einen großen Stein als ein Hünerey aus der Blasen geschnitten.

Sein Gemahel hat in sechs Wochen seiner Krankheit große Arbeit bei dem Herrn gethan, ihm selb gekocht und die Speis und Getrank gereicht und mit die mehrer Zeit gewacht.

Pfalzgraf Friedrich, Churfürst etc. hat ein christlich Kirchenordnung vor seinem Tod lassen stellen, die er im ganzen Land hat wollen gleichförmig anrichten; soll der Würtembergischen gleich seyn, die christlich ist.

Dieses Werk wird nu durch Hertzog Othen auch Pfallzgrafen und Churfürst, vollzogen. Gott gebe Gnad dazu.

Der König Ferdinandus läßt Siebenbürgen dem jungen Sohn König Johannis, und soll darauf dem dem Türken ein Anstand erlangt seyn.

In Hungarn sind nicht neue große Exercitus ankommen; auch ist der türkisch Kaiser sehr schwach.

Der Hertzog in Beyern, Hertzog Albert, willigt, daß man das Sacrament christlich empfahen möge, und sind von der Religion in Beyern wie in Ostreich ernstliche deliberationes.

Bretschneider, Carolus Gottlieb
Corpus Reformatorum
Volumen VIII.
Halis Saxonum
C. A. Schwetschke und Sohn
1841

Melanchthon an Christian III. von Dänemark, 25.3.1556.

Melanchthon an Christian III. von Dänemark, 25.3.1556.

Gottes Gnad durch seinen eingebohrnen Sohn Jesum Christum unsern Heiland und wahrhaftigen Helfer, zuvor. Durchleuchtister, großmächtiger, gnädigster König und Herr. Also ist geschrieben in Sirach, im vierten Capitel: Du solt des Waisen Vater seyn, so wird dich Gott mehr lieben, denn dich deine eigene Mutter liebet. Nu weiß ich, daß E. K. M. viel armen Waisen Vater ist, darum nicht Zweifel ist, der allmächtig Gott und der allergnädigst Vater der Waisen sorget auch für E. K. M. und für die junge Herrschaft. Nachdem mich aber Zeiger dieser Schrift, ein armer Waise, geboren zu Flensburg, Georgius, welches Vater geheißen hat Christianus, um unterthänige Vorschrift an E. K. M. angesucht hat, und er gottförchtig, züchtig und wohlgelahrt ist, und allein dieses bittet, daß ihne E. K. M. gnädiglich annehme unter die Stipendiaten in E. K. M. löbliche und christliche Universität zu Coppenhagen, hab ich ihm, als einem armen Waisen, der doch gottforchtig und wohlgelahrt ist, solchs nicht gewißt abzuschlagen, und bitt in Unterthänigkeit und um Gottes willen neben ihm, E. K. M. wolle ihn gnädiglich unter gedachte Stipendiaten annehmen; denn zu hoffen mit Gottes Hülff, er werde in Kirchen und Schulen wohl und nützlich zu gebrauchen seyn.

Da ich diesen Brief geschrieben habe, habe ich diese Stund in Hungarn geschrieben und Zeitung daraus gehabt, daß viel vornehmer Bürger aus Schemnitz gen Presla weggeflohen sind; denn die Türken neulich vier und zwanzig Dörfer bei Schemnitz verbrannt haben, und das arme Volk weggeführet, und ist keine Rettung; denn die östreichische Länder haben die Hülff noch nicht willigen wollen, sondern suchen unterthäniglich zuvor, daß die reine Lehre in ihren Kirchen zugelassen werde; haben deßßwegen dem König Ferdinando drey Fußfall gethan. Der allmächtig Gott, Vater unsers Heilandes Jesu Christi, der ihm gewißlich eine ewige Kirchen im menschlichen Geschlecht durchs Evangelium, und nicht anders, sammlet, wolle E. K. M. und E. K. M. Königin und junge Herrschaft gnädiglich bewahren und an Leib und Seele stärken. Dat. Anno 1556. am 25. Tag Martii, an welchem Tag der Sohn Gottes vor 1522 Jahren am Kreuz ein Opfer für uns worden ist; und schreib man, daß Adam und Heva am selbigen Tag vor 5518 Jahren erschaffen sind.

E. K. M.
unterthäniger Diener
Philippus Melanthon.

Bretschneider, Carolus Gottlieb
Corpus Reformatorum
Volumen VIII.
Halis Saxonum
C. A. Schwetschke und Sohn
1841

Melanchthon, Philipp – An Christian III. von Dänemark

Melanchthon, Philipp – An Christian III. von Dänemark

Gottes Gnad durch seinen eingebohrnen Sohn Jesum Christum, unsern Heiland und wahrhaftigen Helfer, zuvor. Durchleuchtister, großmächtigster, gnädigster König und Herr. E. K. Majestet haben ohne Zweifel von ihrem Gesandten Schrift, von der Handlung zwischen den Fürsten zu Sachen, dazu Gott Gnad verleihe. E. K. M. sende ich hie mein Antwort, die ich dem durchleuchtisten, hochgebohrnen Fürsten, Markgraven Jjoachim, Churfürsten etc. zugesandt habe, wie ich darum ersucht bin: von einem Gezänk, das in der Mark worden ist, von diesen Reden und dieser Lehr vom Mittler Christi, ob allein menschliche Natur Mittler sey. Und sende diese mein Antwort derhalben E. K. M. daß ich gern sähe, daß E. K. M. selbst als ein hochlöblicher christlicher weiser König, und E. M. Gelehrten diese Sach auch erwägen und richten. Stancarus ist ein Italiener, von Mantua, ist ein Franciscaner Mönch gewesen, und ist in Ebräischer Sprach wohl gelahrt. Was sonst seine Theologie ist, weiß ich noch nit. E. K. M. füge ich auch in Unterthänikeit zu wissen, daß Gott den löblichen Fürsten, Fürst Georgen zu Anhalt, der ein treuer Lehrer und ein nützlicher Regent gewesen ist, aus diesem sterblichen Leben in ewige Freud, zum Heiland Christo und allen Seligen im Himmel erfordert hat, auf den 17. Tag Octobris. E. K. M. sende hiermit seine letzte Predig, darin viel schöner Lehr gefaßt ist. Der allmöchtig Gott wolle E. K. M. und E. K. M. Königin und junge Herrschaft gnädiglich bewahren. Dat. 30. Octobris 1553.

E. K. M.
unterthäniger Diener
Philippus Melanthon

Corpus Reformatorum
Edidit
Carolus Gottlieb Bretschneider
Volume VIII
Hallis Saxonum
C. A. Schwetschke Et Filium
1841

Melanchthon an Christian III. von Dänemark

Melanchthon an Christian III. von Dänemark

Dem Durchleuchtisten Hochgebornen großmächtigen König und Herrn, Herrn Christian zu Dennmark, Norwegen, der Gothen und Wenden König, Herzogen zu Schleswik und Holstein rc. Der Ditmarsen Herrn rc. Graven zu Oldenburg, mein. gnäd. Herrn.

Gottes Gnad durch seinen eingebohrenen Sohn JEsum Christum, unserm Heiland und wahrhaftigen Helfer, zuvor. Durchleuchtister, großmächter, gnädigster König und Herr. E. K. M. sende ich unterthänig mein einfältig Bedenken, belangend die Frag: von Verbott und Straff des Wuchers, und nachdem diese Sach an ihr selb weitläufig ist, hätte ich gern E. K. M. ein längeren Bericht geschrieben; aber der Bott eilet. Erbiete mich aber noch zu weiter Erklärung, und stelle dieses mein Bedenken in Unterthänigkeit zu E. K. M. selb Urtheil, und zu verständiger Gelahrten Erkenntniß. E. K. M. Sende ich hiermit eine disputatio, daraus E. K. M. vernehmen wird, daß wir new Anfechtung haben. Der allmächtige Sohn Gottes, Jesus Christus, wolle E. K. M. gnädiglich bewahren und regiren und ihm allezeit ein Kirchen in E. K. M. Königreichen und in diesen Landen samlen, die ihn wahrhaftiglich anruff und preise. Datum, eilend 8. Maii 1553

E. K. M.
unterthänigster Diener
Philippus Melanthon.

Corpus Reformatorum
Edidit
Carolus Gottlieb Bretschneider
Volume VIII
Hallis Saxonum
C. A. Schwetschke Et Filium
1841

Melanchthon, Philipp – An Christian III. von Dänemark

Melanchthon, Philipp – An Christian III. von Dänemark

Gottes Gnad durch seinen eingebohrnen Sohn Jesum Christum unsern Heiland und wahrhaftigen Helfer, zuvor. Großmächtiger, durchleuchtister, gnädigster König und Herr. Ewr. Königlichen Majestet danke ich in Unterthänigkeit von wegen des gesandten Gnadengelds, das Jost Stertzkop treulich anher bracht und mir überantwort im vergangenen Decembri. Und so viel wir jetzund Zeitung haben, habe ich auf beigelegten Zettel verzeichnet.

E. K. Majestet dank ich auch unterthäniglich für die Elemosynas, welche den armen Unterthanen gesandt sind. Hernach aber hat sich ein Unfall zugetragen, daß ein Bote von Torga dem Johanni Hoino und andern hat Geld bringen sollen von ihren Aeltern und Freunden, welches er empfangen hat; er hat aber den größern Theil davon gestolen und ist entlöffen.

Derhalben bitt ich in Unterthänikeit und um Gottes Willen, E. K. M. wollen gnädiglich dem Johanni Hoino und Andrea Petri von Barshol ein Elemosyna senden, welchen, als armen, dieser Schad viel größer ist, denn den andern. E. K. M. wolle als ein hochlöblicher, christlicher weiser König an diesen, meinen Bettelbriefen kein ungnädiges Mißfallen haben, denn E. K. M. können selb achten, daß ich micht der armen Jugend Elend annehmen muß. So sind E. K. M. Unterthanen viel allhie gewesen und noch, die ich hoffe, daß sie den Kirchen im Vaterland zum Theil seliglich dienen werden, dazu der Sohn Gottes, Christus Jesus, seinen Segen geben wolle; der wolle auch E. K. M. und E. K. M. Königin und junge Herrschaft allezeit gnädiglich regieren und bewahren. Dat. Witeberg 22. Januarii Anno 1553

E. K. M.
unterthäniger Diener
Philippus Melanthon.

Eingelegter Zettel

Anno 1553, die 2. Januarii haben wir diese folgende Zeitung gehabt,

Daß der Röm. Kaiser Carolus jetzund Metz nicht mehr belagert, sondern hat das Volk lassen von Metz in das Winterlager ziehen um Staßburg.

Graf Volrads Volk liegt noch im Herzogthum Brunswig, hat noch nicht Alfeld und Wolfenbuttel. MAn sagt, Hertzog Henrich von Brunswig sey zum Kaiser geritten.

Auf diesen 22. Tag Januarii ist der Churfürst zu Sachsen, Hertzog Moritz, in der Stadt Meideburg, und es sind Handlungen zwischen ihm, dem Capitel und der Stadt, was jeder da für Gerechtigkeit haben soll, und ob etwas das mit dem Kriegsvolk in Brunswick gehandelt wird, das wird die Zeit eröffnen.

Hertzog Johann Friiedrich ist zu Weimar, und sind allerlei Sorgfältigkeit des Titels halben: gebohrner Churfürst, und der Liquidation vom Einkommen, ob der chrfürst Hertzog Moritz etwas noch weiter zu geben schuldig sey. Hanget alles unvertragen.

In der Mark sind an einander gewachsen zu Frankfort an der Oder ein Lelgent, genannt Doctor Musculus, und ein frembder Italiener, Stancarus, der sagt: Christus sey Mittler allein nach menschlicher Natur, bitte für uns auch allein nach menschlicher Natur. Und sind ihre disputationes an die Herrn Pastor, Doct. Pomeranum und andere allhier gesandt; Wollen E. K. M. unsere Antwort zusenden durch die nähist Botschaft oder durch Josten Stertzkop. In Hungarn ist eine große Pestilenz, darum die Türken jetzund nicht ausfallen; aber sie behalten gleichwohl noch, was sie den vergangenen Sommer eingenommen haben, Temeswar und Lippia.

Corpus Reformatorum
Edidit
Carolus Gottlieb Bretschneider
Volume VIII
Hallis Saxonum
C. A. Schwetschke Et Filium
1841

Calvin, Jean – An Christian III., König von Dänemark.

Calvin, Jean – An Christian III., König von Dänemark.

Widmungsbrief des Kommentars zur Apostelgeschichte.

Die Apostelgeschichte als Kritik des Papismus.

Wenn einst den zum Krieg ausziehenden Juden nach der Vorschrift des Gesetzes die heiligen Trompeten erklangen [4. Mose 10, 2 ff.], trefflichster König, so geschah das, glaube ich, nicht nur darum, dass das Volk keinen Krieg beginne oder führe als unter Gottes Schutz, sondern auch, damit die vom Kriegslärm erschreckten Herzen nicht unversehens Gottes vergäßen, wie es leicht geschieht und gerade dann besonders verderblich wäre. Denn bei der hinfälligen Eitelkeit unseres Menschenwesens ist nichts leichter, als dass alle Sinne von den Sorgen der Welt, die uns ganz Gott entfremdeten, gefangen genommen werden. Unter Sorge der Welt verstehe ich mancherlei. Die einen entmutigt die Furcht vor Gefahren, andere regen leere Hoffnungen auf neue Ereignisse auf; andere werden durch das Ungestüm des Kampfes übermütig; andere geben sich zügellosem Freiheitsdrang hin; wieder andere treibt die Verzweiflung zur Wut; andere werden durch die Gewöhnung ans Unglück steinhart; wieder andere treibt die Mordgier weiter als recht ist; so werden alle von bösen Verderbnissen ergriffen und werden gottlos. Und nun glaube ich, dass bei der jetzt überall herrschenden Verwirrung aller Verhältnisse kaum je eine Zeit war, in der es mehr Not tat, die Herzen der Frommen mit den genannten heiligen Klängen zu wecken, auf dass nicht der Tumult ringsum sie überwältige. Denn wie die Geschichtsschreiber berichten, dass die Umwohner der Nilfälle vom beständigen Tosen des herabstürzenden Wassers einen abgestumpften Gehörsinn hätten, so geschiehts da noch viel eher, dass auf das Taubwerden der Seele eine tödliche Stumpfheit folgt. Da ist nur ein Heilmittel möglich: dass uns die himmlischen Trompeten stets in die Ohren klingen. Und doch sehen wir viele sich aus Trägheit der Erschlaffung anheim geben, die Schlafsucht selbst herbeirufen und sich solchen Gutes berauben.

Dich freilich, großmächtiger König, hat deine Geistesgröße darüber hinausgehoben, dass man dich ermahnen müsste als einen, der zurückgeblieben ist. Vielmehr soll trotz aller aufgezählten Hindernisse deine Aufmerksamkeit auf Gottes Wort so groß sein, dass sie andern ein außerordentliches Beispiel der Regsamkeit sein kann. Wie du nun aber auch schon von selbst sein magst, so hoffe ich, wird es doch nicht schwer, noch überflüssig sein, dass der glückliche Fortgang dieses heiligen Strebens durch die Hilfe, die Gott dir durch meine Hand bietet, unterstützt und gefördert wird. Wenn alles in der Welt drunter und drüber zu gehen scheint, so gibt’s kein besseres, festeres Mittel, das Gewissen zu stärken, als wenn wir das Reich Christi, wie es jetzt aussieht, ins Auge fassen und bedenken, wie seine Art und sein Wesen, sein Stand und seine Lage von Anfang an war.

Wenn vom Reiche Christi die Rede ist, so sind vor allem zwei Dinge in Betracht zu ziehen; erstens die evangelische Lehre, durch die Christus seine Kirche sammelt und leitet, und zweitens die Gemeinschaft der Frommen selbst, die, in aufrichtigem Glauben ans Evangelium unter sich verbunden, wahrhaft Christi Volk heißen können. Dass Lukas in der Apostelgeschichte von diesen beiden Dingen eine lebendige, ausdrucksvolle Darstellung gibt, erkennst du besser beim Lesen des ganzen Werkes, als dass du es meinem oder anderem Lobe entnimmst. Denn wenn auch Gottes Sohn regierte von Anbeginn der Welt, so hat er doch, seit der Offenbarung seines Evangeliums durch sein Erscheinen im Fleisch, seinen Thron herrlicher als vorher aufgerichtet und erscheint auch jetzt noch viel deutlicher. Wenn unser Blick sich darauf richtet, so können wir uns weiden an einem Bild, das nicht nichtig ist, wie Vergil es von seinem Äneas sagt, sondern voll der Dinge, die uns Leben spenden können. Um wieder zum vorigen Bild zurückzukehren: hier ist der beste Zufluchtsort für unser Gewissen, wo es Ruhe findet in den tosenden Stürmen, die die Welt bewegen. Diese Betrachtung allein kann machen, dass uns nie widerfährt, was Ennius einst so wahr gesagt und die Mehrzahl der Menschen nur zu sehr erfahren hat, dass, wo Gewalt herrscht, die Weisheit fliehen muss. Denn wenn bei den Spartanern mitten im wildesten Schlachtlärm der Ertönen der Flöten die angeborene Wildheit des Kriegsvolkes sänftigen und die Wut, die im Kampf selbst ruhige Naturen ergreift, mäßigen konnte, – wie viel besser und wirksamer wird dann durch die himmlische Gewalt des heiligen Geistes das Reich Christi dies vermögen, das nicht nur wilde Tiere zähmt, sondern aus Wölfen, Löwen und Bären Lämmer macht, das Lanzen zu Sicheln und Schwerter zu Pflugscharen verwandelt. [Jes. 11, 6 – 8; 2, 4]. Wenn ich dir, tapferster König, ein solches Beruhigungsmittel biete, wie es die Not der Zeit erfordert, so wird dieser Dienst deiner Majestät, gerecht, wie du bist, hoffentlich nicht unlieb sein. Andrerseits ermuntert mich, dir dieses Werk zu widmen, ja es nötigt mich dazu die Bosheit unsrer Feinde, der Herolde des Antichrists zu Rom nämlich, die, um die einfachen Leute zu täuschen, das Wort Kirche stets mit lauter Stimme ausposaunen. Darüber ist bei uns kein Streit, dass das Ansehen der Kirche allen Kindern Gottes Ehrfurcht gebieten muss. Gäben diese Leute nicht unter einem falschen Schein der Ehre ihrer Willkür den Namen Kirche, so wollten wir die Kirche so von Herzen ehren, dass, ihren heiligen Namen gemein zu machen, uns die größte Sünde sein sollte. Um von andern Dienern an der reinen evangelischen Lehre zu schweigen, so habe ich schon an mehreren Stellen diese Frage fast bis zum Überdruss erörtert. Wenn von der Kirche die Rede ist, deren Haupt der Sohn Gottes ist, und die er, die Quelle ewigen Lebens, mit seinem Geiste speist, so ists doch lächerlich, einen seines Hauptes zu beraubten Körper, ja einen Leichnam, dafür auszugeben. Es schreien die erkauften Schmeichler des Papstes, sie hätten die Kirche. Ob das wahr ist oder nicht, was sie prahlen, kann nirgends besser erkannt werden, als wenn man auf das Haupt [der Kirche] sieht. Dass sie es mit frevler Gewalt abgerissen und so die Kirche zum bloßen Rumpf gemacht haben, steht fest. Denn wie soll Christus noch das Haupt sein, wenn er aller Wirksamkeit beraubt, von aller Herrschaft ausgeschlossen, aller Ehre entkleidet ist? Dazu hat ihn der Vater im Himmel zum Haupt der Kirche gemacht, dass er durch die Lehre seines Evangeliums alle vom Höchsten mit zum Niedrigsten regiere, dass er der einzige Priester sei, der den Vater stets uns gnädig erhalte, wie er einmal seinen Zorn durch das Todesopfer versöhnt hat, dass sein Tod die einzige Sühne für unsere Sünden, sein Blut die einzige Abwaschung, sein Gehorsam die einzige genugtuende Leistung, er selbst der einzige Mittler sei, durch den unser Gebet Erhörung finde. Er soll unser treuer Verteidiger und Vormund sein, der uns mit seinem Schutze deckt; er soll unseres Fleisches Fehler bändigen und uns erneuern zu Gerechtigkeit und Heiligkeit; er allein soll in uns seliges Leben beginnen und vollenden.

Wenn von dem allen die Papisten etwas übrig gelassen haben, so haben sie gewiss ihresteils auch eine Kirche. Wenn aber der Papst in wilder, grausamer Tyrannei die Gewissen bedrückt und Christo die Herrschaft abspricht, wenn er eine von der evangelischen Lehre ganz verschiedene Regierungsform einführt, wenn er ein neues, fremdartiges Priestertum erfunden hat, dass sich ein sterblicher Mensch als Versöhner zwischen Gott und Menschen stelle, wenn er tägliche Opfer fabriziert, die an Stelle des Todes Christi treten, wenn er tausend Sühnemittel zur Versöhnung der Sünden erfindet, wenn er erdichtete Abwaschungen aus dem Avernus-See [der alten Heiden] schöpft, um das Blut des Gottesohns vertrocknen zu lassen, wenn er an Christi Stelle unzählige Schutzpatrone stellt, wenn er die Gerechtigkeit, die sicher nur von Christo zu erhalten ist, in tausend Fetzen reißt, wenn er den freien Willen des Menschen an Stelle des heiligen Geistes setzt, so kann doch keiner daran zweifeln, dass Christus das Papsttum gänzlich verlassen hat. Dass die Papisten einen Leichnam statt des lebendigen Leibes Christi vorweisen, habe ich deshalb gesagt, weil sie die Lehre des Evangeliums, die die lebendige Seele der Kirche ist und ihr allein das Leben gibt, erstickt haben und nun irgendeinen gespenstischen Schatten als Kirche preisen. Wie verderbt bei ihnen die reine Lehre ist, ja mit welch ungeheuerlichen Irrtümern befleckt, das legen wir offen dar. Sie decken nicht nur alle Verderbnis zu, um den Schatten der Kirche wenigstens festzuhalten, sondern sie wimmern noch, es geschähe von uns der Kirche schweres, schmähliches Unrecht, wenn wir sagen, sie irre. Und doch musste man zuerst die Lehre prüfen, um daran die Kirche zu erkennen. Diese billigen, ehrlichen Abschwätzer wollen, der aufgeputzte Titel „Kirche“ solle unter Nichtachtung aller Lehrunterschiede den Wert eines von vornherein gültigen Urteils haben! Und das nicht, um jemand zu täuschen; denn könnten sie mit solchen Gaukeleien versuchen, auch kurzsichtige Augen bei solcher Klarheit anzuführen? Aber weil sie diese Freiheit zum Lügen für einen wertvollen Teil ihrer Herrschaft halten, glauben sie nicht nach Wunsch Herren zu sein, wenn sie nicht mit den armen Seelen schimpflich ihren Spott trieben.

Von solcher Leidenschaft aufgeblasen, lassen heute die Konzilsväter zu Trient ihre wässerigen Sätze hervorsprudeln. Es sitzen dort, ich weiß nicht wie viele Bischöfe und vielleicht hundert Äbte, lauter gehörnte Tiere. Und glänzte dort die auserlesenste Blüte dieses ganzen Volkes, so wäre es doch nichts als eine frivole Verschwörung wider Gott. Jetzt aber, da der Papst die Spreu und den Abgang seiner unreinen, stinkenden Herde auf einen Haufen gebracht, soll nun daraus mit einem Mal die Kirche in ihrer wahren Vertretung auftauchen? Dazu schämen sie sich nicht, ein heiliges, allgemeines gesetzmäßiges Konzil zu nennen, was nicht anders zu heißen verdient als eine leere, lächerliche Fratze eines Konzils! Wir aber, denen die Verheißung gegeben ist, der Antichrist, der im Tempel Gottes sitzt, werde umgebracht vom Hauch aus des Herrn Mund [2. Thess. 2, 4 – 8], werden nicht aufhören, diese schmutzige, hurenhafte Unverschämtheit mit dem hochheiligen Bibelwort, dessen sie sich so kühnlich rühmen, zu widerlegen, damit allen klar wird, welcher Unterschied ist zwischen der reinen Braut Christi und der stinkenden Hure Belials, zwischen Gottes Heiligtum und dem Bordell Satans, zwischen dem geistlichen Wohnsitz der Frommen und einem Schweinestall, kurz zwischen der wahren Kirche und der römischen Kurie.

Dafür kann kein gewisserer und klarerer Beweis erbracht werden, weder von Euklid, noch von Archimedes, als dass man die Kirche, wie sie Lukas beschreibt, mit der Synagoge des Papstes vergleicht. Ja ich bin nicht einmal so schroff, dass ich dieses verworrene Chaos, vor dem schon die einfache Naturordnung und der Menschenverstand wahren Schauder empfindet, ganz auf die engelgleiche, himmlische Ordnung der apostolischen Kirche verpflichten wollte; wenn sie mir nur etwas zeigen können, was mit ihr verwandt ist, so sollen sie meinetwegen triumphieren dürfen. Wenn aber alles das gerade Gegenteil ist, so soll uns, auch wenn die Mehrheit der Menschen freiwillig blind ist, doch erlaubt sein, unter Zustimmung des ganzen Himmels ihren wahnwitzigen Hochmut nicht nur kühn zu verachten, sondern auch frei heraus darzustellen. Unterdessen ists uns kein kleiner Trost und hält uns aufrecht, dass wir, obschon uns die Papisten den Namen Kirch hochnäsig entgegenhalten, doch nur mit erklärten Feinden Christi Krieg führen, wie wir wissen.

Dies gewähre nun deine Majestät meinem Vertrauen zu ihr, dass die frommen Leser einstweilen ein Werk von mir genießen, das deinen Namen an der Spitze trägt, bis der zweite übrige Teil unter dem Namen deines Sohnes, des Kronprinzen, dem ich es bestimmt habe, seinerzeit erscheinen wird. Lebwohl, tapferster und in jeder Tugend ausgezeichneter König. Der Herr festige den Thron, auf den er dich gesetzt, bis ans Ende.

Genf, am 29. Februar 1552.

Katharina von Bora an Christian von Dänemark

Katharina von Bora an Christian von Dänemark

6.10.1550

Gottes Gnade durch seinen eingebornen Sohn Jesum Christum, unsern Heiland und wahrhaftigen Helfer, zuvor. Durchlauchtigster, Großmächtigster, Gnädigster König und Herr. Eure Königl. Majestät bitte ich in Unterthänigkeit, meine Schrift gnädiglich anzunehmen, in Betrachtung, dass ich eine arme Wittfrau binn und dass mein lieber Herr, Doctor Martinus Luther seliger Gedächtniss, der Christenheit treulich gedienet hat, und insonderheit sich aller Gnaden zu Eurer Königl. Majestät, meinem lieben Herrn, jährlich etliche Jahre eine gnädige Hülfe gethan mit funfzig Thalern, dafür ich Eure Königl. Majestät unterthäniglich danke und für Eure Königl. Majestät Gott fleißig anrufe. Nachdem aber ich und meine Kinder jetzund weniger Hülfe haben und die Unruhen dieser Zeit viel Beschwerungen bringet: bitte ich Eure Königl. Majestät in Unterthänigkeit, Eure Königl. Majestät wollen mir solche Hülfe gnädiglich auch hinfüro verordnen; denn ich zweifele nicht, Eure Königl. Majestät hat meines lieben Herrn große Last und Arbeit nicht vergessen. So ist auch Eure Königl. Majestät der einige König auf Erden, zu dem wir arme Christen Zuflucht haben mögen und wird Gott, ohne Zweifel, Eure Königl. Majestät von wegen solcher Wohlthaten, die den armen Christlichen Prädicanten und ihren armen Wittfrauen und Waysen erzeigt worden, besondere Gaben und Segen geben, darum ich auch treulich und ernstlich bitten will, der Allmächtige Gott wolle Eure Königl. Majestät und junge Herrschaft gnädiglich bewahren. Datum Wittenb. am 6. Tag Octsbr. Anno 1550

Die Geschichte Catharina’s von Bora
Wilhelm Beste
Halle, 1843
Verlag von Richard Mühlmann

Katharina von Bora an Christian von Dänemark

Katharina von Bora an Christian von Dänemark

Gnad und Fried von Gott dem Vater durch sein eingebornen Suhn Christum Jesum.

Durchlauchtigster, großmächtigster Konig, gnädigster Herr, E. K. M. sey mein andächtig Gebet gegen Gott den Herrn vor E. K. M. und aller der Ihren wohlfahrt und glückselig Regiment allzeit mit hohem Fleiß zuvoran bereitet. Gnädigster Herr! Nachdem ich in diesem Jahre viele große und schwere Bekümmerniß und Herzenleids gehabt, als da erstlich mein und meiner Kinder Elend mit Absterben, jedoch seliger und christlicher Heimfahrt zu unserm Heiland Christo Jesu, meines lieben Herrns, welchs Jahrzeit itzt den 18. Februarii sich nahend, angangen, darnach auch diese fährliche Kriege und die Verwüsung dieser Länder unsers lieben Vaterlandes gefolget und noch kein Ende dieses Jammers und Elends zu sehen, ist mir in solchem Bekümmerniß ein großer und hoher Trost gewesen, daß E. K. M. beide mit gnädigster Schrift und Uebersendung meiner und meiner Kinder, auch ferner E. K. M. gnädigster Erbietung Ihre gnädigste Neigung gegen mir armen verlassenen Wittfrauen und meiner armen Waisen vormeldet, welches, auch vieler andre zuvor gnädigsten erzeigten Wohlthaten halber gegen E. K. M. ich mich unterthänigst bedanke, vorhoffend, Gott der Herr, welcher sich ein Vater der Wittwen und Waisen nennet, wie ich dann täglich zu ihme bitte, werde solche E. K. M. reichlichen belohnen, in welches gnädigen Schutz und Schirm E. K. M. und Ihre Gemahel, meine gnädigste Frau Königin, und die ganze junge Herrschaft sammt Ihren Landen und Leuten hiemit und allezeit fleißig thue befehlen.

Geben zu Magdeburgk, den 9. Februarii Annoi M. D. XLVII.

E. K. M.
gehorsame
Katharina Lutherin,
seliger Gedächtniß Doctoris Martini Luther’s verlaßne Wittfrau.

Beilage

Gnädigster Herr! Nachdem ich erfahren, was vor gnädigste und christliche Neigung E. K. M. gegen den Theologen der Universität zu Witenberg tragen und mein lieber Herr seliger Gedächtniß Doctor Georgen Maior stets nun über zwanzig Jahre als sein Suhne gehalten und lieb gehabt, welcher zu dieser Zeit allhie bei mir im Elend sammt zehen lebendigen Kindern, will E. K. M. gedachten Doctor ich auch unterthänigst befohlen haben, bittend E. K. M. wollen es solchem kein ungnädigst Gefallen tragen, dann Theologi je mit Weib und Kindern, sonderlichen zu diesen jämmerlichen Zeiten, betteln müssen, wie ich schier selbs erfahre, da sie nicht von Fürsten und Herrn ihre Errettung und Unterhaltung haben werden.

Katharina Luther, geborene von Bora
Moritz Meurer.
Dresden, bei Justus Naumann.
1854