Durchsuchen nach
Kategorie: a Porta Egidio

Egidio a Porta aus Como an Zwingli

Egidio a Porta aus Como an Zwingli

Egidio a Porta aus Como an Zwingli. Gegen Ende des Jahres 1525 schrieb derselbe:

„Lange habe ich aus ehrfurchtsvoller Scheue gezaudert, Dir zu schreiben. Jetzt aber, eingedenk, wie Christus, der Sohn Gottes, selbst die Niedrigsten nicht verstieß, nahe ich mich Dir und flehe: „Sei Du mir was einst Ananias dem Paulo“. Aus frommem, freilich unverständigem Eifer nahm ich vor vierzehn Jahren das Augustiner-Kleid; von pelagianischen Irrthümern bethört, wähnte ich durch meine Werke mir die Seligkeit erwerben zu können. Nun hat aber mich Gott niedergeworfen, wie einst den Paulus; und auf meine Frage: „Herr, was willst Du, daß ich thue“? vernahm ich die Antwort: „Gehe zu Huldreich Zwingli, der wird Dir sagen, was Du thun sollst“. Aus diesen Worten schöpfte meine Seele einen himmlischen Frieden, der durch keine menschliche Sprache beschrieben werden kann. Durch Dich wird mich also Gott erretten aus den Stricken der Jäger; doch nicht mich allein, sondern, wie ich es hoffe, auch mehrere meiner Brüder; denn dieselben Männer, deren Frömmigkeit und Gelehrsamkeit alle Achtung verdient, hegen schon längst einen heißen Wunsch und dringen täglich in mich, Dich zu bitten, ja Dich zu beschwören, Du möchtest Dir doch Deinen so gehäuften Geschäften nur ein Stündchen abgewinnen, um an die Vorsteher unseres Ordens zu schreiben und sie durch triftige Gründe bestimmen, daß sie einmal von diesem Worte der Menschensatzungen sich losmachen. Halte ihnen einige Beispiele aus der Schrift vor, aus welchen sie ersehen, wie gottgefällig die Lautere Predigt des Evangeliums sei und welches Mißfallen er dagegen an denjenigen habe, welche dieselbe verfälschen und Menschensatzungen für göttliche ausgeben. Sage ihnen, daß sie den Zorn des Richters der Welt auf sich laden, wenn sie nicht diese unheilbringende Sorge um die zeitlichen Güter von sich werfen, und was Dir sonst noch der Geist eingibt“.

Das furchtbare Elend, das in der Lombardei in Folge der Kriegsleiden herrschte, schildert er in folgender Weise:

„Mailand und sein ganzes Gebiet sind durch die unaufhörlichen Kriegszüge völlig verarmt. Selbst die, welche sonst ein mäßiges Vermögen besaßen, sind an den Bettelstab gebracht und darben, geschweige denn die Unzahl derer, die schon vorher arm waren. Nicht zu zählen sind die Weiber, welche sich aus Noth der Schande ergeben. So schwer lastet Gottes Hand auf diesem Volke, daß aus Verzweiflung alles erdenkliche Unrecht begangen wird. Aber durch Gottes Fügung kannst Du unser Retter werden. Schreibe an den Herzog von Mailand und ermahne ihn, nöthigenfalls auch drohend, auf Erlösung seiner Unterthanen vom Geistesdrucke und zugleich vom äußeren Elende bedacht zu sein. Dieses, indem er den Kahlköpfen ihr Geld, das sie doch nur übermüthig macht, wegnimmt; jenes, indem er es verschafft, daß Jeder, soweit es ihm verliehen, das lautere Wort Gottes ungescheut predigen darf; zumal wenn er bereit ist, über seine Lehre nach Gebühr Rede zu stehen. – Ist der Mann schwach genug zu zweifeln, ob dieses wirklich Gottes Wille sei, so blicke er doch um sich her. Steht nicht der Herr selbst da, gegürtet zum großen Werke? Diese deutschen Scharen((Georg von Frundsberg hatte zum größten Theile aus eigenen Mitteln ein stattliches Heer von Landsknechten angeworben und sie nach der Lombardei zur Verstärkung dem kaiserlichen Feldherrn von Bourbon zugeführt. Frundsberg und seine Landsknechte waren Lutheraner, er führte eine goldene Schnur mit sich, an der er den Papst in Rom henken wollte.)) dürsten darnach. Kein Zweifel, Gott bedarf solcher Werkzeuge nicht, um dieses und noch Größeres zu vollbringen. Aber um die Schwachen allmählig in dem wahren Glauben zu kräftigen, hat er, wie ich es vermuthe, Leute dieses Glaubens in solcher Zahl auf Einen Punkt zusammengeführt; uns gibt er sie als Werkzeuge an die Hand. So wird denn die Kraft des Antichristen schnell dahin schwinden“.