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Schlagwort: Pfarrer von Zürich

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich.

Nr. 669 (C. R. – 3442)

Vgl. 657.

Waldenser-Kollekte.

Es kamen Brüder aus dem Val d´ Angrogne und andern Nachbartälern hierher, um Unterstützung in ihrer Not zu bitten. Ihrer Notlage wegen pochten wir nicht darauf, dass sie gegen unsern Rat allzu unbedacht und sicher zu den Waffen gegriffen hatten. Sie sind so von allen Mitteln entblößt, dass ihr Elend jeden menschlich Fühlenden zum Mitleid stimmen müsste. In Genf ist zwar nur eine kleinere Summe zusammengekommen, weil ein Drittel unserer Refugianten von hier weg ist. Aber wir haben ein Anleihen von 4000 Kronen aufgenommen, was in diesem Augenblick vielleicht nicht klug, aber sicher recht gehandelt war. Der eigentlich hätte zahlen müssen, blieb taub. So müssen denn wir zur Schande Navarrars hinlegen, was man mit dem besten Recht ihm hätte auf Rechnung setzen dürfen. Nun reisen die Brüder ihrem Auftrag gemäß zu Euch. Ihnen nach Bern unsere Empfehlung mitzugeben, wäre töricht gewesen; aber einen Brief an Euch durften wir ihnen nicht abschlagen. Haltet Ihr es für gut, dass sie auch noch nach Schaffhausen gehen, so gebt ihnen guten Rat und unterstützt sie mit Euerm Einfluss und Ansehen. Lebt wohl, trefflichste Männer, von Herzen verehrte Brüder. Der Herr leite, behüte und segne Euch stets.

Genf, 14. Juli 1561.

Im Namen und Auftrag der Brüder

Euer

Johannes Calvin

Calvin, Jean – An die Pfarrer in Zürich.

Calvin, Jean – An die Pfarrer in Zürich.

Die Zürcher Pfarrer hatten zur Verteidigung des Consensus, die ihnen Calvin gesandt hatte, (vgl. 418) einige Änderungen vorgeschlagen. Was Calvin darauf erwidert, sei wenigstens teilweise gegeben. Über die Vorgänge in Worms vgl. Nr. 61 und 63.

Änderungsvorschläge zur Schrift gegen Westphal.

Euren Brief, beste, hochverehrte Brüder, habe ich am siebten dieses Monats erhalten. Es freut mich außerordentlich, dass meine Arbeit, die ich ja in ernster Absicht übernommen habe, Eure Billigung findet, und ich danke Euch für Euer freundliches Wohlwollen von Herzen. Eure vertrauensvolle Offenheit gegen mich missfällt mir so wenig, dass vielmehr meine Freude dadurch noch erhöht wird, dass Ihr freimütig und unbedenklich, wie es sich unter Brüdern ziemt, mit mir redet. Dafür setze ich meinerseits in Eure Einsicht das Vertrauen, Ihr werdet mir nicht nur verzeihen, wenn ich doch anderer Meinung bin, sondern es Euch auch nicht verdrießen lassen, meine Gründe ruhig anzuhören. Freilich werde ich gleich zeigen, dass eigentlich gar kein Unterschied besteht, oder doch nur ein ganz geringer in wenigen und nebensächlichen Punkten unserer Ansicht. – – – .

– – Im Widmungsbrief habe ich verbessert, was mir zu grob schien gegen Joachim [Westphal], und ich glaube, es ist nichts stehen geblieben, was Euch Anstoß geben könnte. Freilich, den Ausdruck windiger Geselle hatte ich anders aufgefasst, als Ihr meintet. Ich verstand darunter nicht gerade einen Verbrecher und Galgenstrick, sondern nach dem Sprachgebrauch der Alten einen unbedeutenden, dunklen Ehrenmann. Auch das Wort Bestie habe ich gestrichen, und was an zwei Stellen gehässig gegen seine Heimatstadt und jenen ganzen Küstenstrich von mir gemeint zu sein schien.

Weshalb Ihr aber wollt, dass ich auch den Namen des Mannes hinsetzen soll, das nimmt mich Wunder. Unser verehrter Bruder, Herr Bullinger, hatte mir doch geschrieben, er sei anderer Ansicht. Bei dieser Meinung bleibe ich auch jetzt. Denn es ist eine würdigere Behandlung des Stoffes möglich, wenn keine einzelne Person ausdrücklich erwähnt wird; ferner wird dem geschwätzigen Menschen nicht soviel Anlass zur Antwort geboten, und es ist auch besser, wenn andere, die in ähnlicher Lage sind, stillschweigend getroffen werden, als wenn man sich einen einzelnen Gegner herausgreift. Ich meine auch, man darf dem hochmütigen Menschen gar nicht die Ehre antun, ihn durch Namensnennung zu feiern. Ebenso würden manche sagen, wir hätten uns um eine Kleinigkeit aufgeregt, wenn unsere Erwiderung gegen die Anklage eines einzelnen, unbekannten Mannes gerichtet schiene. Ebenso wäre es nicht richtig, wenn das Büchlein sich namentlich gegen einen Mann richtete, dessen Worte ich nur beiläufig berühre. Denn dann könnte er sich weithin rühmen, man habe ihm gar nicht geantwortet. So wird es besser sein, wenn auf ihn nur so mit dem Finger gewiesen wird, dass er gleich anfangs Angst bekommt, sich in weiteren Kampf einzulassen. – – –

– – Luthers wegen hättet Ihr mich nur mit einem Worte zu mahnen brauchen. Denn ich weiß wohl, wie sehr er gegen uns gewütet hat; ich habe auch nicht vergessen, was ich in Eurer Schutzschrift gegen ihn las, und ebenso wenig ist mir sein ungeheuerliches Wort vom verehrungs- und anbetungswürdigen Altarsakrament unbekannt. Da ich aber sah, dass ihm, einem von angeborener Leidenschaftlichkeit hingerissenen Menschen, solche schäumenden Worten entfuhren, je nachdem er anderswoher aufgehetzt wurde, so wollte ich diesen Zank begraben und von ihm nur das nehmen, was sich eher zum Frieden eignet. Ihr mahnt vorsichtig, ich müsste mich hüten, dass nicht die Gegner noch unverschämter über uns herfallen könnten. So findet Ihr denn diese Stelle so verbessert, dass sie Euch nun wohl ganz gefällt.

Warum ich Euch über die Augsburgische Konfession nicht ganz beipflichte, beste Brüder, vernehmt in wenigen Worten. Angenommen auch, sie sei von Luther, was mir freilich nicht wahrscheinlich ist, so geschah es zu Worms auf emsiges Betreiben gewisser Leute, dass Melanchthon gerade aus dem Kapitel [von den Sakramenten] ein Wort tilgte. Als nun also diese neue Form vorgelegt wurde, erhoben die Papisten ein Geschrei, wir seien Zwinglianer und Fälscher. Da war sehr zu befürchten, dass es Händel gab, doch hat Gott sie wider alles Erwarten gestillt. Nämlich der Markgraf von Brandenburg, der damals eben den Oberbefehl im Türkenkrieg begehrte, sandte einen der Fürsten von Anhalt heimlich zu Luther, um ihn nicht nur von uns abwendig zu machen, sondern ihn sogar zu irgendeiner heftigen Äußerung gegen uns zu entflammen. Und da gab nun Luther einmal in seinem Leben ein Beispiel von Mäßigung, indem er diesen Verräter sich davonmachen hieß und uns sogar freiwillig seine böse List aufdeckte. Von den anwesenden Männern unseres Standes war damals nur Brenz recht hart, obwohl auch er sich etwas erweichen ließ. Cruciger hatten wir fast ganz für uns gewonnen. Da fand auch der Landgraf den Mut wieder, der sich bisher, in seinem schlechten Gewissen wegen seiner Doppelehe, ganz dem Kaiser Karl knechtisch ergeben hatte, um nicht eben wegen dieser Digamie oder eher Dysgamie Gefahr zu laufen. So wurde den die Abschwächung [der lutherischen Abendmahlslehre] fast einstimmig angenommen. Denn Amsdorfs Geschrei, das er gegen Butzer erhob, wurde nicht nur ignoriert, sondern geradezu verlacht. Obwohl nun also daher keine Gefahr bestand, habe ich doch Eurer Befürchtung zu lieb die Stelle geändert. Die Augustana ganz unerwähnt zu lassen, hielt ich nicht für richtig; damit nicht die, die sich uns nähern, von ihr abzuweichen meinen. Privatschriften aber habe ich ausdrücklich nicht hereingelassen, unter ihnen die Apologie, die gerade in der Sakramentslehre ihrem Verfasser jetzt so missfällt, dass er selbst gar nicht mehr wünscht, wir gäben ihm dazu unsere Unterschrift und Zustimmung. – – –

Nun erübrigt noch, verehrte Brüder, dass Ihr diese meine vermittelnde Verbesserung wohl aufnehmt, auch wenn sie von Eurem Vorschlag etwas abweicht. Sicher hat mich nicht Eigensinn abgehalten, ausnahmslos Euren Rat zu befolgen. Doch da ich darauf baue, dass Ihr mir erlaubt, so gut wie einer von Euch meinerseits zu urteilen, was der Kirche Gottes nützt, so habe ich, gestützt auf dieses Recht, kein Bedenken getragen, Euch vorzulegen, was Ihr hier seht. Fällt nun die Sache anders aus, als ich erwarte, so wird es besser sein, ich unterdrücke dieses mein Werk, als dass ich Euch noch weiter lästig falle. Lebtwohl, verehrte Brüder. Der Herr leite Euch mit seinem Geiste und segne auch fernerhin Euer frommes Wirken. Meine Kollegen lassen Euch ehrerbietig grüßen.

Genf, 13. November 1554.
Euer
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich.

Da Calvin sich weigerte, in der Exkommunikationsfrage den Beschluss der Räte anzuerkennen, wurde von diesen die Einholung eines Gutachtens der Schweizer-Kirchen auch über diese Frage beschlossen. Deshalb sandte Calvin seinen Freund Jean Bude nach Zürich, um die dortigen Pfarrer auf die Frage vorzubereiten und über die Lage aufzuklären; als Beilage sandte er die Satzungen des Konsistoriums. Die Refugianten als Hauptanhänger Calvins wurden von dessen altgenferischen Gegnern mit allerlei schikanösen Maßregeln behandelt, z. B. wurde ihnen 1553 das Waffentragen verboten.

Dringende Bitte um ein Gutachten in der Exkommunikationsfrage.

Ich schäme mich eigentlich sehr, beste und von Herzen verehrte Brüder, dass unser Rat, der Euch kürzlich erst in der Sache Servets zur Last fiel, nun schon wieder eine Arbeit von Euch fordert. Doch gibt es dafür eine gute Entschuldigung. Denn da sich der böse Wille gewisser Leute so leidenschaftlich äußert, dass die recht und gut Gesinnten zum Widerstand nicht stark genug sind, so müssen sie Euch zu Hilfe rufen. Und obwohl ich Euch sehr gern damit verschont hätte, glaubte ich doch, in solcher Notlage nicht zögern zu dürfen. Seit ich in diese Kirche zurückgekehrt bin, stand hier eine Form der Kirchenzucht in Kraft, die, wenn auch nicht vollkommen und ganz dem Wunsch entsprechend, doch recht erträglich ist. Es besteht nämlich die Einrichtung des Konsistoriums als Sittengericht. Es steht ihm keine weltliche Rechtsprechung zu, sondern nur Zurechtweisungen aus Gottes Wort; seine höchste Strafe ist der Ausschluss vom Abendmahl. Unter andern Händeln, die uns die Diener Satans seit vollen drei Jahren nacheinander anstifteten, hat uns am heftigsten zu schaffen gemacht, dass ein Geselle von verruchter Frechheit sich trotz des kirchlichen Urteilsspruchs zum Abendmahl zu drängen suchte, und, als er sah, dass wir standhaft seinem wütenden Vorhaben widerstanden, die Stadt mit gewaltigem Lärm erfüllte. Das fiel ihm auch nicht schwer, da er von der Partei der Bösen zu diesem Spiel auserkoren war. Und weil die Leute, die sich nicht einmal schämten, Servets Sache mit Geschrei zu verteidigen, nicht nur ihn begünstigten, sondern auch seine Gesellen und Aufhetzer waren, so erreichten sie es durch Anspannung aller Kräfte, ja durch ihre Leidenschaft, dass der weitere Rat die angenommene und bisher gehaltene Kirchenordnung plötzlich umstürzte. Wieder traten wir dem entgegen. Diejenigen, die durch einen Irrtum diesen Fehlgriff getan, beschließen nun, es seien Gutachten von den schweizerischen Kirchen einzuholen. Obwohl nun nicht an Euch [die Pfarrer] geschrieben wird, so halte ich es doch für richtig, Euch rechtzeitig zu benachrichtigen und zu bitten, weil doch gewiss ist, dass Euer hochweiser Rat nicht anders als nach Eurer Meinung antworten wird. Und ein trefflicher, vor allem mutiger Mann, mein einzig geliebter Herr Jean Bude, hat die in dieser schlimmen Jahreszeit recht anstrengende, mühselige Reise um der Kirche willen gern übernommen. Erstens bitte ich Euch also im Namen Christi, bedenkt, dass Ihr keine geringe Sache zu behandeln habt, sondern über den ganzen Bestand der Genfer Kirche zu Rat sitzen sollt. Denn da ich es für treulose Feigheit hielte, solange ich diese Stellung einnehme, nicht bis aufs äußerste mit aller Schärfe für die heilige, gesetzmäßige Kirchenzucht zu kämpfen, so wollte ich hundertmal lieber aus dem Leben, geschweige denn aus Genf scheiden, als dass ich litte, dass in gottloser Weise umgestürzt wird, was ich wahrhaftig als aus Gottes Wort geschöpft ansehen muss. Es sind ja nicht alle heutzutage gleicher Meinung über den Kirchenbann, und ich weiß wohl, dass fromme, gelehrte Leute finden, unter christlichen Obrigkeiten sei der Kirchenbann nicht notwendig. Aber doch hoffe ich, dass niemand von gesundem Verstand und rechtem Eifer den Brauch missbilligt, [wo er besteht]. Mir ist der Bann sicher eine klare Lehre Christi. Wo nun nach eifrigem Bemühen der Pfarrer ein Volk doch nicht dazu zu bringen ist, dieses Joch Christi auf sich zu nehmen, da ist die Lage anders als bei uns. Denn es wäre doch zu schmählich, wenn der Bau, den zu schützen uns Christus angewiesen hat, zu unsern Lebzeiten und vor unsern Augen zerstört und umgestürzt würde. Ich fürchte auch gar nicht, dass Ihr meinen Eifer als Trotz verurteilt, wenn Ihr unsere bisher befolgte Disziplinar-Ordnung durchgesehen habt, die uns jetzt die Gottlosen entreißen wollen. Wenn es Euch dann klar ist, dass nichts darin steht, als was mit der reinen Lehre Christi übereinstimmt, so gebt Euch, bitte, Mühe, dass Euer hochweiser Rat dasselbe bezeugt. Denn das ist die Hauptsache, dass unsere Leute merken, dass sie die Neuerung, die sie erstreben, nicht einführen können, ohne Christi Gebot zu verlassen oder doch, wenn der Ausdruck zu hart scheint, davon abzuweichen. Das übrige, was sich nicht gut in einem Briefe zusammenfassen ließ, mag Euch Herr Bude mündlich erklären. Der Herr ist mir und meinen Kollegen Zeuge vom Himmel her, dass seit vier Jahren von den bösen Leuten nichts unterlassen worden ist, womit sie hofften, allmählich die an sich schon mittelmäßigen Zustände der Genfer Kirche verschlechtern zu können. Ich habe ihre heimlichen Ränke von Anfang an durchschaut. Aber ich kann nichts anderes darüber sagen, als dass der Herr seine Zuchtrute rüstete vor unsern Augen, um uns durch Furcht zu ihm zurückzurufen. Weil wir aber taub und blind waren, konnte nichts helfen. Seit zwei Jahren aber ist unsere Lage so geworden, als lebten wir unter offenen Feinden des Evangeliums. Jetzt wird der letzte Akt gespielt. Denn nach manchem errungenen Sieg meinen die Feinde des Evangeliums einen prächtigen Triumph über Christum, seine Lehre und seine Diener, ja über alle seine Glieder davontragen zu können. Wie unhöflich, ja schmählich und barbarisch sie die Verbannten Christi plagen, die sie doch in ihren Schutz aufgenommen haben, davon will ich gar nicht reden. Diese aber, die bei uns ein Asyl gefunden haben, nahmen alle diese Schmach so ruhig, bescheiden und geduldig hin, dass dies sogar die Anstifter der ungerechten Behandlung nicht leugnen konnten. Jetzt hat die Nichtswürdigkeit den Gipfel erreicht, da sie ohne jede Scham hartnäckig den Tempel Gottes in ein Hurenhaus verwandeln wollen.

Damit Ihr wisst, wie abscheulich entartet dieses Volk ist: als neulich unser Bruder Farel hier war, dem sie alle, wie Ihr zur Genüge wisst, zu größtem Dank verpflichtet sind, und sie nach seinem Recht freimütig ermahnte, brach eine solche Wut gegen ihn los, dass man sich nicht scheute, einen Prozess auf Leben und Tod gegen ihn anzustrengen. Ich weiß ja wohl, es ist nichts Ungewöhnliches, dass in einer freien Stadt herrschsüchtige Leute zu finden sind, die Aufruhr stiften. Aber das war doch eine beklagenswerte Verblendung unseres Rates, dass er die Neuchateller aufforderte, den Vater der Genfer Freiheit und den Vater der Genfer Kirche als einer todeswürdigen Sache angeklagt nach Genf zu senden. Ich muss damit einen Schandfleck dieser Stadt aufdecken, den ich mit meinem Blut abwaschen möchte. Farel kam; ehe er die Stadt betrat, meldete mir ein Ratsdiener in meinem Hause, er dürfe nicht auf die Kanzel gelassen werden. Das Weitere will ich nicht durchnehmen; es genügt, wenn Ihr eine Probe der Undankbarkeit gekostet habt, die bei allen Guten und Edeln mit Recht großes Ärgernis erregen wird. Aber weil mich mancherlei Gründe hindern, unsere Übelstände ganz offen zu beklagen, so hört nur kurz das: wenn der Satan nicht von Euch gebändigt wird, so sind ihm die Zügel losgelassen. Deshalb müsst Ihr also so handeln, als läge überhaupt der Bestand der Genfer Kirche in Eurer Hand. Es ist nicht Eigensinn von uns, dass wir eher von diesem Orte weichen als von unserer Meinung. Denn alle Guten wissen, dass wir bisher, um Unruhen entgegenzutreten, nur zu nachgiebig gewesen sind, auch wenn es unzweifelhaft zutage trat, dass nur unsere Geduld von den Bösen auf die Probe gestellt wurde. Diesen Sieg dürfen wir ihnen aber nicht lassen, ohne mit Wissen und Willen das ganze Recht der Kirche zu verraten, nicht nur weil dadurch das Ansehen unseres Amtes zugrunde ginge, sondern weil der Name Christi den schmutzigsten Schmähungen ausgesetzt und die zügelloseste Freiheit zu allem Bösen mehr und mehr zur Gewohnheit würde; weil die Frommen nicht nur jedem Unrecht preisgegeben, sondern überhaupt in ihrer Existenz elendiglich bedroht wären. Umso fester baue ich darauf, Ihr werdet dafür sorgen, dass die Gläubigen in Genf, durch Euer Gutachten unterstützt, Gott in etwas mehr Ruhe dienen können. Lebtwohl, treffliche Männer und in Wahrheit verehrte Brüder. Der Herr sei mit Euch und leite Euch mit seinem Geiste. Er gebe Euch Klugheit, die nicht nur zur Erhaltung Eurer Kirche reicht, sondern auch zur Unterstützung anderer. Meine Kollegen lassen angelegentlich grüßen und empfehlen unsere Kirche in allem Eifer Eurer Treue und Klugheit.

Genf, 26. November 1553.
Euer
Johannes Calvin.

Es wird gut sein, diesen Brief geheim zu halten, sodass wenigstens nichts davon bis zu unsrer Obrigkeit kommt.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich

Nr. 327 (C. R. – 1550)

Jerome Bolsec von Paris, früher Karmelitermönch, dann Arzt, ließ sich 1551 in Veigy bei Genf nieder; er erhob Einspruch gegen Calvins Prädestinationslehre und wurde deshalb am 16. Oktober verhaftet. In einem wohl von Calvin verfassten, gleich lautenden Schreiben ersuchen die Genfer Pfarrer ihre Kollegen in Zürich, Bern und Basel um Gutachten über den Fall. Lorenzo Valla, italienischer Humanist.

Von Bolsecs Angriff auf die Prädestinationslehre.

Es lebt hier ein gewisser Jerome, der, nachdem er die Mönchskutte abgeworfen, einer der herumziehenden Ärzte geworden ist, die sich durch Lug und Trug eine solche Frechheit erwerben, dass sie zu jedem Wagnis schnell bereit sind. Schon vor acht Monaten hat er versucht, in einer öffentlichen Versammlung unserer Kirche die Lehre von der Gnadenwahl Gottes, die wir nach Gottes Wort annehmen und mit Euch lehren, ins Wanken zu bringen. Damals wurde der freche Mensch mit möglichster Mäßigung zur Ruhe gebracht. Seither hat er nicht aufgehört, überall daraufhin zu arbeiten, den Einfältigen diesen Glaubenssatz zu zerstören. Neulich aber hat er mit offenem Maule sein Gift ausgespieen. Denn als nach unserm Brauch einer der Brüder das Wort im Johannes-Evangelium [8, 47] auslegte: Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort; darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott, – und sagte, wer nicht aus dem Geiste Gottes wiedergeboren sei, der widerstrebe Gott hartnäckig bis ans Ende, weil der Gehorsam ein besonderes Geschenk Gottes sei, dessen er nur seine Erwählten würdige, da erhob sich dieser windige Geselle und sagte, diese falsche, gottlose Meinung, die Lorenzo Valla aufgebracht habe, dass Gottes Wille aller Dinge Ursache sei, sei in unserm Jahrhundert wieder aufgetaucht. Dadurch würden aber die Sünde und die Schuld an allen Bösen Gott zugeschrieben und ihm tyrannische Willkür angedichtet, wie die antiken Dichter von ihrem Jupiter fabelten. Er kam dann zu dem andern Punkt, nicht darum kämen die Menschen zur Seligkeit, weil sie erwählt seien, sondern sie würden erwählt, weil sie glaubten, und keiner werde verworfen bloß auf Gottes Beschluss hin, sondern nur die, die sich selbst der allgemeinen Erwählung entzögen. Bei Behandlung dieser Frage fuhr er mit viel groben Schimpfreden gegen uns los. Der Stadtpolizeihauptmann hieß ihn ins Gefängnis führen, als er von der Sache hörte, besonders weil er das Volk aufgehetzt hatte, es solle sich von uns nicht betrügen lassen. Die Untersuchung der Sache ist jetzt dem Rat übertragen worden; er fuhr vor diesem fort, seinen Irrtum mit ebenso großer Hartnäckigkeit als Frechheit festzuhalten. Da er sich dabei rühmte, es gebe in andern Kirchen viele Pfarrer, die auf seiner Seite stünden, so verlangten wir vom Rat, er möge über die ganze Sache kein Urteil fällen, ehe er aus einem Gutachten Eurer Kirche ersehe, dass dieser windige Gesell in unwahrer Weise Eure Meinung als Vorwand missbrauche. Anfangs fühlte er sich dadurch beschämt und meinte, er lehne das Urteil der Kirchen nicht ab, begann dann aber zu sticheln, Ihr scheinet ihm verdächtig wegen Eures freundschaftlichen Verhältnisses zu unserm Bruder Calvin. Der Rat aber beschloss, wie wir es wünschten, um Eure Meinung zu bitten. Dazu kam, dass er auch Eure Kirche in die Sache zog. Denn vor allem verdammte er Zwingli; von Bullinger log er, er sei seiner Meinung. Bei den Pfarrern des Bernbiets suchte er in schlauer Weise eine Entzweiung zu verursachen. Nun wünschen wir, unsere Kirche so von dieser Pest zu reinigen, dass sie nicht, von uns vertrieben, den Nachbarn schadet. Wie sehr es nun auch in unserm Interesse und dem der öffentlichen Ruhe liegt, dass die Lehre, die wir bekennen, durch Eure Zustimmung gebilligt wird, so haben wir doch keinen Grund, Euch in vielen Worten um treuen Beistand zu bitten. Die Institutio unseres Bruders Calvin ist Euch nicht unbekannt, gegen die dieser [Bolsec] vor allem seinen Angriff richtet. Wie ehrfürchtig und nüchtern Calvin darin von den verborgenen Ratschlüssen Gottes redet, brauchen wir nicht hervorzuheben, weil das Buch selbst es reichlich genug beweist. Auch lehren wir hier nichts, als was in Gottes heiligem Wort geoffenbart ist und auch in Eurer Kirche, seit das Licht des Evangeliums wieder erschienen ist, Geltung erlangt hat. Darüber sind wir ja einig genug, dass wir gerecht werden durch den Glauben, aber darin erscheint erst Gottes Barmherzigkeit fest begründet, dass wir den Glauben erkennen als eine Frucht dessen, dass er uns aus freier Gnade annimmt; dass er uns aber annimmt, kommt von seiner ewigen Erwählung her. Dieser Schwindler aber gibt vor, die Erwählung hänge vom Glauben ab, und der Glaube selbst stamme eben so sehr aus eigenem Antrieb als aus göttlicher Eingebung. Unstrittig ist wiederum, dass der Untergang der Menschen ihrer eignen Bosheit zuzuschreiben ist; aber in den Verworfenen, die Gott nach seinem geheimen Ratschluss übergeht und verlässt haben wir einen deutlichen Beweis unserer Niedrigkeit [gegenüber Gottes Größe]. Jerome aber erlaubt nicht, dass Gott etwas tun dürfe, dessen Grund nicht klar vor Augen liege. Schließlich ist der Punkt unter uns fest und zugegeben, dass man Gott nicht als Teilhaber an der menschlichen Sündenschuld ansehen darf, noch irgendwie das Wort Sünde mit ihm in Beziehung bringt. Das hindert aber nicht, dass er nach seinem wunderbaren und unbegreiflichen Ratschluss durch den Satan und die Verworfenen als Werkzeuge seines Zornes die Macht seines Armes erweist und bald die Seinen erzieht, bald seine Feinde straft, wie sie es verdienen. Dieser unheilige Possenreißer aber deklamiert, Gott werde in die Schuld hineingezogen, wenn wir seine Vorsehung zur entscheidenden Macht in allen Dingen machen. Schließlich hebt er jeden Unterschied zwischen der tieferen, verborgenen Ursache und der nächstliegenden auf und will die Plagen des frommen Hiob nicht als Gottes Werk gelten lassen, ohne dass Gott mit dem Teufel und den chaldäischen und sabäischen Räubern schuldig sei. [Hiob 1.]

Nun lasst Euch, wie es unsere gegenseitige Verbindung fordert, die Mühe nicht verdrießen, durch eine schriftliche Zustimmung die Lehre Christi, die durch die Schmähungen eines frechen Müßiggängers angegriffen ist, zu unterstützen und zu bestätigen. Weil wir fest darauf bauen, dass Ihr das gern und freiwillig tut, brauchen wir nicht mit ängstlichen, dringenden Bitten zu Euch zu sprechen. Wir sind unsrerseits, wenn Ihr je unsere Hilfe braucht, zu jedem brüderlichen Liebesdienste gern bereit. Lebt wohl, beste, verehrte Brüder. Der Herr leite Euch mit seinem Geiste, segne Euer Wirken und behüte Eure Kirche.

Genf, 14. November 1551.

Eure Brüder und Kollegen

 

Johannes Calvin Jean Perier
Abel Pouppin Raymond Chauvet
Jacques Bernard Nicolas Parent
Louis Treppereau Michel Cop
Louis Cugniez Jean Fabri
Nicolas des Gallars De St.-Andre
Francois Bourgoing Jean Baldin
M. Malisie Philippe de l´Eglise.

 

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich.

Die Pfarrer, die in Genf an die Stelle der Vertriebenen traten, waren Jacques Bernard, Henri de la Mare und Jean Morand.

Vergeblicher Versuch zur Rückkehr. Klagen über die Berner und Genfer Pfarrer.

Weil es uns jetzt nicht möglich ist, wie wir zuerst wünschten, mündlich mit Euch zu verkehren, so müssen wir unsere Zuflucht zu dem nehmen, was als zweites übrig bleibt, in einem Brief die hauptsächlichen Ereignisse Euch darzulegen oder wenigstens anzudeuten. Aus einem frühern Brief habt Ihr gehört, dass acht Tage nach unserer Ankunft in Bern auch Kuntz und Erasmus Ritter sich dort einfanden, die übrigens keinen Eifer aufwenden zu wollen schienen. Wir glaubten, man wolle unsere Geduld absichtlich auf die Probe stellen, damit, wenn wir schließlich aus Überdruss die ganze Sache hätten fahren lassen, man schön alle Schuld auf uns abwälzen könne. Als wir hörten, sie seien angekommen, gingen wir bald in Kuntzens Haus. Auch Sebastian Meyer und Erasmus waren da. Hier begann nun wider jedes Erwarten Kuntz eine lange Beschwerderede, von der er schließlich zu schwerer Beschimpfung überging. Wir nahmen seine Grobheit mit möglichster Ruhe auf, da wir sahen, mit größerer Heftigkeit sei nichts anderes zu erreichen, als dass wir selbst den Tollen zur äußersten Wut brächten. Seine Kollegen halfen uns ihn besänftigen. Zuletzt begann er zu fragen, ob wir etwa sein Wirken in unsrer Sache nicht wollten und fügte bei, er frage deshalb, weil er voraussehe, dass, wenn die Sache schlecht ausfalle, er von uns den schlechten Willens beschuldigt werde. Nachdem wir dreimal geantwortet hatten, wir wollten ihm die Aufgabe nicht rauben, die er nun einmal nach Beschluss des Zürcher Konvents auf sich genommen, wiederholte er gleich drauf das alte Liedlein von Neuem. Schließlich von seiner eigenen Bosheit äußerst ermüdet, versprach er, er werde uns keineswegs seine Dienste versagen. Es wurde der folgende Tag verabredet zur Verhandlung der Sache. Wir kamen also am folgenden Tag zur Pfalz. Nach zwei Stunden sagte man uns, die Herren Pfarrer seien zu sehr mit Chorgerichtsangelegenheiten beschäftigt, als dass sie jetzt Zeit für uns hätten. Nach dem Essen gingen wir nochmals hin, aber da fanden wir sie noch viel weniger bereitwillig als vorher. Sie sagten nämlich, die Artikel müssen noch erwogen werden, die wir doch schon dem Konvent in Zürich vorgelegt hatten, und die solchen Anklang gefunden hatten, dass gar nichts bestritten worden war. Obschon wir nun sahen, dass man unbillig mit uns verfahre, so ertrugen wir die Schmach in aller Stille. Da war fast keine Silbe, um die sie nicht stritten. Als man den zweiten Artikel besprach, der von der Art des Brotes beim Abendmahl handelte, konnte Kuntz schon nicht mehr an sich halten, sondern brach in allerlei Vorwürfe aus, von denen wir nur einen erwähnen wollen. Er warf uns vor, alle deutschen Kirchen, die vorher ganz ruhig gewesen seien, seien durch unser rücksichtsloses Streben nach Neuerung beunruhigt worden. Wir erwiderten, der Gebrauch gesäuerten Brotes sei nicht von uns zuerst eingeführt worden, sondern übernommen aus altem Brauch der Kirche, und so von Hand zu Hand überliefert. Denn selbst unter dem Papsttum seien da noch Spuren eines reinern Abendmahls vorhanden gewesen, wo man gesäuertes Brot ausgeteilt habe. Er hörte aber auf keine Gründe, tobte vielmehr immer wilder, bis andere durch die Verlesung des dritten Artikels den Zank unterbrachen. Da begnügte er sich nun aber nicht mit Geschrei, sondern sprang vom Tisch auf und geriet am ganzen Leib in solche Aufregung, dass ihn seine Kollegen nicht zurückhalten konnten, obwohl sie ihn anfassten. Als er sich ein wenig gesammelt, rief er, eine unerträgliche List träte darin zu Tage, dass alles voll Ausnahmefälle stecke in unsern Artikeln. Wir erwiderten, wir hätten vielmehr gerade ehrlich sein wollen, als wir am Zürcher Konvent schon einfach und offen das ausgenommen haben wollten, was man doch ausnehmen müsse. Nun hört die Frechheit dieses Menschen! Er wollte sich nicht erinnern, dass je Artikel von uns dem Konvent fertig vorgelegt worden seien. Da wir nun keine Zeugen zur Hand hatten, eine so offene Lüge zu widerlegen, sagten wir, wir beriefen uns auf das Urteil der Kirche und seien bereit, jede Schmach auf uns zu nehmen, wenn nicht von allen Teilnehmern des Züricher Konvents alle Artikel anerkannt würden, nach denen Butzer unsere Sache verteidigte, und über die er das Urteil der Brüder verkündigte, die in allem unsern Forderungen beipflichteten. Damit Ihr umso sicherer seid, schicken wir sie Euch in treuer Abschrift. Da er uns nun der Lüge anschuldigen wollte, sagte er: Wie passt es nun zum Beschluss der Brüder, dass ihr wolltet, unsere Gesandtschaft solle Eure Bräuche billigen, die alle Brüder in Zürich missbilligten? Ihr seht, liebe Brüder, dass wir nicht mit einem Menschen zu tun hatten, geschweige, dass er in einer so schwierigen Sache sich als ein Knecht Christi gezeigt hat! Als wir ihm nun mit so klaren Beweisen zu Leibe gingen, dass er nicht ausweichen konnte, sagte er: Ich kenne Eure Gesinnungslosigkeit und Unzuverlässigkeit gut genug; denn in Zürich habt ihr behauptet, zu Lausanne seiet ihr bereit gewesen, in zwei Punkten uns nachzugeben, und hättet nur im dritten widerstanden, da ihr doch dort uns nicht ein bisschen nachgeben, ja uns nicht einmal anhören wolltet. Was, sagten wir, erinnerst du dich nicht, dass damals ganz friedlich unter uns verhandelt wurde, und nur in Betreff der Feiertage die Unterhandlung stecken blieb? Als er auch dies Lügen nannte, beriefen wir uns auf Erasmus Ritter, der dabei gewesen war. Der stimmte uns bei, aber Kuntz war nicht daran zu hindern, noch frecher fortzufahren. Der Gesandte, der die Lausanner Synode präsidiert hatte, legte für uns das bestimmteste Zeugnis ab und fügte bei, er werde, wenn wir wollten, ohne Zögern auch vor dem Rat gegen Kuntzens Lügen protestieren. Trotzdem dieser so aufs Haupt geschlagen war, fuhr er fort, bis zuletzt alles zu leugnen. Da gaben wir alle Hoffnung auf und gingen weg. Als wir auf die Straße kamen, fragte Sebastian, ob wir wirklich glaubten, was man erzähle, einzelne Brüder seien so streng, dass sie die Männer, die an unserer Stelle gekommen seien, Wölfe und falsche Propheten hießen. Wir antworteten, wir urteilten nicht anders über sie. So werden also wir, sagte er, nach gleichem Recht verdammt, die nach der Verbannung Meganders hier geblieben sind? Wir sagten, das sei nicht dasselbe und gaben unsere Gründe an, weshalb wir über jene Wölfe nicht milder urteilen könnten. Daraus könnt ihr nun erkennen, welchen Vorwand er genommen hat, sich von uns loszumachen. Denn sofort nachdem er das gehört, schob er jedes Handeln in unserer Sache von sich ab, trotzdem er vorher versprochen hatte, alles zu tun. So blieb allein Erasmus übrig, der, obwohl er in guten Treuen sich unserer Angelegenheit widmete, doch gegen den Widerstand der beiden Andern wenig ausrichtete. Nach ein paar Tagen wurden wir vor den Rat gelassen und dreimal in einer Stunde hereingerufen, wir sollten von unsern Artikeln lassen. Wir bestanden nämlich darauf, dass nur in gesetzmäßiger Weise die Übereinstimmung mit der Berner Kirche von der [Genfer] Gemeinde dürfe angenommen werden. Der Rat wollte, wir sollten uns begnügen, da sie nun einmal angenommen sei. Angenommen war sie aber nur von wenigen Verschwörern, in demselben Beschluss, nach dem wir hätten in die Rhone geworfen werden sollen. Schließlich wollten wir uns aber doch lieber zu einigen äußersten Bedingungen herbeilassen, als dass wir gute Leute auf den Glauben gebracht hätten, durch uns sei weiteres Handeln ins Stocken gekommen. Es wurde nun vom Rat beschlossen, zwei Gesandte sollten uns bis zum vierten Meilenstein vor der Stadt [Genf] begleiten und dann vorausgehen, um unsere Rückkehr zu erwirken. Hätten sie das erreicht, so sollten sie uns in die Stadt begleiten und dafür sorgen, dass wir wieder in unser Amt eingesetzt würden. Da uns das gar nicht befriedigte, verlangten wir eine neue Ratssitzung für uns. Gleich als wir kamen, legten wir dar, dass aus ihrem Vorgehen gerade das, was wir am meisten fürchteten, folgen werde, nämlich dass es scheine, wir seien nur unter Abbitte einer Schuld wieder eingesetzt worden; auch beklagten wir uns, dass kein Pfarrer der Gesandtschaft beigegeben worden sei. Es kann ein neuer Ratsbeschluss zu Stande: wir sollten von den Gesandten gleich bis in die Stadt geführt werden, und es sollte zuerst die Erlaubnis für uns erwirkt werden, in unserer Sache zu reden, damit wir dann, wenn wir über unsere Amtsverwaltung Rechenschaft abgelegt hätten und ohne Fehl befunden seien, wieder eingesetzt würden. Außerdem wurden uns Erasmus Ritter und Viret mitgegeben. Wir waren nur noch eine Meile von der Stadt [Genf] entfernt, als uns ein Bote entgegen kam und uns den Eintritt verbot. Obwohl dies wider Recht und Staatsbrauch ging, gehorchten wir doch dem Rat der Gesandten; sonst wären wir sicher weitergereist, wenn uns nicht diese standhaft widerstrebt hätten. Doch war eben dadurch am besten für unser Leben gesorgt. Denn es ergab sich nachher, dass nicht weit von den Mauern ein Hinterhalt stand, und selbst unter dem Tor saßen zwanzig bewaffnete Stadtknechte. Beide Räte erklärten sich dahin, die Entscheidung sei dem Volk überlassen. Vor diesem behandelte nun der eine Gesandte, Ludwig Ammann, und Viret, der in seinem und Erasmus Namen sprach, die Sache mit solchem Ernst, dass es schien, als wende sich die Stimmung der Menge zur Gerechtigkeit. Dann aber las nach ihrem Wegtritt einer von den Vorsitzenden des Rats unsere Artikel so gehässig als möglich vor, und einige riefen ihm Beifall zu. Denn so wars abgemacht, dass sie, während er las, durch ihre Zurufe das Volk erhitzen sollten. Drei Dinge griffen sie vor Allem heraus, um den Hass gegen uns zu schüren. Erstens, dass wir die Genfer Kirche unser nannten, dann, dass wir die Berner ohne Ehrentitel einfach beim Namen nannten, drittens dass wir den Kirchenbann erwähnten. Seht, riefen sie, sie sagen ihre Kirche, wie wenn sie schon wieder Besitz davon ergriffen hätten! Seht, wie übermütig sie die Obrigkeiten verachten! Seht, wie sie nach Gewaltherrschaft streben! Denn was ist der Bann anders als Tyrannenregiment? Nun schaut, wie leichtfertig und läppisch solche Verleumdungen waren: den Bann, dessen Namen sie jetzt so scheuten, hatten sie selbst längst angenommen. Aber diese Dinge waren ein guter Blasebalg, die Stimmung Aller zur Wut anzufachen. Sie beschlossen: eher sterben, als unsere Rechenschaft anhören. Die Artikel hatten zwar die Gesandten mitgebracht, aber mit der Weisung, sie dem Volk nicht vor unserer Ankunft kund zu tun, weil es uns leicht sei, etwa auftauchende Bedenken zu heben. Aber unser lieber Kuntz hatte einen andern Plan. Denn heimlich hatte er sie ihnen geschickt durch einen uns bekannten Verräter Namens Pierre Vandel (damit ihr nicht glaubt, wir stützen uns auf unsichere Vermutungen). Hierin ist seine Treulosigkeit mit Händen zu greifen; denn er und Sebastian allein hatten eine Abschrift, und dieser Vandel hat sich vor Vielen auf der Straße gerühmt, er trage ein für uns tödliches Gift bei sich. Kuntz konnte sich über seine Gesinnung gegen uns gar nicht verstellen; denn in einem Pfarrkonvent in der Nidau soll er gesagt haben: Der Rat hat zwar beschlossen, ich solle nach Genf, um die Verjagten (so nannte er uns höhnisch) wieder einzusetzen; aber lieber wollte ich von Amt und Vaterland weichen, als denen helfen, von denen ich mich so ungeheuerlich behandelt weiß. Das ist nun das Versprechen, das er Euch und der Kirche Christi feierlich gegeben, von dem Ihr meintet, jede Möglichkeit, es zu brechen, sei ihm genommen. Nun glaubt endlich der Erfahrung, dass es nicht grundlose Furcht war, als wir bei Euch so erschraken, dass uns der Wille der Kirche kaum dazu brachte, uns in dies Irrsal hineinzuwagen. Jetzt freilich sind wir fertig. Eurem und aller frommen Leute Urteil glauben wir genug getan zu haben und haben nichts erreicht, als dass Alles doppelt oder dreifach so schlimme geworden ist als vorher. Denn wenn schon anfänglich bei unserer Vertreibung der Satan dort und in ganz Frankreich lustig triumphierte, so ist seit dieser Rückweisung sein und seiner Gesellen Übermut erst recht gewachsen. Nicht zu glauben ists, wie frech und unverschämt nun in Genf die Bösen jeder Art Laster frönen, wie schadenfroh sie die Knechte Christi höhnen, wie roh sie über das Evangelium spotten, kurz wie ungebührlich sie in jeder Weise rasen. Das Unglück muss uns umso herber sein, weil, wie die gute Zucht, die dort vor kurzem so ziemlich zu Tage trat, selbst die heftigsten Gegner des Evangeliums nötigte, Gott die Ehre zu geben, so jetzt auch die wilde Freiheit zur Ausführung alles Lasterhaften wegen der Berühmtheit der Stadt zum ärgsten Spott der evangelischen Sache mehr als zu viel vor aller Augen liegt. Weh dem, durch den solch Ärgernis gekommen ist! Weh denen noch viel mehr, die mit ihm zu so frevelhaften Plan sich verschworen! Ein guter Teil von ihnen gönnte zwar uns das Leben wohl, aber weil sie nicht erreichen konnten, was sie wollten, ohne das Licht der Wahrheit auszulöschen, zögerten sie nicht, um diesen Preis in den Dienst der schlimmsten Begierden zu treten. Kuntz, weil er uns nicht vernichten konnte, ohne die Kirche zu ruinieren, zögerte nicht, sie mit uns dranzugeben. Nun hat er zwar unsern Bau zerstört, wir aber stehen noch fest im Herrn und werden noch fester stehen, wenn er einmal mit der ganzen Schar der Gottlosen stürzen wird. Es wäre freilich besser, die Gemeinde wäre ganz ihrer Hirten beraubt, als dass sie in der Hand von Verrätern ist, die unter der Maske von Hirten sich verbergen. Zwei solche sind es, die in unsere Stellen eingedrungen sind. Der eine widerstrebte dem ersten Aufkommen des Evangeliums, da er Guardian der Franziskaner war, bis er dann plötzlich einmal Christus fand, in der Schönheit einer Frau, die er dann, sobald er sie hatte, auf jede Weise verderbte. Schon im Mönchtum hatte er in Schmutz und Schande gelebt und nicht nur ohne die Frömmigkeit des früheren Aberglaubens, sondern sogar ohne allen Schein solcher Frömmigkeit. Nun, um nicht mit Recht als ein aus dem Stand christlicher Bischöfe Auszustreichender zu erscheinen, ruft er oft von der Kanzel herab, Paulus verlange von einem Bischof nicht, dass er bisher untadelig gewesen sei, sondern nur, dass er anfange es zu sein, sobald er zu solchem Amte gewählt sei. Seit er sich zum Evangelium bekannt hat, hat er sich so aufgeführt, dass es allen klar ist, dass sein Herz aller Gottesfurcht und Frömmigkeit gänzlich bar ist. Der zweite, so schlau er auch ist, seine Laster zu verstecken, ist doch so berühmt und berüchtigt lasterhaft, dass er nur noch Fremden imponieren kann. Beide, obschon ganz ungelehrt, und selbst im Schwatzen, geschweige denn im Reden ohne jedes Salz, sind doch unverschämt stolz. Jetzt heißt es, hätten sie sich einem Dritten zugesellt, der vor kurzem der Hurerei beschuldigt und beinahe überwiesen war, wenn er nicht durch die Gunst einiger Leute dem Urteil entwischt wäre. Die Geschicklichkeit, mit der sie jetzt ihr Amt führen, ist nicht größer als die, mit der sie es sich angemaßt haben. Wie sie teils ohne Wissen, teils trotz des Widerspruchs der Amtsbrüder des ganzen Gebiets sich eingeführt haben, so halten sie sich jetzt jede andere Maske eher vor, als die demütiger Knechte Christi. Nichts schmerzt uns aber tiefer, als dass durch ihre Unwissenheit, ihren Leichtsinn, ihre Dummheit der Dienst am Wort geschändet und entehrt wird. Denn es vergeht kein Tag, ohne dass sie sich öffentlich von Männern oder Frauen, zuweilen sogar von Knaben irgendeinen Irrtum vorhalten lassen müssen. Aber der Bote, der es eilig hat, nimmt uns schon den Brief fast aus den Händen. Also lebt wohl, geliebte und insonders hochverehrte Brüder, und ruft mit uns in ernstem Gebet zum Herrn, dass er sich bald aufmache.

Eure Euch liebenden Brüder

Farel und Calvin.

Wir beschwören Euch, liebe Brüder, sorgt dafür, dass dieser Brief nicht bekannt wird uns zum Schaden. Denn wir haben alles Euch vertraulicher dargelegt, als wir es gewöhnlich erzählen würden. Erinnert Euch also daran, dass wir das als Geheimnis Eurer Verschwiegenheit anvertraut haben.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Zürich.

Trotz der Verurteilung Carolis wurde es den Genfern verargt, dass ihr Bekenntnis die Worte Dreieinigkeit und göttliche Personen nicht enthielt. Calvin verteidigt sich deswegen im Auftrag seiner Kollegen; der Brief ist dem vorigen ähnlich, angeführt sei nur eine Stelle:

Über die Stellung zum trinitarischen Bekenntnis.

– – Wie wenig wir solche Ausdrücke scheuen, geht daraus hervor, dass wir stets wollten, ihr freier Gebrauch sollte in der Kirche bestehen bleiben, und bekannt haben, das zu Basel erschienene schweizerische Bekenntnis, das doch den Ausdruck Person enthält, gelte uns für fromme und rechtgläubig. Nur wollten wir nicht, dass ein solches Beispiel von Tyrannei in der Kirche einschleiche, dass man den für einen Ketzer halte, der nicht nach der Vorschrift eines Andern rede, während Caroli eifrig darauf drang, keiner, der nicht die drei alten kirchlichen Bekenntnisse annehme, sei ein Christ. – –

[30. August 1537].