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Kategorie: Reublin Wilhelm

Eines Wiedertäuffers Nachricht an die Brüder und Schwesteren des Schweitzerlandes von Hinrichtung einiger ihrer Secte zu Rothenburg am Neckar und denen darbey vorgefallenen Wunderzeichen.

Eines Wiedertäuffers Nachricht an die Brüder und Schwesteren des Schweitzerlandes von Hinrichtung einiger ihrer Secte zu Rothenburg am Neckar und denen darbey vorgefallenen Wunderzeichen.

//Diese neue Zeitung hat Wilhelm den Täuffern zu Zollikon, Grüningen, Basel und Appenell zugeschickt; ob der Verfasser der oft erwähnte Wilhelm Reublin gewesen, lasse ich dahin gestellt seyn. Einmahl war derselbige von Rothenburg gebürtig. Uebrigens ist diese Execution in dem Jahr 1527. vorgegangen.//

Zu Heuw sind sechszehen Männer und eilf Weiber gefangen und etwas Zeits in dem Gefängnisse behalten, hernach die Fremden, als der Michel ((Michael Sattler)) sammt seinem Weibe, der Mathias Kürßner von St. Gallen und Vit Fering von Rothenburg von den Rittern gen Binsdorf geführt und in die Thürne daselbst geleget worden. Dieselbigen haben ein Blutgericht zu Rothenburg angesehen und zwey Männer von Gretzingen, zwey von Ueberlingen, zwey von Villingen, zwey von Tübingen, und zwey von Rothenburg verordnet, welche am Freytag und Samstag in der vierten Wochen vor Pfingsten dasselbige Gericht besetzet, für welches bemeldte vier Personen sammt den Gefangenen von Rothenburg, nemlich sieben Männer und acht Weiber gestellt worden. Vor diesem Gericht wurde über den Michel eine grausame Klag geführet. Zum ersten: Er sey ein Ketzer, ein Bößwicht, und ein Verführer der Christen. Zum andern: Es sey von dem heiligen, priesterlichen Stand und Sacrament wider Gottes und der Römischen Kirche Satzung und Geboten abgetreten. Zum dritten: Er sey von den höchsten Gelübden gefallen und hab ein Weib zur Ehe genommen. Zum vierten: Er habe die Sacramente verschmähet und zerstöhret, als die heilige Oehlung, die Tauffe, das heilige Sacrament des Leibes und Blutesw JEsu Christi. Es wurden ihm andere Artickel mehr fürgehalten und über ihn geklaget, daß er als ein Ketzer an Leib und Leben solte gestraft und verurtheilt werden.((Laut Sebastian Franks Ketzer-Chronik waren das u.a. diese: Man solte allerdings auch der Obrigkeit nicht schweeren; ein Christ möchte keine Obrigkeit seyn, die das Schwerd führe oder gebrauche; wenn der Türk in das Land käm, solte man ihm keinen Widerstand thn, dann es sey in keinen Weg recht oder ziemlich zu Kriegen; wenn Kriegen recht wäre, wollten sie (die Wiedertäuffer) lieber wider die vermeynten Christen ziehen, als wider den Türken rc.))

Michel gab selbst auf alles Antwort mit sanften und christlichen Worten über alle und jede Artickel. Er gründete und hielt sich allein an dem Worte Gottes des A. und N. Testamentes. Er bezeugete, wenn er aus demselbigen überwunden würde, wollte er gern die Straffe leiden; Wenn er aber seine Sach mit dem göttlichen Worte und der Wahrheit erhielt und ausführete, solte er billich ungestraft bleiben, rc. Er begehrte hiermit die Bibel, die Gelehrten und alle Christen auf Erden, denen wollte er seines Glaubens Richterin seyn. Es wurde ihm aber nicht gestattet. Darzu sprach der Herren Fürsprech, der Stadtschreiber von Ehingen: Der Diebshenker müßte mit ihm disputiren, zog sein Schwerd halb aus der Scheide und sprach: Wenn du nicht abstehest, will ich dich selbst mit diesem Schwerd richten, wormit ich hoffe Gott einen Dienst zu thun. Darmit satzte er seine Sache zum Rechten. Michel aber erwehlte nicht zu weichen, sondern eher zu leiden und befahl sich Gott und seinem Willen, mit vielen christlichen Worten.

Hernach ergieng das Urtheil: Daß Michel auf den Marck geführet werden, ihm die Zunge abgehauen, darnach sechs Griffe mit glüenden Zangen auf ihn gethan und er mit lebendigem Leibe in ein Feuer geworffen und zu Pulver verbrand werden solle. Ihn tröstete seine Schwester vor vielen Fürsten und Herren mit Freudigkeit. Nach dem Urtheil ward er wiederum in den Thurm geleget vom Samstag biß auf den Montag. Was Angst, Kampf und Streit Fleisch und Geist mit einandern gehabt haben, ist unbegreiflich. Er ward an demselbigen Tage ausgeführt und der Anfang gemachet mit Aushauung der Zunge, hernach ward ihm sein Leib mit glüenden Zangen gegriffen. Er lobete aber Gott auf der Wallstatt sehr; da er mit Seilen auf die Leiter gebunden war, ermahnete er das Volk zur Besserung, Buß und Forcht Gottes. Hernach die Herren, insbesondere den Schultheiß, daß er eingedenk wäre, was er in geheim aus Liebe mit ihm geredt hätte. Hierauf ergab er sich williglich Gott dem Herren. Es ward ihm ein Säcklein mit Pulver an den Halß gehänget und er also in das Feuer geworffen. Als das Pulver versprang, und man meynte, er wär schon tod, fieng er mit heller Stimm oft und dick an zu Gott im Himmel zu schreyen. Da er lange also schrye, ward er im Feuer ledig und hob seine Aerme und an jeder Hand die zwey vorderstedn Finger empor zum Allerhöchsten und schrye mit gewaltiger Stimme: Vater in deine Hände befehl ich meine Seele und beschloß also sein Leben. Der Herr sey gelobet in Ewigkeit! Amen. Seine rechte Hand hat man nicht verbrennen mögen, das Herz auch nicht, biß daß der Henker dasselige in Stücke zerhauen hat, da dann das Blut hoch gegen den Himmel aufgesprungen ist. In der Nacht hat männiglich Sonn und Mond an derselben Wallstatt gesehen stehen, drey Stunde an einander und güldene Buchstaben darinnen. Der Schein war so hell, daß jedermann vermeynt, es wär mitten in dem Tag. Dieses haben die Gewaltigen bey dem Eid zu sagen verboten, und haben unterstanden die Sach zu unterdrüken, es hat aber nicht helffen mögen.

Weiter sind vier, nemlich Mathis Kürßner, Stoffel Schumacher, Michel Lenzi, und der alte Geiger an demselbigen Tage des Abends ausgeführt worden und haben sich so christlich und steif gehalten im Glauben und dem göttlichen Worte, haben auch einandern christlich zugesprochen und sich getröstet. Als sie zu der Wallstatt gekommen, ist alsobald ein Reitender gekommen und hat ihnen (nach menschlicher Weise) zugesprochen: Wenn sie von ihrer Sache stehen wollen, seyen sie durch des Markgrafen Gnad erlößt. Sie antworteten, Gottes Gnad wär ihnen lieber als der Menschen, und darum soll sie ihr Leben nicht hintern, noch aller Welt Gut. Hierauf sind sie mit frölichem Herzen niedergekneuet und sind ihnen die Häupter abgeschlagen worden. Der Matthis wurde noch einmahl angestrengt, da die drey andern vor ihm lagen: Er solle doch sein Leben erretten, abstehen und Gnad begehren. ER sagte schnell, nein. Das will Gott nimmermehr. Hätte ich sieben Köpfe, ich wollte sie alle darhalten um des Namens Christi willen. Solchennach kneuete er nieder, befahl seine Seele Gott in seine Hände und beschloß also mit den anderen sein Leben.

Am Mittwochen ward des Michels Frau ausgeführt auf den Neckar. Sie hat mit keinen menschlichen Gnaden noch Worten von ihrem Glauben mögen abgewandt werden, sondern hat mit grossen Freuden den Tod angenommen, und in starkem Glauben erlitten. Gott sey gelobt! Also ist sie ertränkt worden.

Die übrigen Weiber und Männer sind alle zu Rothenburg abgestanden und haben wiederruft durch einen geschwohrnen Eid, darbey sie zwey Finger in die Bibel legen müssen. Sie haben bejaen müssen, daß Christi Fleisch und Blut im Sacrament des Altars sey; item daß die Kinder-Tauffe gerecht sey und daß sie glauben, was die Römische Kirche aufgesetzt, sey recht und dasselbige wollen sie halten, glaubenn und dem nachkommen. Einem jedem wurde ein krauer Rock angelegt und auf die Brust ein Kelch und Oblate gemahlet, auf die Seite aber ein Taufstein. Darbey mußten sie aus dem Land schweeren und daß sie keine Nacht in demselbigen bleiben wollten.

Es sind noch vierzehen andere, über welche erkandt worden, daß sie sollen angenommen werden. Es hat sich auch in der Fasten begeben, daß vier Brüder in einem bösen Thurn zu Rotenburg gefangen gelegen sind, und mit einem Brod-Messer durch die Mauer, hernach vierzehen Schuhe hoch durch die Erde übersich gebrochen haben. Von diesen ist einer, Martin Schühli, abgefallen, und hat sich schriftlich bekennen müssen, geirret zu haben, welches den andern Brüdern vorgelesen worden, jedoch hat sie es nicht bewegt, daß sie abgestanden wären.

Beyträge Zur Erläuterung der Kirchen-Reformations-Geschichten Des Schweitzerlandes
Johann Conrad Füßlin.
Erster Theil.
Zürcih, bey Conrad Orell und Comp.
1741
und Leipzig bey Joh. Fried. Gleditsch.