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Kategorie: Cronberg Hartmut von

Cronbergk, Hartmudt von – Brief an Bernhard Griebler

Cronbergk, Hartmudt von – Brief an Bernhard Griebler

Febr. 1526

An meinen lieben Herrn und Bruder Herrn Bernharten prediger zu Gemmingen.

Gnad und frid von got unserm vater zuvor. Liber Herr und Bruder. Ich hab ewer schrifft von Ewerm Jungkhern entpfangen mit fernerm bericht und abschriften, die sie mich sehen lassen, betreffen das nachtmal des Herrn. Welchs mir alles wol gefelt und wais von gnaden gottes kain anstoss in mir derZwinglius und Oecolampadius haltung mit dem Sacrament, dan allain beswerung hab Ich, das das Hauptstuck im testament und Evangelio von vast wenigen verstanden und angenomen wurdt, Nemlich der glaub, das Christus fur uns bezalt und gnug gethon, uns damit zu kindern und erer gemacht. Aber da mangelt noch solcher glaub bey vilen, die das evangelium vermeinen zu versten. Solicher glaub ist warlich die recht prob, die Sant paulus lent bekennen, so wir zu des Herrn nachtmal geen wollen. Dan welcher glaupt, das all sein schuld bezalt und das er gesalpt sey durch Cristum durch seinen gaiest, der ist wirdig zuessen von dem brot und zutrincken etc. Dan die wirdikait stet ainig und allein uff der verhaissung gottes, durch welche verheyssung alle die wirdig seint, die glauben, und das alles durch Cristi gerechtigkait etc. Wer aber solichs nit glaupt, oder noch etlichermass einen zweyfel hat, ob er versehen sey zur seleikait oder zu der verdamnus, der hat warlich den rechten glauben noch nit und ist nit wirdig zuessen von dem brot des lebens, Sunder er vermeint hofnung zuhaben, sein leben zubessern und durch sein eigne werck erst die gnad der verhaissung zuerlangen. Das ist des glaubens gefelt. Der David hat nit uffhorn zuglauben zur zeyt, da er den hohen greulichen mort und eebruch gethon und das urtail so schwer uber sich selbst unwussend geben. Er zweyfelt nit, er bekannt sein sund und bat umb gnad. Die gab jm got sobald, und unangesehen die grosse der sund liess jm got sagen: dir sind dein sund verzigen. Es ist kein ander sund zum todt dann die einig sund, Nemlich nit glauben, das Cristus gnugk gethon hab vor all unsere sund. Darumb bit Ich got, das er gnad geb, damit wir zu der rechten erkantnus seiner gnad komen; als dan mag uns nichtz verhindern weder sunden noch gleyssen, und ob uns gleych unser hertz verdampt, so ist got grosser dann unser hertz. Got ist der, der den baum gut kan machen, Nemlich das hertz, das wir nit sunden durch die gab des glaubens. Und wir sein schon selig durch den glauben, herwarten der offenbarung mit untzweyfenlicher hoffnung, nit ungewiss oder zweyfelich. Dan wir trawen oder bawen allein uff Got, der uns gerecht macht, und ein harbrait nit uff uns. Der verhaisser ist uns sicherer und gewisser dan unser verstand erraichen mag, es mag uns niemants auss seiner handt reyssen, so wir glauben, das er got almechtig und warhaftig ist. Der almechtig got wol uns zu solchem unzweyfelichen glauben durch seinen gaist helffen. Dan wo solten wir hingen oder trost suchen anderst dan by Cristo, So wir anderst glaupt und erkent haben, das er ist Cristus ein Sun des lebendigen gots. Wer mag begreiffen das esse und drinck von dem flaisch und blut, Auch das wir tempel gots sind und den hailigen gaist haben, anders dan das wirs glauben und umb der red willen Cristi daran nit zweyfeln. Der hats geredt, der nit ligen kan, wer das glaupt, der wurt nit fel schiessen oder felstraich thon. Das wurt kunt und offenbar werden zur zeyt der offenbarung der kinder gots;M in diser zeyt mogen wir nit ferner begreyffen, Den glauben, das Got warhaftig sey und wir des uffs aller sicherst vergewisst, Nemlich durchs wort, das ewig bestendig ist und pleypt. Vil glucks und heil, als die gotlich gnad ist, wunsch Ich euch zu ewerm selichen stand, und das jr fruchtbarlich mogent verkunden das hail aller glaubigen auss diser meiner schrift, so ich eylentz gethon, habt Ir mein meynung und grundt, Und wo Ich euch bedeucht, das Ich daran jrrt oder zuvil glaupt, wie Ich von viln der meynung sein vernomen, So beger Ich ewer underricht, mich damit euch als meinem bruder bevelhend. Dat. eylentz Montags nach pfaffen vassnacht Anno XXVI.

Quelle:
Anecdota Brentiana. Ungedruckte Briefe und Bedenken von Johannes Brenz. Gesammelt und Herausgegeben von Dr. Th. Pressel, Archidiaconus in Tübingen. Tübingen, 1868. Verlag von J.J. Heckenhauer.

Hartmuth von Kronberg an Luther.

Hartmuth von Kronberg an Luther.

Was ich allezeit Guts vermagk zuvor. Lieber Herre und Bruder in Christo! Ich will euch nit verhalten, nachdem mein Prediger zu Cronbergk das Buchlin, das ihr De abroganda missa habt lassen ußgehen, mir geteutscht hat, und dann ich verhoff, Nutz bringen soll, so dasselbig in Druck komme, hjabe herumb solichs zu drucken verschickt einem evangelischen Doctor mit einer Schrift, welcher ich euch Abschrift schick. Dieselbig wirdet darvornen auch gedruckt werden. Weiter schick ich euch hiemit ein gedruckte Schrift, die Franz von Sickingen an seinen Schweir gethan hat, dorin ihr seinen Geist spuren moget. Der Geist Gottes und die Gerechtigkeit haben lange Zeit und vor zehen Jahren zu Ebernbergk in Franzen Haus gehauset, deß bin ich gewiß. Der gutig Gott wolle solichs forder mit Gnaden mehr erleuchten und erhalten. Allen Tag leset man zu Ebernbergk ein Stuck der Episteln und Evangelii unter der Meß zu teutsch, und nach der Meß ein Propheten, desgleichen Abends zu der Salve-Zeit. Item das Wort Gottes nimpt ziemblicher Maß an etlichen Orten bei uns zu. Darneben aber wird es an etlichen Orten hart verdruckt, deßhalb ich besorge, dieselben Verdrucker seine von Gott verhärtet, vielleicht zu ihrer greulichen Straf. Der Wille Gotts wirdet seinen Furgangk haben. Der barmherzig Gott wolle uns durch sein Gnade wahr Erkenntniß geben unserer Sunden und Irrung. Hiemit befelch ich euch dem gnädigen Gott mit allen euern Mitdienern Gottes. Datum uf Durstag nach Laurentii anno etc. XXII.

Hardtmudt von Cronbergk.

Quelle:
Dr. Martin Luthers sämmtliche Werke.
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Dritter Band.
Briefe vom Dezember 1520 – August 1522
Calw & Stuttgart
Verlag der Vereinsbuchhandlung
1889

Der Brieff an Romische keyszerliche Maiestat rc. Hartmutds von Cronberg.

Der Brieff an Romische keyszerliche Maiestat rc. Hartmutds von Cronberg.

Vnvberwintlichster/ durchleuchtigster groszmechtigster vnd Christlicher Kayser O Caroli/ Ich ausz dem geringsten deiner Maiestat diener hab hertzlich betracht/ die hohe vnd grosse delues obgemelten titels/ wilcher dir durch die aller hochst gnade gotis warhaftiglich zugeordnet ist.

Deszhalben erfordert die grosse notturfft das dw geschickt seist dich durch einen demutigen geist entpfenglich zumachen/ solcher vber hoen gnade von got zuentpfahen zu gleich wie die mutter gottis durch yhre bewilligung/ vnd das sie den wortten glaubt ein mutter worden ist des hymmelischen ewigen kunigs.

O keyszer der almechtig got durch sein gotliche gnade vnd mildickeit/ berufft dich zu obgemlts titels wirdigkeit/ in deinem gewalt steht nit allein/ ein knecht gottis zusein/ szunder auch ein kind gottis/ szo du dich eynisz mit kindtlicher forcht deinem hern vnd hymlischen vatter ergibt.

Szo wurdet der selbig dein hymelischer vatter dich frey ledig machen/ vor aller menschlicher forcht.

O Keyszer so du annimbst die forcht gottis/ so wurt dir die gnade von got hauffende zufallen/ dein manlichh vnd trefflich kriegs volck/ des Romischen vnd Hispanischen reychs/ seind dir zu einem vnuberwintlichen waffen geben.

Szo du eynis dasselbig waffen/ nach dem willen gottis mit ernst vnd fleysz vnderstehn wurdest zugebrauchen.

Vnd das du deinen fleysz darauff stellist/ mit der kindlichen forcht zu got in gotis wege zuwandelen/ als dan liebt vnd forcht das volck seinen herren/ so das sicht das er got forchtet/ vnd so viel der her von got abweicht/ so viel weyter weicht das volck von dem herren.

Darumb wo du die forcht gottis wurdest annemen so verleurest du alle andere forcht der menschen vnd teuffel vnd erlangst also warhafftig den vberhohen titel vnd wurdest sein vnvberwintlich/ durchleuchtig/ groszmechtig so du ein warhafftig Christ bist/ dan solchen titel mag neimandts warhafftig haben/ er sey dan ein warer Christ.

Darumb on zweyffel vil Keyszer vnnd konig haben yhnen solchen hoen tittel falschlich zuschreyben lassen/ ausz mangel/ das sie durch die gnade gottis solichs tittels nit gnugsam erindert worden seind/ deine hohe adeliche konigliche geburt begabt mit hoher adelicher tugent/ dartzu die grosse macht deyner konigreich vnnd keyszerthumb welichs dir sunder zweiffel alles/ ausz der hohen gnaden gottis geben/ die selbig ist nit zuvergleychen der vber hoen gnaden/ die dir got in der tauff geben hat/ dan in der selbigen bist du so hoch gewirdiget vnd geadelt/ das dw gewalt hast ein bruder vnnd miterbe Christi vnd seines ewigen reychs zusein.

Nimbst du solche vberhohe gnad an/ so bistu selig/ wo du aber wurdest die selbig nit recht zuhertzen vassen/ wie du schuldig bist/ so wurdet dir alle gnade von got auff das allerschadlichst sein zu gleich als Lucifer mit seiner geselschafft zu engelischer hoher wirdigkeit von got erschaffen ist. Die weyl aber solche engelische creatur sich yhrer hohen gnaden durch die hoffart mißbraucht haben. Deszhalben so viel adelicher vnnd wirdiger sie von got beschaffen/ szo vil schmelicher vnd herster sie durch die stracke gerechtickeit gottis zur ewigen straff verurteylt.

O aller adelichster groszmutiger keyszer neme an die hoe gnad gotis/ forcht einig deinen got/ der dich in keyner not verlassenn wil/ lasz dich kein menschlich forcht von dem rechten stracken weg vnd von got abwenden/ volge nit dem Bapst/ so er das wort gottis zu vndertrucken vntersteht/ gib raum dem waren knecht gotis doctor Luthern das wort gottis zupredigen/ welcher vil tausent menschen zu dem waren bronnen Christum Jhesum gefuret hat/ ausz welchem bronnen ein yeglischer durstiger so viel er wil trincken mag.

O wie ein seliger brunnen ist das/ ein yeglicher der den hoen aller edelesten geschmack befindet/ der durstet mehr darnach/ vnd wurdet nach seinem begeren wunderbarlich ersettiget.

O Keyser ein grosse schar der menschen seint durch die lere des wegweysers doctor Luthers zu diesem lebendigen bronnen kommen/ vnnd ausz dem hymelischen bronnen getruncken/ weliche dadurch bewegt hertzlich vor dich zu got ruffende vnd bittende das du durch die gnade gottis mochtest recht vorsuchen vnd erschmacken dieszen aller edelsten wolgeschmackesten bronnen.

O Keyszer/ wo du das lebendig wasser versuchenn wurdest/ so magst du nach allem lusten dich ersettigen mit erlangung aller gnaden vnd tugenden/ du wurdest dardurch bewegt alle dein volg zu diesem aller seligsten bronnen zufuren/ dan dises aller edelsten lebendigen bronnens wurdet kein mangel sein vnd so viel mer darnusz getruncken wurdet/ so vil reichlicher solcher edeler bronnen vberfleusset vol aller gnaden vnd tugenden/ dein vbertrefflich kriegs volck/ welchs durch die menig des gelts vnd silbers nit wol zuerfullen ist vmb des verfluchten geytz willen der in aller welt vnsz regirt/ szo dw solchs dein manlichs ovlgk zu dem seligen bronnen furen wurdest/ szo werden sie erfullet vnd ersettiget mit aller gnaden vnd tugenden des seligen bronnens/ vnnd dardurch der vnersatzlich geytz verwandelt werden in einen gerburlichen genugen vnd sie settigen lassen mit einem leydlichen besoldungen/ als dan wurdet vnter deinem volck ein grosse verwandelung geschehenn. Der eygennutz wurdet sich durch die gnade gottis verwandeln in die susse bruderliche liebe/ vnd zu got ruffen vnd bitten in aller not als zu vnserm warhafftigen hymelischen gemeynen vatter/ dein großmutig kriegs volck wurdet ein vnuberwintlich gemut fassen vnd eynig got furchten/ vnd dir als yhrem hern kayszer vnd knecht gottis in aller vnterthenickeit gehorsam sein/ yhre leyb vnd gut werden sie williglich fur dich mit frolichem gemut stzen/ sso du einig in dem wegk des herren Christi mit ernst vnterstehst zu wandelen/ dein vnuberwintlichst kriegsvolck wurdt den todt nit furchten/ grosser thaten werden sie sich vnterstehn vnd auch enden gegen deinen feinden so du warhafftig bist ein diener gottis.

O was grosser furcht werden haben alle feind Christi szo sie befinden dz dein volck sich vor dem grausamen todt nit furcht/ sie werden erschrecken vor deriner vnuberwintlichen gewalt/ welcher dir von oben herab gegeben ist/ du wurdest fride gebieten vnder deinem volck die vngerechten werden zittirent erschrecken vor deynem angesicht/ dein gewalt der dir von got geben ist/ der wurdet durchdringen in der gantzen welt.

O keyszer vil manlicher fromer man wurdest du erwecken vnter deinem volck die sich in ruwe geben haben in yhrem heymet got vnd yhrem negsten zudienen/ welche yhre waffen vnd alle yhre krigsrustung mit dem hochsten fleysz herfure suchen werden gegen allen denen die got vnd dir widderstreben/ vil dapfferer gemut wurdest du vnter den selbichen finden deren vil ausz dem vorgemelten bronnen getruncken haben.

O tugentlicher Kayszer dir wil auch geburenn den Bapst vnd die seinen ausz bruderlicher liebe zu diezem bronnen zuleydten/ dem selbigen kanst du mit grundt der heyligen schrifft antzeygen das er warhafftig ein vicarii des teuffels vnd Antichristus ist.

Vnd das warhafftig die Babstlich gesetze so durch die menschen yhrem kopff nach erdacht vnd gesetzt kein gutten grund haben/ vnd das solchs nichts anders dan ein stinckender fauler pfutzen ist des teuffels/ vnd wir so vbel vns selbst verfurt haben auff vnsere eygene selbst erdachte teuffelischen wege vnd dardurch verhindert zu dem rechten heylsamen bronnen zukommen/ welchs szo gar warhafftig durch die vber hohe gnade gottis durch doctor Luthers lere clarlich auszgetruckt wurd/ das ein yglicher der augen vnd oren hat/ dasselbig scheinbarlich sicht vnd horet/ welchs der Bapst mit allen den seinen mit keinem grundt der heyligen schrifft widderreden mugen/ denn der mundt Christi vbertzeugt sie szo klar/ deszhalb sie gantz gefangen mussen sein durch yhr eygen bekentnisz/ dan wir schlechtenn leyhen verstehn solchs/ vnd ich einer ausz den geringen verstendigen hab so vil ausz den obgemelten bronnen getruncken dar durch ich allein solchs genugsam mit grundt der heyligenn schrifft mit der hulff gottis zu beweyszenn weysz/ doch wil ich mich hiemit vnbegeben haben des beystands von vielen gelerten vnd layhen/ die sich solchs obgemelten bronnens durch die gnade gottis hoher vnd besser begraucht haben/ dan ich/ welchs ich mir vorbehalten haben wil/ so ich von dem Bapst oder den seinen vmb der warheit willen angefochten werde.

Got hat vns ausz grosser seiner barmhertzickeit die augen auffgethan das auch die kinder sehen mogen/ vnd steht warlich die seligkeit in vnsern henden/ dan ob wir wollen/ so sehen wir das/ das die Aposteln vnsers Herren Christi gesehen haben, zu denen er gesprochen.

Selig seint die/ die do sehent das yhr sehent rc. Darumb aller adelichster keyser/ du magst yhe mit leychtem gemut herin handeln/ szo du das wort gottis auff deyner seytten hast.

Die weil dasselbich durch Christus mundt hoch bekrefftiget ist sprechende/ Hymel vnd erden werden zugehen/ aber meine wort mussen bleyben ewiglich. Wo der Bapst mit den seinen nit gantz mit dem teuffel vnd geytz besessen ist/ so magstu sie leichtlich von dem teuffel reyssen/ vnd auff den weg Christi furen/ vnd darmit dem Bapst vnd den seinen die hochst bruderliche liebe beweysen/ vnd wo der bapst mit den seinen dir in dem selbigen nit folgen wil/ vnd on allen grundt vorblend bleyben/ so hast du von got den gewalt vnd bist es auch schuldig mit aller deiner macht gegen yhm vnd den seinen zu handeln/ als gegen abtrinnigen ketzen vnd Antichristus.

O vnuberwintlicher keyser forcht dir nit vor der gewalt des Bapst/ wie grosz sein macht oder sein Antichristus anhang vnd hulff sein wurdt. Got wil dir helffen vnd sein gotlicher gewalt wurdet durchtringen das mag niemandt wenden.

Christus spricht/ yhr solt die nit furchten die euch den leyp todten/ aber vor dem sollent yhr euch forchten der weytter gewalt hat ewer sele in die helle zusetzen.

O keyser furcht deinen got welcher vmb seiner strengen gerechtickeit willen den engel Lucifer mit seiner geselschafft ausz dem hymelischen reich in die grausamen helle verstossen hat durch wilche hohe gerechtckeit alles menschlich geschlecht ausz dem paradysz gestossen/ von wegen der vbertrettung Adam vnd Eua/ vnd hat die strenge gerechtickeit gottis yhm selbst nichts nachlassen wollen/ sunder nach dem der almechtig got sein vnauszsprechlich barmhertzickeit an vns seiner armen creatur hat wollen ertzeygen.

So hat got gewolt das sein ewiger sone/ vmb vnser erlosung willen mensch werden/ vnd vor unser sunde so grausamlich gelidten vnd gestorben/ vnnd vns damit nit allein erloset von dem ewigen todt/ sunder das viel hoher vnd grosser ist/ vns mit teylhafftig gemacht seynes ewigen reichs/ vnd deszhalben so viel hoher vns got begnadiget hat.

Auch so viel mere wir gewarnet seind/ durch die gestreng gerechtickeit szo vber die engelisch creatur/ auch vber vnser vatter vnd mutter Adam vnd Eua ergangen/so viel grosser sorge sollen wir billich tragen/ damit wir vns nit von got durch menschlich furcht abwenden lassen/ darmit wir vnns der allerhochsten gnaden gottis nit selbs berauben/ vnd vmb vnser vndanckbarkeit willen durch die strenge gerechtickeit in die ewige straffe fallen.

O aller adelichster keyser dein Maiestat wollle diesze herinderung von deinem warhafftigen gtrewen diener vmb der warheit willen/ zu ehren got des almechtigen nit vorachten.

Der almechtig got wolle leydten deine fusztrid auff seinen weg/ der er selber ist zu deinem vnd deines volcks heyl.

Vnderthenigster diener.

Hartmudt von Cronberg.

Der Brieff an Franciscus von Sickingen Hartmudts von Cronberg.

Der Brieff an Franciscus von Sickingen Hartmudts von Cronberg.

Lieber vetter mich zwingt die warheit Christi vnsers hern/ dir meynem allerliebsten vettern/ als einem diener gottis zuschreyben/ Betreffenn die sache des heyls aller menschenn die got mit seiner menschwerdung leyden vnd sterben hat wollen erlosen.

Vnnd nach dem ich dich weysz einen warhafftigen trewen diener sein vnsers hern/ des Romischen keysers welchen ich hoffen von got erwelt sein/ zu keyser zu trost vnd hulff der gantzen Christenheit/ vnd das der almechtig got werde wunderbarlich gnade allen Christen menschen thun vnd wircken/ durch das hoch adelich blut vnsers kayser Carolum/ vnd tregt mich die hoffnung szo viel hoher die wolgeschicklicheit seiner hohen vernunfft/ die ich von vielen glaubwirdigen/ vnd in sonderheit von dir auffs hochst horen berumen/ vnd zuuer mercken die sach dar durch ich hoff das vnszer her der Kayser durch die gnade gottis grosser vnd mehr wircken mag zu gotis ehre/ lobe vnd zu widderauffbringung des gemeynen nutz vnd merung der gantzen Christenheit/ dan kein Kayser die weil die welt gestanden ist.

Szo ist vnwiddersprechlich die gruntlich warheit/ das die warhafftig Antichristus verfurung/ durch die hohe gnade gottis eygentlich vnd clerlich in dem Christlichen schreyben Doctor Luthers auszgetruckt vnd ercleret ist.

Welchs so clar durch den mundt der warheit Christum JHesum vnsern hern in dem heyligen Euangelio betzeugt wirdt/ das auch von allen menschen die das leben haben nit mogen sein/ sie sein auch so gelert sie ymmer mogen/ die mit eynigem grund der heyligen schrifft solchs mit warheit widderfechten mogen/ dan die ewig bleybende warheit das wort gottis/ das ist/ got selbert vbertzeugt vns.

Wir finden clerlich ym heiligen Euangelio/ was die werck vnd gebot gottis seint/ die vns Christus gebeut vnd verbeut/ vnd derhalben alle lere vnd gesetze von den menschen erdacht/ die sich nicht gantz vest auff Christus weg vnnd lere ziehen/ die seint gewiszlich widder Christum. Chrisitus der warnet vns vilfaltiglichen/ vor vnsz selbst vnszer menschen wegen/ vnd meynungen er spricht clar/ Ewer wege sein nit mein weg.

Er beweyset clarlich das die ware geistlickeit in keynen euszerlichen dingen oder schein steht/ wie auch Christus der hochhst her ym hymel vnd auff erden mit seinen vnd seiner Aposteln selbst leben vnd exempeln vnsz genugsam verstendiget vnd gelert/ darmit eygentlich gesagt/ wie er in vil nachervolget haben/ vnd das der knecht nit sein sol vber den meister rc. Er sagt/ ich bin der weg die warheit/ vnd das leben/ wer do gleubet in mich der wurde selig/ vnnd welcher einen andern weg geht dan durch Christum/ den vergleicht er einem dieb vnd morder/ Dergleichen vil clarer lere ym Euangelio/ dardurch wir vnszer Antichristischen vorfurung darin wir vns selbst durch eygene erdachte menschen weg gefurt haben nit laugknen mogen. Aber wie thoren vber die vilfaltig geschehen warnung von Christo selbst. Auch den propheten vnd Aposteln haben wir in die menschen vertrawet/ der weysz man spricht/ der ist ein narr der in sich selbst vertrawet.

Der Antichristus ist warlich in vns geboren durch den teuffel/ der vns durch die verhengnusz gottis vmb vnser aller sunde willen des aller hochstenn lasters der vndanckbarkeit halben besessen hat/ vmb das wir dem vnaussprechlichen gnaden gottis/ seiner menschwerdung leydens vnd sterbens/ so gar vndanckbar gewest vnd die gnade des heyligen Euangelii/ das lebendig wort gottis vnser selickeit/ so geringe geacht/ dardurch die leicht burde Christi vnsers hern veracht/ vnd an der selbigen stadt vns so schwere menschen erdachte burden durch den teuffel der auch ein warhafftig Antichristus ist/ selbst auffgelegt haben/ damit seine Antichristischen iungern worden seint.

Wie wol der Bapst als das oberst Antichristus heubt mit seinen Bischoffen/ pfaffen vnd munchen herin vor nemlich Antichristus vnd seine iungern seint so mugen wir andern vns doch auch nit dauon entschuldigenn/ dan wir haben alle schult an dem rechten Antichristischen vrsprung/ das seint vnsere eygne erdachte werck wider gottig gebot.

Nemlich die grosse menige der stifftung der kirchen/ closter/ secten/ walfarten/ vnd der gleichen zullassung die geistliche war vmb gelt zuuerkauffen/ vnd hat sich der geytz so weyt damit eingemischet das Bapst/ bischoff vnd die man gesitlich nennet gantz erblindet sein/ vvnd alszo der Bapst der ein Vicarii Christi sein solt der ist worden Antichristus vnd vicari des teuffels.

Solch blintheit hat got vorhengt vnszer sunden der lasterlichen vndanckbarkeit wegen. Die weil aber der gutig barmhertzig got ausz grosz seiner gnaden vnd mildickeit vns die augen auffthut/ vnd vns sehen vnd entpfindenn last/ den grawlichen grewel/ darin wir auffs dieffst stecken.

So sollen wir got furchten/ anruffen vnd bitten mit andacht vnd gantzer krafft vnsers gemuts vmb weitter erclerung vnd erkantnusz solchs stinckenden grewels/ vnd das der gutig got gnade/ weyszheit vnd sterck vns herin verleihen wol/ darmit wir durch Christus weg mogen herausz kommen/ dan durch menschen weg/ ist vns nit herausz zuhelffen.

Doch wircket got nit alweg durch sich selbst/ sunder mermals durch die menschenn/ deszhalben auch kein zweiffel/ doctor Luther hat sein schreyben nit ausz yhm selbst/ sunder durch die gnade gottis vnd den heyligen geist gethan. Auch vnszern hern den Kayser in seinem schreiben hoch ermanet vnd grosse hoffnung in yhn gesetzt.

Nun ist kein zweiffel/ wo vnser her der Kayser diesze sach/ wie er fur got schuldig ist/ yhrer hohe vnnd grosz nach betrachten wurde vnd recht zu hertzen vassen/ vnd mit demutigem geist vmb die gnade zu got ruffenn mit vestem vertrawen wie die nodturfft erfordert.

So wurdt on zweiffel vnser kayser Carolus der sein durch welchen got der almechtig vns wunderbarlich helffen wurde von der Antichristische verfurung welchs alles leichtlich geschehen mag.

Die weil in deutsch landen vil von hochgelerten geistlichen/ auch vnter den hohen Bischoffen solche yrrung durch die gnad gottis/ vnd Christliche lere clar erkennen/ vnd sie befinden das mit keinem grunde der heyligen schrifft die Lutherisch lere widderlegt mag werden.

Derhalben vnszer her der Kayser mit tugentlicher weysz/ alle deutsche bischoff vnd geistlichen leichtlich auff Christus seyten bringen mag. Des gleich in allen seienen Reychen vnd Landen/ vnd ob wol viel der geystlichen mit dem teuffel oder geytz szo hart bestssen/ dardurch sie an allen grundt verblend wolten bleyben.

So mocht der keyser durch den gewalt ym heyligen Euangelio/ durch Christum geben nach aller nodturfft/ vnd mit der that handeln.

Auch der gleich an den Bapst mit der hochsten gutickeit vorsuchen/ den selbigen mit grund der heyligen schrifft vnd Christus selbst mund antzutzeygen/ das der bapst warhafftig kein anderer dan einn Stadhelter des teuffels vnd selbst Antichristus ist/ so lang er sich nit erkennet vnd von seinem Antichristischen regiment absteht/ sodan der Bapst nit muglich mit allen seinen anhangen solichs mit einigem grundt der heyligen schrifft abtzuleynen oder zuuerlaugnen/ deszhalb durch den keyser auff das aller tugentlicyst vnd bruderlicher weysze zuermanen/ das er von seiner yrrung abstehn vnd sich wider auff den weg vnd befelh Christi furen lassen/ vnd also durch die gnade gottis ein warer vicari Christi vnsers hern zu werden. DXie schaff Christi nach dem befelh ym heyligen Euangelio further zuweyden die schinderey vnd was von onnotigen pfaffen vnd munchen erkennet wurde/ dasselbig durch den keyszer oder ein warhafftig Christlich Concilium abgethan/ oder mit der zeyt auszsterben lassen/ vnd die selbigen vberige guter got zu ehren zu nutze gemeyner Christenheit vnd gemeinem nutze zuuordienen.

Wo aber der Bapst durch den teuffel gantz besessen sich nit erkennen oder dem Keyser gehorsam sein wolt/ wie er doch vor got vnd in krafft des waren Euangelii schuldig das/ das auch der Babst mit allen den seinen durch keinen grund der heyligen schrifft widderreden mag/ so hat der Kayser recht fug/ vnd ist fur got schuldig mit aller seiner macht/ gegen den Bapst zuhandeln/ als gegen einen abtrennigen ketzer vnd Antichristus/ vnd zu solchem mag der Keyser die Antichristischen guter/ die ytzundt geistlich gutter genant/ gebrauchen nach aller nodturfft/ Dartzu werden vnser geystliche Fursten mit allen Clostern vnd pfaffen helffen vnd darstrecken mussen. Alszo wurt das Antichristus reich durch sein selbst guter/ als durch sein eygen schwert vndertruckt vnd erschlagen werden/ vnd also der teuffel sein Antichristische guter genommen vnd zu dem warhafftigen dinst gottis gebraucht/ dan kein grossern dinst vnserm got mogen wir thun/ dan in vns tilgen/ die Antichristus verfurung.

Aber zu wissen ist not/ das vornemlichst vnd recht waffen zu solchem/ Nemlich/ das lebendig wort gotis ym heyligen Euagelio/ welchs das warhafftig waffen ist/ das den Antichristum tzu boden stossen wurdet/ dan wo das Euangelium frey/ wie Christus gepotten/ geprediget wurdt/ so musz das teuffelisch Bapstlich gesetz mit allen Antichristischen leren vntergan/ wo der Kayser diese sach recht vassen wurde/ durch die gnade gottis/ so wirt yhm got weiszheit vnnd hulff senden nach aller notturft.

Der KEyser mag yhe mit leichtem gemut herin handelen/ so er das Euangelium das wort gottis auff seiner seyten hat/ vnd lassend den Bapst sein bapstlich gesetze das Antichristus Euangelium haben/ mit aller teuffel vnd aller yhrer diener/ vnd anhanger hulff/ wie greuszlich die ymer scheynen mag/ so musz dasselbig doch gewiszlich durch die warheit zu bodem gestossen werden/ vnd mag das Antichristisch regiment von dem teuffel auff den faulen grund der lugen gebawet/ vor dem wort gottis nit bestehn/ dan got bekrefftiget sein wort dermasz ym Euangelio sprechende/ Hymel vnd erden werden zurgehen/ aber meyne wort mussen bleyben ewiglich.

Was bedarff der Kayser sich vor dem Bapst oder allen seinen helffern zuforchtenn/ die weil der almechtig got gewaltig aller ding in hymel vnnd erden die seinen nit verlassen wil. Christus lernet vns das wir die nit furchten sollen die vns den leyp todten/ sonder vor dem sollen wir vns forchten der weiter gewalt hat vnser sele in die grausamen helle zusetzen/ darumb ist dem Keyszer die forcht gottis herinnen not/ alszdan liebt vnd forcht das volgk seinen hern/ so das sicht das er got forchtet/ vnd so viel weitter der her von got abweicht/ so viel weitter weicht das volgk von dem herren/ mit ynnigem gebet sollen wir zu got ruffen vnnd bitten/ das der gutig barmhertzig got vnserm hern dem Kayser gnade vnnd krafft eines rechten gemuts geben wol/ damit seinn gemut der masz zu got gericht werde/ das ehr sich keinen menschen von dem rechten waren stracken weg furen oder von got abwenden lassen wol/ weder ausz lieb noch ausz forcht wie gleyssen oder greulich/ vnd mit geschmirten worten von menschen ymmer erscheint.

Lassend vns got anruffen vmb diese vnvberwintlich gnade vnsern Keyser nichts mangeln zu seinem sigk dienende. Got wurde yhm die gnade geben/ dardurch er sein trefflich kriegs volck Romisch vnd Hispanisch zu seinem allerhochsten sigk brauchen mag/ vnd vor allen dingen got die ehre vnd das lob geben/ vnd alle vrsach zu kriegen hinweg schlagen/ ausz genommen vmb einen gerechten warhafftigen friden/ do wurdt got zuhelffen vnnd weiszheit senden/ dardurch kein mangel an gelt vnd gut sein wurdt zu einem solchen krieg/ so eynig der keyser seinen willen in vnd nach gottis willen zurichten mit ernst vntersteht/ alle geistliche gutter seint von got selbst szo hoch gefreyhet/ das wilcher mensch deren durch die gnade gottis erlangt/ er mag sie mit gottis hulff behalten/ das yhm alle creatur/ der Bapst oder teuffel keinen schaden thun mogen an solchen guttern/ aber das die leyplichen zeitlichen gutter von vnsz biszher von geistlich gutter gehalten worden sein das ist warhafftig Antichristus vnd hat kein christlichen grund/ sunder dasselbig grundet sich auff des Antichristus Euangelium das/ das bapstlich gesetz ist/ wilchs allenthalb widder Christum vnd ein fauler vnbestendiger grund ist/ auff den teuffel als einen vater der lugen gebawen alles genugsam ercleret durch doctor Luthern als einen andern Danielem.

Das ich mich aber dieser sachen so hoch anneme vnd tzu hertzen gehn lassen/ das wurdet mir vor ein torheit zugerechnet/ das ich auch gern also sein lassen wil/aber mit got dem almechtigen ich mit betzeug/ das ich solchs ausz keinem hessigen gemuet thu/ dem Bapst oder den seinen nit zuwidder/ sunder zu yhrem bessten vnd zuentgegen yhrem Antichristischen regiment/ darin man sie so iamerlichen erblindet sicht mit also vntzalichen schar dermenschen die yhnen folgen zu dem teuffel faren/ das ist die vnwiddersprechlich warheit vmb deren willen ich mir nit forchten mag.

Das ich des gewisz bin/ das mein got mechtig genung ist mir zuhelffen/ vnd mich nach seinem gefallen vor dem Antichristischen gewalt behuttenn mag/ oder aber ob yhm gefelt mir gnade gibt einen willigen tod darumb zuleyden/ welcchs ich zu seinem gotlichen willen vnd gefallen gestelt haben wil.

Vnd wolt got das ich einen tod deszhalb leyden solt/ vnd die sach darmit auszgericht sein/ das dardurch der Bapst vnd alle menschen zu erkantnusz der rechten warheit kommen mochten/ Ich wolt solchs mit der hulff gottis williglich annemen/ das were auch kein beschwerlicher tod/ so doch die heyden/ wie man vilfaltig in den historien lieszet/ viel mal den tod williglich vnd mit frolichem gemut angenommen haben/ von wegen einis gemeinen nutz einer eintzigen stad oder landtts/ warumb solt sich dan ein Christ vor dem tod furchten zur Christenheit gemeynem nutze dienende/ der yhn zu ewiger selickeit tregt.

Lieber vetter diesze erinderung die ich in mir stecken gehabt/ hab ich dir zuthun nit wollen erlassen/ der hoffnung du werdest solchem weiter vnd got vnserm hern gefelliger vnd fruchtbarlicher nachdencken/ dan ich in meynem einfeltigen verstand vermag zubringenn/ Hiemit dich got befehlende mit hertzlicher bit zu got/ das er dir gesuntheit des leybs vnd gemuts geben wol/ damit du wircken mogest/ was gottis lob/ ehre/ vnd sein gotlicher wil sey/ zu mehrung des waren glaubens/ zu nutz allen Christglaubigen. Dat. Sontags nach Dionisij. Anno M. D. XXI.

Hartmudt von Cronberg