Calvin, Jean – An die Pfarrer in Zürich.

Calvin, Jean – An die Pfarrer in Zürich.

Die Zürcher Pfarrer hatten zur Verteidigung des Consensus, die ihnen Calvin gesandt hatte, (vgl. 418) einige Änderungen vorgeschlagen. Was Calvin darauf erwidert, sei wenigstens teilweise gegeben. Über die Vorgänge in Worms vgl. Nr. 61 und 63.

Änderungsvorschläge zur Schrift gegen Westphal.

Euren Brief, beste, hochverehrte Brüder, habe ich am siebten dieses Monats erhalten. Es freut mich außerordentlich, dass meine Arbeit, die ich ja in ernster Absicht übernommen habe, Eure Billigung findet, und ich danke Euch für Euer freundliches Wohlwollen von Herzen. Eure vertrauensvolle Offenheit gegen mich missfällt mir so wenig, dass vielmehr meine Freude dadurch noch erhöht wird, dass Ihr freimütig und unbedenklich, wie es sich unter Brüdern ziemt, mit mir redet. Dafür setze ich meinerseits in Eure Einsicht das Vertrauen, Ihr werdet mir nicht nur verzeihen, wenn ich doch anderer Meinung bin, sondern es Euch auch nicht verdrießen lassen, meine Gründe ruhig anzuhören. Freilich werde ich gleich zeigen, dass eigentlich gar kein Unterschied besteht, oder doch nur ein ganz geringer in wenigen und nebensächlichen Punkten unserer Ansicht. – – – .

– – Im Widmungsbrief habe ich verbessert, was mir zu grob schien gegen Joachim [Westphal], und ich glaube, es ist nichts stehen geblieben, was Euch Anstoß geben könnte. Freilich, den Ausdruck windiger Geselle hatte ich anders aufgefasst, als Ihr meintet. Ich verstand darunter nicht gerade einen Verbrecher und Galgenstrick, sondern nach dem Sprachgebrauch der Alten einen unbedeutenden, dunklen Ehrenmann. Auch das Wort Bestie habe ich gestrichen, und was an zwei Stellen gehässig gegen seine Heimatstadt und jenen ganzen Küstenstrich von mir gemeint zu sein schien.

Weshalb Ihr aber wollt, dass ich auch den Namen des Mannes hinsetzen soll, das nimmt mich Wunder. Unser verehrter Bruder, Herr Bullinger, hatte mir doch geschrieben, er sei anderer Ansicht. Bei dieser Meinung bleibe ich auch jetzt. Denn es ist eine würdigere Behandlung des Stoffes möglich, wenn keine einzelne Person ausdrücklich erwähnt wird; ferner wird dem geschwätzigen Menschen nicht soviel Anlass zur Antwort geboten, und es ist auch besser, wenn andere, die in ähnlicher Lage sind, stillschweigend getroffen werden, als wenn man sich einen einzelnen Gegner herausgreift. Ich meine auch, man darf dem hochmütigen Menschen gar nicht die Ehre antun, ihn durch Namensnennung zu feiern. Ebenso würden manche sagen, wir hätten uns um eine Kleinigkeit aufgeregt, wenn unsere Erwiderung gegen die Anklage eines einzelnen, unbekannten Mannes gerichtet schiene. Ebenso wäre es nicht richtig, wenn das Büchlein sich namentlich gegen einen Mann richtete, dessen Worte ich nur beiläufig berühre. Denn dann könnte er sich weithin rühmen, man habe ihm gar nicht geantwortet. So wird es besser sein, wenn auf ihn nur so mit dem Finger gewiesen wird, dass er gleich anfangs Angst bekommt, sich in weiteren Kampf einzulassen. – – –

– – Luthers wegen hättet Ihr mich nur mit einem Worte zu mahnen brauchen. Denn ich weiß wohl, wie sehr er gegen uns gewütet hat; ich habe auch nicht vergessen, was ich in Eurer Schutzschrift gegen ihn las, und ebenso wenig ist mir sein ungeheuerliches Wort vom verehrungs- und anbetungswürdigen Altarsakrament unbekannt. Da ich aber sah, dass ihm, einem von angeborener Leidenschaftlichkeit hingerissenen Menschen, solche schäumenden Worten entfuhren, je nachdem er anderswoher aufgehetzt wurde, so wollte ich diesen Zank begraben und von ihm nur das nehmen, was sich eher zum Frieden eignet. Ihr mahnt vorsichtig, ich müsste mich hüten, dass nicht die Gegner noch unverschämter über uns herfallen könnten. So findet Ihr denn diese Stelle so verbessert, dass sie Euch nun wohl ganz gefällt.

Warum ich Euch über die Augsburgische Konfession nicht ganz beipflichte, beste Brüder, vernehmt in wenigen Worten. Angenommen auch, sie sei von Luther, was mir freilich nicht wahrscheinlich ist, so geschah es zu Worms auf emsiges Betreiben gewisser Leute, dass Melanchthon gerade aus dem Kapitel [von den Sakramenten] ein Wort tilgte. Als nun also diese neue Form vorgelegt wurde, erhoben die Papisten ein Geschrei, wir seien Zwinglianer und Fälscher. Da war sehr zu befürchten, dass es Händel gab, doch hat Gott sie wider alles Erwarten gestillt. Nämlich der Markgraf von Brandenburg, der damals eben den Oberbefehl im Türkenkrieg begehrte, sandte einen der Fürsten von Anhalt heimlich zu Luther, um ihn nicht nur von uns abwendig zu machen, sondern ihn sogar zu irgendeiner heftigen Äußerung gegen uns zu entflammen. Und da gab nun Luther einmal in seinem Leben ein Beispiel von Mäßigung, indem er diesen Verräter sich davonmachen hieß und uns sogar freiwillig seine böse List aufdeckte. Von den anwesenden Männern unseres Standes war damals nur Brenz recht hart, obwohl auch er sich etwas erweichen ließ. Cruciger hatten wir fast ganz für uns gewonnen. Da fand auch der Landgraf den Mut wieder, der sich bisher, in seinem schlechten Gewissen wegen seiner Doppelehe, ganz dem Kaiser Karl knechtisch ergeben hatte, um nicht eben wegen dieser Digamie oder eher Dysgamie Gefahr zu laufen. So wurde den die Abschwächung [der lutherischen Abendmahlslehre] fast einstimmig angenommen. Denn Amsdorfs Geschrei, das er gegen Butzer erhob, wurde nicht nur ignoriert, sondern geradezu verlacht. Obwohl nun also daher keine Gefahr bestand, habe ich doch Eurer Befürchtung zu lieb die Stelle geändert. Die Augustana ganz unerwähnt zu lassen, hielt ich nicht für richtig; damit nicht die, die sich uns nähern, von ihr abzuweichen meinen. Privatschriften aber habe ich ausdrücklich nicht hereingelassen, unter ihnen die Apologie, die gerade in der Sakramentslehre ihrem Verfasser jetzt so missfällt, dass er selbst gar nicht mehr wünscht, wir gäben ihm dazu unsere Unterschrift und Zustimmung. – – –

Nun erübrigt noch, verehrte Brüder, dass Ihr diese meine vermittelnde Verbesserung wohl aufnehmt, auch wenn sie von Eurem Vorschlag etwas abweicht. Sicher hat mich nicht Eigensinn abgehalten, ausnahmslos Euren Rat zu befolgen. Doch da ich darauf baue, dass Ihr mir erlaubt, so gut wie einer von Euch meinerseits zu urteilen, was der Kirche Gottes nützt, so habe ich, gestützt auf dieses Recht, kein Bedenken getragen, Euch vorzulegen, was Ihr hier seht. Fällt nun die Sache anders aus, als ich erwarte, so wird es besser sein, ich unterdrücke dieses mein Werk, als dass ich Euch noch weiter lästig falle. Lebtwohl, verehrte Brüder. Der Herr leite Euch mit seinem Geiste und segne auch fernerhin Euer frommes Wirken. Meine Kollegen lassen Euch ehrerbietig grüßen.

Genf, 13. November 1554.
Euer
Johannes Calvin.

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