Calvin, Jean – An Louis de Bourbon, Prinzen von Conde.

Calvin, Jean – An Louis de Bourbon, Prinzen von Conde.

Nr. 728 (C. R. – 3950)

Zu Calvins Urteil über den Frieden von Amboise und über de Conde vgl. 722, 723. Über den Grafen de Beauvais, Odet de Chatillon, Colignys Bruder vgl. 664, 716.

Nach dem Friedensschluss; Dringen auf öffentliches Bekenntnis.

Monseigneur, ich brauche mich bei Ihnen nicht weiter zu entschuldigen, dass ich Ihnen so lange nicht geschrieben habe, denn ich hatte ja keine Gelegenheit, meine Pflicht zu erfüllen. Auch jetzt fürchte ich noch, die Wege könnten noch nicht ganz sicher sein; aber da Sie mir in Ihrer Gnade zuvorgekommen sind mit dem Brief, den mir mein Bruder, Herr Beza, von Ihnen brachte, so würde ich mich schämen, es noch weiter aufzuschieben, besonders da ich durch den Überbringer dieses Briefes, der in kurzem zu reisen hat, Gelegenheit erhalten habe.

Was nun die Friedensbedingungen angeht, so weiß ich wohl, Monseigneur, dass es Ihnen nicht leicht war, solche herauszuschlagen, wie Sie gewollt hätten. Wenn deshalb viele Leute bessere wünschten, so bitte ich Sie, das nicht verwunderlich zu finden, da diese Leute darin ja mit Ihnen übereinstimmen. Wenn uns nun aber Gott weiter zurückgebracht hat, als wir dachten, so müssen wir uns beugen unter seine Hand. Wie dem sei, – ich zweifle nicht daran, dass Sie sich Mühe gaben, Gottes Reich nach Möglichkeit zu fördern und für die Ruhe und Freiheit der Kirchen zu sorgen, und so hoffe ich auch und bin ganz überzeugt davon, dass Sie auch künftig fortfahren werden, alles in bessern Stand zu bringen. Nehmen Sie es jedoch nicht übel, Monseigneur, wenn ich Sie meinerseits dazu auffordere angesichts der Sie umgebenden Schwierigkeiten.

Vor allem, wenn Sie nicht durch Ihre Macht in Kraft treten lassen, was beschlossen worden ist zu Gunsten der Gläubigen, so bleibt der Friede wie ein Leib ohne Seele, und unsere frühern Erwartungen haben uns gezeigt, wie kühn und unternehmend die Feinde Gottes in ihren bösen Absichten sind, wenn man ihnen nicht lebhaft widersteht. Andrerseits sehen Sie, Monseigneur, in Ihrer Klugheit wohl, ohne dass man Ihnen nur ein Wort zu sagen brauchte, wie viele Leute auf die Gelegenheit lauern, obenauf zu kommen. Sie kennen diese Schliche, und wenn Sie diesen Leuten Zeit geben, Ihnen zuvorzukommen, so werden sie nicht verfehlen, es zu tun, und haben sie erst einmal den Fuß im Steigbügel, so ists zu spät, sie daran zu hindern. Das muss Sie veranlassen, sich in der Verwaltung der Geschäfte eine solche Umgebung zu verschaffen, dass allen schädlichen Widersachern die Tür verschlossen ist. Dabei gibt es dann noch manche Mittel, den Fortschritt des Evangeliums zu fördern. Ich weiß wohl, Monseigneur, es kann nicht alles an einem Tage geschehen; aber ich glaube doch, damit nichts Ungeschicktes passiert, müssen Sie sich an das Wort: „Je schneller, je besser“, erinnern, damit nicht neue Schwierigkeiten sich erheben, die alles zerstören, wenn mans im besten Zuge glaubt. Gerade zu dieser Stunde heißt es mehr als je arbeiten; denn es scheint, Gott wolle Ihnen dazu die Hand reichen und, wie er Ihnen die unschätzbare Ehre erwiesen hat, seine Sache mit dem Schwert zu verfechten, so Ihnen auch andere Wege zeigen, um das von ihm Begonnene zur Vollendung zu führen. Da es ihm nun also gefällt, Sie auf mancherlei Art zu prüfen und zu brauchen, so haben Sie allen Grund, sich ohne Schonung Ihrer selbst anzustrengen, um sich stets besser zu bewähren.

Noch eine andere Sache, Monseigneur, möchte ich hier berühren. Vor dem Reichstag zu Frankfurt, an den Sie Herrn de Passy gesandt haben, forderte mich Herr d´ Andelot auf, in Ihrem Namen ein kurzes Bekenntnis abzufassen, das dort vorgelegt werden könnte. Ich stellte es auf, wie Gott es mir eingab. Der Herr Graf de Beauvais sah es und wünschte, es sollte von Ihnen unterzeichnet werden. Aber weder Madame de Roye, noch Herr de Soubise konnten es Ihnen zukommen lassen. Schließlich sandte ich es Ihnen durch einen armen, wandernden Gesellen; aber es kam zu spät. So ist nun zwar die Gelegenheit vorbei, aber doch, scheint´ s mir, wäre besagtes Bekenntnis noch nicht unzeitgemäß, sondern könnte guten Erfolg haben in Frankreich sowohl, wie im Ausland. Man müsste nur die Einleitung ändern und, statt es an den Kaiser zu richten, es zu einem allgemeinen machen, ohne auf die Frage nach den Kriegsursachen näher einzugehen. Wäre solche Änderung Ihnen genehm, so habe ich mir herausgenommen, Ihnen zu zeigen, wie man es etwa anfangen müsste, und Sie könnten es aus beiliegender Kopie ersehen. Wollen Sie das Bekenntnis aber lieber lassen wie es ist, so brauchte man nur eine entschuldigende Bemerkung davor zu setzen, weshalb es nicht zur rechten Zeit und am rechten Ort vorgelegt worden ist. Welchen Erfolg ich mir davon verspreche, will ich nur in zwei Worten andeuten. Sie wissen, Monseigneur, dass Ihre Unterschrift vielen armen, unwissenden Leuten Lust machen wird, geduldig zu lesen, was sie sonst einfach wegwürfen, und so könnte es ein göttliches Mittel sein, eine ungezählte Schar zu gewinnen. Noch größeren Erfolg darf man aber im Ausland davon erwarten; denn die vielen Deutschen, die wegen der Abendmahlslehre den Franzosen entfremdet sind, werden sich aus Respekt vor Ihrem Namen nicht mehr erlauben, ihre Nase drein zu stecken, und das kann Ihnen dann nur umso mehr Gunst erwerben. Dazu muss ich Sie noch auf eine andere Gefahr aufmerksam machen, die Sie ja teilweise schon gespürt haben, nämlich dass man Ihnen unaufhörlich Netze stellt, um Sie mit dem Augsburgischen Bekenntnis zu fangen, das nicht Fleisch noch Fisch ist und schon viel Spaltungen und Händel unter den Deutschen verursacht hat. Haben Sie nun, Monseigneur, eine solche Erklärung abgegeben, so haben Sie allen derartigen Zumutungen, die man an Sie stellen könnte, die Tür verschlossen und können stets erwidern, dass Sie ohne ausreichenden Grund Ihr öffentlich abgelegtes Bekenntnis nicht zurücknehmen könnten. Ich brauche nicht zu betonen, dass ich damit nichts suche als Gottes Ruhm, das gemeine Wohl seiner Kirche und auch Ihre Ehre; denn ich denke, Sie halten mich nicht für einen Menschen, der dabei an sich dächte. So erwarte ich Ihre Antwort, um zu vernehmen, was Ihnen gefällig ist, und mich nach Ihren Befehlen richten zu können.

Da ich auch höre, Monseigneur, dass man über ein Bündnis verhandelt, in das auch die Schweizer einbezogen werden sollen, so bitte ich Sie, im Interesse des Königs eifrig für seinen Abschluss zu wirken. Ich sage das, denn es könnte Schwierigkeiten bieten, durch die Sie sich abschrecken ließen; wird aber alles ernstlich überlegt, so sollte man eine solche Sache nicht leichthin fallen lassen. Ich wagte nicht, Ihnen anzuempfehlen, dass auch Genf darein bezogen werden, – wiewohl die Herren von Bern, unsere Burgrechtsgenossen, versprochen haben, uns dazu zu verhelfen, – wenn nicht jedermann mit Augen sehen könnte, dass es von großem Vorteil für den König wäre, ja dass es sogar ein offenkundiger Schade wäre, wenn Genf beiseite gelassen würde. Ich wage mich zu dieser Angelegenheit nicht auch anzubieten, sondern begnüge mich mit der Versicherung, dass Sie mich stets bereit finden werden, wenn Sie mir mitzuteilen geruhen, meine Mitwirkung scheine Ihnen vorteilhaft.

Indem ich mich Ihrer Gewogenheit, Monseigneur, untertänigst empfehle, bitte ich unsern lieben Gott, er wolle Sie in seiner heiligen Hut halten, Sie führen durch seinen heiligen Geist, Sie stärken mit unüberwindlicher Kraft und Sie zunehmen lassen in allem Guten und Glücklichen.

[Genf, 7. Mai 1563.]

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