Calvin, Jean – An Jean Mercier in Paris.

Calvin, Jean – An Jean Mercier in Paris.

Nr. 727 (C. R. – 3944)

Vgl. 555. Mercier hatte Calvin in dem erwähnten Briefe offenbar versprochen, nach Genf zu kommen, war aber in Paris geblieben und dort vom katholischen Pöbel misshandelt und fast getötet worden.

Glückwunsch zur Lebensrettung und Einladung nach Genf.

Zwei Tage, nachdem ich deinen Brief erhalten, traf uns wie ein Blitz die Nachricht von deinem Tode, die mich und viele andere nicht nur erschreckte, sondern geradezu niederschmetterte. Du kannst dir darin imponieren, dass du uns zu so bitterer Trauer Anlass gegeben; die falsche Meinung quälte uns etwa vierzehn Tage, bis schließlich die erfreulichere Botschaft kam, du seiest zwar vielfach verwundet in die Seine geworfen, aber wieder herausgezogen worden. In meiner Freude scherzte ich ganz ausgelassen über diesen glücklichen Fischfang. Jetzt ists an dir, dafür zu sorgen, dass ich mich recht und gründlich darüber freuen kann, dass du unversehrt geblieben bist. Wo du auch bist, – ich gratuliere der Kirche Gottes zu deiner Erhaltung; aber wenn du dein Versprechen nicht hältst, muss ich das doch bedauern und mich beschweren. Doch ich will nicht länger davon reden, damit es nicht scheint, als misstraute ich deiner Festigkeit und wolle dir indirekt den Makel leichsinnigen Versprechens aufprägen. Es wäre wirklich schändlich, wenn du, für unsere Sache so wunderbar gerettet und vom Tode auferstanden, vergessen wolltest, was du versprochen hast. Besinne dich, früher hast du Ausflüchte gesucht und Entschuldigungen vorgebracht, die ich für bloße Verzögerungsversuche hielt; dein letztes Wort hat dir Gott förmlich abgerungen und herausgelockt, das musst du zugeben. Ich denke, du seiest nun wieder genesen und ordentlich zu Kräften gekommen. Wenn du nun nicht die nächste, beste Gelegenheit ergreifst, kannst du dich nicht mehr entschuldigen. Lebwohl, hochberühmter Mann und von Herzen verehrter Bruder. Der Herr, der dich aus dem Rachen des Todes gerissen hat, stärke dich mehr und mehr durch die Kraft seines Geistes, bis du gesund und heil zu uns kommst.

3. Mai 1563.
Dein Carolus Passelius.

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