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Schlagwort: Schnepff Erhard

Calvin, Jean – An Erhard Schnepf in Stuttgart (117).

Calvin, Jean – An Erhard Schnepf in Stuttgart (117).

Pfarrer Engelmann (Angelander) in Montbeliard, der die reformierten Pfarrer der lutherischen Zeremonien halber bedrängte, berief sich dabei auf den württembergischen Reformator Schnepf. Auch Butzer hatte sich zur Abstellung der Streitigkeiten in Montbeliard an Schnepf gewandt und war deshalb von Engelmann angegriffen worden. Frühere Briefe Calvins an Schnepf existieren nicht mehr.

Bitte um Vermittlung in den Streitigkeiten in Montbeliard.

Als ich schon vor vier Monaten vernahm, unsere Brüder in Montbeliard würden wegen irgendwelcher Kirchenbräuche geplagt, ohne es zu verdienen, nämlich weil sie nicht gern in ihren Kirchen Neuerungen, an denen das Volk großes Ärgernis genommen hätte, einführen ließen, da bat ich dich in einem Brief, du möchtest deine Macht brauchen, unsere Brüder von dieser Drangsal zu befreien. Ich hörte dann, es sei vom Fürsten ein gelehrter, frommer Mann hingesandt worden, der alles gleich mit Klugheit und Gerechtigkeit in Ordnung gebracht habe. Aber als ich dann glaubte, die Brüder lebten nun in ganz ruhigen Zuständen und ihnen dazu Glück wünschte, da erhalte ich plötzlich nochmals schlimme Nachricht: neuen Streit habe ihnen Engelmann gestiftet. Obgleich mir nun dieser Engelmann ganz unbekannt ist, habe ich, im Bewusstsein meiner Liebe zu dir und wieder im Vertrauen auf dein Wohlwollen gegen mich, dir schon im letzten Brief ganz einfach dargelegt, wie ich von ihm denke. Da er den Brüdern, die ich als bescheiden, ruhige und friedliebende Leute kenne, unaufhörlich zu schaffen macht, als ob er ihnen auf ewig Krieg erklärt hätte, da ich weiter sehe, wie händelsüchtig und hartnäckig im Durchkämpfen seiner schlechten Sache er ist, so kann ich sicher nicht anders über ihn urteilen, als dass er ein Mensch schlechter Art ist und geeigneter, das Werk des Herrn zu hemmen als zu fördern. Früher stritt er über das Abendmahls-Sakrament. Die Brüder haben, um sich gegen seine Verleumdungen zu rechtfertigen, ein Bekenntnis herausgegeben, kurz und einfach, aber nach meinem Urteil durchaus fromm und rechtgläubig, das (darauf verlasse ich mich) auch deine Billigung finden wird. Jetzt wirft er die Frage auf, ob auch die Ungläubigen im Abendmahl Christi Leib empfangen. Ich weiß, dass du, hochgelehrter Schnepf, so überflüssigen Zank, wie ein ernster, vernünftiger Mann es soll, durchaus verabscheust. Umso eifriger kann ich dir gestehen, wie ich in dieser Streitfrage denke. Ich glaube, man muss jedenfalls das als unbestreitbaren Satz stets festhalten, dass, wie auch immer der Spender oder der Empfänger des Sakraments sein mag, dieses selbst durch ihre Sündigkeit weder in seinem Wesen noch in seiner Wirksamkeit etwas einbüßt. Deshalb sehe ich es als feststehend an, dass im Abendmahl der Leib Christi den Würdigen und ebenso den Unwürdigen dargereicht wird. Dagegen kann ich mich nicht davon überzeugen, dass auch Ungläubige ihn so empfangen, dass sie dadurch teilhaft werden der Gemeinschaft mit ihm. Ich denke, dass diese meine Meinung von der deinen nicht abweicht. Denn wollen wir nicht Christum und seinen Geist von einander trennen, so können wir doch nicht Leute als teilhaftig am Leibe Christi ansehen, die seines Geistes durchaus bar sind. Wenn also niemand Christum aufnehmen kann, der nicht auch seinen Geist annimmt, was soll man dann von den Ungläubigen halten, die nicht nur dem Geiste Christi den Weg versperren, sondern sogar überhaupt nichts von ihm wissen wollen? – – – Aber nehmen wir einmal an, wir seien darüber nicht in allem einig, ist die ganze Frage nicht doch der Art, dass man sie mit größerem Nutzen in Ruhe lässt, als dass man sie hervorzieht, um darüber sogar zu zanken? Ich bitte dich, was geht es denn die Gemeinde an, ob der Leib Christi auch von den Ungläubigen gegessen wird? – – –

– Was brauchen wir diese Disputation, wenn nur das feststeht, dass das Sakrament in seinem Wesen und Wirken nichts verliert durch die Bosheit der Ungläubigen, außer dass es nicht bis in ihre Seele dringt, weil ihm der Zugang verschlossen ist? Wenn wir darüber einig sind, meine ich, schickt es sich dann über allerlei stachlige, verwickelte Fragen Lärm zu machen? Wo bleibt da die Friedensliebe? wo die Sorge für die Erbauung der Gemeinde, wenn wir keinen, der in irgendetwas von uns abweicht, ertragen können, ohne uns gleich in feindseligen Kampf mit ihm zu stürzen. Da wir nun sehen, dass Engelmann nach der Art ungebildeter Menschen sich von seinem maßlosen Starrsinn so hineinreißen lässt, dass ihm die Ehre Gottes und die Erbauung seiner Kirche ganz gleichgültig ist, so beschwöre ich dich, bester Schnepf, ihm durch deine Macht Einhalt zu tun, dass er nicht mehr frommen, gelehrten Leuten länger lästig fällt. Denn so muss man mit den ungebändigten Köpfen umgehen, die sich nicht durch Vernunft leiten lassen. Du wirst dich nicht wundern, dass ich etwas grob von ihm spreche. Denn schon zu lang hat er nun unsere Geduld missbraucht durch seine frechen Angriffe auf uns alle und unsre Kirchen. Wenn wir solange geschwiegen haben, so trugen wir damit nicht seiner Person, sondern nur der christlichen Einigkeit Rechnung. Jetzt aber ersuche ich dich dringend um des Herrn willen, auf Bitten und im Auftrag unserer Brüder, nicht derer von Montbeliard, sondern der Kirche von Neuchatel und von Genf, Engelmann Zügel anzulegen, bevor seine Dummheit (um mich nicht schärfer auszudrücken) noch weiter herum bekannt wird zu seiner eigenen großen Schmach. Denn wer ist dieser Engelmann, dass er jetzt sogar einen Butzer anbellt, dann diesen beißt, dann wieder einen andern herunterreißt und nach Gelüsten den oder jenen anfällt von den Männern, die sich mit Nutzen mühen, das Reich Christi zu fördern, und alle zusammen schmäht? Und nicht das allein, sondern alle Kirchen will er in seinem Wahnsinn seinem Urteil unterordnen. Mehr als genug ist, dass er bisher solches ungestraft tun durfte; nun aber, hochverehrter Bruder, ist es deine Pflicht, die unerhörte Frechheit dieses Menschen zu bändigen, damit sie nicht noch weiter wuchere. Ich zweifle meinesteils gar nicht, dass du das gut aufnimmst, weil ich von deiner Liebe zu mir fest überzeugt bin, und dass du es auch verzeihst, wenn mir etwa ein zu hartes Wort entfallen ist. Schließlich, um meinen Brief zu Ende zu bringen, verlange ich ja nicht mehr von dir, als dass du die Brüder, die deiner Liebe wert sind, in ihrer ganz guten Sache dir empfohlen sein lassest. Ich verlasse mich darauf, das ohne Mühe von dir zu erreichen. Lebwohl, vorzüglichster Schnepf, liebster Freund und verehrter Bruder in Christo. Der Herr Jesus leite dich stets mit seinem Geist zum Heil seiner Kirche.

[10. Oktober 1544].

Dein

Johannes Calvin.

Frecht, Martin – An Erhard Schnepf und Ambrosius Blaurer

Frecht, Martin – An Erhard Schnepf und Ambrosius Blaurer

10.12.1537

Mein Verwandter Johannes Spengler (Spänglerus) hat mich gebeten, in Unterstützung seiner Bittschrift Euch dringend zu ersuchen, das ihm jüngst gezeigte Wohlwollen auch jetzt zu bewähren. Ihr vernehmt aus seinem Schreiben, daß die Vorsteher des Blaubeurer Spitals ihm nur 20 Goldgulden jährlich zahlen oder ihn zwingen wollen, sich mit der Spitalkost zu begnügen, was ihm sehr beschwerlich wäre. Auf solche Weise würden wir sicherlich nicht viele, die aus dem Papsttum kommen, beim Evangelium festhalten. Mag auch mein Verwandter seine Fehler haben, so scheint doch kein böser Wille vorzuliegen. Deshalb bitte ich Euch, bei Eueren Kollegen auszuwirken, daß für ihn reichlicher gesorgt werde. Entschuldigt meine Zudringlichkeit und laßt mich Euch empfohlen sein.

Raptim, Ulme 10. Decembris 1537

Quelle:
Briefwechsel der Brüder Ambrosius und Thomas Blaurer
1509 – 1548
Herausgegeben von der Badischen Historischen Kommission
Bearbeitet von Traugott Schieß
Band I
1509 – Juni 1538
Freiburg i. Br.
Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld
1908

Luther, Martin – An Erhard Schnepff

Luther, Martin – An Erhard Schnepff

An den hochwürdigen Herrn Erhard Schnepf, treuen Diener des Worts in Hessen, seinen geliebtesten Bruder.

Gnad und Friede im Herrn. Auch mich, theurer Mann, erfreuet es eben so sehr als Euch, daß Euer Landgraf nicht verschmähete dem Reichstage beyzuwohnen. Er würde sonst nicht nur sich ungütigen Anmerkungen, sondern auch die Sache des evangelii selbst, die ohnehin von fanatischen Leuten genung leidet, ausgesetzet haben. So beweiset der Herr durch derley Fügungen, daß er mit uns sey. Wir sehen zugleich, daß unser Seufzen noch so viel vermöge, daß am Ende uns nicht verlasse der Gott der Demüthigen und Gebeugten, der die Wirderwärtigkeiten zu unserm Vortheil lenkt. Ihm sey Preis und Ehre in Ewigkeit. Es geschehe also! Ich schrieb auch an Euren Herrn einen Brief, den ich hier beylege. Wenn Ihr schicklich könnet, möget Ihr ihn selbst einhändigen. Sollt es nöthig seyn, so könnet Ihr ihm mündlich die Sache noch näher legen. IIch kann auf die Aufrichtigkeit seiner Gesinnungen weder alle Hoffnung bauen, noch alle Hoffnung aufgeben. Daher habe ich vielleicht nicht zu dringend noch der Wichtigkeit der Sache gemäß ihn ermahnet, daß er sich vor Ansteckung der andern und dem schnödesten Köder des Teufels hüte. Dieses einzige ist bey der ganzen Sache meine Stütze, daß Christus selbst unser Flehen zu erhören versprach, wie es geschrieben stehet: Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen in der Warheit. Und abermal: Die Gerechten flehten zu ihm, und der Herr erhörte sie. Ja er selbst befahl und sprach: Rufe zu mir am Tage der Trübsal, und ich werde dich befreyen, und du wirst mich lobpreisen. Dieß´sey uns eine eherne Mauer! Amen. Die Gnade des Herrn sey mit Euch, der Euch stärken, und in dem Ihr wahres Heil finden möget. Erinnert Euch meiner in Eurem Gebete, so wie ich mich Eurer erinnere. Aus meiner Einöde den 20sten Jun. 1530.

Euer
Martin Luther

Quelle: Gottfried Schütze