Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (499).

Nr. 499 (C. R. – 2473)

 

Francois de Morel, bisher unter dem Namen de Collonges (vgl. 416), am Hofe der Herzogin Renata von Ferrara, war jetzt Pfarrer zu Altwyr im Oberelsass. Über Houbraque und Valerand vgl. 495. Crispin war ein Genfer Buchdrucker, der zur Messe reiste. Über Garnier, den früheren Pfarrer der französischen Gemeinde zu Straßburg, vgl. 409.

Über Houbraques Sendung nach Frankfurt.

Ich schrieb dir neulich, es sei um die Gemeinde in Frankfurt geschehen, wenn man nicht baldigst eingreife. Wäre de Morel zu uns gekommen, so wäre das ja das beste Mittel gewesen; aber da man nun in Frankfurt allgemein Houbraque erwartet, begreife ich die Hartnäckigkeit nicht, mit der er in Neuchatel zurückgehalten wird, wo doch wenig oder gar keine andern Aussichten für ihn vorhanden sind. Drängte nicht die bittere Notwendigkeit, so möchte Eure Entschuldigung vielleicht angehen; jetzt da Euch allein Eure Verlegenheit zu diesem Verhalten treibt, so seht zu, dass Ihr damit nicht zu selbstsüchtig handelt. Zwei Tage nachdem ich geschrieben, wurde mir ein Brief von Valerand und seinen Presbytern gebracht, in dem sie rühmten, wie nun alles in Ordnung sei. Da jedoch der Brief gleichzeitig erzählte, man suche absichtlich neue Händel, aus denen bald ein neuer Brand aufflammen werde, so rief ich vor den Brüdern aus, diese fröhliche Stimmung und dieses Sichbeglückwünschen komme mir nicht nur verdächtig vor, sondern geradezu wie eine Unglücksbotschaft. Der Tag war noch nicht herum, als ein anderer, von der Gegenpartei eigens gesandter Brief meinen Verdacht bestätigte. Und dabei haltet Ihr Houbraque noch zurück, damit ihn dann bald darauf die Feinde Christi mit schmählichem Vorwurf gewaltsam vertreiben! Deswegen reist nun unser lieber Herr Crispin nach Neuchatel, um jetzt wenigstens das zu erreichen, was Ihr längst hättet freiwillig tun sollen. Valerand wünscht, man solle Garnier nach Frankfurt berufen. Ich weiß nicht, ob das gut wäre; sicher ist Houbraque besser geeignet, den Übelständen in der Gemeinde abzuhelfen. Hört man auf meinen Rat, so wird man übrigens bald einen zweiten hinsenden müssen als Valerands Nachfolger; aber glaube mir, es wird sehr viel zu tun geben, die Starrköpfe in beiden Parteien zu beugen. Indessen tut es not, rasch zu gewähren, was sie wünschen, wenn wir nicht den Ruin der armen Gemeinde wollen. Lebwohl, bester, trefflichster Bruder, samt allen Kollegen und Freunden, die ich von mir zu grüßen bitte. Der Herr sei stets mit Euch; er leite Euch mit seinem Geiste und behüte Euch mit seiner Kraft auch weiterhin.

Genf, 9. Juni 1556.
Dein
Johannes Calvin.

Obwohl erst letzte Woche jemand zu den Waldenser-Brüdern gesandt worden ist, ist schon wieder ein Brief da, in dem sie einen zweiten verlangen.

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (498).

Nr. 498 (C. R. – 2471)

Die Waldenser hatten im Sinn, sich gegen eine drohende Verfolgung mit den Waffen zu wehren; ein Gesandter von ihnen bereiste deshalb die reformierte Schweiz. Weggelassen einige unwichtige oder im nächsten Brief wiederholte Notizen.

Besorgnis wegen eines verlorenen Briefes.

Da ich gestern keine Zeit hatte zu schreiben, trug ich dem Boten, der meinen Brief holen wollte, auf, dir zu melden, dass das Schreiben, das du dem Waldenser-Bruder mitgabst, unterwegs verloren gegangen ist. Es tat mir, wie es sich ziemte, leid, nicht nur weil es mir lieb gewesen wäre, etwas von dir zu erhalten, sondern auch, weil ich fürchtete, der Brief könne in unrechte Hände kommen, und daraus könne dann wieder eine böse Geschichte entstehen. So rief ich gleich: „Wenn er nur wenigstens wirklich vernichtet ist!“ Der Waldenser meinte, bei solchem Sturm sei es wohl nicht anders möglich. Dieses Volk hat eine Seelenruhe, die an Dummheit grenzt! Übrigens wenn es dir nicht zuviel Mühe macht, könntest du ihn mir genau so nochmals schreiben, so gut du ihn noch im Gedächtnis hast; sonst melde mir, bitte, wenigstens den Hauptinhalt. – –

Lebwohl, bester, trefflichster Bruder. Grüße die Freunde und Kollegen. Der Herr wolle auch weiterhin Euch alle behüten und leiten und Euch jeglichen Segen schenken. Meine Kollegen lassen dich vielmals grüßen, ebenso die Budes, de Normandie, de Trie. Den Herrn Marchese, der als erster zu nennen wäre, habe ich noch vergessen; dafür soll mein Bruder nun auch noch seinen Platz haben. Nochmals lebwohl.

Genf, 4. Juni 1556.
Dein
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (495).

Nr. 495 (C. R. – 2455)

Weggelassen sind einige unwichtige Nachrichten über unbekannte Personen. Über die geplante Zusammenkunft mit den Lutheranern vgl. 491. An Stelle Pellikans berief Zürich Vermigli an die Professur für Hebräisch, der den Straßburger Lutheranern gern aus dem Wege ging.

Plan eines Religionsgesprächs mit den Lutheranern. Vermiglis Berufung nach Zürich.

– – – Für die Zusammenkunft wage ich nicht so tätig zu sein, wie manche wünschten. Es genügt meines Erachtens, wenn ich offen erkläre, ich sei bereit zu kommen, wenn man mich rufe. Die Zürcher wollen zwar so gar nichts davon wissen, dass ichs riskieren müsste, sie durch mein Hingehen zu erzürnen. Neulich hat Bullinger weitschweifig und mit großer Heftigkeit von mir verlangt, ich müsste die besagte Sache gleich von Anfang an abbrechen. Ich bin nun zwar entschlossen, dem nicht zu gehorchen; aber ich denke, alle Guten werden mir eine solche Zurückhaltung gestatten, dass die Zürcher mir wenigstens nicht vorwerfen können, allzu eifrig in der Sache vorgegangen zu sein. Ich kann mich dann nachher auch viel besser entschuldigen, wenn ich sage, es wäre Unrecht, der Disputation, die die Gegenpartei wünscht, auszuweichen. Pietro Martire geht nach Zürich; ich hatte es nicht glauben können, doch sieht er es selbst als einen Ausweg zu seiner Befreiung an. Der Herr wolle es zum Guten wenden! Was nun der Straßburger Kirche droht, entnimm daraus, dass unsere Gegner kein Bedenken trugen, über uns in Vermiglis Gegenwart öffentlich herzufallen. Der Herr helfe dieser traurigen Spaltung ab! Das Fieber hat sich scheints mit dem gestrigen Anfall verabschiedet. So hat mir der Herr verliehen, ohne ein Tröpflein Schweiß loszukommen; nur auf morgen erwarte ich noch einen letzten Angriff, von dem mich derselbe Herr wieder freimachen wird. Seinem gnädigen Schutze befehle ich dich. Lebwohl, bester trefflichster Bruder. Alle Freunde und mein Bruder lassen dich grüßen.

Genf, 18. Mai vor dem Abendessen 1556.

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (490).

Nr. 490 (C. R. – 2412)

 

Der Genfer Pfarrer Abel Poupin war am 5. März 1556 gestorben; sein Kollege Jean Fabri musste wegen Unzucht abdanken. Mathurin de la Brosse war Rektor in Neuchatel. Guillaume Houbraque war zwar an Stelle Perrucels (vgl. 475) für Franfurt a. M. in Aussicht genommen, aber noch nicht gewählt.

Der Tod Abels, dessen Kunde jedenfalls schon nach Neuchatel gedrungen ist, ist zwar ganz unerwartet eingetreten, da jedermann glaubte, er sei bereits auf dem Weg der Genesung, hat uns aber doch, um die Wahrheit zu gestehen, nicht allzu sehr in Trauer versetzt, da sein Charakter jetzt kaum mehr erträglich war; so kam sein Hinschied zur rechten Zeit. Trauriger ist Fabris Abdankung, weil sie auf unsern Stand keine geringe Schande brachte und vielleicht später noch große Schwierigkeiten schafft. Die Frage nach Nachfolgern der beiden beschäftigt uns natürlich sehr. Denn wenn auch einige rechtschaffene Leute von ordentlicher Bildung uns hier in Genf zur Verfügung stehen, so ragt doch keiner so über den Durchschnitt hinaus, dass man nicht auch von auswärts jemanden berufen dürfte, wenn sie tauglichere Kandidaten finden. Da du früher schon öfters für de la Brosse eine Stellung wünschtest, so schreibe mir jetzt so bald als möglich, was du nun darüber meinst. Denn es wurde beschlossen, die Wahl absichtlich aufzuschieben, damit ich erst deine Ansicht erfahren könne. Auch möchte ich wissen, ob Houbraque noch frei ist, und was du von ihm hältst.

Die Hoffnung auf Erneuerung des Burgrechts ist noch nicht erloschen. Nur ist die Gesandtschaft, die man hätte rasch abordnen sollen, auf den nächsten Monat hinausgeschoben worden. Die Frankfurter Messe wird, denke ich, wieder viele Schriftchen der Sachsen bringen, worüber wir besser mündlich reden, wenn es dir und Viret wieder einmal passt, uns zu besuchen. Lebwohl, bester, trefflichster Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er leite und stärke dich.

Genf, 17. März 1556.

Meine Kollegen und viele Freunde, auch die Syndics, lassen dich grüßen. Bitte grüße auch die Brüder in Neuchatel vielmals.
Dein
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (471).

Nr. 471 (C. R. – 2356)

Farel meinte, eine Intervention der deutschen evangelischen Fürsten beim französischen König könnte der Hugenottenverfolgung Einhalt gebieten. Der bezaubernde Dichter ist natürlich Marcourt (vgl. 469).

Politisches und Persönliches.

Dass die Augsburgische Konfession von den deutschen Fürsten so tapfer verteidigt wird, darüber freust du dich mit Recht, lieber Farel, aber wenn du hoffst, dass von diesen Schutzherren des Glaubens etwas für die armen, verfolgten Brüder in Frankreich zu erwarten sei, so täuschest du dich sehr. Vielmehr würden sie [durch ihr Eingreifen] die Verfolgung nur noch mehr entflammen, wenn nicht ganz wunderbar ein plötzlicher Umschwung einträte; auch uns würden sie in diese Abschlachtung hineinziehen. Obschon ich aber die uns bedrohenden Gefahren voraussehe, so freue ich mich doch, dass doch wenigstens in gewisser Hinsicht das Reich Christi ausgebreitet wird. Nur daran will ich dich gemahnt haben, nicht nutzlos an einer Sache zu arbeiten, bei der du doch nichts erreichst, was die Mühe lohnt. Der Dichter, von dem du fürchtest, er könnte mich ganz bezaubern, hat vielleicht seine Produktion bereits zurückgenommen, weil er sieht, dass er diese Arbeit übel und ohne Glück angefasst hat, wenn er nicht etwa nur, weil er niemanden hat, an den er sich anschließen kann, es vorzieht, seine Meinung im Ungewissen hängen zu lassen. Mag er selbst hängen, wo er will, wenn nur wir feststehen im Herrn.

Unsere Gesandten, die zur Erneuerung des Burgrechts abgeordnet sind, werden nächsten Montag die Verhandlungen beginnen. Gott gebe, dass sie bald von der Erledigung ihres Geschäftes berichten können. Weigert sich Bern hartnäckig, die Genfer Angebote anzunehmen, so wird man weitere Schritte tun müssen, nicht ohne Schande für Bern. Die Religionsfrage in diese Verhandlung zu mischen, dazu liegt kein Anlass vor, hingegen werden sie sich wohl doch ein Türlein dazu öffnen. Der Herr sei stets mit dir, trefflicher Bruder, und leite dich mit seinem Geiste. Grüße die Brüder von mir.

Genf, 7. Dezember 1555.
Dein
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (469).

Auf Anregung zu einer neuen schweizerischen Bekenntnisschrift hatte Bullinger geantwortet, eine solche sei wohl möglich, wenn Calvin darauf verzichte, seine Prädestinationslehre darin wiederzugeben. Farel hatte Calvin das Gerücht mitgeteilt, zur Hochzeit des sächsischen Kronprinzen sollten Vertreter aller evangelischen Kirchen, auch der schweizerischen, eingeladen werden, und Karl V. wolle ins Kloster gehen. Über Calvins alten Gegner Marcourt vgl. 30.

Von abenteuerlichen Gerüchten und Geschichten.

Was Bullinger neuerdings von mir verlangt, hörst du aus seinem Brief, den ich mitschicke. Du siehst dann auch, was ich auf die Schnelle antworten muss, in der er meint, es sei gefährlich, die Prädestinationslehre zu erwähnen. Dass er glaubt, eine Zusammenkunft dürfe man nicht wagen, ist mir weder neu noch unerwartet; schon ehe ich schrieb, war ich auf diese Antwort gefasst. Doch siehst du zugleich daraus, wie kühl und zögernd er mir jetzt auf sein und der Zürcher Kirche Eintreten für uns Hoffnung gibt, das er doch anfangs so großartig versprochen hatte. Da ich aber die Sache nicht bloß im Vertrauen auf fremde Hilfe begonnen habe, so gebe ich sie auch nicht auf, möge man mich auch im Stich lassen. Ja, um dir die Wahrheit zu gestehen, jetzt habe ich freies Feld vor mir und dadurch wächst meine Kampfesfreudigkeit. Denn du weißt, wie sehr man bisher auf ihren Hochmut Rücksicht nehmen musste.

Von unsern Genfer Verhältnissen habe ich dir eben nichts Bestimmtes zu berichten. Denn eher als in zwei Wochen reist die Gesandtschaft zur Erneuerung des Burgrechts nicht ab. Über die jetzigen Verhandlungen hat dich unser lieber Roset ohne Zweifel aufgeklärt. Die sächsische Hochzeit kommt mir, obwohl ich noch nichts näheres davon gehört habe, doch wie eine recht fabelhafte Geschichte vor; aus demselben Mehl ist das bei Euch umgehende Gerücht gemacht, der Kaiser wolle Mönch werden. Um dies mit etwas ebenso Abenteuerlichem zu vergelten, will ich dir erzählen, dass Marcourt, von plötzlicher Begeisterung ergriffen, zum Dichter geworden ist, – um mich preisend zu besingen. Ich weiß nicht, welche Händel er jetzt wieder, wie schon öfter, mit jener Bande bekommen hat. Kurz, er wollte sich von ihnen scheiden und versuchte, sich bei mir durch ein Distichon wieder in Gunst zu bringen. Größer als Herkules nennt er mich, weil ich über zwei Ungeheuer den Sieg davon getragen habe; dann nennt er die beiden Ungeheuer, den Löwen und den Drachen, (er gibt nämlich gleich zu seinen Worten einen Kommentar) und was Augustin von der Kirche schreibt, sie trete Löwen und Drachen nieder, weil sie Tyrannen und Ketzern tapfer widerstehe, das wendet unser Dichter nun auf mich an, indem er sagt, mit Servet sei die Ketzerei, mit Perrin die Wut der Verfolger überwunden. Es ist gut, dass er gerade bei zunehmendem Monde so von mir zu reden begann, so kann ich doch wenigstens etwa zwanzig Tage lang solches Lob genießen. Unser Humbert ist jetzt angekommen, später zwar, als ich gewollt hatte, doch früh genug, da er seine Reise doch jetzt hinter sich hat. Denn dass er nach Neuchatel zurückkehre, ist jetzt nicht tunlich, und ich habe es ihm bereits gesagt, ich werde es nicht zugeben. Lebwohl, bester, trefflichster Bruder. Der Herr erhalte dich lange gesund und leite dich auch fernerhin mit seinem Geiste. Meine Kollegen und sehr viele Freunde lassen dich grüßen, die ich nicht mit Namen aufzähle, um nicht noch die ganze zweite Seite voll schreiben zu müssen. Sage auch in Neuchatel viele Grüße, dem Statthalter, den Ratsherrn und den Kollegen. Nochmals lebwohl.

Genf, 23. November 1555.
Dein
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (467).

Über Jean Merveilleux von Neuchatel vgl. 69. Eusthatius du Quesnoy (Quercetanus), Professor der Medizin in Lausanne, hatte Calvin ein Spottgedicht des Bremer Rektors Molanus gegen Joachim Westphal gesandt.

Auskunft über Genfer Tuchfärber. Von den Sachsen.

Zwei Stunden, nachdem sich unser lieber Mulot von mir verabschiedet hatte, erhielt ich deinen Brief. Sage Merveilleux, dass in Genf zwei Tuchfärber sind, beide nur mittelmäßig in ihrer Kunst. Ich sage das ausdrücklich, weil der dritte, der sie beide in der Geschicklichkeit im Färben übertraf, als ein unredlicher Mensch die Stadt verließ. Jene beiden aber werden als rechtschaffene Leute gelobt, und bei jedem von ihnen kann sein Neffe hoffentlich etwas profitieren. Wenn er will, so kann ich mit einem davon sprechen; aber den Lehrvertrag müsste jemand anders abschließen, denn das Geschäft wäre mir zu schwer und käme mir ungelegen. Doch will ich gern, soweit es mein Amt zulässt, den Vermittler machen.

Bullinger, der aus frei erfundenem Geschwätz zu der Meinung gekommen ist, es liege an mir, dass die beiden Städte [Bern und Genf] nicht recht einig werden können, erinnert mich in einem weitschweifigen Brief daran, wie verderblich ein Zwist werden müsste. Weil ich mich von diesem Vorwurf leicht reinigen konnte, habe ich mich nicht gar so heftig drauf verlegt. Doch habe ich drauf erwidert, was genügen dürfte.

Aus einem Brief unseres sehr lieben Pietro Martire vernehme ich, dass die Sachsen bereits unter sich planen, mich in den Bann zu tun. Wenn sie zu so fanatischem Vorgehen greifen, so ist das so lächerlich, dass, sogar wenn ich schweige, ihr Angriff sich selbst um seine Wirkung bringt. Sähe ich also nur auf mich, so könnte ich ihnen ganz ruhig meinen Beifall dazu spenden. Denn dazu werden sie niemals jemand von auch nur mittelmäßiger Bedeutung mitreißen können, sondern nur allerlei Dunkelmänner werden aus ihren Winkeln wie Frösche aus dem Sumpf ein bedeutungsloses Quacken hören lassen. Die wirklich Gelehrten wagen bereits freier und mutiger als gewöhnlich ihre Meinung zu äußern. Eusthatius hat mir z. B. ein Spottgedicht eines Pfarrers gesandt, den ich für nicht unbeachtet in jenen Gegenden halte, in dem Westphal nett und scharf hergenommen wird. Er schreibt auch, aus Bremen sei jetzt der Unrat der zurückgebliebenen Hefe ausgefegt. Ein andrer frommer und gelehrter Mann wünscht, unsere Kirchen möchten eine gemeinsame Schrift an die Söhne der Kirche Sachsens herausgeben, was ich kaum für möglich halte. Doch habe ich Bullinger ermahnt, alles ins Werk zu setzen, und habe ihm alle Wege gezeigt.

Lebwohl, bester trefflichster Bruder. Der Herr sei stets mir dir, er leite und segne dich. Grüße deine Kollegen angelegentlich von mir; die Meinen lassen dich vielmals grüßen. Die Grüße von den übrigen Freunden will ich nicht aufzählen, weil es unzählige wären. Alle wünschen dir Gesundheit und grüßen.

Genf, 24. Oktober 1555.
Dein
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (464).

Von den Verbannten und ihrem Anhang im Waadtland und Bern wurde Calvin in Pamphleten und Pasquillen als brudermörderischer Cain beschimpft. Joachim Westphal in Hamburg veröffentlichte gegen Calvins Verteidigung des Consensus eine Replik schärfster Art.

Von Leid und Arbeit.

Wenn ich mich auch, mein lieber Farel, der Schmach mir Recht rühmen darf, die giftige, freche Zungen auf mich häufen, da sie nichts gegen mich lästernd vorbringen dürfen, als was ich von Gott und seinen Engeln gebilligt weiß, so möchte ich doch lieber irgendwo zurückgezogen und verborgen leben, wenn dadurch vielleicht die Wut dieser Leute sich legte, die sich an meinem Dasein stets neu zu entzünden scheint. Ich rede nicht von Kleinigkeiten, die nach Verdienst zu verachten ich längst gelernt habe; aber dass diese Giganten, weil sie mich hassen, beständig den Himmel stürmen wollen, das schmerzt mich nicht ohne Grund. Doch wollen wirs tragen, da wir ja wissen, dass es nicht der Zufall fügt, wenn solche Stürme uns umherwerfen. Auch Westphal hat wieder ein grimmiges Buch gegen mich erscheinen lassen; ob ich darauf antworten soll, weiß ich nicht. Einige Freunde wünschen es; wenn ichs ganz durchgelesen habe, wird Gott mir raten. Du willst aber, als ob ich meine Bücher in einem Augenblick zeugte und zugleich gebären könnte, von mir ein paar Kommentare erscheinen sehen, zu deren Abfassung man ein langes Leben in voller Muße brauchte. Wie viel freie Zeit meinst du eigentlich, dass mir bleibe? Da sollten wirklich andere für mich eintreten! Dem Melanchthon werde ich ein scharfer Mahner sein; aber du weißt, wie langsam er ist. Lebwohl, bester, trefflichster Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er behüte und erhalte dich. Die Brüder und Freunde lassen dich vielmals grüßen, darunter unser lieber Beza, der eben bei mir ist.

Genf, 10. Oktober 1555.
Dein
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Farel und Christophe Fabri in Neuchatel (463).

Der Name des Überbringers ist unbekannt; zu dem Verbot des Abendmahlsgenusses in Genf vgl. 439. Morelet de Museau (vgl. 6869), der französische Diplomat, war mit Calvin befreundet.

Teilnahme am Abendmahl in Genf für Berner verboten.

Wie schlimm man mit diesem unserm Freund, [der Euch diesen Brief bringt], umgegangen ist, kann er Euch selbst besser erzählen. Als ob er ein schlimmes Verbrechen begangen hätte, als er mit uns das Abendmahl feierte, rief ihn der Landvogt von Thonon vor sich und fuhr ihn an, er habe das Edikt des Berner Rats verachtet. Obwohl er sich mit bescheidener, gründlicher Entschuldigung rechtfertigte, wurde ihm doch die Strafe der Ausweisung auferlegt. Ich nehme an, dies Vorgehen werde Euch unglaublich scheinen; aber ich versichere Euch, es ist tatsächlich begangen. Nun reist er deswegen nach Bern; weil er aber dort unbekannt und unerfahren ist, wünscht er sehr, ein Mann, der in solchen Dingen Erfahrung hat und in Bern etwas gilt, möge ihm in seiner ganz guten und heiligen Sache beistehen. Einige Leute meinten, unser lieber Bruder Christophe werde dazu am besten passen. Mir war es nicht eingefallen, aber als er mir erzählte, andere hätten ihm das geraten, billigte ich es durchaus. Deshalb möchte ich dich, lieber Christophe, ersuchen und bitten, falls dich nicht irgendetwas Wichtigeres und Notwendigeres zu Hause festhält, übernimm diese Mühe, nicht bloß weil ich dich darum bitte, sondern um der Sache selbst willen, die mit der Ehre Gottes und dem Heil aller Frommen unzertrennlich verknüpft ist. Ich weiß zwar, dass ich in Bern so bitter gehasst werde, dass man alles eher verteidigen darf als unsere Genfer Kirche, aber ich weiß auch, dass du zu mutig bist, als dass du dich von diesem Qualm der Feindschaft abschrecken lässest. Tatsächlich ist der Sachbestand ja auch günstig, nämlich, dass es nichts Widersinnigeres und Ungeheuerlicheres geben kann, als dass ein Mann von altem, gutem Adel, der stets in allen Ehren gelebt hat, ausgewiesen wird wegen einer frommen Handlung. Ich möchte, Ihr sähet wirklich nur auf diese Tatsache, die Euch hoffentlich selbst einen guten Rat für das gibt, was Ihr für der Mühe wert haltet zu tun.

Lebt wohl, beste, trefflichste Brüder; der Herr sei stets mit Euch, er behüte Euch und lenke Euch mit seinem Geiste. An Mathurin und die andern Freunde viele Grüße. Morelet aß gestern hier zu Mittag. Wir sprachen nur kurz miteinander, weil ehrenhalber der Landvogt von Gex in der Nähe saß und ich Morelet durchaus nicht bewegen konnte, länger zu bleiben. Er ist voll der wunderbarsten Gerüchte hierher gekommen; wenn ich sie ihm nur recht ausgeputzt habe! Wegen unserer gefangenen Brüder [in Chambery] schweben wir noch zwischen Furcht und Hoffnung. Nochmals lebt wohl.

Genf, 29. September 1555.

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (459).

Farel hatte vielleicht Calvin geraten, sein Werk, Zusammenstellung der drei ersten Evangelien (Evangelien-Harmonie). dem Berner Rat zu widmen; doch war Calvin bereits entschlossen, es dem Frankfurter Rat zu dedizieren (vgl. 456). Weggelassen eine kurze Notiz über Wirren in der Kirche von Montbeliard.

Ein übel aufgenommener Rat.

Ich war sehr verwundert, bester Bruder, als mir des Gallars deinen Rat brachte, mein mit größtem Fleiß ausgearbeitetes Werk dem Rüssel der Schweine vorzuwerfen, damit sie es schändlich und schmählich zersetzen könnten, zu meinem bittern Schmerz und zum Hohn und Spottgelächter der Leute, die jetzt schon alle Tage ihre Späße an uns auslassen ohne allen Grund. Ist dir je meine Art so knechtisch erschienen, dass ich freiwillig ihrem Übermut angenehme Ergötzung bereiten soll? Aber sieh, was du erreichst! Ich möchte lieber, ich verlöre mein Leben, als dass die christliche Kirche diese Frucht meiner Arbeit verlöre. Doch wenn eins von beiden sein müsste, so würfe ich doch noch lieber mit eigner Hand ins Feuer, was ich mit größter Sorgfalt ausgearbeitet habe, als dass ich täte, was du mir vorschreibst. Es war gut, dass die Sache bereits entschieden war, als dein Brief kam. Doch ich will das nicht als Entschuldigung brauchen, denn besser ists, offen zu gestehen, was ich finde: Lieber wollte ich mir Zunge und Hand abhauen lassen, als dass ich mich dazu bewegen ließe, das zu diktieren oder zu schreiben, was du mir als deinen Wunsch kund tust, wenigstens solange die Verhältnisse nicht ganz andere geworden sind. Es ist hart genug, dass ich von jenen Leuten so übermütig und grausam geplagt werde; ich brauche mir nicht noch neuen Schimpf aufzuladen. Ich machte mich damit ja vor den Bösen lächerlich und bei den Gutgesinnten anrüchig. Auch wenn mein Herz nicht jetzt schon Ärger genüg hätte, was hülfe es, mich mit einer undankbaren und lästigen Aufgabe an Leute hinzudrängen, die davon gar nichts wollen. Könnte ich doch in Zukunft von solchen Nöten frei sein; es könnte ja sein, wenn ich nichts mehr schriebe! – –

– Lebwohl, bester, trefflichster Bruder. Der Herr sei stets mit dir, er leite und behüte dich. Meine Kollegen und Freunde lassen dich ehrerbietig grüßen. Walte meinerseits bei den Brüdern, dem Statthalter und den übrigen dieses Amtes.

Genf, 12. August 1555.
Dein
Johannes Calvin.