Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (471).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (471).

Nr. 471 (C. R. – 2356)

Farel meinte, eine Intervention der deutschen evangelischen Fürsten beim französischen König könnte der Hugenottenverfolgung Einhalt gebieten. Der bezaubernde Dichter ist natürlich Marcourt (vgl. 469).

Politisches und Persönliches.

Dass die Augsburgische Konfession von den deutschen Fürsten so tapfer verteidigt wird, darüber freust du dich mit Recht, lieber Farel, aber wenn du hoffst, dass von diesen Schutzherren des Glaubens etwas für die armen, verfolgten Brüder in Frankreich zu erwarten sei, so täuschest du dich sehr. Vielmehr würden sie [durch ihr Eingreifen] die Verfolgung nur noch mehr entflammen, wenn nicht ganz wunderbar ein plötzlicher Umschwung einträte; auch uns würden sie in diese Abschlachtung hineinziehen. Obschon ich aber die uns bedrohenden Gefahren voraussehe, so freue ich mich doch, dass doch wenigstens in gewisser Hinsicht das Reich Christi ausgebreitet wird. Nur daran will ich dich gemahnt haben, nicht nutzlos an einer Sache zu arbeiten, bei der du doch nichts erreichst, was die Mühe lohnt. Der Dichter, von dem du fürchtest, er könnte mich ganz bezaubern, hat vielleicht seine Produktion bereits zurückgenommen, weil er sieht, dass er diese Arbeit übel und ohne Glück angefasst hat, wenn er nicht etwa nur, weil er niemanden hat, an den er sich anschließen kann, es vorzieht, seine Meinung im Ungewissen hängen zu lassen. Mag er selbst hängen, wo er will, wenn nur wir feststehen im Herrn.

Unsere Gesandten, die zur Erneuerung des Burgrechts abgeordnet sind, werden nächsten Montag die Verhandlungen beginnen. Gott gebe, dass sie bald von der Erledigung ihres Geschäftes berichten können. Weigert sich Bern hartnäckig, die Genfer Angebote anzunehmen, so wird man weitere Schritte tun müssen, nicht ohne Schande für Bern. Die Religionsfrage in diese Verhandlung zu mischen, dazu liegt kein Anlass vor, hingegen werden sie sich wohl doch ein Türlein dazu öffnen. Der Herr sei stets mit dir, trefflicher Bruder, und leite dich mit seinem Geiste. Grüße die Brüder von mir.

Genf, 7. Dezember 1555.
Dein
Johannes Calvin.

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