Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (490).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (490).

Nr. 490 (C. R. – 2412)

 

Der Genfer Pfarrer Abel Poupin war am 5. März 1556 gestorben; sein Kollege Jean Fabri musste wegen Unzucht abdanken. Mathurin de la Brosse war Rektor in Neuchatel. Guillaume Houbraque war zwar an Stelle Perrucels (vgl. 475) für Franfurt a. M. in Aussicht genommen, aber noch nicht gewählt.

Der Tod Abels, dessen Kunde jedenfalls schon nach Neuchatel gedrungen ist, ist zwar ganz unerwartet eingetreten, da jedermann glaubte, er sei bereits auf dem Weg der Genesung, hat uns aber doch, um die Wahrheit zu gestehen, nicht allzu sehr in Trauer versetzt, da sein Charakter jetzt kaum mehr erträglich war; so kam sein Hinschied zur rechten Zeit. Trauriger ist Fabris Abdankung, weil sie auf unsern Stand keine geringe Schande brachte und vielleicht später noch große Schwierigkeiten schafft. Die Frage nach Nachfolgern der beiden beschäftigt uns natürlich sehr. Denn wenn auch einige rechtschaffene Leute von ordentlicher Bildung uns hier in Genf zur Verfügung stehen, so ragt doch keiner so über den Durchschnitt hinaus, dass man nicht auch von auswärts jemanden berufen dürfte, wenn sie tauglichere Kandidaten finden. Da du früher schon öfters für de la Brosse eine Stellung wünschtest, so schreibe mir jetzt so bald als möglich, was du nun darüber meinst. Denn es wurde beschlossen, die Wahl absichtlich aufzuschieben, damit ich erst deine Ansicht erfahren könne. Auch möchte ich wissen, ob Houbraque noch frei ist, und was du von ihm hältst.

Die Hoffnung auf Erneuerung des Burgrechts ist noch nicht erloschen. Nur ist die Gesandtschaft, die man hätte rasch abordnen sollen, auf den nächsten Monat hinausgeschoben worden. Die Frankfurter Messe wird, denke ich, wieder viele Schriftchen der Sachsen bringen, worüber wir besser mündlich reden, wenn es dir und Viret wieder einmal passt, uns zu besuchen. Lebwohl, bester, trefflichster Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er leite und stärke dich.

Genf, 17. März 1556.

Meine Kollegen und viele Freunde, auch die Syndics, lassen dich grüßen. Bitte grüße auch die Brüder in Neuchatel vielmals.
Dein
Johannes Calvin.

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