Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (498).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (498).

Nr. 498 (C. R. – 2471)

Die Waldenser hatten im Sinn, sich gegen eine drohende Verfolgung mit den Waffen zu wehren; ein Gesandter von ihnen bereiste deshalb die reformierte Schweiz. Weggelassen einige unwichtige oder im nächsten Brief wiederholte Notizen.

Besorgnis wegen eines verlorenen Briefes.

Da ich gestern keine Zeit hatte zu schreiben, trug ich dem Boten, der meinen Brief holen wollte, auf, dir zu melden, dass das Schreiben, das du dem Waldenser-Bruder mitgabst, unterwegs verloren gegangen ist. Es tat mir, wie es sich ziemte, leid, nicht nur weil es mir lieb gewesen wäre, etwas von dir zu erhalten, sondern auch, weil ich fürchtete, der Brief könne in unrechte Hände kommen, und daraus könne dann wieder eine böse Geschichte entstehen. So rief ich gleich: „Wenn er nur wenigstens wirklich vernichtet ist!“ Der Waldenser meinte, bei solchem Sturm sei es wohl nicht anders möglich. Dieses Volk hat eine Seelenruhe, die an Dummheit grenzt! Übrigens wenn es dir nicht zuviel Mühe macht, könntest du ihn mir genau so nochmals schreiben, so gut du ihn noch im Gedächtnis hast; sonst melde mir, bitte, wenigstens den Hauptinhalt. – –

Lebwohl, bester, trefflichster Bruder. Grüße die Freunde und Kollegen. Der Herr wolle auch weiterhin Euch alle behüten und leiten und Euch jeglichen Segen schenken. Meine Kollegen lassen dich vielmals grüßen, ebenso die Budes, de Normandie, de Trie. Den Herrn Marchese, der als erster zu nennen wäre, habe ich noch vergessen; dafür soll mein Bruder nun auch noch seinen Platz haben. Nochmals lebwohl.

Genf, 4. Juni 1556.
Dein
Johannes Calvin.

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