Calvin, Jean – An Vermigli in Zürich (702)

Calvin, Jean – An Vermigli in Zürich (702)

Nr. 702 (C. R. – 3743)

Weggelassen ein paar Sätze über eine Berner Synode. Vgl. 700. Julian Apostata bedeutet den König von Navarra.

Politische Vermutungen.

Endlich habe ich deinen Brief erhalten, hochberühmter und verehrter Bruder; wenn ich ihn nur kurz beantworte, so wirst du das verstehen, auch wenn ich keinen Grund dafür anführe. – – –

Unser Beza wird von harten Anfechtungen heimgesucht. Neulich fehlte nicht viel, so wäre er durch die verbrecherische Treulosigkeit Julians mit vielen andern aufs Schaffot geschleppt worden; doch hat Gott so frevelhafte Pläne wunderbar zunichte gemacht. Obwohl dieser Apostat nun sogar die Guisen an den Hof gerufen hat, um das Äußerste zu wagen, so hofft Beza doch, ihre Unternehmungen würden nicht nur umsonst sein, sondern die Kirche werde so wachsen, dass sie nachher nichts mehr wagen würden. Die ersten Zusammenstöße sind allerdings sehr zu fürchten, wenn Gott nicht zur rechten Zeit eingreift, worum wir ihn stets bitten müssen. Obwohl nun schwere Drohungen und Schrecken umherschwirren, ahnt mir doch etwas Gutes. Da der Papst dem König Philipp nicht genug tut und der Herzog von Florenz sich vor beiden fürchtet, so haben doch jedenfalls die Unsern dem König und seinem Rat bereits eine Einspruchsformel gegen das Konzil zu Trient vorgelegt. Die Königin-Mutter wünscht, auch wir möchten Einspruch erheben, worauf ich ja Herrn Bullinger aufmerksam gemacht habe. Seht zu, was Euch gut dünkt; es wäre Unsinn, wollten wir von uns allein aus etwas unternehmen, aber Eurer Meinung schlössen wir uns gerne an. Lebwohl, erlauchter Mann und herzlich verehrter Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er erhalte dich lange gesund und segne dein Wirken.

Genf, 16. März 1562.

Der Herr Marchese und die übrigen Freunde lassen dich grüßen. Von mir auch an deine Frau und dein ganzes Haus viele Grüße.

Dein

Johannes Calvin.

Kommentare sind geschlossen.