Calvin, Jean – An Toussaint Gibout in Toulouse.

Calvin, Jean – An Toussaint Gibout in Toulouse.

Nr. 701 (C. R. – 3742)

Toussaint Gibout, Doktor der Sorbonne und Domherr an St. Etienne in Toulouse, hatte im Jahre 1559 evangelisch zu predigen begonnen, dies aber wieder aufgegeben; doch schloss er sich nachher ganz der Reformation an und floh nach Dieppe.

Scharfe Aufforderung zum offenen Übertritt.

Als ich früher hörte, trefflicher Mann, du kämpfest bei Euch energisch für Verteidigung der Heilslehre und werdest deshalb von den Feinden des Glaubens verfolgt, da war ich um dein Wohl in Sorge und freute mich doch zugleich in Gott über deine Festigkeit. Aber ebenso sehr wundert es mich nun, dass jetzt, wo den Kindern Gottes doch größere Freiheit aufleuchtet, du noch im alten Schmutze bleibst, aus dem du doch längst hättest herauskommen sollen. Denn als von der erfreulichern Lage der Dinge in Eurer Stadt die Rede war, erkundigte ich mich gleich, wie du dich benähmest. Als man mir nun erzählte, du bleibest noch im gleichen Stand, da, – ich wills dir frei heraus gestehen, – schämte ich mich nicht wenig über diese ganz unaufrichtige Unentschlossenheit. Wenn auch ohne Zweifel der Satan und die Welt dir viel in den Weg legen, was dich hemmt und aufhält, so müsstest du doch alle diese Hindernisse durchbrechen. Denn da vieler Augen auf dich gerichtet sind, so hat, was du zur Entschuldigung vorbringst, nicht viel Bedeutung, wenn du nicht durch dein Beispiel allen vorleuchtest. Dazu hat dich Gott zu solchem Rang erhoben und dich so durch ein festeres Band zur Aufmunterung der andern verpflichtet. Auch kann man es dir nicht verzeihen, wenn dir die Kämpfe, in denen dich Gott früher schon geübt hat, nicht Mut gemacht haben. Nun ruft Gott all die Seinen sozusagen mit erhobenem Banner zum Kampf. Wenn anderer Leute Unschlüssigkeit vielleicht noch Schonung findet, – du darfst am allerwenigsten säumen. Denn was wäre widersinniger und schmählicher, als dass unter eines Knaben Führung Christo eine Gemeinde gesammelt wird, ganze Scharen wie um die Wette zusammenströmen, eine ganze Menschenmasse sich der Gottlosigkeit energisch widersetzt, Leute jeden Standes einmütig sich zum reinen Gottesdienst bekennen, – und ein Veteran der Theologie, der bereits ein leuchtendes Zeugnis seiner guten Gesinnung abgelegt hat, auf den man so hohe Erwartungen gesetzt hat, bliebe nicht nur ruhig, sondern sogar noch mitten unter den offenen und erklärten Feinden Christi? Du wirst sagen, du schweigest ja nicht ganz und bleibest nicht neutral, sondern gäbest manches Zeichen aufrichtigen Glaubenseifers. Aber es fehlt noch sehr viel daran, dass dieses unklare, zweideutige Zeichengeben ausreichte, die Herzen der Frommen zufrieden zu stellen, die mit Recht etwas Größeres von dir verlangen. Wenn du also nicht offen ans Licht trittst und Christo die Ehre gibst, ja als Vorkämpfer und Bannerherr in der Reihe gehst, so kannst du dem Vorwurf allzu schwächlicher Untätigkeit weder vor Gott, noch vor der Kirche je ausweichen; denn die Verhältnisse sind nun soweit gediehen, dass für Ausflüchte kein Raum mehr ist. Verzeih meine Heftigkeit, die mir nur meine wahre Liebe zu dir eingibt. Denn ich schätze die Begabung, die Gott dir verliehen, so hoch, dass ich nicht anders kann, als dir gut sein. Lebwohl, hochberühmter, von Herzen verehrter Mann. Der Herr leite dich mit seinem Geiste, wappne dich mit seiner Kraft und behüte dich mit seinem Schutze.

Genf, 14. März 1562.

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