Calvin, Jean – An Antoine de Bourbon, König von Navarra, in Paris.

Calvin, Jean – An Antoine de Bourbon, König von Navarra, in Paris.

Nr. 675 (C. R. – 3502)

Vgl. 673. Ein Edikt vom Juli 1561 verbot nach mehreren früheren Toleranzedikten alle evangelischen religiösen Versammlungen von neuem, bis zur Entscheidung durchs Konzil. Über Baudouin vgl. 497.

Warnung vor den deutschen Lutheranern.

Sire, die kläglichen Nachrichten von der Lage Frankreichs zwingen uns, Ihnen zu schreiben, Sie möchten die Augen auftun, damit Sie sehen, was Ihnen längst bekannt sein sollte. Denn die Allerblindesten können es ja mit Händen greifen, welche Ränke und Intrigen gesponnen worden sind, zu zerstören, was so wohl begonnen war, von einem Tag auf den andern die schönen Beschlüsse umzustürzen und die Verhältnisse wieder so zu gestalten, dass Jesus Christus und sein Evangelium bald ausgerottet wären. Doch wird er seiner nicht spotten lassen und die Schlauen im Netze fangen; indessen aber ist es Ihre Pflicht, Sire, nicht zu erlauben und zu dulden, dass Gottes Wahrheit so offenkundig verraten wird. Sie haben vielleicht gedacht, durch Nachgeben zu gewinnen; aber die Übelstände wuchern fort und greifen nur zu sehr um sich, und wenn Sie sich nicht in acht nehmen, so können in kürzester Zeit größere Unruhen entstehen, als Sie denken, und dann wird man nicht mehr helfen können; denn dann wird Gott handeln zur Strafe der Nachlässigkeit derer, die ihre Pflicht nicht taten nach ihrem Rang und Stand, auf den er sie gestellt hatte. Reden wir auch ein wenig scharf, so glauben Sie uns, Sire; jetzt ist es Zeit dazu oder nie.

Wir haben auch von anderer Seite gehört, dass der Herzog von Württemberg, aufgestiftet von solchen, die wir nicht zu nennen brauchen, Sie aufgefordert hat, für die Annahme des Augsburgischen Bekenntnisses in Frankreich zu sorgen. Setzen Sie den Fall, Sire, man gewährte diesem Manne einen solchen Schauplatz, um seine Rolle darauf zu spielen, [welche Folgen das hätte!] Aber bedenken Sie auch, – im Namen Gottes bitte ich Sie darum, – wie ist das Glaubensbekenntnis, das die französischen Kirchen anzunehmen und zu halten beschworen haben, gültig gemacht worden? Und selbst wenn es diese Besiegelung durch Märtyrerblut nicht hätte, – es ist aus dem reinen Gotteswort ausgezogen und ist dem König und seinem Kronrat vorgelegt worden, und so könnten Sie es gar nicht aufheben oder nur verändern, ohne dass Gott sich Ihnen entgegenstellt und Ihnen in der Tat zeigt, dass er Glauben und Gehorsam will. Was das Augsburgische Bekenntnis angeht, wie kann der Herzog von Württemberg wagen, Sie um seine Annahme zu bitten, da er und seinesgleichen den Verfasser des Bekenntnisses, Melanchthon, verurteilen? Doch lassen wir den Herzog aus dem Spiel, da man ihn ja doch nur eine Rolle spielen und von Dingen reden lässt, von denen er nichts versteht. Tatsache ist, dass die, die sich zu dieser Partei zählen, untereinander stehen wie Hund und Katze. Wir müssten uns sehr irren, wenn der, der Ihnen den Brief brachte, nicht der Neffe eines gewissen Vergerio wäre, eines Ausländers aus Italien und eines Betrügers, wie es keinen frecheren gibt. Auch ist noch ein andrer Kerl dabei, der sich Baudouin nennt, der schon drei- oder viermal von Jesu Christo abgefallen ist und sich vielleicht doch bei Ihnen so eingeschmeichelt hat, dass Sie sich von ihm betrügen lassen könnten, wenn man Sie nicht vor ihm warnt. Wir bitten also Ew. Majestät, auf der Hut zu sein unter so vielen Schlingen, und ersuchen Sie auch von neuem im Namen Gottes, Sire, sich weder an dem noch an jenem Punkt wankend machen zu lassen, damit Gottes Wort in seinem ganzen Umfang gewahrt werde, was nur geschieht, wenn man ihm seine Einfachheit lässt. Denken Sie auch an das Sprichwort „um sie in den Ofen zu schieben, macht man die Brötchen spitzig“ und verwerfen Sie die, die Sie zu allerlei Verkleidungen verführen wollen. Denn wiewohl man Ihnen auf den ersten Blick das oder jenes glaubhaft machen könnte, so erklären wir Ihnen in Kraft dessen, der uns Macht gibt zu reden: es wird schlimm ausgehen, und wir warnen Sie zur rechten Zeit, Sire, aus Furcht, Sie könnten es sonst erfahren.

Sire, dem – – – – – –

[August 1561.]

 

Kommentare sind geschlossen.