Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (674)

Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (674)

Nr. 674 (C. R. – 3495)

Calvins Freund, Guillaume de Trie, Sieur de Varennes war am 27. August 1561 gestorben. Francois de Morel, genannt de Collonges, war in St. Germain bei der Herzogin von Ferrara; Aireboudouze, Sieur d´ Anduze, war Pfarrer in Jussy, Nicolas Colladon Pfarrer in Vandoeuvres; Jacques de Spifame, Sieur de Passy, früher Bischof von Nevers, lebte als Refugiant in Genf. Der Gefangene Hugues in Reims ist nicht näher bekannt, ebenso der Schwiegersohn de Passys; beide waren bereits befreit, als Beza diesen Brief erhielt.

Varennes Tod. Allerlei Aufträge.

Ich muss diesen Brief vom Bette aus diktieren in großer Trauer, denn mein lieber Varennes ist mir genommen worden, der mich bisher noch aufrecht hielt, dass ich ohne allzu großen Gram lebte. Der einzige und nicht geringe Trost zur Linderung meines Schmerzes ist, dass sein Sterben das allersanfteste war; er empfing den Tod mit offenen Armen so heiter, als ob es die größte Wonne wäre. Seine Krankheit war von Anfang an lebensgefährlich; aber wir gaben die Hoffnung erst vorgestern Abend auf. Er bestellte noch sein Haus, und zwar so rasch, dass er in einer halben Stunde fertig war und doch nichts vergessen hatte. Von da an wars, als ob er der Welt den Abschied gegeben und auf das irdische Leben Verzicht geleistet hätte; er dachte und sprach nur noch von der ewigen Seligkeit. Er redete, als wäre er ganz gesund; er lebte noch bis gestern zu Beginn der Nacht. Nur eine Stunde lang war er der Sprache beraubt, doch bezeugte er durch Gebärden seine klare Besinnung bis zum letzten Atemzug. Er hauchte so ruhig aus, dass niemand den Übergang vom Leben zum Tode bemerkte. Er ist nun selig, ich elend.

Bei deiner Abreise neulich sind mir zwei Dinge eingefallen, über die ich noch mit dir hatte reden wollen. Du weißt, dass man in Bezug auf de Collonges sich anders besonnen hat, nämlich keinen Nachfolger für ihn zu wählen, da seine Stellung bei der Herzogin wohl doch nicht von langer Dauer sein werde. Wir sind nun aber bei unsrer geringen Zahl der Arbeit nicht mehr gewachsen. Zwei Tage nach deiner Abreise packte d´ Anduze das Podogra, Colladon ein Fieber. So ists nötig, dass de Collonges und Merlin unter sich ausmachen, welcher von ihnen mit geringerem Schaden und Verlust sobald als möglich zu uns zurückkommen kann. Die Notlage, in der wir sind, wird das genügend entschuldigen. Zweitens wollte ich dir auftragen: wenn Hugues noch zu Reims gefangen gehalten wird, so sorge, dass er befreit wird, sonst verfault er im Kerker, so ungerecht und unredlich sind seine Richter. Ähnlich ist die Lage eines andern, den ich bereits befreit glaubte. Es ist dies der Schwiegersohn des Herrn de Passy; er schrieb, es scheine ihm nicht erlaubt, die ihm vorgelegten Bedingungen mit ihrem Versprechen für die Zukunft anzunehmen; in die Verbannung zu gehen, weigert er sich nicht. Sein Schwiegervater lässt dir ihn warm empfehlen, und ich tue es auf seine Bitte auch. Damit er merkt, dass seine Bitte ernst genommen worden ist, so leiste ihm nicht nur diesen Dienst, sondern gib auch in deinem nächsten Brief einen Bericht von deinen Bemühungen. Lebwohl, bester Bruder. Der Herr sei mit dir; er leite und behüte dich. Amen.

27. August 1561.

Grüße die Brüder und Freunde.

Dein

Carolus Passelius.

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