Calvin, Jean – An Vermigli in Zürich (671)

Calvin, Jean – An Vermigli in Zürich (671)

Nr. 671 (C. R. – 3483)

Auf Betreiben des Königs von Navarra ließen die Königin-Mutter und der König von Frankreich erst auf den Juli, dann auf August und schließlich auf September 1561 ein Religionsgespräch zu Poissy anordnen, zu dem von Genf Beza, von Zürich Vermigli abgeordnet wurden. Beza war selbst in Zürich gewesen, um für Vermigli die Erlaubnis zu erwirken.

Über Vermiglis Sendung ans Religionsgespräch nach Poissy.

Der Mann, der neulich unsern Beza hierher begleitet hat, reist nun wieder zu dir zurück. Er nimmt einen Brief des Königs von Navarra an Euren Rat mit, in dem er dringend bittet und wünscht, man möge dich eilends abordnen; er verspricht in seinem Namen, dies werde dem König und seiner Mutter als angenehme Gefälligkeit gelten. Beza ist jetzt, ehe er eine Urlaubsurkunde erhielt, abgereist. Von dem Dorf, in dem ich weilte, hat ihn mein Bruder zur nächsten Kurier-Station begleitet, damit er heimlich mit Eilpost reisen konnte. Du persönlich bis wohl ohne Zweifel bereits entschlossen, in solch wichtiger Stunde nicht zu säumen. Doch musst du dich auch bemühen, dass dich niemand sonst aufhält. Ich sehe wohl, wie viel an der Sache noch zu wünschen übrig bleibt, und habe dir bereits geschrieben, wie sehr mir ihre wenig weitherzige Behandlung missfällt, aber das scheint mir kein stichhaltiger Grund, überhaupt abzulehnen; denn wenns Gott noch nicht gefällt, uns die Tür aufzutun, so ist es doch besser, durch Fenster und enge Mauerritzen einzudringen, als die Gelegenheit zu einer guten Förderung unserer Sache unbenützt zu lassen. Ich hörte auch, die Königin-Mutter sei so begierig, dich zu hören, dass du ihren Wunsch gar nicht länger unerfüllt lassen darfst, wenn nicht viele sich über dich beklagen sollen. Wenn ich auch überzeugt bin, dass du den guten Willen hast und keines weiteren Treibens bedarfst, so möchte ich doch unsere lieben Brüder daran erinnern, dass, wenn man anfänglich im Rate schwankend sein wird, der Vorwurf sie treffen wird, sie seien nicht energisch genug gewesen, den Rat anzutreiben. Hast du im Sinn, die Reise zu unternehmen, so ist der Weg durch Burgund für dich ja kürzer, aber es wird das nicht so wichtig sein, dass du nicht auch uns in Genf auf der Durchreise besuchen könntest. Lebwohl, hochberühmter Mann und verehrter Bruder. Herrn Bullinger und alle Kollegen, meine verehrten Brüder, grüße angelegentlich von mir. Der Herr leite dich auch fernerhin und mache dich reich an seinen Gaben. Auch deiner Frau und deinem ganzen Haus viele Grüße, bitte.

Genf, 17. August 1561.

Dein

Johannes Calvin.

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