Calvin, Jean – An das Konsistorium von Sauve

Calvin, Jean – An das Konsistorium von Sauve

Nr. 670 (C. R. – 3461)

 

Zu Sauve in den Cevennen war es unter Führung des Pfarrers Paris Tartas zu einem Bildersturm gekommen.

Wider die Bilderstürmer.

Sehr liebe Herren und Brüder, wenn jedermann die Regel, die uns der heilige Geist durch den Mund St. Pauli gegeben hat, befolgte, nämlich vorsichtig und in aller Bescheidenheit zu wandeln [Eph. 5, 10], damit nicht den andern die Gelegenheit geboten werde, die sie suchen, so wäret Ihr jetzt nicht in solcher Angst, dass Ihr fürchten müsstet, jeden Tag die Zerstreuung der Kirchen Eurer Gegend zu sehen, und auch wir hätten die Mühe nicht, Euch zu raten und zu mahnen, das schon geschehene Ärgernis wieder gutzumachen und zu verhüten, dass solche Dinge sich in Zukunft wiederholen. Wir meinen die tolle Tat, die zu Sauve geschehen ist, Bilder zu verbrennen und ein Kreuz umzuhauen. Wir sind sehr erstaunt, solch eine Verwegenheit bei dem zu finden, der die andern hätte mäßigen und zügeln sollen. Denn wie wir hören, hat er nicht nur zugestimmt, (das wäre schon schlimme genug), sondern er hat das Volk noch aufgereizt als der Frechste von allen. Aber wenn er sich nur vergessen hätte, ergriffen von irgendeinem unüberlegten Eifer, so sollte er doch jetzt wenigstens seinen Fehler einsehen und bereuen, besonders da man ihn gewarnt und gemahnt hat. Aber daran festzuhalten, er habe das mit gutem Gewissen getan, ist unerträgliche Verstocktheit. Wenn er uns das glauben machen will, so soll er uns beweisen, dass es aus der Schrift zu begründen ist. Aber wir wissen gerade das Gegenteil. Denn nie hat Gott jemand befohlen, Bilder umzuhauen, außer jedem in seinem Haus, und im Gemeinwesen denen, die die obrigkeitliche Gewalt haben. Denn nicht ohne Ursache ist dem Volk Israel ausdrücklich gesagt: Wenn du in das Land kommen wirst, das dir dein Gott gibt, und du wirst es besitzen, dann usw. [5. Mose 12]. So soll uns dieser Feuerbrand einmal zeigen, grund welchen Rechts er Herr ist in diesem Land, wo er sein Verbrennungsurteil ausführen ließ. Nun, wenn ihn Gott nicht ermächtigt, das zu tun, so ist das gute Gewissen, wie er es nennt, nichts anderes als die so genannte gute Absicht der Papisten. Wenn wir so reden, so sind wir damit doch keine Verteidiger der Bilder. Wollte Gott, es würden alle ausgerottet in der Welt, und wenns uns das Leben kosten sollte! Aber da Gehorsam besser ist als alle Opfer [1. Sam. 15, 22], so haben wir darauf zu achten, was erlaubt ist, und uns in gebührenden Schranken zu halten. Denn das heißt ja, uns wie ein durchgehendes Ross benehmen, wenn wir mehr angreifen, als unser Beruf fordert. Wir glauben, dass doch Daniel und seine Genossen und Ezechiel und viele andere ebenso große Eiferer waren wie dieser arme Mensch, der sich rühmt in seinem Übermut. So lang sie in Babylon waren, haben sie sich damit begnügt, den Götzendienst zu verachten, ohne dabei eine Macht zu beanspruchen, die ihnen nicht zukam. Es wäre hohe Zeit, dass der arme Mensch, der sich so vergessen hat, die Augen niederschlüge; aber das ist doch wunderbar, dass er so dumm ist, nicht einmal an die Bresche zu denken, die er den Feinden geöffnet hat, alles zu Grunde zu richten. Das ist aber der Gipfel seines Übermuts und seiner Frechheit, dass er sich auf seine Tat versteift und nicht auf guten Rat hören will. Doch da es nun so ist, geliebte Brüder, so bitten wir Euch aus Mitleid mit den armen Kirchen, damit Ihr sie nicht wissentlich der Abschlachtung preisgebt, die Verantwortung für diese Tat abzulehnen, indem Ihr dem Volk, das verführt worden ist, öffentlich erklärt, dass Ihr Euch trennt von dem Haupturheber; und dass Ihr ihn um seines Aufruhres willen aus Eurer Gemeinschaft ausschließt. Hätte er sich unterworfen und sich zur Vernunft bringen lassen, so hätte man ihn milder behandeln können. Jetzt aber, da er widerspenstig ist, darf man ihn nicht schonen, ohne alle Ordnung zu verletzen und zu zerstören. Vielleicht bändigt ihn ja Gott noch, worum wir ihn demütig bitten, wie auch, Euch zu behüten, zu stärken und zu leiten durch seinen Geist, indem wir uns von Herzen Euch und Eurer Fürbitte empfehlen.

[Juli 1561].

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