Calvin, Jean – An Peter Sirk in Trier.

Calvin, Jean – An Peter Sirk in Trier.

Nr. 577 (C. R. – 2947)

In der Bischofsstadt Trier wirkte Calvins Schüler, Kaspar Olevianius, als evangelischer Prediger und sammelte, unterstützt von den Schöffen Peter Sirk und Otto Seel, eine kleine evangelische Gemeinde.

Von den Schwierigkeiten im Kampf fürs Evangelium.

Wenn ich, erlauchter Mann, ohne durch irgendeine persönliche Beziehung mit dir verbunden zu sein, dir vertraulich schreibe, so verlangst du wohl gar keine Entschuldigung und gibt mir unser lieber Kaspar, der mich zu diesem Schreiben ermutigte, auch den Stoff dazu. Ich habe von ihm gehört, dass du nicht nur persönlich zu denen gehörst, die Gott in Wahrheit anbeten, sondern dass du dir auch ernstlich und treulich Mühe gibst, sein Reich auszubreiten. Aber aus dem stürmischen und ungeordneten Zustand Eurer Stadt, den er mir beschrieben hat, schließe ich ohne Mühe, dass du noch schwere Kämpfe zu bestehen hast und gegen mancherlei Versuchungen dich wehren musst, die gewöhnlich dem Fortschritt des Evangeliums nicht weniger im Wege stehen als offene Kämpfe. So musst du dir ebenso sehr Mühe geben, dich vor Ränken in acht zu nehmen, als dich zu tapferm Kampfe zu rüsten, wie denn Paulus nicht ohne Grund den Gläubigen sagt, sie müssten gewappnet sein zur Rechten und zur Linken wider alle Anläufe des Feindes [2. Kor. 6, 7; Eph. 6, 11]. Du kannst Christo nicht die Ehre geben, ohne mancher Leute Gunst zu verlieren, die zu Freunden zu haben angenehm und nützlich wäre; du wirst auf manche Annehmlichkeit verzichten müssen; vielleicht vermindert sich auch deine Gunst beim Volke; deine Gegner drohen dir und suchen dich zu erschrecken. Denn die ganze papistische Klerisei, die ja bei Euch besondern mächtig und reich ist, ja eigentlich die ständige Herrschaft in Händen hat, wird sich aufs heftigste zur Störung aller Eurer Bemühungen zusammentun und wird viele Anhänger mit sich ziehen. Du wirst mit den einen streiten, die Vorwürfe anderer zurückweisen, den Ränken der dritten entgegentreten müssen. Manchen Ärger wirst du schlucken, manche Unbilligkeit ertragen, ungeheure Beschwerlichkeiten auf dich nehmen müssen. Vielleicht geht die wahnwitzige Wut der Leute auch noch weiter, die lieber unbedenklich Himmel und Erde durcheinander bringen, als der reinen Lehre Zutritt geben. Wenn du aber daran denkst, dass du unter Christo Kommando kämpfst, so wird dir dieser Trost nicht allein alles Herbe leicht machen können, sondern er wird dir auch unüberwindliche Kraft geben, dass du stark wirst, alle Angriffe abzuschlagen. Die Lage der Frommen wäre schlimm, wenn nicht die große Sache den Sieg davontragen müsste und unser Kriegsherr Christus uns nicht nur durch seinen Anblick zum Kampf ermunterte, sondern uns den Sieg sozusagen in die Hand legte. Du weißt wohl, auf welchen Posten er dich gestellt hat und dass du einen Rang einnimmst, der dich verpflichtet, die andern zu ermuntern; auch bist du, getrieben vom heiligen Geiste, bereits so weit gegangen, dass ein Zurückweichen für dich Sünde und Schande wäre. So mag dir nicht nur deine Berufung, die dich schon fest genug verpflichtet, sondern auch das bisher Begonnene, in dem Gottes Führung sich deutlich zeigte, neuen Mut machen. Ich hatte im Sinn, dir weit ausführlicher zu schreiben, aber zuerst hinderte mich eine Krankheit daran, dann der Drang der Geschäfte, der mich auch jetzt nötigt, den kaum angefangenen Brief abzubrechen. Also lebwohl, edelster, von Herzen verehrter Mann. Der Herr sei mit dir; er leite dich mit dem Geist der Klugheit und der Einfalt; er behüte dich und segne dein frommes Beginnen.

Genf, 29. August 1558.

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