Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (547).

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (547).

Nr. 547 (C. R. – 2755)

Farel und Beza richteten in Worms an die evangelischen Fürsten und Theologen die Bitte, eine Gesandtschaft nach Paris zu senden, um für die gefangenen Evangelischen Fürbitte einzulegen.

Farel und Beza in Deutschland. Keine Übereinstimmung wegen des Religionsgesprächs.

Aus unseres lieben Beza Brief wirst du sehen, wie geneigt sich die Fürsten zeigten, eine Fürbitte-Gesandtschaft nach Paris zu senden, und wie freigebig sie auch sonst ihre Hilfe anboten. Mehr Schwierigkeiten machten unsere Standesgenossen. Die nächtlichen Versammlungen der Pariser Evangelischen missfielen ihnen; als ob es den so hart bedrängten Brüdern freistünde, die passendsten Stunden für ihre Zusammenkünfte auszuwählen! Auch wurde ein Bekenntnis gefordert, und du wirst sehen, dass darin unsere Brüder nun ganz offen ihre Ansicht bekannt haben; wenigstens haben sie nicht verschwiegen, dass sie der Lehre anhangen, von der Ihr sie etwas abgewichen wähntet, und so ist aufgehoben, was Ihr befürchtet hattet, nämlich, dass sie sich gegenüber Brenz, Marbach und ihresgleichen zu sehr verpflichtet hätten. Ja, die müssen nun merken, dass alle französischen Gemeinden nicht ihrer Meinung sind. Wenn sie auch ihren Irrtum bis jetzt noch hartnäckig festhalten, so sind sie doch milder gesinnt, so dass man hoffen darf, sie herumzubringen, wenns einmal zu einem freundschaftlichen Gespräch kommt. Freilich, diese Zuversicht bringt mich nicht dazu, in einem solchen Gespräch, wenn sie uns dazu einladen, ein Universalmittel zu sehen; aber ich halte doch die Gründe zu seinen Gunsten fest, die ich dir schon früher auseinandergesetzt habe. Wenn du mir antwortest, ohne Zustimmung Eurer Obrigkeit dürftet Ihr nichts unternehmen, so wirst du mich doch nie für so unverschämt und allen Anstandes bar halten, dass ich die Behörden verachtete, mit denen wir durch ein heiliges, unlösliches Band von Gott verbunden sind, um in gemeinsamer Arbeit dasselbe Ziel zu erreichen. Aber ich glaube doch, so sklavisch sind wir nicht an sie gebunden, dass wir nicht vertraulich besprechen dürften, was dem Gemeinwohl der Kirche am besten dient. Was ich bereits geschrieben habe, wiederhole ich: weichem wir einem uns angetragenen Gespräche aus, so haben wir gar keinen triftigen Grund dafür, und es ist meines Erachtens nichts als ein schmähliches, ehrloses Auskneifen. Scheint es dir vielleicht anders, so tut es mir leid, dass in einer Sache, die uns alle angeht, unsere Anschauungen so sehr auseinander gehen. Aber hoffentlich wird weder Euer hochweiser Rat eine Zusammenkunft, wenn uns eine angeboten wird, abweisen, noch werdet Ihr es hindern, dass die Leute, die Ruhe in der Kirche haben möchten, sich willig zeigen, dem unheilvollen Hader ein Ende zu machen und nach einem festen Friedensschluss zu streben. Lebwohl, hochberühmter Mann und sehr verehrter Bruder. Allen Kollegen viele Grüße. Der Herr unterstütze Euch alle mit seiner Kraft; er halte Euch in seiner Hut und leite Euch mit seinem Geiste.

Genf, 15. November 1557.
Dein
Johannes Calvin.

Ich denke, das Burgrecht ist in Bern bereits zustande gekommen.

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