Calvin, Jean – An Beza in Lausanne (548).

Calvin, Jean – An Beza in Lausanne (548).

Nr. 548 (C. R. – 2771)

Der erwähnte Brief an Viret ist nicht erhalten. Beza hatte gemeldet, dass Pfarrer Zebedee seine Reise für die Waldenser durch Verleumdung der Verfolgten hatte hintertreiben wollen, aber keinen Erfolg gehabt hatte. Die Fürbitte-Gesandtschaft der Schweizer Evangelischen erhielt in Paris vom König die Antwort, sie habe sich nicht in fremde Sachen zu mischen und reiste wieder ab, nachdem sie noch eine Bittschrift abgegeben, aber die Antwort nicht abgewartet hatte. Mehr Erfolg hatte dann die durch Ottheinrich von der Pfalz vermittelte Intervention der deutschen evangelischen Fürsten, wovon aber Calvin noch nichts wusste. Beza wünschte, dass die französischen Evangelischen den evangelischen Orten trotz des Misserfolgs offiziell danken sollten für ihre Bemühungen mit einer Rechtfertigung gegenüber den Verleumdern. Über Francois de Morel, genannt Collonges, vgl. 416. 499. Weggelassen ist eine unverständliche Notiz über Virets Prozess in Bern.

Die Schweizer Gesandtschaft in Paris.

Gestern früh diktierte ich beiliegenden Brief an Viret, da mir jemand versprochen hatte, gleich nach dem Mittagessen abzureisen. Doch änderte er seinen Plan und ich gab den Auftrag, man solle den Brief einem andern Boten mitgeben. Heute finde ich ihn zu meiner Verwunderung noch auf meinem Tische liegen. Ich erwähne das nur, weil es sonst unbegreiflich wäre, dass ein in solcher Eile geschriebener Brief erst so spät kommt. Aus dem gleichen Grund antwortete ich dir nicht besonders; jetzt, da ich etwas mehr Muße habe, will ichs tun.

Wenn du mir erzählst, dass die verleumderischen Angeber aus Eurer Nachbarschaft stammen, so ist das so klar, wie dass das Wasser aus der Quelle fließt. Doch billige ichs, dass du sie freimütig zur Rede stelltest, und es muss nun dieser Sybarit hinnehmen, was ihm Schmach bringt, wenn er nicht einen andern Schuldigen findet. Es ist eigentlich ungeheuer abscheulich, wie diese feigen Gesellen von Neid entbrannt sind, so dass sie hundertmal lieber die Kirche untergehen sähen, als dass sie darauf verzichteten, denen, die ihr helfen wollen, hindernd in den Weg zu treten. Indessen wird dir Gott deine Mühe umso sicherer lohnen, je mehr du die Feinde vom Teufel aufgehetzt siehst. Nimms also nicht so schwer, wenn solche Bestien ihr Gift auf dich speien, wenn doch die Engel im Himmel dir Beifall spenden. Da den armen Brüdern die Gesandtschaft keine Hilfe brachte, so weiß ich nicht, ob es gut wäre, ihnen einen neuen Schmerz zuzufügen. Auch glaubst du kaum, wie ratlos sie sind; sie würden sich vermutlich nur lächerlich machen, wenn sie in andrer Weise danken wollten als nach der einfachsten Vorschrift. Dazu kommt, dass, wenn man einen Brief von ihnen allen verlangte, ein Vierteljahr verginge, ehe sie unter sich einig geworden wären, bei den großen Entfernungen ihrer Wohnsitze. Doch will ich Etienne auffordern, in ihrer aller Namen diese Pflicht zu erfüllen. Da der König auf Weihnachten die Stände zu einer Versammlung aufgeboten hat, so wird der König von Navarra zu ermutigen sein zum Schutz des Evangeliums; die Aufgabe ist mir zwar sehr unangenehm, doch will ichs versuchen, besonders da unser lieber de Collonges etwas Kindisches vorhat. Er hat mich zwar noch keiner Mitteilung darüber gewürdigt; aber Bude hat er gesagt, er habe eine Schrift unter der Hand, die er drucken und an den französischen Adel versenden lassen wolle. Als ob dann einer seine Stimme abgäbe nach einem gedruckten Schriftchen! ja als ob nicht einer dem andern schon verdächtig genug wäre und wir ihnen noch unsern Rat ins Ohr flüstern müssten, um die Sache zu fördern! Wie schmählich die schweizerischen Gesandten in ihrer Schwachheit und Trägheit uns enttäuscht und die Brüder im Stich gelassen haben, wirst du aus ihrem Verhalten am besten sehen; das übrige kann dir Christophe berichten. – – –

Lebwohl, bester trefflichster Bruder. Der Herr sei stets mit dir und leite dich auch fernerhin. Der Bote, der dies mitnehmen soll, reist nicht vor morgen ab; geschrieben ist der Brief also nach dem Essen vor der Nachmittagspredigt.

5. Dezember 1557.
Dein
Johannes Calvin.

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