Calvin, Jean – An Jan Utenhoven in Krakau.

Calvin, Jean – An Jan Utenhoven in Krakau.

Nr. 546 (C. R. – 2744)

Jan Utenhoven (vgl. 303) aus Gent war ein Freund von Laskis; er hatte ihn nach Polen begleitet und in seinem Namen Calvin über die dortigen Zustände geschrieben. Dem Lismanino war zuerst wegen seines Übertritts zur Reformation und seiner Heirat die Rückkehr nach Polen und an den königlichen Hof nicht erlaubt worden (vgl. 520). Der König von Polen führte in Livland Krieg; über den Herzog und Pfalzgrafen von Wilna vgl. 437, 478. Über Calvins Stellung zu von Laski vgl. 526. Die Genfer Pfarrer Raymond Chauvet und de St.-Andre waren Utenhovens Landsleute.

Über die Lage in Polen.

Da du die Mühe nicht scheutest, mir so ausführlich und sorgsam über die Lage der polnischen Kirche zu berichten, trefflicher Mann und verehrter Bruder, so danke ich dir für diesen fleißigen Liebesdienst von ganzem Herzen. Zu den hoffnungsreichen Anfängen ist ja jetzt noch das Gute gekommen, dass Lismanino durch ein königliches Schreiben die Erlaubnis erhalten hat, in Polen zu bleiben, und so seine Verbannung aufgehoben ist. Ich entnehme daraus, dass der König mehr Selbstvertrauen gewonnen hat und es nun wagt, mutiger als bisher die Frechheit unserer Feinde im Zaum zu halten. Denn es war doch tatsächlich eine betrübende und beschämende Schwäche von ihm, seine Macht so sehr den Bösen zur Verfügung zu stellen, dass sein persönlicher Freund um ihretwillen von Staatswegen aus seinem Reich verwiesen wurde. Nun hat er in unzweideutiger Weise gezeigt, dass zwar sein Sinn noch nicht so weit erweicht ist, dass ein ungerecht Verfolgter volle Schonung fände, aber dass er selbst doch nicht mehr sich binden und fesseln lassen will. Dass er schon vor diesem freimütigen Bekenntnis seiner Gesinnung Herrn von Laski freundlich bei sich empfing, freut mich. Würde er doch zu solchen Privataudienzen und vertraulichen Gesprächen öfters zugelassen! Doch wird, wenn der König jetzt noch gutem Rat und frommer Ermahnung schwer zugänglich ist, dies hoffentlich mit der Zeit besser werden. Wenn er sich nach Beendigung des Krieges ernstlich der kirchlichen Reformation widmen wird, so wird ohne Zweifel Herr von Laski die Stellung, die er durch seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit ebenso wie durch seine Erfahrung und seinen praktischen Sinn verdient, beim König und beim Adel bald erreichen. Ihn von mir aus zu empfehlen, wäre im jetzigen Augenblick nicht nur unnütz, sondern geradezu lächerlich; doch weiß ich nicht, ob der König meinen letzten Brief, den Lismanino mitnahm, bereits erhalten hat; bis ich also weiß, dass er mein Werk, das ich ihm widmete, nicht verschmäht, will ich nicht mehr schreiben. Dagegen werde ich gern meine Pflicht tun gegenüber seiner Durchlaucht, dem Pfalzgrafen von Wilna; auch will ich dasselbe leisten in einem Brief an alle Evangelischen Polens, denen ich zu schreiben vorhabe. Überhaupt solls nicht an mir liegen, wenn Herr von Laski nicht das Ansehen genießt in seinem Vaterland, das er verdient; dafür habe ich meines Erachtens schon letzten Winter einen deutlichen Beweis geliefert. Als nämlich der Mann, auf den du anspielst, bei mir viele Worte machte von einer Verschiedenheit in den Glaubensansichten, gab ich ihm zur Antwort, Herrn von Laskis Frömmigkeit sei mir so durch und durch bekannt, dass ich fest überzeugt sei, er werde treu und eifrig wirken zur Mehrung des Reiches Christi; ich lobte auch seine Gelehrsamkeit und seinen Eifer, bekannte freilich auch, möglicher Weise habe er gelegentlich durch übertriebene Strenge gefehlt, doch wolle ich über die Dinge, die ich nicht kenne, da ich ihnen zu ferne stehe, kein Urteil fällen.

Was nun die Widmung eines meiner Werke an den Herzog betrifft, so war mein Kommentar zu den Psalmen bereits erschienen, ehe dein Brief kam, und eine neue Gelegenheit wird sich nicht so bald wieder bieten. Denn wenn ich auch jetzt den Jesaja wieder durcharbeite, so soll dies Werk doch dem Andenken des guten Königs von England gewidmet bleiben. Lebwohl, trefflicher Mann und sehr verehrter Bruder. Meine Kollegen, vor allen Raymond, lassen dich grüßen; den guten St.-Andre nämlich hat der Herr zu sich genommen. Auch mein Bruder und sonst viele Freunde wünschen dir alles Gute. Der Herr sei stets mit dir; er leite dich mit seinem Geiste und gebe dir in allem seinen Segen.

Genf [24. Oktober 1557]

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