Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (474)

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (474)

Weggelassen einige Sätze über Lismanino, der auf der Reise nach Polen diesen Brief nach Zürich mitnahm.

Scharfe Antwort gegen Westphal.

– – – Die Antwort gegen Westphal ist im Druck und wird nächstens erscheinen; Lismanino kann dir den ersten Bogen zeigen. Da ich sah, dass Westphal nach nichts so sehr strebt, als unermessliche Scharen gegen uns ins Feld zu führen, so schien es mir richtig, dieser bösen Absicht gleich von vornherein in den Weg zu treten. Ich habe deshalb das Kunststück gemacht, nur ganz wenige anzugreifen. Du wirst beim Lesen leicht merken, wie sehr ich mir Mühe gab, die Feindschaft aller derer, die noch heilbar sind, abzulenken und ihre Entrüstung abzuschwächen. Doch nun merke ich, dass ich Westphal selbst etwas gröber behandelt habe, als es mir [während des Schreibens] vorkam; da aber einige Brüder meinten, übermäßig scheine ihnen die Schärfe nicht, so ließ ich mich nicht ungern davon überzeugen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, so hätte ich gewünscht, du läsest das Schriftchen vor dem Druck; ich hätte dann vielleicht auf deinen Wink hin noch einiges geändert. Doch eilte es so, dass ich es bloß diktierte; ein anderer überlas es, und dann gab ichs gleich in die Presse. Doch hoffe ich, es steht nichts drin, was dir sehr missfiele. Den Erfolg der Gesandtschaft, die nach Bern abging, erwarten wir gespannt. Obschon die Verhandlungen schon vor neun Tagen begonnen haben, ist noch kein sicherer Bericht über ihren Fortgang gekommen. Lebwohl, trefflicher Mann und herzlich verehrter Bruder. Grüße die Herren Pellikan, Gwalther und Theodor von mir, auch deine Schwiegersöhne und dein ganzes Haus. Der Herr behüte und leite Euch auch fernerhin. Meine Kollegen lassen Euch vielmals grüßen,

Genf, 25. Dezember 1555.
Dein
Johannes Calvin.

Als ich den Brief geschrieben, kamen unsere Gesandten von Bern zurück unverrichteter Dinge. So muss man eine neue Verhandlungsgrundlage suchen; ich werde mit aller Kraft dafür eintreten, dass man sich dabei mäßigt, und hoffe zu erreichen, dass unsere Obrigkeit sich auch unter die härteste Forderung Berns beugt. Da Bern aber fortfährt, für die [verbannten] Schurken sich ins Zeug zu legen, so fürchte ich, man treibt nur seinen Spott mit uns. Doch steht es mir fest, dass alles versucht werden muss.

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