Calvin, Jean – An Sulzer in Basel.

Calvin, Jean – An Sulzer in Basel.

Weggelassen ist eine ähnliche Bemerkung über die Antwort an Westphal, wie die im vorigen Brief; in Castellio sah Calvin wohl mit Unrecht den Verfasser der in Nr. 401 erwähnten anonymen Schmähschrift.

Beschwerde über Castellio.

– – – – Glaub mir, Castellio ist eine ebenso giftige, als unzähmbare und verstockte Bestie. Er heuchelt christliche Liebe, natürlich auch Bescheidenheit, und dabei lässt sich nichts Frecheres als er denken. Das Schriftchen voll furchtbarer Vorwürfe gegen mich haben er und andere zusammengestoppelt mit dem Plan, einen unerwarteten, neuen Angriff auf mich [in Genf] hervorzurufen. Sie haben sich aber sehr getäuscht. Der Rat hat gleich beschlossen, das Pamphlet sei mir zu lesen zu geben. Mir aber wars nicht nur leicht, die Wolken von Verleumdung zu zerstreuen, sondern sogar zu meinem Lob zu wenden, was mir gehässig vorgeworfen wurde. Es ist mir erträglicher, persönlich angegriffen zu werden, als zu sehen, wie die armen um Christi willen Vertriebenen, die hier leben, mit stets neuen Schikanen misshandelt werden. Freilich, der Herr hat uns auch darin bisher die Hand gereicht, dass wir uns nicht brechen ließen. Doch, wenn du mehr von unserer Lage wissen willst, so wird dir der Bote getreulich berichten; er ist der Sohn unseres Ratsschreibers, ein rechtschaffener und tüchtiger junger Mann. Lebwohl, hochgeachteter Mann und verehrter Bruder. Der Herr sei stets mit dir, leite und behüte dich. Meine Kollegen lassen dich ehrerbietig grüßen. Grüße die Deinen von uns allen vielmals.

Genf, 7. August 1554.
Dein
Johannes Calvin.

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