Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (407)

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (407)

Vergl. 397. Über Lelio Sozzini, der in Genf gewesen war, vergl. 287, 332. Über Lever vergl. 402.

Plan der Schrift gegen Westphal.

Obwohl ich aus deinem Brief an mich, bester, verehrter Bruder, schon gewissermaßen den Rat herauslas, gegen die wütenden Erneuerer des Sakramentsstreits zu schreiben, so ersah ich doch erst aus dem andern, den du neulich unserm Beza schriebst, deutlich, was du von der ganzen Sache haltest, und welche Art des Vorgehens du richtig findest. Ich habe aber die Antwort bisher aufgeschoben, weil ich ungewissen, zweifelhaften Sinnes war und zur Verteidigung unserer gemeinsamen Sache lieber einen Passenderen ausgewählt hätte. Da ich nun aber sehe, dass zu der Arbeit, die du mir aufbürdest, weder außerordentliche Geistesschärfe, noch große Gelehrsamkeit, noch eingehendes Studium erforderlich ist, dass es vielmehr nur schließlich entschlossen, es zu probieren. Sobald ich also ein bisschen mehr Muße habe, will ich anfangen, und hoffe, bald fertig zu sein. Denn ich werde mich gedrängter Darstellung befleißen, so dass vernünftige Leser, denen die Sache ohne jede Künstelei vor Augen gestellt wird, zu dem Urteil kommen sollen, dass die Eiferer verrückt sind, die sich und anderen um nichts Mühe machen. Weil ich aber seither außerordentlich viel Abhaltung habe und mich eben noch andere schriftstellerische Arbeit beschäftigt, so werde ich kaum vor Monatsfrist anfangen können. Das Büchlein, wie es auch ausfallen möge, will ich Euch dann gleich zukommen lassen; gefällt es Euch, so solls dann erscheinen, wenn nicht, so mags untergehen.

Von unseren Verhältnissen schreibe ich nichts, weil ich eben nichts dir Erfreuliches zu melden habe. Lebwohl, hochgeachteter Mann und verehrter Bruder. Deine Kollegen, deine Frau, deine Schwiegersöhne und dein ganzes Haus grüße von mir. Der Herr sei stets mit Euch, er behüte und leite Euch.

Genf, 7. August 1554.

Lelio wird bald wieder zu Euch kommen, und ich hatte im Sinn, ihm diesen Brief mitzugeben. Nachher beschloss ich aber, mich wohl davor zu hüten, ihm durch meinen Brief bei dir Zutritt zu verschaffen; denn die Neugier dieses Menschen ist unersättlich. Wenn nur nicht noch eine gewisse schwärmerische Keckheit dazukäme! Dem guten Lever und den übrigen Brüdern aus England viele Grüße, bitte.

Dein
Johannes Calvin.

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