Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (313).

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (313).

Bullinger sandte Calvin den Wortlaut der Bulle, in der Julius III. das Konzil in Trient wieder einberief. Über Vergerio vgl. 303.

Über Drucklegung des Consensus.

Wenn du auch gern bereit bist, zu entschuldigen, wenn ich nur selten schreibe, ja sogar in deiner Billigkeit mich von dieser Verpflichtung freiwillig entbindest, so schäme ich mich doch der Faulheit oder der allzu großen Sicherheit, in der ich für dich weniger eifrig bin als für ein paar unbedeutende Freunde. Der Grund ist der, dass andere durch unverschämtes Geilen mich aus meiner Unlust zum Schreiben gewaltsam aufrütteln, du aber in freundlicher Nachsicht mit schweigen lässest. Ich werde auch mit beständigen Schreibereien so ermüdet, dass mich oft geradezu ein Ekel erfasst und ich das Schreiben eigentlich hasse. Wenn doch deine maßvolle Art auch bei andern herrschte, nämlich, dass man auch treulich Freundschaft pflegen kann, wenn man sich etwas seltener schreibt. Aber unsere Franzosen drängen mich in dieser Beziehung mehr als unbedacht. So kommts, dass ich die Menge zufrieden stelle und mich dafür bei den Hauptfreunden der Faulheit verdächtig mache. Rechne noch dazu, dass es mir, wenn nicht ein bestimmter Gegenstand vorliegt, töricht scheint, gewöhnliche Dinge gleichsam von weither zu holen.

Übrigens, wenn du erwähnst, Ihr hättet mir schon längst geschrieben und keine Antwort von mir erhalten, so weiß ich nicht, was das bedeutet, wenn nicht, wie ich vermute, wieder etwas von Euch abgegangen und nicht bei mir angekommen ist. Ists so, so will ich, jetzt an meine Pflicht erinnert, sie nicht versäumen.

Da einige Leute aus bösem Willen, Eigensinn, oder ungeschicktem Wesen unserm Consensus widersprechen, so möchte ich, er würde veröffentlicht, wenns Euch gut scheint. Ich habe nun schon Vieles ruhig ertragen, übergangen, hinuntergeschluckt, aber glaub´ mir, ich habe auf vielerlei Art gemerkt, wie sehr es den Satan verdrösse, wenn die Consensusformel herausgegeben würde. Den sächsischen Kirchen würde es hoffentlich sehr nützen. Beschließt Ihr aber nach Eurer Klugheit, was besser ist. Ich ließ mich, obwohl schon sehr viele Leute Exemplare des Consensus wünschten, doch nie dazu bringen, ihn durch die Presse zu vervielfältigen, bis ich es mit Eurer Erlaubnis tun kann. Ich habe darüber ja schon früher geschrieben, aus Eurem Schweigen aber geschlossen, dass Euch die Zeit noch nicht gekommen scheine. Ich möchte aber, du teiltest mir Eure Entscheidung mit.

Durch die [Sendung der päpstlichen] Bulle hast du mich zu Dank verpflichtet. Ich hätte sie noch besser brauchen können, wenn ich sie zwei Tage früher bekommen hätte. Denn meine Vorrede [zu den katholischen Briefen], in der ich diesen Stoff behandelte, war schon im Druck. Ein Exemplar lege ich bei, wenn du etwas Muße hast, es zu lesen. Doch bitte ich dich, es sobald als möglich samt dem beiliegenden Brief an Vergerio schicken zu lassen. Das ist gut an der Bulle, dass der Papst ohne alle Heuchelei vor purer Tyrannei schnaubt. So müssen wir denn, wie du sagst, zum Gebet unsere Zuflucht nehmen. Man sagt, Deutschland werde dieses Jahr vor Krieg im Innern Ruhe haben, da der Türke Ferdinand [von Österreich] bedrängt. Weil es aber des Herrn Sache ist, allen Waffenlärm zu stillen, so muss man doch ihn anrufen, dass er die sonst unbezähmbare Wut unserer Feinde im Zaum halte. Lebwohl, trefflicher Mann und mir hochverehrter Bruder. Grüße deine Kollegen und deine Familie von mir und meinen Brüdern. Der Herr behüte Euch, sei mit Euch und fahre fort, Euch zu leiten.

Genf, 21. Februar 1551.
Dein
Johannes Calvin.

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