Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (211).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (211).

Farel hatte Calvin angeboten, zur Stillung der Unruhen nach Genf zu kommen. Über Froments Frau und ihr Zerwürfnis mit Calvin vgl. 177. Idelette war in ihrer ersten Ehe mit einem Wiedertäufer vermählt gewesen, also wohl nicht kirchlich getraut; Calvins Söhnlein Jacques war 1542 geboren und im selben Jahre gestorben. Wer der verleumderische N. ist, bleibt unbekannt.

Von bösen Verleumdungen.

Ich danke dir mehr, als ichs mit Worten sagen kann, dass du mir deine treue Hilfe freiwillig angeboten hast, als du uns von großen Nöten bedrängt glaubtest. Freilich war mir das an dir weder neu noch überraschend. Wenn ich von deinem Anerbieten keinen Gebrauch machte, so war es, weil verschiedene Gerüchte rings umher flogen, die ich zu unterdrücken wünschte. Sie wären aber noch sehr bestärkt worden, wenn ich dich und Viret hätte kommen lassen. Du weißt, mit welchen Leuten wir zu tun haben, und wie schmähsüchtig sie sind. Täglich kamen Briefe, besonders aus Lyon, aus denen ich ersah, dass ich mindestens zehnmal getötet worden bin. So musste aller Anlass zum Geschwätz böser Leute aufgehoben werden. Jetzt ist alles beruhigt. Den Rat haben wir günstig gestimmt für die gute Sache. Unser Ami [Perrin] ist noch in Frankreich, seine Frau bei ihrem Vater, wo sie in gewohnter Weise tobt. Und doch haben wir den Rat gebeten, wenn sie nur ein wenig auf Reue hoffen ließe, möge alles Geschehene verziehen werden. Wir haben aber nichts damit erreicht. Denn sie ist so weit gegangen, dass sie alle Hoffnung auf Aussöhnung abgeschnitten hat. Wenn der Abendmahlstag naht, will ich diese Amazone besuchen.

Neulich hat auch Froment wegen einer Aussöhnung verhandelt, aber er wollte Schiedsrichter in der Sache sein. Ich antwortete, unsere Kirche ist noch nicht so arm, dass nicht meine Kollegen imstande wären, dies Amt zu übernehmen. Wir wollen alles versuchen, und doch hat die Frau mich furchtbar beleidigt. Denn als ich bei der Taufe unseres kleinen Jacques die Verirrung meiner Frau und ihres ersten Mannes als das bekannt habe, was es war, hat sie bei den Ihren die Verleumdung verbreitet, meine Frau sei also eine Hure. Du siehst, wie frech! Ich werde sie behandeln, nicht wie sie es verdient, sondern nach meiner Amtspflicht. Rechne noch dazu, dass N. eine Lügengeschichte ersonnen hatte voll Verleumdung. Nämlich, ich sei einmal von dir und Viret streng gezüchtigt worden, weil ich, von Euch als Euer Gehilfe hierher berufen, die mir verliehene Macht schwer missbraucht habe. Jetzt wäre es viel nützlicher, wenn du kämest, als vorher. Da könntest du alles hören, was ich dem Brief nicht anvertrauen kann. Du würdest deine Hand in Wunden legen können, die noch nicht gut vernarbt sind. Über die Heilung verborgener Schäden könnten wir beraten. Du siehst also, Muße würde dir hier nicht geboten. Die Väter in Trient habe ich in Angriff genommen; aber das Angefangene rückt nur langsam fort. Das kommt daher, dass ich keine freie Stunde habe vor beständigen Bittgesuchen. Lebwohl, bester Bruder, unvergleichlicher Freund. Grüße die Kollegen und deine Angehörigen angelegentlich von mir. Der Herr sei stets mit Euch, leite Euch und segne Euer Wirken. Amen.

Genf, 21. August 1547.
Dein
Johannes Calvin

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