Blarer an Johann Machtholf April 1534

Blarer an Johann Machtholf April 1534

„Es langt an mich von anderen trefflichen Städten her glaublich an, wie ich bei euch zu Eßlingen nicht wenig verläumdet und beschreiet sein solle, als ob ich mit meiner lieben Hausfrauen vormals, ehe ich sie mir ehelich vereinbart, Unlauterkeit gepflogen und Kindlein bei ihr gezeugt habe, welches denn Vielen bei euch, Oberen und Unteren, ein großer Anstoß und eine Ursach sei der Verkleinerung aller meiner Lehre. Wo nun dem also, wäre es mir ein groß, treffelich und herzlich Leid, nicht so viel von meinen, sondern von des theuren heiligen Gottsworts willen, zu deß Dienst mich der Herr berufen und wider meinen Willen gezogen hat. Bitte euch demnach auf das Höchste, wollet von Gottes Ehre und seines trefflichen Evangeliums willen Solches, wo es sich immer begibt, mit Ernst und Treuen verantworten und meine Unschuld hierin, wie sie denn warlich an ihr selbst ist, darthun. Denn ich mit meinem Gott, vor deß Gericht wir alle erscheinen müssen, so hoch mir möglich bezeuge, daß mir Solches gegen meiner l. Hausfrauen, vor und ehe ich unsere Ehe öffentlich habe vor der Kirche bestätigen lassen, nie zu Sinn oder Muth gekommen ist, daß ich weder zu Ehr und noch viel minder zu Unehr mit ihr handeln sollte, und daß kein Mensch im ganzen Konstanz nie Ursache gehabt hat, Solches zu argwohnen. Sie ist auch solcher Sachen in ihrem Kloster zu Münsterlingen weder mit mir noch keinem Andern nie bezüchtigt worden, hat allweg ein gut Geschrei und unvermackelten Leumund gehabt. Sonst hätten mir meines lieben Vaters seligen Schwester und andere zwo meiner nahen Basen, die auch in diesem angezeigten Kloster sind, keineswegs mich mit ihr zu verheiraten gerathen, sonderlich so ich doch wohl drei für eine gefunden hätte mit Ehren und Gut, auch Frömmigkeit und Anderem, das mich und Jeden an einer Hausfrauen freuen mag. Ja gewißlich sind Gott und sein Wort so theuer bei mir, daß wo ich Jemandem dergleichen Aergerniß gegeben hätte, oder mich mein Gott noch in dermaßen Schwachheit fallen ließe, daß ich mich also an seinem Namen vergriffe, wollte ich mich nimmermehr auf keiner Kanzel sehen lassen, ja ich würde ziehen, da mich kein Bekannter finden sollte, denn der Tod mir zu tausendmal weger wäre. Aber dem getreuen Gott sei Lob und Dank, der mich also noch mit seiner starken gewaltigen Hand erhalten hat, daß mich die Welt mit Wahrheit keines solchen Lasters beschuldigen mag. Weiß daneben wohl, daß Niemand zu fromm noch heilig ist, dem der Teufel durch die Seinen nicht unterstehen würde seinen Leumund zu beschwätzen, wie ich das auch gewohnt bin; ist Christo meinem Herrn selbst beschehen: wie sollte es dann mir ergehen? Ihr wißt, was hochgefärbter Lügen wider mich ausgestoßen sind worden, als ich noch bei euch war, denn der Teufel meinem Amt trefflich feind ist, wie billig und ihm noththut nach Gestalt seines Fürnehmens, soll ihn aber, ob Gott will, nichts helfen. Ich will mit der Gnade und Hilfe meines l. Vaters im Himmel ein guter Geruch Christi sein allenthalben, obwohl etliche den Tod darob empfahen müssen. Wer kann dem thun? Christus ist selbst der Stein des Anstoßes und Fels der Aergernisse, gesetzt als ein Zeichen zu Fall und Auferstehung Vieler in Israel. Was sollten denn wir sein, seine armen und unwürdigen Diener? Noch dennoch, so viel an uns, sollen wir die uns aufgetragenen Lügen, wie Christus auch gethan hat, verantworten; derhalb ich auch euch also habe schreiben und bitten wollen, um der Wahrheit willen mich getreulich hierin zu verantworten, wie denn zusammt meinem hohen Vertrauen auch christliche Pflicht und Billigkeit erfordert. Der Tag des Herrn soll es Alles offenbaren.“

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