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Schlagwort: Machtolf Johann

Blaurer, Ambrosius – An Johann Machtolf

Blaurer, Ambrosius – An Johann Machtolf

Ich schreibe hiemit an Eueren Rat wegen des Herrn Johannes Bock, den ich hier nicht länger bei der Helferei erhalten kann, und bitte, ihm, weil das Einkommen seiner kleinen Pfrund für seinen Unterhalt nicht genügt, zu einer Zulage zu verhelfen, damit er, wenn nicht länger, doch noch ein Jahr hier studieren kann. Nehmt Euch der Sache an. Das Geld wäre sicher gut angelegt; er hat jetzt erst den rechten Nutzen vom Studium, und Ihr bedürft seiner Dienste noch nicht. Meine Herren von Konstanz haben auch einen jungen Prediger mit Weib und Kind zum Studieren nach Basel geschickt, wo er sich jetzt zwei Jahre aufgehalten, und nun kommt er nach Tübingen, um da eine Zeitlang zu studieren; er hat von meinen Herren mehr als 100 Gulden. Bock hat sich hier durchaus gut gehalten. Sollte für ihn nichts zu erlangen sein, so bemüht Euch um die Erlaubnis, eine Pfarrei im Württembergischen zu übernehmen, bis Ihr seiner Dienste bedürft; hätte er bei Euch sein genügendes Auskommen, so käme er lieber schon jetzt nach Eßlingen.

Ihr wißt, daß des Betlis zu Krummenacker Schwester Gretle eine Zeitlang bei meiner Schwester gedient, dann in Konstanz geheiratet hat und bald gestorben ist. Dem Mann stehen von ihrer Hinterlassenschaft noch 7 Punf aus und der Abzug, den er hat erlegen müssen; deshalb bitte ich Euch, mit den Erben und Pflegern wegen der Ausrichtung zu verhandeln. Grüßt die Eurigen und alle guten Herren und betet für mich und mein Amt. Es steht gar seltsam um alles, wovon ich Euch lieber mündlich berichten als schreiben möchte; vielleicht gibt Gott bald Gelegenheit. Neues wissen wir nicht außer von dem Türken, was Euch besser bekannt ist.

Datum frytag vor Letare 38

Briefwechsel der Brüder Ambrosius und Thomas Blaurer
1509 – 1548
Herausgegeben von der Badischen Historischen Kommission
Bearbeitet von Traugott Schieß
Band I
1509 – Juni 1538
Freiburg i. Br.
Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld
1908

Blaurer, Ambrosius – An Johann Machtolph über den Götzentag zu Urach

Blaurer, Ambrosius – An Johann Machtolph über den Götzentag zu Urach

Sonders vertrauter, günstiger, lieber Herr und Bruder. Ich kann Euch in der Eil dannoch nit verhalten, daß auf Sonntag nächst vor dato ein Götzentag hie zu Urach gehalten worden, uff welchen von meinem gnädigen Herren beschrieben worden der Brenz, Doctor Pauls Phygio zu Tüwingen, Maister Caspar Greter, Pfarrer zu Herrenberg, Maister Mattheus Alber zu Reutlingen, Maister Erhart Schnepf und ich, auch ist Maister Wenz, Prediger hie zu Aurach auch dabey gewesen. Da hättet ihr Wunder gehört! Wir haben den ganzen Sonntag Morgens und Nachmittag Gespräch gehalten, in Beiseyn der verordneten Räth, nämlich des Marschalls, Balthiß von Gültlingen, Doctor Knoders auch Doctor Philipp Langen, aber uns nit vergleichen mögen, also daß die Räth leztlich begehrt, daß jeder seine Meinung in Schrift vergreifen, und aber all andern Umständ fallen lassen und allein schlecht und grad uff diß Frag Antwort stellen wollte: Ob unser gnädiger Fürst und Herr möge all Bildnisse dieser Zeit uss den Kirchen räumen lassen, welches also geschehen auf MOndtag, daß jeder insonderheit seine Meinung den Räthen übergeben hat. Wird man hochgemeldt meinem gnädigen Herren fürbringen, was dann sein Gnad weiter fürnehmen, wird sich in kurzem wohl erscheinen. Es ist doch ein große Straf und Plag über uns, daß wir so viel wichtiger Sachen auszurichten hätten und aber mit solchen Kindswerk umgond (umgehen) und daß die stummen Götzen ein solch Geschrey sollen machen. Der lieb Gott erbarm sich über uns, verleih seiner heiligen Gemeind Fried, Liebe und Einigkeit, Amen. Wöllet solches meinen lieben Herren und Brüdern, M. Jacob Ottern und Herrn Steffan auch anzeigen rc. und ihres Fürbitts für mich begehren. Datum zu Urach uff den XII. Septembris Anno 1537.

Ambrosius Blaurer

Denkwürdigkeiten der Würtembergischen und Schwäbischen Reformationsgeschichte
J. C. Schmid und J. C. Pfister
Tübingen
bei Heinrich Laupp
1817

Blaurer, Ambrosius – An Johann Machtolph (Auszug)

Blaurer, Ambrosius – An Johann Machtolph (Auszug)

27.11.1536

Dem achtbaren, hochgelehrten Herren Johann Machtolph, Stadtschreiber zu Eßlingen meinem günstigen lieben Herren.

Gnad und Fried durch Christum von Gott samt Entbietung meiner ganz gutwilligen christlichen Dienste zuvoren, sonders günstiger Herr und geliebter vertrauter Bruder.

Am andern, als ihr mir geschrieben, des Philippi Melanchthons halber, wißt, daß er ganz wohl mit mir zufrieden gewesen, auch aller Ding freundlich von mir abgescheiden ist, ja als er erstlich herkam, und ich am dritten Tag nach seiner Ankunft hinweg ritt von Tübingen, der Meinung, daß ich ihn über etlich Tag wiederum finden sollt, und er aber am Morgen, wie ich am Aubend wiederum kam, schon verruckt (hinweggegangen) war, hat er ein freundlichen Brief und epistel an mich hinter ihme gelassen, doch ritt ich ihme wiederum nach gen Stuttgart, als ich ihn hie nit fand, damit ich mit ihm letzte, do was er aber auf gnädig Ansinnen meines gnädigen Herren wiederum auf Tübingen verruckt, und hatte ich sein uff dem Weg verfehlt, kam aber gleich ihm nach gen Tübingen, und half handlen und berathschlagen der Schul halber, wie dann mein gnädiger Herr befohlen hatte, wie ich dann von Stund an auf des Philippi Ankunft meinem gnädigen Herren, der damals zu Sulz was (war), deßhalb geschrieben und Sein Gnad ganz unterthäniglich aufgesucht hab, daß Sie ihne wollte beschreiben rc. damit etliche Mängel der Schul möchten verbessert werden, bin auch darnach also etlich Tag bis auf seinen Abschied hie zu Tübingen bei ihme geblieben, und halt ihn gar nit so für leichtfertig, daß er anderst sich gegen mir, denn ihm zu Muth und Herz gewesen, erzeigt hab. Der Kirchen-Ordnung halber ist ihm gar nichts befohlen worden, hat sich deß auch nit angenommen. So weiß ich von keiner Ungnad, wiewohl man an viel Orten im Land, auch vor und eh Philippus kommen, davon gesagt hat, wie ich ein ungnädigen Fürsten hab, aber ich bins wohl gewohnt, und in denen und dergleichen Luginen jezt lang gewalket, der Vater der Lüge handelt nit anderst gegen den Dienern der Wahrheit, hat allenthalben seine Boten und Unterträger, die ihr Gift zu Nachtheil und Verkleinerung der Wahrheit uffgiessen, der treu Gott gebs ihnen zu erkennen. Mein gnädiger Herr ist nit so blöd, wenn er mir ungnädig wäre, er würde mirs keineswegs bergen, wenn ich ein viel größerer wäre, denn ich bin; darum wollt Euch diß Orts nichts irren lassen. Es sind wohl Leut hie zu Tübingen, die alles Args zu meinen Sachen reden, befiehl ich Gott, daß es alles zu seinem Lob gerathe, ich bin für meine Person nit besseres werth, ja hab zu tausendmal viel ärgers beschuldt, aber der Herr ist gut, der laßt uns vor seinen und unsern Feinden nit zu Schanden werden, dem sind (seyd) allezeit in sein Gnad und Schirm befohlen, und bittet ihn mit Treuen für mich.

Denkwürdigkeiten der Würtembergischen und Schwäbischen Reformationsgeschichte
J. C. Schmid und J. C. Pfister
Tübingen
bei Heinrich Laupp
1817

Blarer an Johann Machtholf April 1534

Blarer an Johann Machtholf April 1534

„Es langt an mich von anderen trefflichen Städten her glaublich an, wie ich bei euch zu Eßlingen nicht wenig verläumdet und beschreiet sein solle, als ob ich mit meiner lieben Hausfrauen vormals, ehe ich sie mir ehelich vereinbart, Unlauterkeit gepflogen und Kindlein bei ihr gezeugt habe, welches denn Vielen bei euch, Oberen und Unteren, ein großer Anstoß und eine Ursach sei der Verkleinerung aller meiner Lehre. Wo nun dem also, wäre es mir ein groß, treffelich und herzlich Leid, nicht so viel von meinen, sondern von des theuren heiligen Gottsworts willen, zu deß Dienst mich der Herr berufen und wider meinen Willen gezogen hat. Bitte euch demnach auf das Höchste, wollet von Gottes Ehre und seines trefflichen Evangeliums willen Solches, wo es sich immer begibt, mit Ernst und Treuen verantworten und meine Unschuld hierin, wie sie denn warlich an ihr selbst ist, darthun. Denn ich mit meinem Gott, vor deß Gericht wir alle erscheinen müssen, so hoch mir möglich bezeuge, daß mir Solches gegen meiner l. Hausfrauen, vor und ehe ich unsere Ehe öffentlich habe vor der Kirche bestätigen lassen, nie zu Sinn oder Muth gekommen ist, daß ich weder zu Ehr und noch viel minder zu Unehr mit ihr handeln sollte, und daß kein Mensch im ganzen Konstanz nie Ursache gehabt hat, Solches zu argwohnen. Sie ist auch solcher Sachen in ihrem Kloster zu Münsterlingen weder mit mir noch keinem Andern nie bezüchtigt worden, hat allweg ein gut Geschrei und unvermackelten Leumund gehabt. Sonst hätten mir meines lieben Vaters seligen Schwester und andere zwo meiner nahen Basen, die auch in diesem angezeigten Kloster sind, keineswegs mich mit ihr zu verheiraten gerathen, sonderlich so ich doch wohl drei für eine gefunden hätte mit Ehren und Gut, auch Frömmigkeit und Anderem, das mich und Jeden an einer Hausfrauen freuen mag. Ja gewißlich sind Gott und sein Wort so theuer bei mir, daß wo ich Jemandem dergleichen Aergerniß gegeben hätte, oder mich mein Gott noch in dermaßen Schwachheit fallen ließe, daß ich mich also an seinem Namen vergriffe, wollte ich mich nimmermehr auf keiner Kanzel sehen lassen, ja ich würde ziehen, da mich kein Bekannter finden sollte, denn der Tod mir zu tausendmal weger wäre. Aber dem getreuen Gott sei Lob und Dank, der mich also noch mit seiner starken gewaltigen Hand erhalten hat, daß mich die Welt mit Wahrheit keines solchen Lasters beschuldigen mag. Weiß daneben wohl, daß Niemand zu fromm noch heilig ist, dem der Teufel durch die Seinen nicht unterstehen würde seinen Leumund zu beschwätzen, wie ich das auch gewohnt bin; ist Christo meinem Herrn selbst beschehen: wie sollte es dann mir ergehen? Ihr wißt, was hochgefärbter Lügen wider mich ausgestoßen sind worden, als ich noch bei euch war, denn der Teufel meinem Amt trefflich feind ist, wie billig und ihm noththut nach Gestalt seines Fürnehmens, soll ihn aber, ob Gott will, nichts helfen. Ich will mit der Gnade und Hilfe meines l. Vaters im Himmel ein guter Geruch Christi sein allenthalben, obwohl etliche den Tod darob empfahen müssen. Wer kann dem thun? Christus ist selbst der Stein des Anstoßes und Fels der Aergernisse, gesetzt als ein Zeichen zu Fall und Auferstehung Vieler in Israel. Was sollten denn wir sein, seine armen und unwürdigen Diener? Noch dennoch, so viel an uns, sollen wir die uns aufgetragenen Lügen, wie Christus auch gethan hat, verantworten; derhalb ich auch euch also habe schreiben und bitten wollen, um der Wahrheit willen mich getreulich hierin zu verantworten, wie denn zusammt meinem hohen Vertrauen auch christliche Pflicht und Billigkeit erfordert. Der Tag des Herrn soll es Alles offenbaren.“