Luther an Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen

Luther an Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen

18.10.1532

Gnad und Fried in Christo. Durchleuchtigester, hochgeborner Furst, gnädigster Herr! Die erst Supplication, so ich an E. k. f. G. unterthäniglich gethan hab, ist, so ich fur den Paceum thät mündlich zu Wittemberg. Itzt komm ich mit der andern (denn ich will sie zählen, damit ichs nicht zu viel mache). Ich rede itzt von der christlichen Supplication; und ist an E. k. f. G. meine unterthänige Bitt: nachdem die zween Knaben, Hans von Canitz Sohne, seliger, zu Torgau in der Schule fast wohl studirt und auf Vortheil wohl gerathen sind, und ihre Mutter fur Armuth sie nicht länger dabei kann erhalten, und immer Schade wäre, daß solche feine Knaben sollten vom Studio kommen, denn man darf Leute, so weiß ich noch wohl, daß mein gnädigster Herr seliger rc. auf mein Schreiben und Bitt eine gnädige Vertröstung hat geben lassen, dieselben Knaben mit einer Exspectanz uaf eine Präbende zu begnaden. Demnach bitte ich abermal, E. k. f. G. wollten beide, Gott zu Lob und dem Lande zu gute, solchen feinen Buben eine Exspectanz gnädiglich verschaffen, auf welcher Präbend es E. k. f. G. gefället. Denn ihr Vater auch wohl etwas umb E. k. f. G. beschuldet und verdienet, und doch ja alles fromm Volk ist, Vater, Mutter und Kinder. E. k. f. G. werden, als mein Glauben hält, sie hierin gnädiglich finden lassen. Christus unser Herr helf und stärke E. k. f. G. zum seligen Regiment zu fuhren und darnach das ewige Leben. Amen. Die St. Lucae 1532.

E. k. f. G. unterthäniger

Martinus Luther, D.

Quelle:
Dr. Martin Luthers sämmtliche Werke.
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Neunter Band.
Calw & Stuttgart
Verlag der Vereinsbuchhandlung
1903

Kommentare sind geschlossen.