J. Jonas und Ph. Melanchthon an einen von der Ritterschaft.

J. Jonas und Ph. Melanchthon an einen von der Ritterschaft.

Im J. 1531.

St. Petrus spricht: man soll leiden, wo es noth ist. Derhalben soll ihm niemand unnöthige Verfolgung suchen, sondern mit Jedermann Frieden halten, ohn wo die hohe Noth fordert zu leiden. Darum sollt ihr erstlich bedencken, ob die Sachen seien, darob Gott befohlen habe zu leiden. Denn so es unnöthiger Zank wäre, und der Gegentheil hierin auch zu dulden, sollt man vielmehr Frieden mit den Leuten haben.

Derhalben ist noth, daß ihr bei euch schließet, ob ihr schuldig seid zu leiden. Denn so es Gott nicht geboten hat, würde nicht allein euch hernach der Schade sehr wehe thun, sondern ihr würdet auch ein böses Gewissen haben, daß ihr euch in unnöthige fremde Gezänk gestoßen hättet, und würden auch allerlei Aergernisse vorfallen. Dagegen ist der höchste Trost, daß man weiß, daß die Sachen wichtig und nöthig, und daß ihr schuldig seid, darob zu leiden, und daß solch Leiden Gott ein werthes Opfer sei, daß euch Gott in solcher Fahr sich ein Helfer erzeigen werde. Dieweil nun die Artikel ungleich scheinen, sollt ihr sehen, welche Stücke euch für eure Person nöthig, und die ein jeder Christ schuldig ist zu wissen und zu bekennen und helfen zu erhalten Gott und unsrem Herrn Christo zu Lob und zu Heil ganzer Christenheit zu allen Zeiten. Und sind nehmlich dieser Artikel der erste, daß wir Vergebung der Sünden allein durch den Glauben an Christum erlangen ohne all unser Werk und Verdienst, und daß wir also durch solchen Glauben Gott gefallen um Christi willen, und gerecht sind. Dieser Artikel ist allen Christen noth zu wissen, zu bekennen und helfen zu erhalten, und belanget die Erkenntniß Christi und Ehre, darum der Spruch dahin gehört: Wer mich bekennet, will ich wieder bekennen. Darum, so man darob leiden soll, soll das Gewissen getrost und fröhlich sein, und wissen, daß es von wegen der Ehre Gottes leidet, und daß die Sache nöthig und nicht geringschätzig sei. Denn so Vergebung der Sünde nicht aus Gnaden um Christus willen gegeben würde, so hätte kein Mensch keinen gewissen Trost, und müßten alle Leute verzagen und verzweifeln, so Vergebung der Sünde auf unsrem Verdienst stünde.

Der andere Artikel, so auch belanget alle Christen zugleich, das noth ist zu wissen und zu bekennen, daß menschliche Satzungen nicht Werk und Gottesdienst seien, damit man Vergebung der Sünde verdiene, sondern daß es äußerliche Polizei sei, an welcher dennoch christlich Wesen sein kann.

Der dritte, daß die Messe der Meinung gehalten, als sei es ein Werk, das Andern, todt oder lebendig, Gnade und Vergebung der Sünde verdiene, nicht recht und dem Glauben entgegen sei.

Der vierte, daß der Heiligen Anrufung nütze oder noth, ist auch nicht wahr. Darüber ist das gewiß, daß vertrauen auf Heiligenverdienst ist Christo seine Ehre rauben.

So nun jemand euch diese Artikel verbietet zu halten oder zu hören, oder euch auflegen will, zu willigen, dieselbigen auch zu wehren, darein könnt ihr nicht willigen. Und dieweil es Sachen sind, die noth und nützlich ganzer Christenheit sind, seid ihr schuldig, darob Leib und Gut zuzusetzen. Ja es soll einem jeden eitel Freude sein, um solcher Gewissenssachen willen, Gottes Ehre ohne Mittel belangende, zu leiden.

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’s Verlag.) 1862

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