Luther, Martin – An Herrmann Tulich (1520)

Luther, Martin – An Herrmann Tulich (1520)

Ich wolle oder wolle nicht, so werde ich gezwungen von Tag zu Tag gelehrter zu werden, indem so großgeachtete Magister haufen- und wechselsweise auf mich dringen und mir zu schaffen machen.

Von dem Ablaß habe ich vor zwei Jahren geschrieben aber also, daß mich jetzt gar sehr gereut, daß dieses Büchlein ausgegangen ist. Denn damals war ich noch in großem Aberglauben über die römische Tyrannei und vermeinte, daß der Ablaß nicht durchaus zu verwerfen wäre, da ich ihn mit großer Einhelligkeit vieler Menschen angenommen sah. Das war kein Wunder, denn ich allein wälzte damals diesen großen Stein. Aber nachher – das habe ich dem Sylvester und seiner Gesellen Hülfe zu danken – habe ich gemerkt, daß der Ablaß nichts andres sei, als reiner Betrug der römischen Schmeichler, durch welchen sie den Glauben an Gott und der Leute Hab und Gut zu Grunde richten. Darum möchte ich von den Buchdruckern erlangen und Alle die es gelesen haben bitten, daß sie alle meine Büchlein vom Ablaß verbrennen und an statt dessen, was ich davon geschrieben habe, diesen Satz annehmen: Der Ablaß ist der römischen Schmeichler Schalkheit.

Quelle:
Hase, Carl Alfred – Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867

 

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