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Schlagwort: Eduard VI.

Calvin, Jean – An König Eduard VI. von England.

Calvin, Jean – An König Eduard VI. von England.

Der französische Edelmann, für den Calvin bittet (vgl. 358), war gefangen gesetzt, weil man bei ihm Briefe an Laurent de Normandie gefunden hatte. Antoine de Bourbon-Vendome war der Gatte der Jeanne d´ Albret, wurde König von Navarra und Vater Heinrichs IV.

Bitte um Hilfe für einen gefangenen evangelischen Edelmann aus Paris.

Sire, wiewohl ich nicht die Kühnheit hätte, für mich selbst etwas von Ihnen zu erbitten, so glaube ich doch, Sie werden es nicht übel nehmen, wenn ich eine Bitte für einen andern an Sie richte, sobald Sie von der Notlage hören, die mich dazu zwingt, und vom Gegenstand meiner Bitte, der es verdient, Ihnen so sehr am Herzen zu liegen wie mir. Es ist das, Sire, dass in Paris ein französischer Edelmann gefangen gehalten wird, weil man bei ihm einige Briefe gefunden hat, die er an einen unserer Freunde geschrieben hat, der königliche Statthalter in meiner Geburtsstadt Noyon war und sich nach Genf zurückgezogen hat. Dazu kam, dass besagter Edelmann schon für verdächtig in religiöser Beziehung galt und, weil er ein angesehener Mann war, beobachtet wurde. Das war die Ursache seine Verhaftung. Hat nun mein Zeugnis einiges Gewicht bei Ew. Majestät, so kann ich Sie versichern, Sire, dass es ein Mann von so guter Gesinnung ist, so vorzüglich in aller Ehrbarkeit und Tugend, so begabt mit allen lobens- und liebenswerten Eigenschaften und vor allem so fest in der Furcht Gottes, wie man nur einen finden kann. Ich weiß wohl, dass das ein sehr großes Lob ist; aber wenn sie ihn kennten, Sire, so würden Sie ihn ohne Zweifel ebenso beurteilen und merken, dass ich im Loben das rechte Maß nicht überschritt. Er ist beliebt bei allen, Großen und Kleinen, selbst bei Herrn de Vendome und andern Fürsten, und nur die Sache Jesu Christi ists, um deretwillen man ihn hasst und verwirft. Da diese aber bei Ihnen so in Gunst steht, Sire, so hoffe ich, Sie schlagen mir Ihre Hilfe nicht ab, wenn es Ihnen möglich ist. Ich weiß wohl, Ew. Majestät kann nicht, wie es zu wünschen wäre, allen helfen, die leiden und verfolgt werden um des Evangeliums willen; wenn Sie aber geruhen, sich für den Mann zu verwenden, um den es sich hier handelt, so können Sie sicher sein, Sire, dass Sie in der Person dieses einen Mannes vielen andern Trost bringen, die jetzt ganz starr vor Schrecken sind, wie andrerseits die Feinde der Wahrheit meinen, triumphieren zu können, wenn sie in diesem Fall ihr Ziel erreichen. Um aber Ew. Majestät nicht länger lästig zu fallen, will ich keinen längern Bericht von den Tatsachen geben, die Sie, falls Sie es wünschen, besser aus der Erklärung des Edelmanns, der Ihnen diesen Brief überbringt, erfahren können. Nur flehe ich Sie an im Namen Gottes, so dringend ich kann, so sehnlich, als ginge es um mein eigenes Leben, geruhen Sie, meine Bitte zu erfüllen und den König von Frankreich zu ersuchen, er möge den Edelmann außer Landes gehen lassen, samt seiner Frau und dem, was er von seinem Vermögen flüssig machen kann. Tun Sie das, so verpflichten Sie nicht nur mich, immer mehr zu Gott zu flehen um Ihr Glück, sondern auch eine unzählbare Schar guter, gläubiger Leute.

So empfehle ich mich, Sire, so untertänig ich kann, Ihrer Gewogenheit und bitte den lieben Gott, Sie in seiner heiligen Hut zu halten, Sie durch seinen Geist zu leiten in alle Klugheit, Geradheit und Stärke, und Ihre Krone mehr und mehr blühen zu lassen.

Genf, 12. März 1553.
Ihr untertänigster, gehorsamer Diener
Johannes Calvin.

Calvin, Jean – An Eduard VI., König von England.

Calvin, Jean – An Eduard VI., König von England.

Über die religiösen Pflichten des Königs.

Sire, wiewohl ich fürchten muss, Ihnen lästig zu werden, und deshalb mich auch öfteren Schreibens enthalte, so nehme ich mir jetzt doch die Freiheit, Ihnen eine kurze, von mir verfasste Auslegung des 87. Psalms zu senden, in der Hoffnung, dass Sie Gefallen daran finden und die Lektüre Ihnen recht nützlich sei. Als ich diesen Psalm eines Tages in der Predigt behandelte, schien mir der Stoff so passend für Sie, dass ich mich gleich entschloss, die Hauptsache so aufzuschreiben, wie Sie sehen, wenn Ihre Majestät geruht, nur ein Stündlein Zeit daran zu wenden. Freilich habe ich den Stoff allgemein und ohne bestimmte Anwendung auf Ihre Person behandelt, aber da ich beim Schreiben nur an Sie dachte, so werden Sie es tatsächlich nach Ihrer Klugheit auf sich anwenden und im Inhalt eine für Ihre Majestät sehr nützliche Lehre und Unterweisung finden können.

Sie wissen, Sire, wie groß für Könige und Fürsten die Gefahr ist, dass die Höhe, zu der sie erhoben sind, ihre Augen blende, und dass es ihnen hier auf Erden allein behage, so dass sie darüber das Himmelreich vergessen. Und ich zweifle nicht daran, dass Gott Sie vor diesem Übelstand zu Ihrer Bewahrung so gewarnt hat, dass sie ihn hundertmal mehr bedenken, als die, die ihn tragen, ohne es zu merken. Nun ist in diesem Psalm die Rede von Adel und Würde der Kirche, wodurch Große und Kleine so hingerissen werden sollen, dass alle Güter und Ehren sie nicht aufhalten, noch hindern, zu streben nach dem Ziel der Zugehörigkeit zu Gottes Volk. Es ist etwas Großes, König zu sein, besonders über ein Land wie das Ihre, doch zweifle ich nicht daran, dass Sie es unvergleichlich höher schätzen, ein Christ zu sein. So ists ein unschätzbarer Vorzug, den Gott Ihnen, Sire, verliehen hat, ein christlicher König zu sein, d. h. ihm als Statthalter dienen zu dürfen zur Aufrechterhaltung des Reiches Jesu Christi in England. Zum Dank für dieses außerordentliche Gut, das Sie von seiner unendlichen Güte empfangen haben, müssen Sie nun umso eifriger sein, all ihre Kraft darauf zu wenden, dass er geehrt und ihm gedient werde, und müssen Ihren Untertanen ein Beispiel geben der Huldigung vor diesem großen König, indem sich Ihre Majestät nicht schämt, sich in aller Demut und Ehrfurcht dem geistigen Zepter seines Evangeliums unterzuordnen. Wenn Sie das bisher so getan haben, dass wir den lieben Gott nur dafür preisen können, so wird dieser Psalm Ihnen stets zur Stärkung und zum Schilde dienen. Indessen bitte ich, Sire, dass das kleine Schriftchen mir als Ausdruck und Zeugnis diene für den guten Willen, Besseres zu leisten, wenn ich Anlass dazu habe.

Mich untertänigst Ihrer Gewogenheit empfehlend, Sire, bitte ich den lieben Gott, er möge Sie erfüllen mit den Gaben seines heiligen Geistes, Sie führen in aller Klugheit und Tapferkeit, und Sie glücklich sein und gedeihen lassen zur Ehre seines Namens.

Genf, 4. Juli 1552.

Calvin, Jean – An Eduard VI., König von England.

Calvin, Jean – An Eduard VI., König von England.

Begleitschreiben zur Sendung der dem König gewidmeten Bücher.

Über die Reform des Kultus und der Universitäten in England.

Sire, müsste ich mich vor Ihrer Majestät entschuldigen wegen der Freiheit, die ich mir genommen, Ihnen die Bücher zu widmen, die ich Ihnen jetzt überreichen lasse, so müsste ich einen Anwalt finden, der für mich das Wort führte. Denn ein Brief von mir hätte ja dazu so wenig Berechtigung, dass er vielmehr selbst wieder einer Entschuldigung bedürfte. Tatsächlich, wie ich mich nie erkühnt hätte, Ihnen die Kommentare zu widmen, die ich mit Ihrem Namen an der Spitze drucken ließ, so wagte ich auch jetzt nicht, Ihnen zu schreiben, hätte ich nicht schon von vornherein das Zutrauen, dass beides wohl aufgenommen würde. Denn da ich mich zur Zahl derer halte, die sich mühen um die Förderung des Reichs des Gottessohns, so haben Sie nicht verschmäht, zu lesen, was ich nicht einmal ausdrücklich Ihrer Majestät darbot, und so habe ich gedacht, wenn ich im Dienst meines Meisters Jesu Christi zugleich ein Zeugnis ablege der Verehrung und aufrichtigen Liebe, sie ich für Sie hege, so könne es nicht fehlen, dass ich gute freundliche Aufnahme fände.

Ja noch mehr, Sire, da ich sicher bin, dass mein Brief bei Ihnen die Aufnahme finde, die ich ihm wünsche, so wird’s mir auch nicht schwer fallen, Sie zu bitten und zu ermahnen im Namen dessen, dem Sie alle Ehre und Macht geben, mutig fortzufahren in dem, was Sie so gut und glücklich begonnen, für Ihre Person wie für Ihr Reich. Nämlich, dass alles Gott geweiht wird und unserm lieben Erlöser, der uns so teuer erkauft hat. Denn was die allgemeine Reformation angeht, so ist sie noch nicht so wohl eingerichtet, dass es nicht noch nötig wäre, weiter zu gehen. Es wäre ja auch tatsächlich sehr schwer, in einem Tag einen so tiefen Abgrund des Aberglaubens auszufegen, wie es das Papsttum ist. Die Wurzeln gehen zu tief und haben sich von langher zu weit ausgebreitet, als dass man so rasch damit fertig würde. Aber so schwer und so lang es auch geht, die Vortrefflichkeit dieses Werkes ists wohl wert, dass man nicht müde wird in seiner Ausführung.

Ich zweifle nicht daran, Sire, dass Satan Ihnen viele Hindernisse in den Weg legen wird, um Sie aufzuhalten und abzukühlen. Ihre Untertanen wissen zum großen Teil das Gut, das Sie ihnen verschaffen wollen, nicht zu würdigen. Die Großen, die hoch in Ehren stehen, sind oft zu klug in ihrem weltlichen Spekulieren, als dass sie auf Gott sehen. Täglich erheben sich neue Kämpfe, an die man nicht im Voraus gedacht hatte. Ich hoffe nun, Sire, Gott habe Sie mit so hochgemutem, festem Sinn ausgerüstet, dass Sie sich durch all das nicht ermüden noch schwächen lassen. Die Sache ist ja an sich so wichtig, dass sie es wohl verdient, dass man dafür wirkt über alle menschliche Kraft hinaus, und wenn man sich dann angestrengt hat bis ans Ende seines Vermögens, so bleibt immer noch genug zu tun.

Wir sehen, wie zur Zeit des guten Königs Josia, von dem doch der heilige Geist ganz besonders bezeugt, wie er alle Pflicht eines im Glauben hervorragenden Fürsten eifrig und in aller Heiligkeit getan hat, doch der Prophet Zephania uns zeigt, dass noch ein Rest des früheren Aberglaubens zurückblieb, sogar in der Stadt Jerusalem [Zeph. 1, 4, 5]. Und obgleich Sie und Ihr Rat nun daran arbeiten, so werden Sie doch kaum jemals, Sire, das Übel ganz entwurzeln können, das doch wohl ganz gebessert zu werden verdiente. Aber es muss Ihnen doch eine große Stärkung sein, Sie ermutigen und antreiben, und selbst wenn Sie damit nicht fertig werden, wie es zu wünschen wäre, so mags Ihnen ein reichlicher Trost sein, zu sehen, wie die Mühe, die sich der gute König Josia gab, ein Gott wohlgefälliger Dienst war. So sehr, dass der heilige Geist die von Josia durchgeführte Reformation preist, als ob man sie nur nachzumachen brauchte. Nun, Sire, streben Sie nach dem Beispiel dieses heiligen Königs nach dem vorgesteckten Ziel, so dass auch Sie das Zeugnis erhalten, nicht nur die Gottlosigkeiten, die der Ehre und dem Dienst Gottes zuwiderlaufen, abgetan zu haben, sondern auch alles zerstört und weggeschafft zu haben, was nur dazu dient, dem Aberglauben Nahrung zu bieten. Denn wenn Gott die treuen Fürsten so recht von Herzen loben will, die den reinen Gottesdienst wiederhergestellt und obenauf gebracht haben, so fügt er ausdrücklich bei: er tat ab die Höhen [2. Kön. 18, 4], so dass sogar die Erinnerung an die törichten Kulte schwand.

Freilich, Sire, gibt es ja unwichtige Dinge, die man wohl dulden darf. Doch müssen wir stets die Regel beobachten, dass eine maßvolle Nüchternheit in den Zeremonien herrsche, so dass die Klarheit des Evangeliums nicht dadurch verdunkelt wird, als stünden wir noch unter dem Schatten des Gesetzes. Ferner, dass nichts bestehe, was nicht passt und übereinstimmt mit der Ordnung, die der Sohn Gottes gestiftet, und dass alles diene und sich eigne zur Erbauung der Kirche. Denn Gott erlaubt nicht, dass man mit seinem Namen sein Spiel treibt, indem man leichtsinniges Zeug unter heilige, geweihte Gebote mischt. Nun gibt’s aber handgreifliche Missbräuche, die nicht erträglich sind, z. B. das Gebet für die Seelen der Gestorbenen, die Verdrängung Gottes durch die Fürbitte der Heiligen in unserm Gebet, die Verbindung ihres Namens mit dem Schwur. Deshalb, Sire, weil Sie ohne Zweifel davon unterrichtet sind, dass das alles Verderbnisse des wahren Christentums sind, bitte ich Sie im Namen Gottes, Hand anlegen zu wollen, dass alles in die rechte Ordnung komme.

Noch ein weiterer Punkt, Sire, muss Ihnen besonders am Herzen liegen, nämlich, dass die armen Herden nicht ohne Hirten bleiben. Die Unwissenheit und Unbildung war so groß in dem verfluchten Papsttum, dass es nicht leicht ist, gleich auf den ersten Schlag geeignete tüchtige Leute für dieses Amt zu finden. Doch ist die Sache wohl wert, dass man dafür sorgt und dass Ihre Beamten, Sire, ihr Augenmerk darauf richten, dass dem Volk, wie sichs gehört, ermöglicht wird, sich auf die Lebensweide führen zu lassen. Ohne das sind all die guten, frommen Gebote, die Sie erlassen können, ohne Nutzen zur gründlichen Reformation der Herzen.

Da übrigens das Schulwesen das Saatfeld ist, auf dem die Pfarrer wachsen, so muss es rein und sauber von allem Unkraut gehalten werden. Ich sage das, Sire, weil auf Ihren Universitäten, wie man sagt, junge Leute mit reichen Stipendien versehen leben, die, statt hoffen zu lassen, sie würden einmal der Kirche dienen, vielmehr Anzeichen davon geben, dass sie ihr schaden und sie zerstören werden, da sie keinen Hehl aus ihrer Feindschaft gegen die wahre Religion machen. Deshalb bitte ich Sie, Sire, wieder im Namen Gottes, Sie möchten hier einige Ordnung schaffen, dass das Vermögen, das heiligen Zwecken dienen soll, nicht verwendet wird zu unheiligem Gebrauch und noch weniger zur Züchtung giftiger Bestien, die nichts wollen, als in Zukunft alles anzustecken. Denn so würde das Evangelium stets zurückgedrängt durch das Schulwesen, das doch seine Stütze sein sollte.

Andrerseits, Sire, loben alle frommen Herzen Gott und fühlen sich Ihnen zu großem Dank verpflichtet, dass Sie geruht haben, in Ihrer Gnade Ihren Untertanen französischer und deutscher Zunge Kirchen anzuweisen. In Betreff der Sakramente und der Kirchenordnung hoffe ich, dass die Freiheit, die Sie zu geben geruht haben, ihre Wirkung tun wird. Doch kann ich mich nicht enthalten, Sire, Sie nochmals darum zu bitten, da ich weiß, wie nötig es ist, nicht nur für die Ruhe und Zufriedenheit der Guten, die Gott dienen und friedlich unter Ihrer Herrschaft leben wollen, sondern auch, um die fahrenden, ausschweifenden Leute im Zaum zu halten, falls sich auch solche in Ihr Reich flüchteten. Ich weiß wohl, Sire, Sie haben Leute von außerordentlichem Wissen zu Ihrer Verfügung, die Ihnen diese Dinge mündlich viel besser erklären können als ich in meinem Brief. Auch in Ihrem Rat sind kluge Leute voll Eifer, alles zu fördern, was gut ist. Unter andern wird, daran zweifle ich nicht, der Herr Herzog von Somerset sich mühen, fortzufahren in der Richtung, in der er bis jetzt treulich gewirkt hat. Doch glaube ich, Sire, dass Sie trotzdem freundlich annehmen [was ich sage], weil Sie erkennen, dass es aus derselben Quelle stammt.

Übrigens, Sire, fürchte ich nun, Sie durch meine Ausführlichkeit schon genug gelangweilt zu haben, und bitte Sie, hier wie sonst mich zu entschuldigen und mir zu verzeihen in Ihrer freundlichen Huld, der ich mich ergebenst empfehlen möchte. Ich bitte den lieben Gott, unsern Vater, er möge Sie in seiner heiligen Hut halten, Sie führen durch seinen Geist und seinen Namen immer mehr verherrlichen lassen durch Sie.

Genf [Januar 1551].

Calvin, Jean – An Eduard VI., König von England.

Calvin, Jean – An Eduard VI., König von England.

Widmungsschreiben zum Kommentar zu den katholischen Briefen.

Über das Konzil zu Trient.

Schon wieder komme ich vor dich, bester König. Denn wenn ich neulich meinen Kommentar zum Jesaja als ein deiner Majestät hoffentlich angenehmes Geschenk dir widmete, so ist dadurch mir selbst noch nicht genug getan. So habe ich mir vorgenommen, die gewöhnlich so genannten katholischen Briefe als Dreingabe, um mein Geschenk voll zu machen, beizufügen, so dass beide Werke gleichzeitig in deine Hände kämen. Sicher geschieht diesen Briefen, da sie ja an weit entlegene Völkerschaften und an die in verschiedenen Gegenden zerstreuten Juden gerichtet sind, damit nichts Neues, wenn sie auch jetzt übers Meer wandern und manchen Umweg machen müssen, bis sie zu deiner Majestät kommen. Freilich, hoch gerühmter König, bringe ich dir persönlich meine Werke so dar, dass sie, mit deinem Namen an der Spitze veröffentlicht, allen Menschen nützen sollen. Wahrlich, wenns je eine Zeit gab, da man Gottes Wahrheit mutig und frei heraus sagen musste, so ists heute, wie jedermann sieht. Ganz zu schweigen von der furchtbaren Verfolgungswut, die überall gegen die Bekenner der Wahrheit entfesselt wird, ganz zu schweigen auch von den Ränken aller Art, hier heimliche Intriguen, dort offene Waffengewalt, mit denen Satan sie bekämpft, so spotten selbst in den Ländern, wo noch vor kurzem die reine evangelische Lehre ihren Sitz hatte, nun durch das ehebrecherische Deformationsinterim die Trabanten des römischen Antichrists Christi nicht anders, als ob sie ihm ein Schilfrohr statt des Zepters in die Hand gäben und eine Dornenkrone auf sein Haupt setzten [Matth. 27, 29]. Und obwohl diese schlauen Verderber nichts anderes hofften, als das reine Evangelium durch solche Kunstgriffe allmählich umzubringen, so gaben gerade die solcher unwürdiger Verspottung Christi in jämmerlicher Schwäche nach, die hundertmal lieber ihr Leben hätten aufs Spiel setzen müssen, als durch ihr treuloses Schweigen eine kurze Schonung von, ich weiß nicht wie viel, Tagen zu erkaufen. Unterdessen heißts noch, der Papst wolle durch eine neue Kreuzigung des Gottessohns den letzten Akt des Trauerspiels aufführen und den Mummenschanz eines Konzils wieder beginnen. Denn wenn er auch zur Vertilgung des Christennamens und zur Erdrosselung der Kirche schon ohnedies in wilder Mordgier wütet, so soll ihm doch zur feierlichen Abschlachtung dieses scheinbaren Konzils gleichsam das geweihte Opfermesser sein. Schon Paul III. hat solcher Art, während er alle schlachten und morden ließ, deren Leben eine Verteidigung der Wahrheit war, das anrüchige Konzilgespenst, mit allen möglichen Farben schön geschminkt, zu Trient erscheinen lassen, um das Evangelium mit diesem letzten Blitzstrahl zu treffen und zu zerstreuen. Doch die ganze Veranstaltung ging, nachdem die guten Väter begonnen hatten, durch das Wetterleuchten einiger Sessionen die Augen der Einfältigen zu blenden, in Rauch auf, zerstreut durch ein heimliches, rasch entstandenes Lüftchen vom heiligen Stuhl her; nur um den Schrecken festzuhalten, lagerte sich noch eine Weile das Wölklein über Bologna. Nun soll sich ja sein Nachfolger, Julius III., der auf dem Theater zu Trient die Hauptrolle spielte, wieder zu solchem Feldzugsplan rüsten, als ob, um die evangelische Lehre aus dem Gedächtnis zu tilgen, nichts anderes mehr nötig wäre, als die Blitze grausam-schrecklicher Konzilsbeschlüsse auf uns zu schleudern. Freilich behaupten sehr viele auch, er tue nur dergleichen. Doch tut das nicht viel zur Sache, ob er sein Konzil nur vorgeblich oder im Ernst einberuft. Die Tatsache ist klar bezeugt: seitdem Luther das Papsttum in Wanken brachte, haben alle, die diese Burg der Tyrannei inne hatte, obwohl sie doch von einem Konzil, so wie sie es nämlich halten wollten, einige Unterstützung wohl erwarten durften, dieses Heilmittel nicht anders gescheut, als ein Kranker an seinem über und über mit Schwären bedeckten Leib jede Berührung auch des rücksichtsvollsten Arztes fürchtet. So ist es eine alte, jedem Kind geläufige Redensart, ein Konzil könne dem Papsttum nicht anders helfen, denn als Brenneisen oder Operationsmesser. Und doch sehe ich keinen Grund, weshalb die Päpste sich so sehr vor einem Konzil fürchten, es sei denn, dass die Furcht eben die unzertrennliche Begleiterin des schlechten Gewissens ist. Denn was war, ich bitte, vor kurzem jene Menschenanhäufung in Trient, der sie den Namen eines hochheiligen, allgemeinen und ökumenischen Konzils gaben, anders, als ein leeres Schreckmittel? Das konnte doch das Vergnügen des Papstes nicht mehr stören als das Trompetengeschmetter und das Paukengetön, an denen er sich täglich ergötzt. Wenn einmal wirklich eine Synode von überall her ernstlich versammelt würde, dann wäre vielleicht Grund zu der Befürchtung, dass das Murren dieser großen Menge größeren Lärm erregen könnte. Wer glaubt aber, der Papst lasse sich durch ein Scheinkonzil, wie es das in Trient war, mehr erschrecken als durch eine Kinderklapper, und schlummere nicht vielmehr wie mit einem beruhigenden Schlafmittelchen dabei süß ein? Denn da werden zwei oder drei Kardinäle nach dem Spruch des Papstes und aus seinen intimsten Busenfreunden erwählt und abgeordnet werden, um das Steuer des Konzils in der Hand zu halten. Derselbe Tyrann wird dann irgendeinen Hungrigen aus seiner Höflingsschar mit ein paar Dukaten im Monat dazu bringen, als Patriarch verkleidet als seine Meinung sklavisch vorzutragen, was man ihm diktiert hat. So war z. B. in Trient jener Robert, ein Blinder, den ich selbst einmal ebenso lächerlich als unehrlich in Regensburg für den Papst eifern sah, als er mich durch seine Schmeicheleien für eine Unterredung mit Kardinal Contarini gewinnen wollte. Dann werden aus ganz Italien die Drei-Groschen-Bischöfe herbeieilen, deren dort eine große Menge ist. Es kommen vielleicht auch aus Frankreich und Spanien ein paar windige, eitle Menschen, andere wieder mit übelberüchtigtem Vorleben, die dann nach ihrer Rückkehr zu Hause sich rühmen werden, sie hätten der katholischen Kirche gute, treue Dienste geleistet. Aus allen Mönchslöchern wird eine ganze Flut von Fröschen zu jenem Sumpf hüpfen und um die Wette durch ihr Quaken die Wahrheit verjagen wollen. Wie, erfinde ich mit dieser Schilderung etwas Neues? führe ich nicht vielmehr jedermann die Zusammenkunft deutlich vor Augen, die man neulich zu Trient gesehen hat? Was braucht also der Papst von diesen seinen Thronwächtern zu fürchten, die allesamt erstens, wie er weiß, seine Untertanen und in seiner Hand sind und zweitens jeder für seine Person nichts anderes suchen, als des Papstes Wohlgefallen auf jede Weise zu erringen? Besonders unser Julius, der ja in dieser Art vorzugehen ein geriebener Kunde ist, kann sich ein Konzil, wie ers mag, zum Scherz zusammenstellen und dabei nach seiner Art seinen Spaß haben. Dass er in kurzer Frist mehrere Dominikaner mit dem roten Hut schmückte, ist sicher kein undeutliches Vorspiel solcher Dinge. Zwar, wie man sagt, war dieser Orden bei ihm stets in besonderer Gunst; aber diese Freigebigkeit [in Kardinalshüten] hat doch einen tieferen Grund. Natürlich weiß er zur Genüge, dass er nichts Unverschämteres gibt als diese Bettelmönche, wie er denn schon oft ihre gemeine, schmutzige Unterwürfigkeit nach seinen Wünschen missbraucht hat. Wiederum weiß er, dass es jetzt, da er sie zu solchem Ehrenrang erhoben hat, nichts Kühneres und Aufdringlicheres gibt als sie, er mag ihnen befehlen, wider Recht und Gerechtigkeit zu handeln, wie er will. Er weiß auch wohl, dass in Zukunft noch viele hungrige Hunde nach diesem Preise gierig sind und deshalb in jeden Streit stürzen, in den er sie hetzt. Und doch will ich nicht sagen, dass die unrecht haben, die behaupten, er wolle gar kein Konzil; denn, wenn er seine Theatergesellschaft zusammengestellt hat, so wird ohne Mühe irgendein Platzregen zu erregen sein, der die ganze Aufführung stört. Wenn ihm passt, kann er auch gleich am Anfang die Schnüre des Vorhangs durcheinander bringen. So nichtig eine Konzilskomödie aber auch sein mag, zur Niederwerfung Christi und zur Vernichtung der Reste der Kirche glaubt er sie brauchen zu können wie eine Herkuleskeule.

Sollen wir nun, da dieser Fürst der Gottlosigkeit so übermütig Gottes Ehre und unser aller Heil Hohn spricht, dazu schweigen und die heilige Sache verraten? Hundertmal lieber, wenns sein muss, will ich den Tod, als dass wir eine so unwürdige, frevelhafte, barbarische Unterdrückung der reinen Lehre aus Feigheit unaufgedeckt lassen. Nehmen wir einmal an, so wenig glaublich es ist, der Papst und seine Schar denke ernstlich an die Einberufung eines Konzils, so würde ja natürlich Christus nicht mit so auf den ersten Blick erkennbarem, offenem Spott gehöhnt, aber die Verschwörung gegen ihn, die so entstünde, wäre nicht weniger frevelhaft. Ja, je glänzender ein päpstliches Konzil aufträte, um den Schein des Ernstes zu erwecken, eine umso schädlichere und umso mehr zu fürchtende Pest zum Verderben der Kirche wäre es. Denn dass eine Versammlung, die auf Anregung des Antichrists einberufen wäre, von Gottes Geist gelenkt würde, dass die Sklaven Satans nur ein wenig nach Mäßigung trachteten, darf man nicht hoffen. Erstlich wird dort den obersten Vorsitz führen ein offener, geschworener Feind Christi, der Papst. Wenn er auch sehr dergleichen tut, als frage er nach der Meinung der dabeisitzenden Väter, so werden sie alle, erschreckt schon von seinem Anblick, für das stimmen, was ihm, dem einen, beliebt. Was brauchts aber auch der Verstellung in einer Versammlung, die zu jeder Gottlosigkeit mehr als einträchtig ist? Ich will nicht davon reden, wie ein jeder Kardinal an sich ist. Dass in dem ganzen Kollegium, – einen sehr heiligen Senat wird mans nennen, – teils epikuräische Verachtung Gottes herrscht, teils wilder Hass gegen die Wahrheit und offene Wut gegen alle Frommen, ist handgreiflich. Und besteht nicht der Bischofsstand aus denselben Ungeheuern? Nur sind unter den Bischöfen noch viele faule Esel, die zwar weder Gott offenkundig verraten, noch gar so feindlich die reine Lehre bekämpfen, aber sie führen sich in ihren korrupten Zuständen so wohl, dass sie keine Besserung wollen. Rechne dazu, dass die entscheidende Autorität bei den paar Leuten liegen wird, die, weit entfernt vom Trachten nach Frömmigkeit, sich als die eifrigsten Schützer des römischen Stuhls erweisen werden; die andern sind nur Zahl. Wer den grausamsten Antrag gegen uns stellt, hat die große Mehrheit für sich, nicht nur des abstimmenden Haufens, sondern auch der Führer, die, sei es freiwillig und eifrig von ihrem eignen Wunsch oder ihrem Ehrgeiz dazu gebracht, sei es aus Furcht gezwungen, beipflichten werden. Ich bin jedoch nicht so unbillig, dass ich nicht zugebe, es seine vielleicht einige da von gesunderem Urteil und sonst nicht übelgesinnt; aber sie werden nicht den Mut haben, dem bösen Willen der ganzen Körperschaft zu widerstehen. Unter tausend sind vielleicht zwei oder drei so tapfer, ein halbwegs freies Wort für Christum zu wagen, wie es zu Trient Pietro Paolo Vergerio war. Aber das heilige Konzil wird schon ein Mittel bereithalten, dass ihm solche Leute nicht lange zur Last fallen. Denn entweder wird man sie in den Kerker werfen und bald zum Widerruf bringen, oder sie werden ihre allzu freien Reden mit dem Tod besiegeln, oder man wird ihnen den Becher des ewigen Schweigens kredenzen. Gegen uns aber wird man mit solcher Billigkeit verfahren, dass man uns als Ketzer von unbezwinglicher, beklagenswerter Verstocktheit erklärt, wenn wir nicht die Regeln für eine rechte Reformation vom heiligen Konzil erbitten und mit seinen Entscheidungen (mögen sie sein, wie sie wollen) uns sofort beruhigen.

Dass wir die Autorität eines gesetzmäßigen Konzils, wenn ein solches abgehalten werden könnte, nicht scheuen, haben wir früher in klaren Beweisen genügend bezeugt. Wenn aber nun die offenen Gegner Christi fordern, dass ihnen die letzte Entscheidung, über die es keine weitere Berufung mehr gibt, übertragen werde, und zwar mit der Bedingung, dass sie über die religiöse Frage nach ihrer Meinung und nicht nach Gottes Wort entscheiden dürfen, wie sollen wir da gehorchen können, ohne Christum mit Wissen und Willen zu verleugnen? Und es darf uns keiner vorwerfen, wir seien von vornherein misstrauisch. Sie sollen ein Konzil gewähren, in dem uns Freiheit gegeben wird, die Sache unserer Frömmigkeit zu verteidigen. Wenn wir uns dann weigern, hinzukommen und Rechenschaft abzulegen über alles, was wir getan haben, dann haben sie erst das Recht, uns wegen Eigensinns zu verdammen. Aber weit entfernt, dass wir die Macht hätten, recht zu denken und zu reden, wird man uns zweifellos sogar an der gesetzlich vorgeschriebenen Verteidigung unserer Sache hindern. Denn wir würden die, die nicht einmal die freundlichste Mahnung, sozusagen ein leises Lispeln, ertragen, die klar tönende Donnerstimme der Wahrheit aufnehmen können? Das zeigen sie ja auch deutlich und ohne Verstellung. Sie laden uns ein, aber geben sie uns nur einen Sitz, wenn auch nur auf den untersten Bänken? Nein, sagen sie, es darf keiner sitzen, er sei denn gesalbt und trage die Mitra. So mögen sie sitzen, wenn man nur auf uns hört, wenn wir stehend die Wahrheit sagen! Sie werden erwidern, sie hätten uns ja freigebig Gehör versprochen. Ja so, dass wir eine Bittschrift einreichen dürfen, dann gleich hinausgewiesen werden und, nachdem sie ein paar Tage gelärmt und geschrieen haben, zur Verurteilung wieder vorgeladen werden. Von Lärmen rede ich, nicht als ob in dieser Versammlung eine Auseinandersetzung verschiedener Meinungen zu erwarten wäre, sondern nur, weil es ihnen als eine unerträgliche Schmach erscheinen wird, dass fromme Bischofsohren von uns so unehrerbietig beleidigt werden. Es ist klar, welch lauten Entrüstungssturm es bei ihnen gäbe. Gewiss aber wird eine vernünftige Disputation über unsere Sache so wenig von ihnen zu erreichen sein, dass man auch nicht auf eine Spur von wirklichem Kennenlernen hoffen darf. Wir verlangen, dass der Gottesdienst von unzähligen abergläubischen Bräuchen, durch die er verdorben und begraben ist, gesäubert und in seiner ursprünglichen Reinheit wieder hergestellt werde. Da werden nun diese unheiligen Schwätzer von nichts als Satzungen der Vorfahren, uralten Bräuchen und Zeremonien plappern. Als ob die Kirche, die durch das himmlische Lehramt der Propheten und Christi unterwiesen ist, keine andere Art der Gottesverehrung hätte, als die Romulusbrut im Bann der Greisenphantasien des Numa Pompilius in dumpfer Furcht sie übte! Wo bleibt denn da jener einfältige Gehorsam, den der Herr überall so sehr verlangt und so unerbittlich fordert? Wenn über die Verderbtheit und den elenden, unglückseligen Zustand der Menschennatur, über die Gnade und Wirksamkeit Christi, über unsere als Geschenk uns angebotene Seligkeit verhandelt wird, so bringen sie anrüchige Schulsätze großartig vor als endgültige Entscheide, die außer aller Diskussion stünden. Der heilige Geist lehrt uns in der Schrift, unser Geist sei mit solcher Blindheit geschlagen, die Leidenschaften unseres Herzens seien so verkehrt und verdreht, unsere ganze Natur sei so verderbt, dass wir nichts könnten als sündigen, bis er, der heilige Geist, einen neuen Willen in uns bilde. Er zwingt uns, die wir verstrickt sind im Netz des ewigen Todes, beraubt alles Vertrauens auf unsere Werke, uns allein in den Schutz der Barmherzigkeit Gottes zu flüchten und unsere ganze Gerechtigkeit darein zu setzen. Er ladet uns ein zu Gott, bezeugt uns, dass nur in Christi Blut Gott versöhnt wurde und heißt uns, auf Christi Schutz vertrauend, unverzagt vor Gottes Richterstuhl treten. Dass man von alldem nichts hört, ist in ihren ewigen Beschlüssen festgesetzt, und die verletzen gilt ihnen größere Sünde, als Gott samt allen Engeln die Glaubwürdigkeit absprechen. Über die Sakramente lassen sie kein Wort zu, das abweicht vom üblichen Brauch. Was heißt das aber anders, als auch nur der geringsten Verbesserung den Weg abschneiden? Und doch ist leicht zu zeigen, wie verdreht und verkehrt im Papsttum die Verwaltung der Sakramente ist, so dass nichts mehr dem echten Gebot Christi Verwandtes daran ist, wie fälschende Verderbnis dazugekommen ist, ja wie sie zu schmählicher Heiligtumsschändung geworden ist. Diese Frage darf man aber nicht anrühren. diesen Theologastern ist das schon ein geläufiges Wort geworden, das sie überall in ihren Schriften hinwerfen, solle der Bestand der Kirche unversehrt bleiben, so müsse man sich vor allem hüten, dass man im Konzil keinen Zweifel aufkommen lasse über die Streitfragen der Gegenwart.

Erst neulich ist ein abgeschmacktes Buch in italienischer Sprache erschienen von einem gewissen Muzio, eine bloße Abschlachtung des Gegners ohne jedes Salz, in dem er das ausführlich behandelt, es bleibe nichts anderes übrig, als dass die ehrwürdigen Väter, sobald sie zum Konzil zusammenträten, verkündeten, über diese ganze Frage seien sie bereits im Klaren; sie müssten uns nur zur Anerkennung dieses blutdürstigen Entscheids zwingen. Ich brächte zwar das misstönige Krächzen dieses Unglück verheißenden Uhus gar nicht vor, hätte nicht Papst Julius diesem Werk eine Breve als Empfehlung beigegeben. Daraus mögen die Leser ihr Urteil bilden, dass nur auf ein solches Konzil zu hoffen ist, wie Muzio als Herold es anpreist, da Julius das billigt.

Da wir nun sehen, wie diese Antichristen mit verzweifelter Hartnäckigkeit zur Abschlachtung der reinen Lehre stürzen, in ebensolcher Frechheit ruhig frohlocken und aus keinem andern Grund ihr Scheinkonzil veranstalten, als um über die Niederlage des Evangeliums einen letzten Siegesgesang anzustimmen, so wollen auch wir unsern Mut sammeln, unsererseits, angetan mit Waffen der Wahrheit, der Fahne unseres Feldherrn zu folgen. Wenn nur die einfache, reine Schriftlehre strahlt, wie sie soll, so muss jeder, der sich nicht weigert, die Augen aufzutun, erkennen, dass das Papsttum ein ungeheurer, fluchwürdiger Gräuel ist, durch Satans Kunst gebildet aus einer Häufung zahlloser Irrtümer. Denn wir machen mit festen Zeugnissen deutlich, dass Gottes Ehre im Papsttum ehrfurchtslos zerrissen und auf erfundene Götzen verteilt ist, dass bei Gott selbst kaum ein Hundertstel dessen bleibt, was ihm zukommt. Dazu, wenn sie irgendetwas vom Gottesdienst übrig lassen, so bleibt doch kein Teil davon echt, so sehr ist alles mit abergläubischen, menschlichen Erfindungen angefüllt. Dass mit ebensolchen Erfindungen auch das Gesetz Gottes unwürdig verdeckt ist, können wir auch zeigen. Auch dass die armen Seelen unter dem Joch von Menschen gehalten werden, statt von Gottes Geboten geleitet, dass sie unter der drückenden Last so vieler Satzungen seufzen und leiden, ja mit grausamer Tyrannei unterjocht werden. Wir bezeugen, dass mit diesem Gehorsam, der Übertretung [des Gebotes Gottes] ist, nichts erreicht wird, als dass sie immer tiefer in dieses Labyrinth hineingeraten. Ebenso klar lehren wir nach der Schrift, dass die Bedeutung Christi im Papsttum fast vernichtet, seine Gnade zum großen Teil verschüttet ist, dass die armen, von ihm weggerissenen Seelen mit verderblichem Vertrauen auf ihre eigne Kraft und ihre Werke aufgebläht werden. Wir können beweisen, dass die Anrufung Gottes, wie sie in seinem Wort als einzige Zuflucht zur Seligkeit geboten ist, [im Papsttum] von Grund aus umgestürzt ist. Wir können offen zeigen, dass die Sakramente teils durch erdichtete Äußerlichkeiten verfälscht sind, teils einen ganz andern Sinn erhalten haben; dass ihnen unfrommer Weise die Kraft des heiligen Geistes zuerkannt und fälschlich das zugeschrieben wird, was Christo eigen ist. Die Siebenzahl, die sie keck zurechtgemacht haben, können wir ihnen entwinden. Die Messe, die sie als Opfer betrachten, können wir ihnen nachweisen als hässliche Verleugnung des Todes Christi und an ihr klar zeigen, wie sie dazu noch voll Lästerung steckt. Sicher bleibt, sobald nur die Schriftautorität gilt, keiner dieser Punkte, bei dem unsere Gegner nicht verstummen müssten. Das verhehlen sie auch gar nicht, indem sie sagen, wegen des zweideutigen Sinns der Schrift müsse die Entscheidung beim Urteil der Kirche stehen. Ich bitte, sieht da nicht jedermann, dass Gottes Wort zurückgesetzt und alle Entscheidung damit ihnen übertragen wird? Freilich geschlossene Bibelbücher küssen sie, als ob sie sie anbeteten, aber durch den Vorwurf der dunkeln, verworrenen Vieldeutigkeit nehmen sie der Schrift die Geltung nicht anders, als ob kein Buchstabe geschrieben stünde. Sie mögen sich noch schöne Namen beilegen und tun, als brächten sie nichts vor, als was der heilige Geist ihnen geböte, wie sie sich rühmen -, das ist doch fest beschlossen bei ihnen, dass allen andern Gründen der Abschied gegeben wird und allein zuverlässig ist – ihr Gutdünken. Damit nun die Gläubigen nicht von irgendeinem Wind falscher Lehre umgetrieben werden und den schlauen Haarspaltereien der Gottlosen anheim fallen, so sollen sie wissen, wie es sie ihre Glaubenserfahrung lehrt, dass gewiss nichts fester ist als die Schriftlehre, und mögen sich auf diese Stütze ruhig verlassen. Da wir nun diese Schriftlehre schmählich von den bösen Fabeln der Sophisten entstellt sehen, und eben heute die gedungenen Wortklauber des Papstes wieder am Werk sind, mit ihrem Rauch das Licht zu verfinstern, so müssen wir umso mehr uns mühen, ihren Glanz wieder herzustellen.

Was mir noch bleibt vom Leben, das will ich, wenn ich Muße und Freiheit dazu habe, vor allem diesem Bestreben widmen. Die erste Frucht meiner Arbeit möge die Kirche, der ich verpflichtet bin, so aufnehmen, dass sie umso länger Bestand hat. Denn wenn mir auch neben der Führung meines Amtes nur wenig Zeit bleibt, so will ich doch, so wenig es ist, sie anwenden zu dieser Art Schriftstellerei.

Um nun wieder auf dich zurückzukommen, hochberühmter König, so hast du hier als unbedeutendes Pfand meiner Verehrung meinen Kommentar, worin ich die katholischen Briefe, in denen sonst manches dunkel und versteckt ist, so zu erklären versuche, dass einem nur etwas fleißigen Leser das Verständnis des wahren Sinnes vertraut werden muss. Und wie die Schriftausleger, jeder nach seiner Fähigkeit, Waffen liefern zur Bekämpfung des Antichrists, so musst du dich daran erinnern, dass es deiner Majestät Aufgabe ist, damit die Religion unversehrt in Kraft bleibe, die treue, echte Auslegung der Schrift vor schändlicher Verleumdung zu schützen. Nicht umsonst gebietet Gott durch Mose, sobald ein König seines Volkes den Thron bestiegen habe, solle er sich einen Gesetzesband abschreiben lassen [5. Mose 17, 18]. Auch wenn er schon vorher persönlich ein eifriger Leser der Schrift war? Ja, damit die Könige wissen, dass sowohl sie einer besonderen Kenntnis der Lehre bedürfen, als dass ihnen auch die besondere Pflicht auferlegt wird, die Schrift zu hüten und zu schirmen, deshalb weist der Herr seinem Gesetz als heiligen Wohnort den Königspalast an. Weil nun aber in dieser Beziehung deine heldenhafte Geistesgröße weit hinaus reicht über das, was dein Alter erwarten lässt, so will ich nicht mehr Worte machen, dich darin zu festigen. Lebwohl, edelster König. Der Herr fahre fort, deine Majestät mit seiner Treue zu beschirmen, wie ers bisher getan hat. Er leite dich und deine Räte mit dem Geist der Klugheit und der Stärke und erhalte dein ganzes Königreich in Glück und Frieden.

Genf, 24. Januar 1551.

Calvin, Jean – An König Eduard VI. von England.

Calvin, Jean – An König Eduard VI. von England.

Widmung des Kommentars zu Jesaja.

Obwohl ich anerkennen muss, dass dieser Kommentar nach meinen Vorlesungen treu und geschickt zusammengestellt ist, so fürchtete ich doch, weil er von fremder Hand ausgearbeitet ist, die öffentliche Widmung an dich könne mir kaum für ein rechtes Geschenk an deine Majestät angerechnet werden. Doch von diesem Zweifel befreite mich schließlich vor allem die Überlegung, da dieser Prophet aus königlichem Stamm und vornehmste Gesandte des höchsten Königs Christus in erster Linie deiner Person würdig sei, so werde hoffentlich auch meine Arbeit in der Auslegung seiner Weissagungen deiner Majestät angenehm und wertvoll sein. Jesaja hat ja den Sinn von fünf Königen, denen er, wie sie der Reihe nach aufeinander folgten, als Lehrer gesetzt war, durch Erfahrung als sehr verschieden kennen gelernt. Welchen von diesen fünf du dir besonders als Vorbild nehmen sollst, das brauche ich dir gar nicht zu sagen, und wozu du dich schon freiwillig bereit zeigst, dazu brauche ich dich nicht zu ermuntern. Usia und Jotham, wiewohl sie nicht mutig genug waren, den Dienst Gottes wiederherzustellen, erkannte Jesaja doch als ihm wohl geneigt. Mehr zu kämpfen hatte er schon mit Ahas, zwar nicht als mit einem offenen Feind, sondern als mit einem gewandten Heuchler und einem Menschen voll treuloser Verstellungskunst. Und keine Art Feinde ist den Knechten Gottes lästiger als diese. Sein Nachfolger Hiskia achtete nicht nur ehrerbietig auf den heiligen Mann, sondern ordnete sich auch, so bescheiden wie irgendeiner aus dem Volk, seiner Lehre unter; seinem Rat gehorchte er, durch seine Ermahnungen ließ er sich leiten, ja, wenns nötig war, ließ er sich auch mit Gleichmut streng tadeln von ihm. Manasse schließlich ließ den Propheten, der doch, wie die Juden übereinstimmend berichten, sein Schwiegervater war, unter grässlichen Martern zu Tode foltern. Übrigens auch als nicht übel Könige ihm die Hand boten, selbst unter Hiskia, dem eifrigen Reformator, musste Jesaja sich doch unaufhörlich durch harte, lästige Anfeindungen plagen lassen und heftige Kämpfe bestehen. So selten und schwierig ist die Übereinstimmung der Menschen mit der reinen Lehre; vielmehr muss, wer aufrichtig und treu das Prophetenamt verwalten will, beständig mit der Welt Krieg führen. Umso eifriger sollten fromme Könige sich bestreben, Gottes Diener durch ihren Schutz zu unterstützen, damit sie nicht durch die Frechheit der Gottlosen übers Maß hinaus angegriffen werden. Doch so herrlich und wahrhaft heldenhaft solche Tugend ist, so selten und von so wenigen ist sie gehegt worden, auch wenn du in Gedanken die ganze Weltgeschichte von Anfang an durchgehst. Viele ließen feig und träg die Wahrheit Gottes ruhig unterdrückt werden, wie wenn die Sache sie nichts anginge; ein großer Teil war ihr offen entgegen und bekämpfte sie mit wilder Wut. Wenn doch heute alle, die sich Christen nennen, ebenso tapfer wären, die Heilslehre zu bekennen, wie sie sich hochmütig ihres Christennamens rühmen!

Aber, um von andern zu schweigen, es ist bei der gegenwärtigen elenden Lage der Kirche als kein geringer Trost anzusehen, dass du, edelster König, von Gott durch deine vorzügliche Geistes- und Gemütsanlage zum Schutz der Frömmigkeit ausgerüstet bist und deinen Dienst in dieser Sache Gott ebenso willig anträgst, als er es, wie du weißt, wünscht und gerne sieht. Wenn auch die Regierungsgeschäfte bisher noch durch deine Räte geführt werden und auch dem erlauchtesten Herzog von Somerset, deiner Majestät Oheim, wie den meisten andern die Religion so am Herzen liegt, dass sie emsig, wie sichs ziemt, dafür wirken, sie zu festigen, so eilst du allein ihrem allgemeinen Bestreben doch so voraus, dass leicht ersichtlich ist, der Eifer, den sie an dir bemerken, sei kein geringer Sporn für deine Räte. Denn nicht nur spricht der Ruf rühmend von deiner hochherzigen Charakteranlage und einem gewissen Aufkeimen der Tüchtigkeit, die in so zartem Alter schon als außerordentlich angesehen wird, sondern von einer über deine Jahre hinausgehenden völligen Reife der Tugenden, die auch bei Volljährigen nicht nur Lob, sondern geradezu Bewunderung erringen. Besonders aber wird deine Frömmigkeit so gerühmt, dass ich überzeugt bin, du werdest unseren Propheten so achten, dass er jetzt nach seinem Tode noch mit derselben Ehrerbietung behandelt wird, mit der Hiskia den Lebenden aufnahm.

Welchen Nutzen du daraus haben wirst, das kannst du beim Lesen am besten erkennen, und das deute ich bei der Behandlung des Stoffes selbst an; nur über einen Punkt habe ich mir vorgenommen, mit deiner Majestät noch zu reden. Nachdem der Prophet die gerechte Klage Gottes über das undankbare Volk dargelegt und die Juden mit den Strafen bedroht hat, die ihr treuloser Abfall und ihre verzweifelte Halsstarrigkeit verdienten, nämlich mit einer Zeit gräulicher Verwüstung, so redet er gleich nachher von der neuen und unglaublichen Wiederherstellung der Kirche und verheißt, Gott werde dafür sorgen, dass sie ihren Feinden zum Trotz stets in Glück und Herrlichkeit blühen werde. Diesen fröhlichen, glücklichen Zustand durften die schmecken, die heimkehrend aus der babylonischen Gefangenschaft bei dem Wiederaufbau des Tempels die Hoffnung fassen konnten auf noch größeres Glück, als sie damals genossen, wie man beim Anblick der Morgenröte auf den baldigen Sonnenaufgang hofft. Als aber die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, mit dem Glanz seines Evangeliums aufging, da war alles, was die Verheißungen des Propheten so herrlich gefeiert hatten, weit übertroffen. In kurzer Zeit verbreitete sich die Kenntnis des wahren Gottes durch die ganze Welt. Die reine Religion, die vorher in Judäa als einem dunklen Weltwinkel verachtet und verborgen lag, begann in allen Völkern und Provinzen Pflege zu finden, so dass unzählige Zungen in Einmütigkeit des Glaubens Gott anriefen. Gottes Sohn sammelte überall seine Gemeinde und richtete seinen Königsthron auf, so dass er sichtbar strahlte vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne. Die Gemeinden selbst, ausgestattet mit unerhörten Geistesgaben, durften nicht nur für sich unvergleichliche Frucht der göttlichen Güte spüren, sondern waren selbst für Blinde eine wunderbare, leuchtende Darstellung seiner Macht. Und obgleich der Sohn Gottes unter dem Kreuze herrschte, so strahlte seine Herrlichkeit gerade in den harten Verfolgungen umso erhabener und waren seine Siege schöner, als wenn die Kirche ruhig und glücklich gewesen wäre. Schließlich kams, dass auch die stolze Hoheit des römischen Reiches sich Christo unterwarf und dadurch ein außerordentlicher Schmuck im Hause Gottes wurde. Doch damit dies Glück nicht unaufhörlich weiter gehe, trat ihm die menschliche Bosheit und Undankbarkeit in den Weg. So wurde die Braut Christi ihres kostbaren Gewandes entkleidet, ihrer Ehre beraubt, um ihren herrlichen Glanz gebracht und zu elender Hässlichkeit entstellt. Zwar erhielt der Herr stets einige Reste wie im Versteck, aber was die äußere Gestalt der Kirche anging, so sah man jahrhunderte lang nichts als große, wirre Verwüstung. Und auch heute sehen wir den Antichrist in Rom weit und breit das Heiligtum in frevler Tyrannei besetzt halten und, was Gottes war, zerreißen und unter die Füße treten. Denn wenn die reine Lehre durch wunderliche Irrlehren verderbt ist, der rechte Gottesdienst verschwunden ist und zahllose Götzendienereien dafür aufgekommen sind, wenn aus dem rechten Kirchenregiment eine gräuliche Mördergrube geworden ist, wenn die Sakramente teils durch krasse Verderbnisse entstellt, teils zum Gegenstand eines schmutzigen Jahrmarkts geworden sind, was ist da außer traurigen Trümmern noch übrig von der wahren, echten Schönheit des geistigen Baus?

Und nun hat der Herr in unsrer Zeit wider aller Erwarten begonnen, wieder aufzurichten, was eingestürzt war, damit sich wenigstens wieder eine Art Rohbau des wahren Tempels erhebe, in dem rein nach dem Gebot des Evangeliums angebetet wird. Ein paar Menschlein aus dem gewöhnlichen Volk, die aber mit aufrichtiger Lehre dies Werk fördern sollten, hat er sich als Baumeister erwählt. Ein schweres, ungeheures Werk, auch wenn der Satan es nicht störte. Da dieser nun aber, sobald sich ein Teil des Baus erhob, alle Mittel in Bewegung setzte, ihn zu zerstören, ists da zu verwundern, wenn wir nur mit geringem, langsamem Erfolg viel und unter Sorgen schwitzen müssen? So hochmütig verachten uns die großen Riesen, als hieße die Tyrannei des römischen Stuhls ins Wanken zu bringen nichts anderes, als den Berg Olympos aus seinen Grundfesten reißen zu wollen. Schlaue Leute aber mit besonderer Spürnase, (so kommts ihnen wenigstens vor), bespötteln und belächeln unsern Eifer, weil wir so sehr an der Wiederherstellung des rechten kirchlichen Zustands arbeiten, als ob sich da etwas Sicheres, Festes finden ließe. Jene Hochmütigen nämlich halten sich für so wohl gegründet und gesichert, dass sie meinen, es sei nicht leichter, das Papsttum zu zerstören, als Himmel und Erde zusammenzubringen. Diese Spötter aber denken anders: weil die Schlechtigkeit der Welt zu groß sei, als dass sie sich zügeln lasse, so, meinen sie, sei es unsinnig von uns gehandelt, wenn wir die Fehler bessern und eine reine, ehrliche Verwaltung der Kirche haben wollen. Bekannt ist des Erasmus [von Rotterdam] Wort: Wie stellt sich denn Capito seinen zehnten Nachfolger vor? Nämlich er konnte nicht leugnen, dass Wolfgang Capito ein frommer Mann sei und mit heiligem Eifer eine Reinigung der Kirche erstrebe; aber weil er überzeugt war, die Diener Christi kämpften gegen die Bosheit der Welt ebenso vergeblich, wie wenn sie das Wasser aufwärts fließen lassen wollten, (wie es die müßigen Philosophen tun!) so verurteilte er uns alle in diesem einen Mann ob unseres unbedachten Eifers. Aber beide irren gewaltig, weil sie nicht bedenken, dass wir im Wiederaufbau der zertrümmerten Kirche dem Herrn die Hilfe, die er will und fordert, nur in der Weise leisten, dass doch die Reformation der Kirche sein eigenes unerschütterliches Werk ist. Das wird uns ja nicht grundlos durch die ganze Schrift bezeugt, noch umsonst durch den Propheten Jesaja so nachdrücklich eingeschärft. Dieser Lehre eingedenk, zögern wir nicht, ein Werk, das weit über unsre Kraft geht, im Vertrauen auf Gottes Schutz zu unternehmen, und keine Schwierigkeit vermag uns zu brechen oder zu erweichen, dass wir das Begonnene ließen.

Und dich, vortrefflicher König, rufe ich hier nun mit Namen auf, ja Gott selbst ruft dir zu durch den Mund seines Knechtes Jesaja, du mögest fortfahren, alle Kraft und Macht, die du hast, an die Förderung dessen, was in deinem Reich so glücklich begonnen, zu setzen, an die Reformation der Kirche. Dass das für das Königreich, an dessen Spitze du gestellt bist, deine erste Pflicht ist, hörst und liesest du täglich. Besonders Jesaja, der die Könige die Pfleger der Kirche [49, 23] nennt, will nicht haben, dass deine Hilfe der Kirche, die so kläglich steht, fehle; es darf dein Herz nicht wenig rühren, welches Wehe der Prophet allen Königen und Völkern zuruft, die die Kirche um ihre Hilfe betrogen. Was die Not der Zeit erfordert, das erkennt deine Majestät deutlich. Auch wenn du trotz eifriger Bemühung nicht viel ausrichtetest, dürfte dich doch gar kein noch so großer Misserfolg von deinem Vorsatz abbringen, weil du weißt, dass das ein Gott wohlgefälliger Dienst und ein wohlriechendes Opfer ist. Nun aber, da Gott dich zu eifrigem Handeln mahnt und zugleich dir auch Erfolg verheißt, warum solltest du da seinem Ruf nicht fröhlich folgen? Jesaja, unser Prophet, ruft irgendwo: Machet Bahn, machet Bahn, räumet den Weg, hebet die Anstöße aus dem Wege meines Volkes! [Jes. 57, 14] Wie hoffnungslos die Heimkehr aus der Verbannung ins Vaterland für die Gefangenen schien, ist bekannt genug. Denn es war das damals noch nicht geschehen, sondern, weil der Prophet im Geist voraussah, was die Nachkommen erst später tatsächlich erlebten, so sagt er es früh heraus, – damit kein Frommer sich entmutigen lasse durch das traurige Schauspiel, – nichts sei so von Hindernissen versperrt und verschlossen, dass der Herr sich nicht doch noch den Weg hindurch bahne zur Befreiung der Kirche. An keinen geringeren Trost müssen wir uns heute aufrichten. Dass du aber, edelster König, in deiner Stellung kräftig aufgerufen wirst, ist wohl der Mühe wert, da Jesaja alle Könige und Obrigkeiten in der Person des Cyrus auffordert, sie sollten der ringenden Kirche zur Wiedererlangung ihres frühern Zustands die Hand bieten. Freilich ist deine Lage von der des Cyrus darin verschieden, dass er, ein Fremder für die Herde des Herrn, nie sozusagen von Berufswegen dazu angehalten war, sich freiwillig von Herzen der Kirche als Beschützer anzubieten und zu bewähren; dich aber, den der Herr nicht nur gewürdigt hat, sein Kind zu werden, sondern auch unter seinen Kindern an die erste Stelle gesetzt hat, dich ruft der Prophet mit erhobenem Arm zu dieser Aufgabe. Mit umso größerm Vertrauen und umso heißerm Eifer musst du deshalb, hochherziger König, in deinem Lauf fortfahren. Die Sache ist zwar, wie gesagt, voll großer Schwierigkeiten und mit noch größerer Verdrießlichkeit verknüpft, ja mit Gefahren verbunden, weil der Satan nicht aufhört, unzählbare Ränke anzuwenden, ob er Gottes heiligen Tempel zum Einsturz oder doch ins Wanken bringen könne. Zuweilen will auch Gott unsere Beharrlichkeit mit solchen Erfahrungen auf die Probe stellen. Aber wenn du nur daran festhältst, dass du samt deinen vorzüglichen Ratgebern in der Kirchenreformation nichts begonnen hast oder jetzt ausführst, was nicht auf Gottes Gebot geschähe, so wirst du ohne Zweifel erfahren, wie wunderbar er alles durchführt, was er seinen Dienern geboten hat. Unvergleichliche Frucht wird England aus deinem Vorgehen davontragen; wir werden dich und dein Reich beglückwünschen können. Unterdessen will ich, wie sichs ziemt, mit meinem Gebet, da ich nichts Besseres habe, deinem heiligen Unternehmen beistehen.

Lebwohl, gnädigster König. Der Herr bewahre deine Majestät recht lange in Kraft, er stehe dir bei, leite dich mit seinem Geiste und segne dich in allen Dingen. Amen.

Genf, 24. Dezember 1550.