Calvin, Jean – An König Eduard VI. von England.

Calvin, Jean – An König Eduard VI. von England.

Der französische Edelmann, für den Calvin bittet (vgl. 358), war gefangen gesetzt, weil man bei ihm Briefe an Laurent de Normandie gefunden hatte. Antoine de Bourbon-Vendome war der Gatte der Jeanne d´ Albret, wurde König von Navarra und Vater Heinrichs IV.

Bitte um Hilfe für einen gefangenen evangelischen Edelmann aus Paris.

Sire, wiewohl ich nicht die Kühnheit hätte, für mich selbst etwas von Ihnen zu erbitten, so glaube ich doch, Sie werden es nicht übel nehmen, wenn ich eine Bitte für einen andern an Sie richte, sobald Sie von der Notlage hören, die mich dazu zwingt, und vom Gegenstand meiner Bitte, der es verdient, Ihnen so sehr am Herzen zu liegen wie mir. Es ist das, Sire, dass in Paris ein französischer Edelmann gefangen gehalten wird, weil man bei ihm einige Briefe gefunden hat, die er an einen unserer Freunde geschrieben hat, der königliche Statthalter in meiner Geburtsstadt Noyon war und sich nach Genf zurückgezogen hat. Dazu kam, dass besagter Edelmann schon für verdächtig in religiöser Beziehung galt und, weil er ein angesehener Mann war, beobachtet wurde. Das war die Ursache seine Verhaftung. Hat nun mein Zeugnis einiges Gewicht bei Ew. Majestät, so kann ich Sie versichern, Sire, dass es ein Mann von so guter Gesinnung ist, so vorzüglich in aller Ehrbarkeit und Tugend, so begabt mit allen lobens- und liebenswerten Eigenschaften und vor allem so fest in der Furcht Gottes, wie man nur einen finden kann. Ich weiß wohl, dass das ein sehr großes Lob ist; aber wenn sie ihn kennten, Sire, so würden Sie ihn ohne Zweifel ebenso beurteilen und merken, dass ich im Loben das rechte Maß nicht überschritt. Er ist beliebt bei allen, Großen und Kleinen, selbst bei Herrn de Vendome und andern Fürsten, und nur die Sache Jesu Christi ists, um deretwillen man ihn hasst und verwirft. Da diese aber bei Ihnen so in Gunst steht, Sire, so hoffe ich, Sie schlagen mir Ihre Hilfe nicht ab, wenn es Ihnen möglich ist. Ich weiß wohl, Ew. Majestät kann nicht, wie es zu wünschen wäre, allen helfen, die leiden und verfolgt werden um des Evangeliums willen; wenn Sie aber geruhen, sich für den Mann zu verwenden, um den es sich hier handelt, so können Sie sicher sein, Sire, dass Sie in der Person dieses einen Mannes vielen andern Trost bringen, die jetzt ganz starr vor Schrecken sind, wie andrerseits die Feinde der Wahrheit meinen, triumphieren zu können, wenn sie in diesem Fall ihr Ziel erreichen. Um aber Ew. Majestät nicht länger lästig zu fallen, will ich keinen längern Bericht von den Tatsachen geben, die Sie, falls Sie es wünschen, besser aus der Erklärung des Edelmanns, der Ihnen diesen Brief überbringt, erfahren können. Nur flehe ich Sie an im Namen Gottes, so dringend ich kann, so sehnlich, als ginge es um mein eigenes Leben, geruhen Sie, meine Bitte zu erfüllen und den König von Frankreich zu ersuchen, er möge den Edelmann außer Landes gehen lassen, samt seiner Frau und dem, was er von seinem Vermögen flüssig machen kann. Tun Sie das, so verpflichten Sie nicht nur mich, immer mehr zu Gott zu flehen um Ihr Glück, sondern auch eine unzählbare Schar guter, gläubiger Leute.

So empfehle ich mich, Sire, so untertänig ich kann, Ihrer Gewogenheit und bitte den lieben Gott, Sie in seiner heiligen Hut zu halten, Sie durch seinen Geist zu leiten in alle Klugheit, Geradheit und Stärke, und Ihre Krone mehr und mehr blühen zu lassen.

Genf, 12. März 1553.
Ihr untertänigster, gehorsamer Diener
Johannes Calvin.

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