Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Paris.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Paris.

Nr. 662 (C. R. – 3392)

Auf Wunsch des Admirals hatte man von Genf Jean Raymond Merlin, früher Professor in Lausanne, seit 1560 Pfarrer in Genf, zu ihm gesandt. Der König, Karl IX., war im Begriff, zur Krönung durch den Kardinal von Lothringen nach Reims zu ziehen. Das nicht erhaltene Gutachten behandelt wohl das Verhältnis zwischen Genf und Savoyen. Der Schluss des Briefes fehlt.

Die Stimmung vor Karls IX. Krönung. Bitte für Genf.

Monseigneur, wir haben Grund Gott zu loben, dass er die Reise des von Ihnen gewünschten Mannes so glücklich hat ausfallen lassen. Ohne Zweifel haben Sie ihn nach Ihrem Wunsch gefunden und wissen bereits aus Erfahrung, dass er getreulich seine Pflicht zu erfüllen sucht. Da ich nicht weiß, wozu und für wie lange Sie ihn brauchen wollen, so wäre mir eine Erklärung darüber erwünscht, wenn es Ihnen gefällig ist. Indessen bitte ich Sie, Monsieur, nicht müde zu werden an dem guten, frommen Werk, das es wert wäre, dreißig Leben dafür zu brauchen, wenn man sie hätte. Ich verstehe zum Teil die Schwierigkeiten und Hindernisse wohl, die Sie aufhalten oder abschwenken lassen könnten, und Sie kennen sie ja aus Erfahrung noch viel besser. Aber Sie wissen, Monsieur, wenn Sie sich auf den stützen, der Sie ans Werk gestellt hat, so werden Sie in Ihrer Erwartung nie enttäuscht. Freilich, um sich zu standhaftem Dienst zu stärken, müssen Sie höher hinaufschauen als auf die Welt. Wie uns ja auch der Apostel mahnt, im Himmel Anker zu werfen [Hebr. 6, 19]. Aber wie dem auch sei, Gott wird stets die Dienste, die wir ihm mit frohem Mute leisten, Erfolg haben lassen. Es scheint mir, der Teufel wühle wieder unter der Erde, um wieder neue Verwirrung anzurichten; aber andrerseits hoffe ich auch, dass Gott in wunderbarer Weise wirken wird. Nicht als ob ich die Hitzigkeit gewisser Leute billigte, die übereilig vorgehen wollen. Da ich sie aber nicht mäßigen kann, so schließe ich die Augen, da ich nichts von Gottes Plänen weiß, als dass er weit über menschliches Verstehen hinaus handeln will, nämlich durch ihr eigene Torheit die schlauen Unternehmungen zunichte machen, die die Bösen vorhaben. Kurz ich hoffe, dass, während der König den Herrn Kardinal besuchen wird, Gott ihm und den Seinen so nahe trete, dass sie nicht mehr von ihm weg können. Indessen müssen wir den Weg gehen, den er uns weist. Ich möchte an Sie, Monsieur, ein besonderes Wort richten wegen der Angelegenheit, über die ich Ihnen ein schriftliches Gutachten sandte. Sehen Sie, Monsieur, dass die Sache ihren Fortgang nimmt, so vergessen Sie unser, bitte, nicht. Ich glaube zwar, dass Ihnen unsere Stadt schon aus höheren Rücksichten wohl empfohlen ist; aber doch ist es auch der Vorteil des Königs, wenn Sie für ihr Wohl arbeiten. Denn wiewohl sie nicht von Wichtigkeit zu sein scheint, so darf man das Kleine doch nicht immer verachten – – – –

[Mai 1561.]

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