Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Orleans.

Calvin, Jean – An Gaspard de Coligny in Orleans.

Nr. 652 (C. R. – 3317)

Vgl. 638. Der Admiral hatte sich trotz der ihm von den Guisen drohenden Gefahr nach Orleans zur Ständeversammlung begeben. Genf war noch immer vom Savoyer bedroht.

Dank und Anerkennung für sein Eintreten für die Hugenotten.

Monseigneur, wir haben guten Grund, Gott zu loben für die außerordentliche Tapferkeit, die er Ihnen gegeben hat im Dienste seiner Ehre und zur Förderung des Reiches seines Sohnes. Es wäre zu wünschen, Sie hätten viele Genossen, die Ihnen dabei hälfen. Wenn aber auch die andern säumig sind, ihre Pflicht zu tun, so müssen Sie doch das Wort unseres Herrn Jesu anwenden, in dem er sagt, dass jeder von uns bereitwillig ihm nachfolgen soll, ohne umzusehn, was die andern tun. St. Petrus fürchtete sich, allein zu gehen, und sagte von St. Johannes: Was soll aber dieser? [Joh. 21, 21]. Die Antwort, die er erhielt, gilt uns allen. Jeder muss dahin gehen, wohin er berufen wird, auch wenn ihm keiner folgt. Immerhin hoffe ich, dass die Hochherzigkeit, die Gott bisher an Ihnen leuchten ließ, ein gutes Beispiel sein wird, die Nachlässigen aufzurütteln. Aber selbst wenn die ganze Welt blind und undankbar wäre und all Ihre Mühe verloren schiene, so geben Sie sich damit zufrieden, Monseigneur, dass Gott und seine Engel Ihr Tun billigen. Das kann Ihnen ja in der Tat genügen, dass die himmlische Krone Ihnen nicht fehlen kann, nachdem Sie so tapfer gestritten haben für die Sache des Gottessohnes, in der unsere ewige Seligkeit liegt.

Im Übrigen, Monseigneur, war ich so kühn, den Überbringer dieses Briefes an Sie zu senden, um Ihnen eine Angelegenheit vorzulegen, die er Ihnen mündlich auseinandersetzen wird, wenn Sie geruhen, ihm Gehör zu schenken. Ich glaube, wenn Sie ihn gehört haben, werden Sie den Rat nicht schlecht und das Vorgehen nicht ungehörig finden; zum mindesten werden Sie in Ihrer Klugheit erkennen, dass ich nichts will als die Ruhe und das Glück Frankreichs. Freilich will ich nicht verhehlen, dass es auch mein Wunsch wäre, es möchte auch für unsere arme Stadt gesorgt werden, dass sie nicht der Plünderung anheim fällt. Da ich aber annehme, unsere Sicherheit liege Ihnen auch am Herzen, so werden Sie das Interesse, das ich daran nehme und zu dem Gott mich verpflichtet hat, nicht verurteilen. Besonders da es sich nur auf das Wohl Frankreichs richtet und davon abhängt.

Damit will ich schließen, Monseigneur, und indem ich mich untertänig Ihrer Gewogenheit empfehle, bitte ich den lieben Gott, er wolle Sie in seiner Hut halten und Sie zunehmen lassen an allen Gaben seines Geistes, damit sein Name mehr und mehr verherrlicht werde durch Sie.

16. Januar 1561.

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