Calvin, Jean – An Lismanino in Krakau.

Calvin, Jean – An Lismanino in Krakau.

Nr. 686 (C. R. – 3564)

Vgl. 685. Über Stancaro vgl. 629.

Scharfer Tadel wegen der Begünstigung Blandratas.

Deinen Brief vom 15. Mai hat mir erst jetzt dieser Bote übergeben, und ich sehe daraus, dass du damals meinen letzten noch nicht erhalten hattest. Dein zweiter vom 1. September, den ich gleichzeitig erhielt, zeigte mir, dass der meinige verloren sei; denn da er in acht Monaten nicht in deine Hände gelangt ist, muss ich ihn wohl als verloren ansehen.

Was ich dir gleich sagen will: ich sehe nicht ein, warum du dich so ängstlich mühst, mich mit Blandrata auszusöhnen. Du hältst ihn für einen großen Mann. Also urteile meinethalben so, aber lass mich dafür auch denken, was ich denke. Du preisest seine Aufrichtigkeit; ich kenne keinen verschlageneren und treuloseren Menschen. Du willst keinen Makel von Ketzerei auf ihn kommen lassen; bei uns ist er mehr als genug handgreiflicher Gottlosigkeit überführt worden. Ich setzte mich dem Spott der Kinder aus, wollte ich dir willfahren. Herr Lismanino, du kennst mich schlecht, wenn du meinst, ich sei von so knechtischem, schmeichlerischem Charakter. Woraus schöpfst du die Zuversicht, ich würde dir zu lieb nicht nur den Vorwurf des Leichtsinns und der Lüge auf mich laden, sondern tatsächlich durch eine schändliche Lüge dem Satan die Tür auftun, Schaden anzurichten? Ich möchte wohl, unsere Freundschaft bliebe stets bestehen, aber dieser Preis ist mir zu hoch. Wenn du so fortfährst, so suche dir andere Freunde, denen du vorschreiben kannst, die Gebote der Wahrhaftigkeit und der Kirche zu verletzen. Giorgio Blandrata, ein nichtswürdiger Mensch, brachte uns mit der Schlauheit eines Fuchses und Schmeichelredners bei, er sei nach Genf gekommen, um in der Schule Christi vorwärts zu kommen. Später entdeckte man, welch ein Mensch er war, und, da er versucht hatte, mit bösen Irrlehren viele zu verführen und zu verhexen, wurde er zurechtgewiesen, immerhin mit solcher Mäßigung, dass ein brüderlicher Verkehr unter uns noch möglich war. Weil er nicht aufhörte mit seinem Tun, wurde er vors Konsistorium geladen und dort wieder scharf verwarnt, aber doch nur so, dass er selbst unsere Freundlichkeit noch lobte. Obwohl ihm nun von niemand irgendwelche Gefahr drohte, ließ er sich von einem Wahn erschrecken, (so plagte ihn sein böses Gewissen), und wurde plötzlich flüchtig. Welch hartnäckiger Ketzer er war, ist aus dem Zeugnis Herrn Pietro Martire über ihn zu ersehen. Er kommt nach Polen; durch den Einfluss des Herrn Francisco Lismanino wird er ins Oberpresbyterium gewählt. Calvin will aus frommer Sorge der Gefahr entgegentreten, die damit den polnischen Kirchen droht, und deckt das versteckte Gift auf. Herr Lismanino wirft sich zum Schiedsrichter auf und verkündet die fürchterlichsten Dinge, wenn nicht Blandratas Gottlosigkeit gleich mit herrlichen Lobeserhebungen zugedeckt werde. Hat dich zurzeit die persönliche Liebe zu Blandrata blind gemacht, so sammle dich etwas und fange an zu erkennen, klug wie du bist, dass du nicht nur mir gegenüber ungerecht warst, sondern auch der ganzen Kirche Christi großes Unrecht getan hast. Und nun schiltst du mich noch, als hätte ich undankbar und böswillig einen Liebesdienst von dir verschmäht. Du darfst dir übrigens nicht einbilden, wir seien von Christoph von Leopolis, dem Schüler Stancaros, angeführt worden. Er hat alles versucht und nichts unterlassen zu Eurer Verdammung; aber er konnte uns nicht dazu bringen. Ja, ich habe seine Verleumdungen herzhaft abgewiesen. Ich habe auch Stancaro geschrieben, dass es ungerecht wäre, seine Anklage gegen Euch anzunehmen, da es ja seine Gewohnheit sei, auch die Allerbesten grausam zu beschuldigen. Ja, weshalb ist uns Stancaro so feind, warum wirft er sich mit seiner ganzen Maßlosigkeit auf uns, als weil wir brüderlich die Verteidigung Eurer Sache übernommen haben? Euch zu Nutzen trugen wir keine Bedenken, den wütenden Hund zu reizen; auch jetzt verachten wir ruhig all sein Bellen und Beißen, mit dem er uns angreift. Indessen hegt Ihr den schlimmsten Feind Eurer Wohlfahrt und unserer gemeinsamen Lehre, und ich soll nicht einmal die Freiheit haben, Euch ruhig warnen zu dürfen vor ihm? Sobald du zu dir selbst kommst, wird deine Frömmigkeit und deine außerordentliche Freundlichkeit deiner Verirrung ein Ende machen; meinetwegen aber soll der Bestand unserer Freundschaft unverletzlich sein, nur darfst du mich nicht hindern, meiner Pflicht gemäß zu wandeln. Lebwohl, hochberühmter und hochverehrter Bruder. Der Herr sei mit dir; er leite dich und erhalte dich gesund. Meine Kollegen lassen dich auch vielmals grüßen.

Genf, 9. Oktober 1561.

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