Calvin, Jean – An Francois Daniel in Orleans.

Calvin, Jean – An Francois Daniel in Orleans.

Nr. 619 (C. R. – 3162)

Vgl. 606, 614.

Die alte Freundschaft.

Dein Sohn ist nach deinem Geheiß mit seinem Vetter abgereist. Du urteilst ganz richtig, die Charakteranlage des jungen Mannes, der sich in seiner Beweglichkeit bald hierhin, bald dorthin ziehen lasse, brauche eine gewisse Zügelung; besonders damit er auf einem Studiengebiet bleibe und sich eine gründliche Bildung erwerbe, statt ehrgeizig umherzuschweifen und von jeder Wissenschaft nur zu naschen. Er zeichnet sich durch scharfes Urteil aus und ist bisher mit Erfolg unterrichtet worden. Wird nur sein unbändiger Übereifer, ein Fehler aller jungen Leute, im Zaume gehalten, so wird er gute Frucht bringen. Ich verlasse mich darauf, er wird es tun; denn er ist doch auch wieder bescheiden, und schon die kurze Zeit hat ihm etwas mehr Reife gegeben. Ist es dein Wunsch, dass er sich ernsthaft mit dem Zivilrecht beschäftige, so musst du ihn dazu schon noch antreiben; denn er hat sonst keine besondere Neigung dazu. Die 7 Gulden 30 Batzen, die er von mir erhalten hat, sind mir zurückgezahlt worden. Ich schämte mich wirklich, sie anzunehmen, da ich ja von alten Zeiten her noch dein Schuldner bin. Wäre ich nur ein wenig reicher, ich hätte mir auch nicht einen Heller von dir zurückzahlen lassen, aber die Überzeugung möchte ich dir nun geben, dass ich dir jetzt ganz verpflichtet bin und dass mein bisschen Besitz dir den Deinen stets zur Verfügung steht. Nur was ich schon öfters vorhatte, will ich jetzt tun; hier schicke ich deinen beiden Töchtern als Neujahrsgeschenk je einen Henri d´ or, damit sie wenigstens ein kleines Pfand meiner Dankbarkeit erhalten. Lebwohl, trefflicher Mann, bester Bruder. Die Freunde lasse ich vielmals grüßen. Der Herr behüte dich und die Deinen; er leite und stärke Euch allezeit.

12. Februar 1560.
Dein
Carolus Passelius.

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