Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (544)

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (544)

Nr. 544 (C. R. – 2740)

 

Vgl. 527. 542. Weggelassen eine Empfehlung.

Über Farel und Beza. Wieder über das Religionsgespräch.

Durch göttliche Fügung ist unsern Brüdern Farel und Beza kürzlich wieder Gelegenheit geboten worden, bei ihrer neuen Reise nach Worms durch eine Bezeugung ihres korrekten Glaubens das Ärgernis, das bei Euch durch einen falschen Verdacht entstanden, aus der Welt zu schaffen. Ich war gleich fest davon überzeugt, dass sie, wie Beza mir hoch und heilig beteuerte, ihr damaliges Bekenntnis nur deshalb verschwiegen haben, weil sie es überhaupt nicht für wichtig genug hielten, um es zu erwähnen. Dass sie es mir aus irgendwelcher Befürchtung verheimlicht hätten, schien mir stets unglaublich. War das Bekenntnis infolge seiner Kürze auch etwas zweideutig oder unklar, so zweifelte ich doch nie daran, dass sie nicht zehnmal liebe stürben, als von unserm Consensus auch nur ein Haarbreit abzuweichen oder auch nur ihre Übereinstimmung mit uns nicht offen zuzugestehen. So ist denn Gwalther gar zu ärgerlich über mich und sie hergefahren. Ich sehe nicht ein, wie es dich verletzen kann, dass ich [Melanchthon] von einem Versprechen schrieb; du sagst, es stehe nicht in der Macht eines einzelnen, von sich aus etwas zu versprechen in einer Sache, die alle angehe. Nun, ich glaubte, das sei unter uns durchaus abgemacht, dass wir gegenüber einer förmlichen Einladung zu einem Religionsgespräch keinen rechten Grund und keine triftige Ausrede hätten, abzulehnen. Übrigens kannst du aus Melanchthons Brief selbst sehen, was ich an ihn geschrieben habe; seine Worte zeigen, dass nichts wünschenswerter wäre, als wenn er offen zu uns überginge. Jakob Andreäs Stellung ist eine andere; doch wäre auch er ganz gut zu gewinnen, wenn er sich nicht vor Brenz fürchtete.

– – – Lebwohl, hochberühmter Mann und verehrter Bruder, samt deiner Frau und deinem ganzen Haus. Der Herr erhalte Euch stets gesund; er leite Euch mit seinem Geiste und segne Euch. Deinen Kollegen viele Grüße, bitte.

Genf, 13. Oktober 1557.
Dein
Johannes Calvin.

Den Brief Melanchthons schicke bei nächster Gelegenheit zurück.

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