Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (543)

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (543)

Nr. 543 (C. R. – 2733)

 

Über den Genfer Buchdrucker Crispin vgl. 499. In Paris wurden am 27. September 1557 Madame de Luns, in deren Haus die aufgehobene Versammlung stattgefunden hatte, und zwei Aufseherinnen der evangelischen Gemeinde verbrannt. Bullinger hatte seinen Kommentar über die Offenbarung den in Genf niedergelassenen Refugianten gewidmet.

 

Von der Waldenserverfolgung.

 

Da unser lieber Crispin, der, wie ich von andern höre, mir einen Brief Melanchthons bringen soll, noch nicht von der Messe zurück ist, so schiebe ich es jetzt auf, über manches zu schreiben, bis der junge Mann, durch den du mir einen Brief sandtest, wieder zurückreist. Für jetzt will ich dir nur über die Lage unserer Brüder in Frankreich berichten. Die Waldenser in den Alpen werden wieder verfolgt, nicht nur vom Turiner Gerichtshof, sondern auch von dem zu Grenoble; denn zwei Täler gehören zu dessen Gebiet. Es sind viele nach Grenoble abgeführt worden, während man sie nur vorgeladen hatte, über ihren Glauben Rechenschaft zu geben. Allen ist ein Tag festgesetzt worden, an dem sie zu den Gräueln des Papsttums zurückkehren sollen. Wer einen Diener am Wort oder einen Schulmeister fängt, dem ist pro Kopf ein Preis von fünfzig Goldgulden versprochen; es ist beschlossen, sie mit Waffengewalt zu fangen, wenn sie nicht innerhalb der gesetzten Frist Gehorsam leisten. In Paris fanden schon vor acht Tagen drei Verbrennungen statt. Ist es auch wahrscheinlich, dass die Feinde durch die Hinrichtung einzelner allen Schrecken einjagen wollten, so werden wir doch bald, wenn die andern standhaft bleiben, hören, dass auf allen Plätzen von Paris die Scheiterhaufen lodern. Der Pharao ist scheints durch die Niederlagen im Krieg nur soweit aus seiner Schläfrigkeit aufgerüttelt worden, dass er umso grausamer gegen die Frommen wütet. Der Herr hemme all sein Toben!

 

Dass du deinen Kommentar unsern Refugianten gewidmet und dadurch deine Liebe zu uns öffentlich bezeugt hast, dafür werden dir unsere Fremden gemeinsam danken, und sie möchten dir, wenn sie Gelegenheit hätten, ihre Dankbarkeit in der Tat noch mehr zeigen. Auch halte ich es für meine Pflicht, dies Wort sozusagen als Zustimmung zu schreiben. Lebwohl, hochberühmter Mann und verehrter Bruder, samt deinem ganzen Haus und deinen Kollegen. Der Herr erhalte und leite Euch alle und segne Euch auch weiterhin bis ans Ende.

 

Genf, 7. Oktober 1557.
Dein
Johannes Calvin.

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