Calvin, Jean – An Vermigli in Zürich.

Calvin, Jean – An Vermigli in Zürich.

Nr. 527 (C. R. – 2667)

Durch einen Brief Valerand Poulains hatten die Zürcher von Bezas und Farels Bekenntnis (vgl. 526) erfahren und sich über die Sache, die die beiden selbst ganz verschwiegen hatten, bei Calvin beschwert, der selbst erst nachträglich davon erfuhr. Beza konnte ihre Tat nur sehr schwach entschuldigen; doch trat Calvin auf seine Seite und sucht den Freund in beschönigender Weise gegenüber den Zürchern zu verteidigen. Das Bekenntnis war in Wahrheit gar nicht das Resultat eines Gesprächs mit dem württembergischen Theologen Andreä. Weggelassen ist ein durch Unvollkommenheit des Textes unverständlich gewordener, aber, wie es scheint, mit dieser Sache nicht zusammenhängender Abschnitt.

Bezas unlauteres Bekenntnis.

Mit Farels und Bezas Bekenntnis ging es mir wie dir. Sie erwähnten bei ihrer Rückkehr gar nichts davon. Als mich kurz darauf ein Freund darauf aufmerksam machte, dass allerlei Gerüchte umliefen, zog ich Erkundigungen ein und warf auch Beza vor, dass er mir eine so wichtige Sache verschwiegen habe. Er antwortete, weil er auf Jakob Andreäs Bitte nur die Hauptpunkte einer Tags zuvor gehabten Unterredung aufgeschrieben habe, so habe er befürchtet, sich durch Veröffentlichung einer solchen privaten Aufzeichnung den Tadel bösen Ehrgeizes zuzuziehen; weil er sich also fürchtete, mit seinem Wirken zu prahlen, hat er etwas verschwiegen, dass zu wissen für uns von Interesse war. Hat mir dies damals missfallen, so freut es mich jetzt doch, dass es den beiden gar nicht in den Sinn kam, mir davon zu erzählen, da du daraus umso deutlicher siehst und ich umso bestimmter versichern kann, dass sie wirklich nicht hinterlistig gehandelt haben oder dass sie jemand nicht trauten. Diese Entschuldigung würde dich und die andern, wenn Ärgernis entstanden sein sollte, leicht befriedigen können; nun aber kann dich bei deiner freundlichen Gesinnung gewiss diese zwar recht unbedachte Scheu Bezas nicht verletzen. Weil ich aber weiß, dass Valerand nichts anderes vorhat, als durch indirekte Verleumdungen und heimliche Intrigen unsere brüderliche Eintracht zu zerstören, so ist mir mit Recht alles verdächtig, was von diesem Menschen kommt; damit er nicht etwa etwas Unrichtiges unterschieben kann, sende ich dir eine von Beza mir gegebene Abschrift des Bekenntnisses, dessen Klarheit und Ehrlichkeit, wenn ich mich nicht sehr irre, auch dir gefallen wird. Wenn er auch nicht alles Einzelne präzis ausdrückt, weil er das im Augenblick für nicht am Platze hielt, so finde ich doch nichts Zweideutiges und Unklares darin. Ich gebe zu, es steht nicht alles darin, was eine vollständige Erläuterung der Abendmahlsfrage eigentlich erforderte; doch entschuldige ich das einfach damit, dass sich dazu eben keine Gelegenheit bot. Sicher können die Gegner, so sehr sie darauf aus sind, Euch zu fangen, Euch daraus gewiss keine Schlinge legen.

– – Lebwohl, hochberühmter Mann und von Herzen verehrter Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er leite und segne dich. Herrn Bullinger und den andern Kollegen viele Grüße.

Genf, 20. Juli 1557.
Dein
Johannes Calvin.

Unser lieber Herr Marchese, der Graf [di Martinengo] und die übrigen lassen dich grüßen.

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