Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (526).

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (526).

Nr. 526 (C. R. – 2640)

Farel und Beza waren im April nach Deutschland gereist, um die süddeutschen Fürsten zu einem Vorgehen zugunsten der Waldenser und Hugenotten zu veranlassen; in Baden hatten die beiden zu Händen der pfälzischen Lutheraner und Christophs von Württemberg ein sehr stark lutheranisierendes Bekenntnis aufgestellt und unterschrieben; Calvin wusste noch nichts von diesem Verrat an der reformierten Sache, durch den die Abgesandten den Herzog halbwegs für ein Religionsgespräch gewonnen hatten.

Herzog Christoph einem Religionsgespräch geneigt. Vom Bekenntnis der böhmischen Brüder.

Drei Briefe habe ich in den letzten zwei Monaten von dir erhalten, trefflicher Mann und verehrter Bruder. Im ersten schriebst du, Herr Pietro Martire und Herr Gwalther würden nach Genf kommen; dich hindere deine schwache Gesundheit daran. Ein privates Religionsgespräch, meintest du, werde auf wenig Erfolg hoffen lassen, da Brenz, ein verstockter und von seinen krassen Wahnideen viel zu sehr eingenommener Mensch, überall die erste Rolle spiele. Obwohl auch ich mehr als einmal bezeugt habe, dass ich die Gefährlichkeit solcher Zusammenkünfte wohl sehe, so wollte ich doch nicht ausweichen, damit die Gegner nicht triumphieren können, wie getrauten uns nicht. Da mir nun unsere lieben Brüder Farel und Beza berichtet haben, wenn sich Gelegenheit zu einem Gespräch biete, so seiest du von dir aus geneigt, sie zu ergreifen, so brauche ich darüber nicht lange zu reden; nur möchte ich dich noch recht sehr bitten, dass Euer Rat auf deine Mahnung hin auch die Berner dazu bringe. Denn der gute Wille eines Fürsten, den wir uns Feind glaubten, darf nicht zurückgestoßen werden, und die Sache hat Eile, damit Herzog Christoph rechtzeitig erfährt, dass unsere Wünsche seinem Plane entgegenkommen. Da du aber diese ganze Last auf dich nehmen musst, so ist, wenn du nicht eilst und energisch darauf dringst, zu befürchten, dass andere absichtlich durch ihr Stillschweigen die Zeit versäumen. Da es nun gut wäre, ja fast notwendig, einen passenden Zeugen zu senden, der den Herzog von Württemberg an sein Versprechen erinnert, so überlege es dir, ob nicht unser lieber Beza mit einem oder mehreren andern hin gesandt werden sollte. Freilich, wenn du etwas anderes zu tun nötig findest, so möchte ich dir nicht das kleinste Bedenken dagegen wachrufen; denn Verzögerung wird’s von andrer Seite her noch mehr als genug geben. Ich wollte nur freimütig sagen und deiner Überlegung anheim stellen, was dir vielleicht auch von selbst in den Sinn gekommen wäre. Unser Glaubensbekenntnis wird eben jetzt, wenn man mir folgt, gar nicht erwähnt werden; denn wäre der Zutritt schwierig, so wäre es zwar wohl die beste Art sich einzuführen, unter den jetzigen Umständen aber könnte einer, der die Verhandlung hintertreiben wollte, uns vorwerfen, wir wollten schon vor dem Gespräch den andern [durch unser Bekenntnis] die Bedingungen vorschreiben; es ist auch gar nicht nötig, da der Herzog uns selbst zuvorgekommen ist. Ja, nichts wird unserer Sache förderlicher sein, als wenn wir als anerkannt voraussetzen, dass wir dieselbe Lehre bekennen und, den einen Punkt ausgenommen, unter uns in heiliger Übereinstimmung sind. Unsere Bekenntnisschrift aber würde auch über das, was bereits fest und klar ist, neuen Streit hervorrufen. Dem Vergerio habe ich nicht gesagt, was ich vorhabe. Bei Gelegenheit will ich Herrn Johann von Laski schreiben, dass er nicht in seinem Rigorismus die böhmischen Brüder aus unserer Gemeinschaft ausschließe; doch werde ich darin nichts tun ohne dein Mitwissen. Dem Überbringer dieses Briefes habe ich nur gesagt, der treffliche Herr von Laski sei zuweilen etwas streng; doch weil die Angelegenheit mir noch nicht klar sei, wolle ich nichts sagen; vor 16 Jahren, als ich noch in Straßburg war, hätten die böhmischen Brüder ein Bekenntnis gesandt, das dem guten Butzer und mir gefallen habe, später freilich sei mir eine Abschrift gezeigt worden, die einiges enthielt, was mir missfiel und was ich nicht zulassen wollte. Lebwohl, hochberühmter Mann und von Herzen verehrter Bruder, samt Herrn Martire und allen Kollegen. Meine Amtsbrüder lassen Euch alle ehrerbietig grüßen. Der Herr behüte Euch, stärke Euch und mache Euch reich an jedem Segen.

Genf, 30. Mai 1557.
In Wahrheit dein
Johannes Calvin.

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