Calvin, Jean – An die Pfarrer von Basel

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Basel

Nr. 335 (C. R. – 1593)

Vgl. 329 und 330. Weggelassen ist die Wiederholung der Episode mit dem 1. Kapitel des Epheserbriefs.

Weitere Verhandlungen mit Basel wegen Bolsec.

Wenn auch die Antwort, die Ihr in der Euch vorgelegten Frage gabet, weniger vollständig und klar war, als es vielleicht die Sache gefordert hätte, jedenfalls weniger, als wir es gehofft und gewünscht hatten, so haben wir Euern lauteren Eifer, uns zu helfen, doch mit Freuden daraus vernommen. Übrigens finden wir nichts in Eurem Gutachten, was nicht fromm und rechtgläubig wäre. Wenn ein solches Bekenntnis nur von Bolsec zu erhalten wäre! Dann hätten wir gar keinen Grund gehabt, Euch zu belästigen. Aber was wir von ihm behaupteten, er sei ein Mensch mit mehr als eherner Stirn, das beweist er jetzt selbst, wenn er lügt, er sei mit Eurem Urteil einverstanden. Er schämte sich selbst nicht, damit vor unserm Rat zu prahlen. Von der kräftigen Widerrede, die darauf erfolgte, beschämt, verstummte er endlich. Nun ist das Urteil darüber nicht schwer, ob er eine der Eurigen verwandte Lehre hat. Damit man unserm Brief und Zeugnis nicht allein glaube, hat ja unser Rat Euch die aus den Protokollen kopierten Antworten Bolsecs gesandt, in denen Ihr wörtlich findet, dass der Glaube nicht von der Erwählung abhänge; ferner die Erwählung geschehe nach dem Glauben; ferner es bleibe keiner in der Verblendung wegen der Verdorbenheit der menschlichen Natur, weil alle gehörig von Gott erleuchtet würden; Gott aber werde Schmach angetan, wenn man sage, manche würden von Gott in ihrer Verblendung gelassen, weil er es so beschlossen habe. Ferner alle vernünftigen Geschöpfe würden von Gott gezogen und keiner von Anfang an verlassen, als wer öfters Gott widerstrebt habe. Ferner wenn es heiße, aus steinernen Herzen würden fleischerne Herzen [Ezech. 11, 19], so heiße das nichts anderes, als dass die Menschen Herzen, fähig zur Annahme der Gnade, erhielten. Ferner, es seien durchaus nicht die einen mehr als die andern zur Seligkeit prädestiniert. – – – Solche Wahnideen mit Eurer Entscheidung zu vergleichen, kanns etwas Widersinnigeres geben? Ferne sei es von uns, zu behaupten, Ihr stimmet seinen Irrtümern bei, da doch Euer Brief deutlich sagt, dass Ihr ihnen ganz fern steht. Ja vielmehr haben wir, als der Schwindler versuchte, Euch für sich anzuführen, seinen Betrug aufgedeckt und seine Frechheit streng gezüchtigt. Dafür ist uns unser Rat der beste Zeuge, und als Bolsec verbannt wurde, ist nach feierlichem Brauch öffentlich verlesen worden, dass er die Gutachten der Kirchen, denen er sich zu fügen versprochen, hochmütig verachtet hat. Mag nun de Falais schreiben, der Mann sei gar nicht übel, und damit um eines unbekannten, windigen Gesellen willen seinen guten Ruf zum Gespött machen. Bald wird sichs zeigen, und zu größerem Schaden der Kirche als uns lieb ist, wie schädlich dieser gefährliche Mann gewesen ist. Denn dass Bolsec auch noch andere ungeheuerliche Irrtümer im Herzen hegt, dafür gibt’s manchen guten Zeugen, auch im Bernbiet. Und nun hat er, der doch offen Euern Glauben anficht, in lügenhaft geheuchelter Übereinstimmung versucht, Euch einen Brief abzulocken, um dann bei ungebildeten, schlichten Leuten damit Missbrauch zu treiben. Ihr habt gegen uns freundschaftlich gehandelt, wie es sich für Brüder ziemte, dass Ihr die Antwort aufschobet, bis Ihr Bericht hattet über die ganze Sache; auch war es Eurer Klugheit würdig, richtig und wohlgetan, dass Ihr Euch nicht von der Schlauheit dieses gott- und treulosen Gesellen umgarnen ließet. Wie Euer Maßhalten großen Lobes wert ist, so werdet Ihr auch Furcht davon ernten, hoffe ich. Für die Freundlichkeit, die Ihr uns erwiesen habt, sagen wir Euch warmen Dank. Lebt wohl, Ihr trefflichen Männer und von Herzen verehrten Brüder. Der Herr behüte Euch samt Eurer Kirche uns segne Euch.

[Genf, Januar 1552]

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